Die Diskussion um die Abschaffung der Notengebung in den genannten drei Fächern gab es immer wieder. aber ich sehe es ebenso wie der Verband, dass dann die Akzeptanz der Fächer (weiter) schwindet. Gerade als Fachlehrer in Musik und Kunst hat man es besonders schwer, oft werden diese Stunden zusammen mit Religion an die Randstunden gelegt. So zumindest meine Erfahrungen in Musik - in meinen jüngeren Lehrerjahren habe ich einmal eine Zeitlang Musik in der Hauptschule unterrichtet. Sport musste ich einmal am Nachmittag bei einer völlig unmotivierten Mädchengruppe in der Pubertät unterrichten. Da der Sport mit einer anderen, damals erfahrenen Lehrerin geteilt war, musste ich abwechselnd Bodenturnen (da hatten die Mädchen Null Bock) und Volleyball/Basketball unterrichten. Letzteres ging etwas besser. Da ich eine von drei Sportstunden in dieser Gruppe unterrichtete, war mein Noteneinfluss gering.
In der Grundschule habe ich in Sport, obwohl es meine eigene Klasse war, immer Schwierigkeiten gehabt, die genauen Lernfortschritte zu dokumentieren und mir zu merken. Das ist einfach eine Überforderung, wenn da die Gesamtklasse von 26 Schülern und mehr herumspringt und man die Sicherheitsbedingungen überwachen muss und sich auf den Unterricht konzentriert. Ich habe dann meistens nach einer Lerneinheit pro Disziplin Noten gemacht und einzelne Schüler oder Gruppen von Schülern etwas vormachen lassen. Da hat man schon gesehen - der eine war besser im Ballspiel (da war die Mitgliedschaft im Verein der Vorteil), aber dann evtl. nicht ganz so gut bei irgendwelchen Sprüngen. Insgesamt rundum sportlich sehr gute Schüler waren dann vielleicht nicht ganz so teamfähig bei Gemeinschaftsspielen. Dennoch haben sich dann letztendlich doch etwas differenzierte Noten herauskristallisiert, allerdings konnte man bei nicht so bewegungsaffinen Schülern die Anstrengungsbereitschaft erkennen. Sport ist in der Grundschule grundsätzlich beliebt, auch bei nicht so sportlichen Kindern.
In Musik muss man sich nicht auf die Theorie beschränken um eine "gerechte" Note zu finden. Auch da ist es etwas "ungerecht", denn die, die ein Instrument spielen, tun sich wesentlich leichter mit der Musiktheorie, sprich Notenlehre und überhaupt mit dem Notenlesen und den dazugehörigen theoretischen Hintergründen, auch was den Aufbau der Melodieführung betrifft. Wenn man reine Musikgeschichte und Komponistenbilder, auswendig gelernte Musikstile abhört, dann ist das eine kognitive Leistung, bildet aber den Musikunterricht nur halb ab. Referate sind für jeden machbar.
Musik ist aber auch ein praktisches Fach. Man kann in der Grundschule praktische Elemente, die jeder leisten kann und die zum Musikunterricht dazugehören, benoten. Ich habe gerne einmal Rhythmen eingeübt und diese abgehört. (Hier konnte man schon unterschiedliche rhythmische Begabungen sehen, aber ganz schlecht ist nach einer gewissen Übung niemand, im Gegensatz zu kognitiven Arbeiten.) Oder ich habe Schüler zu Musik kreativ tanzen lassen und dies benotet. Einzeln vorsingen habe ich in der Grundschule nie etwas lassen - mit der Zeit merkt man, wer stimmlich ziemlich sicher ist. In meinen früheren Jahren in der Hauptschule habe ich die Schüler wählen lassen, was sie als "Kür" machen wollen, um eine praktische Note zu erhalten: einen kleinen Text mit Orff gestalten, etwas vorsingen oder auf dem eigenen Instrument etwas vorspielen. Eigenes Instrument oder vorsingen wären heute wahrscheinlich umstritten.