Worin könnten die Beweggründe der vielen SuS liegen, die sich erst zu einer Nachprüfung anmelden, dann aber doch gar nicht erscheinen?
Meine Vermutung auf Basis der Aussagen der Schüler, die ich nachher noch einmal ansprechen konnte:
Viele Schüler sind bei uns in den Vollzeit-Bildungsgängen, weil sie keine Lehrstelle bekommen haben oder generell nach Abschluß der Klasse 10 noch gar keinen Plan hatten was sie beruflich in ihrem Leben mal erreichen wollen. Die sind dann wirklich anwesend, weil die Schulpflicht es vorschreibt. Wenige sagen einem auch direkt ins Gesicht: "Ich bin hier, damit meine Eltern Kindergeld bekommen."
Im Laufe des ersten Jahres im Vollzeit-Bildungsgang wird ihnen dann klar wohin die Reise beruflich gehen soll, also ob nun eher technisch, kaufmännisch, sozial, ... oder sie finden doch noch eine Lehrstelle, nehmen diese direkt an und brechen die Vollzeitausbildung ab. Regelmäßig verliere ich so im Laufe des ersten Jahres in den Vollzeit-Bildungsgängen ca. 50% der Schüler.
Ähnlich läuft es bei den Anmeldungen. Von 80 Anmeldungen in einem Bildungsgang kommen am ersten Schultag ca. 50-60 Schüler, weil die Anderen doch zwischendurch noch eine Lehrstelle bekommen haben. Bei den Nachprüfungen ist es ähnlich. Zwischen den Zeugnissen und den Nachprüfungen liegen ja 6 Wochen. Die Schüler, die sich zwischendrin umentschieden haben, was ihre Ausbildung angeht oder die eine Lehrstelle bekommen haben, melden sich doch nicht wieder ab.
Es kann manchmal helfen, wenn man die Dinge als gegeben nimmt, aha, soundsoviel Prozent treten die Prüfungen offenbar nicht an, so ist das halt. Das ändert nix an deinen Aufgaben als Lehrkraft.
Das ändert zwar nicht an meinen Aufgaben als Lehrkraft, es ändert aber ganz massiv etwas an meinem Arbeitsaufwand als Lehrkraft. Ich hatte z.B. im letzten Schuljahr zwei Schüler, die innerhalb des Jahres zweimal den Bildungsgang gewechselt haben und am Ende dann aufgrund miserabler Noten und einer noch bestehenden Schulpflicht ein drittes Mal (jetzt zwangsweise) den Bildungsgang wechseln mußten. Also dreimal Abgangszeugnisse erstellen, dazu noch Mahnungen wegen Fehlzeiten, Teilkonferenzen, ...
Klar ist das alles meine Aufgabe, aber auch ich bin nur ein Mensch mit einer 41-Stunden/Woche und je mehr Zeit bei diesen einzelnen Schülern bei drauf geht, desto weniger bleibt für die Schüler übrig, die den Bildungsgang erfolgreich abschließen wollen und eben nicht bloß wechseln, weil in dem anderen Ausbildungsgang im Stundenplan 6 Wochenstunden weniger drin stehen (weil zwei Kolleginnen gerade im Mutterschutz sind). Das Argument mit den Wochenstunden habe ich nicht erfunden, das haben sie mir direkt gesagt, als ich nach den Gründen für den Bildungsgangwechsel gefragt habe.