Ich kann mich erinnern, als der Englischunterricht an bayerischen Grundschulen eingerichtet wurde. Damals ging es, wenn ich mich richtig erinnere, um das spielerische Heranführen an Fremdsprachen im Allgemeinen, also gar nicht so auf Englisch bezogen. Vielleicht ließe sich ja sowas in zeitlich reduzierter Form irgendwie erhalten.
Ansonsten: In den Anfangszeiten kam es immer wieder vor, dass Grundschullehrer ohne Englischquali auch Englisch unterrichtet haben. Das habe ich auch kritisch gesehen, im Sinne des sprachlichen Vorbilds, das ja eine so große Rolle im Fremdsprachenunterricht spielt. Inzwischen gibt es aber ja recht viele ausgebildete Grundschullehrerinnen mit Fach Englisch.
Da du von Bayern schreibst:
Das mit dem spielerischen Herangehen an die Sprache war ein bisschen zu wenig (viele haben in der Anfangszeit nur gesungen und gespielt). Das hat man schnell erkannt, da das intuitive Sprachbad in Klasse 3/4 halt doch nicht funktioniert. Deswegen hat man in den Englischunterricht mehr Niveau reingebracht (u.a. auch, nachdem man gemerkt hatte, dass die Anschlüsse an die weiterführenden Schulen überhaupt nicht stimmen) und nur noch auf Englisch kanalisiert.
Da man viel Wert auf die mögliche Einsprachigkeit legte, musste man von Anfang an in Bayern für die Grundschule einen mündlichen Sprachtest machen, den nicht alle bestanden. Die Bewertung unterlag einem Punktesystem und man musste eine gewisse Anzahl von Punkten erreichen. Wenn man in einem Bereich etwas schwächer war - Aussprache, Grammatik oder Wortschatz - wurde einem eine sprachliche Fortbildung ans Herz gelegt. Außerdem machte man im Anschluss an die Prüfung einen Vollzeit- Didaktikkurs - also Fortbildung den ganzen Tag - ich glaube, meiner war eine Woche lang. Den fand ich sehr gewinnbringend. Da hat man sich von den Organisatoren schon ins Zeug gelegt, uns gut fortzubilden - mit didaktischen Ansätzen, native speakers und Unterrichtshospitation. Zusätzlich hat man noch Sprachaufenthalte für Englischlehrer in England angeboten.
Interessanterweise musste man für die Mittelschule keine Eignungsprüfung machen, sich aber über bestimmte Englischmodule fortbilden.
Die ursprüngliche Intention war, dass man den Englischunterricht beim Klassenlehrer (der die Eignung hatte) belässt, damit man immer mal wieder kleine Module im Unterrichtsalltag einbauen kann. Es war nicht unbedingt gefordert, volle 45 Minuten Englisch zu machen. Ich fand das gut, ich habe das auch so gemacht und es hat den Unterrichtsvormittag zusätzlich rhythmisiert. Der Vorteil war, dass ich im Klassenzimmer eine Englischwand hatte, Englischmaterialien in der freien Arbeit benutzt werden konnten und ich im Wochenplan Englischaufgaben einbaute. Das bereicherte das Angebot. Da nicht alle den Eignungstest machen wollten, war man dann zusätzlich
gezwungen, in anderen Klassen Englisch zu unterrichten, da musste man
dann die Englischstunden komplett dann machen, wenn sie stundenplanmäßig
dran war.
Ich war jemand, der Englisch sehr gern unterrichtete und ich hatte durch einige Reisen in englischsprachige Länder und grundsätzlicher Freude eine englisch zu sprechen auch einen emotionalen Bezug zu dem Fach. An Kolleginnen, die den Eignungstest mit didaktischer Fortbildung machten, gab es solche und solche: Manche waren eher so wie ich, anderen war Englisch eher lästig, hatten aber auch kaum einen Bezug zur Sprache. So sah dann auch der Umgang mit dem Englischunterricht aus.