Ich wollte mich hier schon länger mal etwas ausführlicher äußern, jetzt habe ich mal die Zeit dazu:
Das Weiterbildungskolleg ist eine Schulform mit ganz besonderen Vor- und Nachteilen. Die Realität ist, dass die Schülerzahlen sinken und WBKs geschlossen werden, insbesondere im Rheinland und im Ruhrgebiet, wo es für ein räumlich begrenztes Einzugsgebiet noch zu "viele" Schulen gibt. Normalerweise lächele ich auch über Dinge wie Weihnachtsbasare und was die Regelschulen nicht alles veranstalten. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Die Regelschulen haben nur in begrenztem Maße mit sinkenden Schülerzahlen zu tun, alleine aufgrund der räumlichen Zuteilung, während an den WBKs die Schülerzahlen im freien Fall sind. Daher ist es gerade gut, wenn Kollegen Aufgaben übernehmen, die das Profil der Schule stärken und öffentlichkeitswirksam sind.
Ja, am WBK hat man eine Schülerschaft, die sicherlich schwierig sein kann und deren psychische Vorgeschichte uns häufig vor große Herausforderungen stellt. Einige Studierende sind sehr fordernd und dreist, fehlen häufig, wenig leistungsbereit usw. Aber im Großen und Ganzen sind das Einzelfälle. Ich persönlich empfinde am WBK eine sehr große Wertschätzung meiner täglichen Arbeit, sicherlich nicht jeden Tag, aber die Resonanz derer, die Abschlüsse erreichen ist in der Regel die erste positive Schulerfahrung ihres Lebens. Ich kenne aber auch Kollegen, die an der angeblich mangelnden Wertschätzung der Studierenden zerbrechen. Es ist eine Typfrage.
Und jetzt nochmal dazu, ob es sich lohnt, sich anzustrengen: Ja, das tut es. Ich habe mich in den mittlerweile fast 6 Jahren an der Schule in fast sämtlichen möglichen Bereichen eingebracht, mich um Belange der Fachschaft gekümmert und wirklich verschiedenste Aufgaben übernommen. Meinen Unterricht plane ich aber in der Regel nicht mehr sehr detailliert, das gebe ich zu. Da habe ich meinen Fundus, mit dem ich in der Regel gut klar komme, den ich dann nur gelegentlich auf die Lerngruppe anpasse. Ich finde klassichen Matheunterricht nicht verwerflich und erhalte ein positives Feedback. Ich hatte ein bisschen Glück gehabt, dass ich der erste "jüngere" Kollege seit vielen Jahren war. Ich mache seit Jahren eine planerische Aufgabe, die mir als Mathematiker auch sehr liegt und habe kürzlich für diese Aufgabe A14 erhalten. Ich habe aber auch seit Bewerbung artikuliert, dass ich Beförderungsambitionen habe. Ich übernehme übrigens keine Aufgaben, die ich persönlich sinnlos finde.
Tldr: Lohnt sich (wenn man sich nicht selbst ausbeutet).