Beiträge von symmetra

    Die Schweizer Politik hat heute an einer PK verkündet, dass es neue Massnahmen nur noch geben wird, sollten die Hospitalisierungen wieder deutlich ansteigen. Infektionszahlen sind ab sofort kein Kriterium mehr für irgendwas, es zählen nur noch Erkrankungen. Was ich persönlich auch absolut richtig und sinnvoll finde. Was soll die ganze Impfkampagne denn wenn wir bis an den St Nimmerleinstag weiter Masken tragen. Die Impfung hat genau ein Ziel: Wiederherstellung der Normalität.

    Das sehe ich auch so. Ich hoffe auch, dass sich Großbritanniens Weg auszahlen wird. Mit den Deltas dieser Welt werden wir wohl leben müssen, denn solange die 3. Welt nicht durchgeimpft ist, sollte man sich lieber ein paar neue griechische Buchstaben überlegen.

    Mal was anderes: Ich will nie nie nie wieder einen Lockdown. Echt. Noch mal so ein Winter und ich kann wieder in die Therapie. Merke gerade, wie sehr mir Sport gefehlt hat. Das Gerede von potenziellen Lockdowns in der Zukunft erzeugt bei mir sofort auch eine innere Leugnung à la ‚Nein, Quatsch, übertrieben….‘, obwohl ich natürlich verstehe, warum das geäußert wird. Aber emotional fällt es mir immer schwerer das zu akzeptieren und noch mal durchstehen zu wollen. Geht das wem ähnlich?

    Das Land ohne Sicherheitsnetz (USA) ist im Impfen gar nicht so weit hinten und manche Staaten mit recht guten Sicherheitsnetzen sind weiter hinten. Das ganze ist keine Frage von Freiheit gegen Sicherheit, sondern allein von Geld. Umgekehrt ist es allerdings auch genau dieses Geld, dass eine Impfstoffentwicklung in Rekordzeit ermöglicht hat. Man kann nicht Kapitalismus ist böse schreien und gleichzeitig ignorieren, dass genau dieses System die besten Anreize zu einer solchen Geschwindigkeit bietet...

    Na ja, komm. Dass der Staat Kohle für die Forschung locker gemacht hat ist nun nicht Zeichen eines funktionierenden Kapitalismus. Geld ausgeben /= Kapitalismus

    Ein Abteilungsleiter einer Gesamtschule hat es mir in einem vertraulichen Gespräch so beschrieben: "Wir sitzen bei den Zeugniskonferenzen da und wissen, daß wir gewissen Schüler eigentlich kein Abschlußzeugnis oder auch nur ein Versetzungszeugnis geben dürfen. Aber wenn wir das Problem nicht mittels Abschlußzeugnis lösen, verlieren wir im nächsten Schuljahr die Kollegen x,y und z, weil die dann in den Burn-Out gehen, wenn sie die Schüler noch länger ertragen müssen. Da ist uns dann die Gesundheit und die Arbeitskraft der Kollegen wichtiger, also winken wir die Problem-Schüler durch."

    Das finde ich aber ehrlich gesagt sehr rückgratlos, auch wenn ich das Ansinnen verstehen kann. Also dürfen diese SuS dann die Lehrkräfte an der Berufsschule und ihre Ausbilder terrorisieren? Das kann ja nicht die Systemantwort im Umgang mit dieser Art Schüler sein, die wird es ja immer geben.

    Es ist aber auch ein bisschen schick, sich über die schwachen Leistungen zu beklagen. Und natürlich ist immer die abgeben de Schule Schuld. Wenn einer keine Texte verfassen kann, dann bringt's ihm doch bei oder gebt ne 6? So als pragmatischen Vorschlag. Weil aufs "System" schimpfen wird irgendwann ja auch langweilig.

    Ist mir auch aufgefallen, auch im Lehrerzimmer meiner Schule und ich will mich da gar nicht mal als Unschuldslamm verkaufen. Ein bisschen hat es immer etwas von Echauffieren und diesen Zungenschlag spüre ich in einigen Beiträgen in diesem Thema auch teilweise. In Englisch mache ich mich davon frei und setze einfach gar nichts voraus und wiederhole ,,alte‘‘ Sachen noch einmal, wenn ich sie brauche. Ich glaube, dass man sich so die positive Einstellung gegenüber den SuS eher bewahren kann als wenn man sie permanent als ungebildet empfindet und sich darüber aufregt.

    Ich glaube aber schon, dass das Problem systemisch begriffen werden muss, denn auch ,,durchwinken‘‘ ist m.E. schon fest institutionalisiert. Ebenso spielen auch Faktoren wie politische Ziele (Hochschulabsolventen) und Elterndruck (Abstiegsangst) in das Feld mit hinein. Dazu kommt, dass zumindest wir un unserem BL ab einer 4- auch Förderpläne schreiben und besprechen müssen. Ich hatte davon im letzten Schuljahr schon ca. 8 zu betreuen und ganz ehrlich, irgendwann hatte ich mir schon überlegt, ob ich nicht einfach eine 4 gebe, um den Stress nicht mehr zu haben. Habe ich dann nicht gemacht, aber den Druck habe ich sehr wohl gespürt. (Inkonsequenterweise muss bei überwiegend sehr guten Leistung kein Begabtenförderplan geschrieben werden, was die Richtung ganz gut verdeutlicht.)

    Ich finde, dass es dabei nicht einmal nur um diesen Schutz, sondern auch um einen ehrlichen Umgang mit den SuS geht. Viele Lehrkräfte wissen genau, dass die Leistungen bei einigen nicht reichen und ziehen dann aber nicht die ehrliche Konsequenz, das klar und offen vorher zu kommunizieren. Und die Konsequenz ist dann doch, dass die Schützlinge in Situationen landen, für die sie nicht geeignet sind. Das kann man als Lehrkraft, die es gut mit ihren SuS meint, doch überhaupt nicht wollen. Alleine schon deswegen verstehe ich das Durchwinken im Schulsystem überhaupt nicht.

    Sind die von euch beschriebenen Probleme nicht ein scheinbar systemisches Problem, wenn wir uns auf die Annahme einigen können, dass die meisten Schüler das intellektuell eigentlich schaffen sollten? Die von euch beschriebenen Punkte sind ja kein Hexenwerk.

    Ich bin kein Mathelehrer, aber bekomme in einem meiner Fächer auch die volle Bandbreite der Deutschkenntnisse und das mangelnde Ausdrucksvermögen zu spüren. Gerade in der Oberstufe bekomme ich Schnappatmung bei dem Gedanken, dass diejenigen in wenigen Jahren seitenlange Hausarbeiten schreiben müssen. Die fehlenden Grundkompetenzen sieht man also nicht nur in Mathe. Ich glaube, dass der Fehler irgendwo im System liegt und der frisst sich momentan tiefer und tiefer ins Fundament rein. Gleichzeitig sehe ich aber auch, wie so ziemlich alles durch die Mittelstufe und durchs Abi gewunken wird. Da packt sich unser Berufsstand mMn zu wenig an die eigene Nase.

    Mal eine kurze ungeordnete Liste:

    - in Verbindung mit Apple TV/Projektor: digitale Tafel, Vorbereitung von Schaubildern, abspielen von Filmclips, zeigen von Bildern

    - Stundenplanung (OneNote) und scannen von Bildern/Texten (gibt gute Scanner Apps)

    - Korrektur von Schülerergebnissen (senden sie mir digital als PDF, die ich dann korrigieren und an ihre Mailadresse sende)

    Für mich sehr nützlich, aber nur in Kombination mit einem ‚echten‘ PC.

    Ich traue mich ja kaum zu fragen, aber gibt es hier nicht auch positive Erfahrungen? Also so im Sinne, dass ihr aus dem Zirkus auch was mitgenommen habt?

    Ohne jetzt auf Einzelfälle einzugehen (und auf Fälle, in denen es Leuten wirklich schlecht geht) - das ist für mich eine ganz andere Kategorie - , aber vieles klingt in der Gesamtheit immer so merkwürdig persönlich. Als würden viele Referendare ihre Unsicherheiten und Leistungsansprüche auf Fachleiter projizieren und das unter ein diffuses ,,Sie hasst mich.'' subsumieren. Wenn es nicht klappt, höre ich ab und zu auch den Satz ,,X hat mich durchfallen lassen.'', was für mich immer wie ein infantiler Zungenschlag wirkt. Die hier geschriebenen Berichte gehen teils aber ja weit darüber hinaus und klingen einfach nur noch nach Freakshow seitens der Fachleiter.

    Den Bewirtungskram habe ich immer mit Kaffee, Wasser aus der Schule und einem Teller billo-Kekse abgegolten. Wer bin ich denn, Croesus? Unglaublich, was ich hier lese.

    Danke dir, Avantasia, das ist eine echt hilfreiche Übersicht.

    Zusätzlich zu den genannten Tipps empfehle ich dir auch einen Blick auf den Sozialindex der Schule:

    https://www.hamburg.de/bsb/hamburger-sozialindex/

    Damit hast du einen einigermaßen realistischen Blick auf die soziale Lage der entsprechenden Schule. (Der Index wird mit 1-6 angegeben, wobei 1 sozial ungünstige Faktoren und 6 sehr günstige Faktoren angibt.)

    Ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Ich habe da eine Stadtteilschule mit Sozialindex (teils auch KESS Faktor gekannt) 4 entdeckt, aber die sozialen Probleme waren dort nicht allein wegen der schwachen Leitung enorm. In Verbindung mit den genannten Punkten (Inspektionsbericht, Schulhomepage, Sozialindex) kannst du ein recht gutes Bild von der Schule bekommen.

    Auch hier: Ein guter Inspektionsbericht heißt nicht, dass die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte gut sind. Die Schulinspektion betrachtet die Schule sehr ganzheitlich. Da haben sich zum Beispiel einmal beim Inspektionsbericht meiner alten Schule und meiner pers. Wahrnehmung Welten aufgetan.

    Viel Erfolg bei deiner Recherche!

    Also von wegen Polemik, du gehst doch genauso von deinen Anekdoten aus, die du verallgemeinerst (Stichwort: ‚trifft auf die Mehrzahl der STS definitiv nicht zu‘). Woher nimmst du die Gewissheit, dass das Geschilderte unwahr ist? Das ist doch das eigentlich Polemische. Meine Erfahrungen speisen sich auch Perspektiven von Leuten, die dort gearbeitet haben oder meinen eigenen Erfahrungen. Und das soll unwahr sein, nur weil es mit deiner Perspektive nicht passt? Natürlich trifft das nicht auf alle Schulen zu. Aber genau so wenig stimmt es, dass die von dir geschilderten Rahmenbedingungen da stets einwandfrei umgesetzt werden. Alleine schon durch die Neuzugänge in Klasse 7 von denen, die das Gym nicht packen, platzen einige STS aus allen Nähten. Mein Eindruck war, dass diese Schulform zwar von der Politik gewollt ist, die Schulen selber aber vernachlässigt werden und das ist bei den massiven Aufgaben an diesen Schulen wirklich ein Problem.

    Und ja, das ABM ist nicht schulspezifisch, aber man sollte schon wissen, dass das on top kommt. Und es freut mich wirklich, dass es bei dir zu laufen scheint, aber man sollte auch wissen, dass Schulleitungen das zu Gunsten der Schule ausnutzen können. Es muss gar nicht mal bei den Extrembeispielen wie 32 Stunden bleiben (deiner Meinung nach ja ohnehin Polemik). Ich kann es auch Konkreter machen: Alle neuen KuK, die aus anderen Bundesländern an meine damalige Schule kamen, mussten beim Arbeitspensum echt schlucken. Aber auch das ist sicher Polemik. Sorry, dass ich mich so daran aufhänge, aber diese Abwertung einer anderen Perspektive halte ich für schlechten Stil.

    Vielleicht habe ich auch nur die falschen Schulen gesehen. Ich hänge fachlichen Anspruch auch eher hoch und daher irritiert es mich bestimmt stärker, wenn der gefühlt niedrig ist. Andere mag das weniger stören. Hoffentlich meldet sich für die Ausgewogenheit noch jemand mit anderen Erfahrungswerten.

    Ganz grob: Du sollst in HH wöchentlich nie mehr als 29 Stunden unterrichten, das ist offiziell gedeckelt. Ich habe es aber bei einem Bekannten mitbekommen, dass er am Gymnasium 32 Stunden unterrichtet, weil‘s ,,halt nicht anders ging‘‘. Beides sind aber bereits Zahlen, bei denen einem schwindelig werden sollte. Die Unterrichtsstunden sind faktorisiert, sodass du für Sek1 Unterricht einen geringeren Faktor bekommst als in der Oberstufe. Scheint erst mal gerecht zu sein, allerdings sind die Fakoren im Allgemeinen zu knapp angesetzt. Ebenfalls faktorisiert sind außerunterrichtliche Tätigkeiten wie Mentor für Referendare oder Arbeitsgruppen. Eine Strategie, um Unterrichtsverplichtung zu reduzieren, besteht also in der Teilnahme an möglichst vielen Arbeitsgruppen. Diese waren an meiner alten Schule in HH erbärmlich gering faktorisiert und haben viel mehr Arbeit bereitet.

    Und nun der Knackpunkt: An einer STS gibt es viel mehr pädagogische Arbeit, d.h. Mehr Arbeitsgruppen zu pädagogischen Schwerpunkten der Schule und mehr multiprofessionelles Personal (Schulsozialarbeiter, Schulbegleiter), mit denen du zusammenarbeitest. Erst mal kein Problem, aber da gibt es zwei Probleme: 1) diese Tätigkeiten haben einen viel zu geringen Faktor, sprich du arbeitest zu viel und 2) an der STS ist die Gefahr hoch, dass du neben dem Unterricht viel in solchen Gruppen sitzt. Beides zusammen ist eine in diesem Beruf mehr als toxische Mischung. So kommen einem dann Aussagen wie ,,Ich würde gerne mal wieder Stunden richtig planen.‘‘ wie von der einen Förderkoordinatorin auch nicht mehr seltsam vor.

    Durch diese hohe Anzahl an Arbeitsgruppen kreisen Schulen in Hamburg gefühlt auch immer um sich selbst, weil fast jede dieser Gruppen auf Konferenzen einen Piep von sich geben muss. Mich überkam in diesen Konferenzen eine Aggressionswelle nach der anderen.

    Ebenfalls schockiert hat mich folgendes: Ich nahm einmal an einer Fortbildung zu Gewaltprävention teil. Wir waren ca. 20 Lehrkräfte, davon zwei vom Gymnasium (davon einer ich). 80% Stadtteilschule, der Rest dann Berufsschule. Es war unglaublich, was die erzählt haben. Meine damalige stellvertr. Schulleitung in Hamburg am Gymnasium hatte mal eine Zeit lang an einer STS gearbeitet. Sehr toughe autoritäre Person, wurde aber auch bepöbelt und wurde von einem Schüler auch ins Gesicht geschlagen. Und solche ähnlichen Bedrohungssituationen wurden auf der Fortbildung auch geschildert. Also ich kann Lehrkräften, die sich sowas jeden Tag antun, nur meine Hochachtung aussprechen. Ich möchte STS nun nicht als dystopisches Schlägerparadies darstellen. Aber diese Fälle existieren dort in einer Ausprägung, die ich zumindest nicht akzeptabel in diesem eh schon stressigen Beruf finde.

    Vertretungen sind übrigens auch ein Problem in Hamburg. Die werden auch faktorisiert und Schulleitungen können ggf. geschickt tricksen, um dich zu mehr Vertretungen zu verpflichten. Ich musste pro Woche 2-3 Stunden vertreten und meine andere KuK auch.

    Ich habe 1,5 Jahre in HH an einem Gymnasium gearbeitet, vorher aber an der STS Mümmel ein Praktikum absolviert und an der STS Eppendorf Förderkurse geleitet. Das geschilderte ist nun rein anekdotisch, aber vllt. hilft es.

    Ich empfand STS als Zumutung. Niedriges Niveau, pädagogische Konflikte en masse (Klassen sind vom Niveau her durchmischt) und die Stadtteilschulen stemmen 95% der Inklusionsarbeit alleine. Mir kam das System überfordert vor, als wenn es von blindem Optimismus und Hoffnung am Leben gehalten wird. Das Niveau der Oberstufen ist meiner Erfahrung nach nicht mit der gymnasialen Oberstufe vergleichbar. Ein mir bekannter Oberstufenkurs in Englisch war vom Gefühl her in der 8. Klasse, was das Niveau abging. Die Klassen sollen zwar kleiner als an Gymnasien sein, aber trotzdem reicht der Personalschlüssel nicht aus. Eine Koordinatorin der Förderkurse meinte zu mir mal sinngemäß, als ich mir ihr über das Referendariat sprach: ,Da kann man sich so schön auf das Stundenplanen konzentrieren, das mache ich nun aber aufgrund der ganzen pädagogischen Arbeit gar nicht mehr ordentlich aus Zeitgründen.‘

    Im Referendariat in einem anderen Bundesland habe ich auch äquivalente Schulen zu den Stadtteilschulen gesehen und die kamen mir solider und vom Schülerklientel weniger anstrengend als Hamburger STS vor. Grundsätzlich habe ich auch einen großen Unterschied zwischen SuS in HH und SuS in eher ländlicheren Gebieten gespürt. Mein Fazit war, dass ich nie wieder in einer Großstadt unterrichten möchte und im Speziellen nie an Gesamtschulen in Großstädten, da wird man wirklich verheizt meiner Meinung nach.

    Ein Hamburg-spezifisches Problem: Lehrerarbeitszeitmodell, durch das man sich an der STS sicherlich zu Tode arbeitet.

    glaubst du wirklich das Hack an der Theke bei Edeka ist besser als die abgepackte Variante bei Aldi? Quelle ist meist identisch.

    Und wenn jemand Hack bei Aldi kauft, ist er nicht dümmer, schlechter oder ignoranter als andere Menschen. Die Fraktion Bio oder Veganer hält sich heutzutage schon aus Prinzip für die besseren Menschen. Mit solchen Leuten diskutiert man auch nicht gerne. Und nur am Rande: 82 Mio Menschen füttert man nicht mit Biofleisch von 4 Kühen auf einer riesen Wiese durch. Das ist nunmal so

    Woher es kommt (Aldi/Edeka) und ob abgepackt oder nicht ist doch egal. Auch Aldi hat Bio-Hack. Letztendlich kommt es doch auf die Haltungsform an.

    Ich schreibe im Post ja, dass ich es bestimmten Gruppen auch überhaupt nicht vorwerfen würden. Das wird für mich erst bei Leuten ein Problem, die sich das locker leisten können und trotzdem nicht tun.

    Darüber dann belehrend zu diskutieren finde ich auch anstrengend, egal mit wem. Auch, dass Bio-Leute die besseren Menschen sind, wage ich mal zu bezweifeln. Fast jeder von uns besitzt problematische Produkte (Kleidung, elektronische Geräte), von daher bewegen wir uns alle mehr oder weniger in Widersprüchen. N bisschen durch die Hose atmen hilft hier allen Fraktionen.

    Ich finde das Zitat problematisch, da es in der Form recht dogmatisch herüberkommt. Zunächst ist eine inklusive Enstellung erst einmal etwas Positives und damit löblich. Probleme habe ich immer dann, wenn es nicht bei einer persönlichen Einstellung bleibt, sondern man Erwartungen an andere hieraus ableitet oder sogar Leute abstraft, die nicht dieselbe Einstellung teilen (wo wir wieder bei der Cancel Culture wären). Man kann aus Überzeugung Vegetarier sein, Kurzstreckenflüge meiden oder gendern, was das Zeug hält. Andern vorzuschreiben, dass sie das auch müssen, finde ich jedoch übergriffig.

    Für mich ist die Frage eher, an wen ein Anspruch gestellt wird.

    Ich kann von Akademikern, die auch finanziell abgesichert sind, schon erwarten, dass sie ihren Konsum, ihre Haltung und ihren Sprachgebrauch reflektieren und sich auf eine Diskussion einlassen. Das hat auch nichts mit vorschreiben zu tun, auch wenn ich solche Debatten oft als sehr aggressiv und überheblich geführt wahrnehme. Wer aber genug Knete hat und trotzdem Billighack aus Geiz kauft, der sollte sich m.E. schon eine gute Begründung dafür überlegen,

    Ich kann das aber nicht von Leuten erwarten, die weniger privilegiert sind und an deren Lebenswelt solche Debatten vorbeigehen. Diese zu diskreditieren, nur weil sie nicht korrekt gendern oder sich nicht 100% politisch korrekt ausdrücken und daraus eine rassistische Gesinnung abzuleiten, finde ich fehl am Platz. Hier schlägt es hin ‚Debatte‘ dann eher zu ‚Belehrung‘ um.

    Überzeugungen zu realisieren muss man sich auch leisten können, sowohl finanziell als auch zeitlich. Das wird für mich bei der ganzen Identitätspolitik viel zu sehr ausgeklammert, weil sie eben auch von sehr Privilegierten Menschen geführt wird.

    Das letztere ist sicher nicht gut ... aber es ist kein Grund, das erstere nicht zu machen.

    Eben.

    Aber die Konzerne nehmen den Fahrwind der Diversity Debatte auf, um sich damit in ein vorteilhaftes Licht zu rücken und als Weltverbesserer zu inszenieren. Es ist für mich da nicht die Frage, was man macht, sondern wie man es macht. Das Zitat von Lieferando ist doch ein Lippenbekenntnis.

    Dürfen Unternehmen Produkte aus dem Sortiment nehmen, wenn einer konventionellen Irrsin verbreitet? Ja! Sie dürfen! Warum auch nicht?

    https://www.fr.de/panorama/attil…d-90481521.html

    Aktuell hat sich der Klaus Peter ja vorsichtshalber in die Türkei abgesetzt, ich wünsche ihm natürlich nicht, dass er dort fühlt, was eine Diktatur bedeutet. Das wünscht man ja keinem.

    Ich finde das auch nachvollziehbar und richtig.

    Auf der anderen Seite sieht man ja, wer jetzt dann doch boykottiert: Amazon und Lieferando, wo besonders letzteres Unternehmen wirklich üble Arbeitsbedingungen hat. Das ist für mich nämlich die Kehrseite: Diese Unternehmen können sich mit solchen Aktionen als Wolf im Schafspelz verkaufen, siehe auch Unilever mit ihrer Zigeunersauce. Das Zitat von Lieferando ist doch auch zynisch:

    »Wir distanzieren uns von jeglichem nicht inklusiven Verhalten.« Lieferando und Just Eat Takeaway seien inklusive Unternehmen, die aufgeschlossene Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen, religiösen Überzeugungen und weltanschaulichen Vorstellungen »aus mehr als hundert Nationen und Regionen beschäftigen«.

    https://www.google.de/amp/s/www.spie…00177330639-amp


    Nun können sich selbst solche Konzerne ganz links und progressiv fühlen, super. Dass die Nationalität deren Fahrer vor Allem fürs Lohndumping eine Rolle spielt, geschenkt.

    Sorry, aber mich nervt diese Scheinheiligkeit.

    Weißt du, man kann über die Maßnahmen diskutieren. Uns allen ist klar, dass man immer Risiko vs. Nutzen abwägen muss. Man kann dabei zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, das ist kein Problem.

    Aber dass du sagst, mir würden mehr Coronafälle bei Kindern gefallen, ist, als würde ich dir als Befürworterin geschlossener Schulen vorwerfen, dir gefielen eine Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern und eine Verschärfung der Bildungsungerechtigkeit für soziokulturell benachteiligte Schüler.

    Ich habe das da auch nicht herausgelesen und der moralisierende Sound ist auch unangebracht. Die moralisierende Argumentationsweise macht diese ganze Debatte doch schon die ganze Zeit kaputt.

    Das ist transphober Unsinn :)

    Könntest du das weiter begründen? Ich hatte neulich einen Artikel einer Frau gelesen, die zum Mann und dann wieder zur Frau wurde und die argumentiert hat, dass sie vorher besser über ihre Motive hätte beraten werden müssen. Das schien mir nachvollziehbar. Hier der Artikel:

    https://www.spiegel.de/gesundheit/kei…00-000177330662

    Das von dir zitierte Beispiel folgt dieser Denklinie, inwiefern ist das denn transphob? Man verbietet es ja nicht, sondern sagt eher ‚überlege Dir den Schritt gut, denn ein Zurück wird schwierig‘. Dabei geht es ja nicht um eine Herabwürdigung, sondern um das Wohl der Person.

    Hart am Thema vorbei, aber man gilt in bestimmten, sehr kleinen aber lautstarken, Kreisen ja schon als transphob, wenn man als Mann sagt, dass man gerne eine Frau haben möchte, die keinen Penis hat und mit der es zumindest die theoretische Möglichkeit gibt Kinder zu zeugen.

    Das ist allerdings ein weiteres liberales Thema: Ich toleriere es, wenn jemand für sich selbst eine Entscheidung trifft und aus Gründen der Höflichkeit werde ich eine Person auch so ansprechen, wie sie das möchte. Aus denselben liberalen Gründen muss ich das aber weder gutaussehend, noch attraktiv, noch auch nur gesund finden.

    Die Person darf das ausleben, privat, öffentlich, wie auch immer sie das möchte, denn es ist ihre freie Entscheidung über ihr eigenes Leben, solange sie damit keinen Anderem Schaden zufügt (was der Regelfall sein wird). Genauso entschieden muss ich mich aber dagegen verwahren, dass geschlechtsangleichende Behandlungen und Operationen bei Kindern und/oder Jugendlichen vorgenommen werden (mit Ausnahme von Kindern und Intersexualität, da liegt eine klar biologische Ursache vor, da sollte man Kinder und Jugendliche durchaus vor der Pubertät mitentscheiden lassen). Wenn ein Zwölfjähriger nicht wählen, nicht saufen und nicht Auto fahren darf, dann darf er ganz sicher nicht darüber entscheiden sich medizinisch nicht indizierte Medikamente und Operationen reinzupfeifen. Mit derselben Argumentation müsste man nicht-indizierte Schönheitsoperationen bei Kindern zulassen, willkommen in der Hölle... 8|

    Wenn es transphob ist, Kinder vor Entscheidungen zu schützen, die sie nicht ansatzweise überblicken können, dann ist das keine Anschuldigung, sondern eine Auszeichnung. Genauso wie J.K. Rowling die ganz klar Probleme benannt hat, die eben nur biologische Frauen betreffen und bei denen Trans-Frauen natürlich gerne mitreden können, aber das dürfte dann unter mansplaining fallen... ;)

    Ist doch eigentlich gar nicht am Thema vorbei. Das von dir ins Feld gebrachte Beispiel zeigt doch sehr gut, dass das Feldminenfeld endlos ist, wenn man sich bei der Debatte nicht up-to-Date hält. Meiner Meinung nach zeigt das schon gut, wie abgehoben die Debatte geworden ist, denn wirklich mitreden kann nur noch der, der sämtliche Regeln der Begriffsverwendung beherrscht. Das Absurde daran ist ja: Wenn man diese Regeln beherrscht, dann gibt es keinen Diskurs mehr, denn die Regeln werden ja von einem Teil der Wortführer der Debatte geschrieben

    Ein kurzes Update:

    Es hat letztendlich alles geklappt und ich konnte an eine Schule im anderen Bundesland wechseln. Mir wurde meine Probezeit auch voll anerkannt ( 1,5 Jahre), sodass ich dieses Schuljahr noch auf Lebenszeit verbeamtet werde.

    Allen, denen es ähnlich geht, möchte ich hiermit Mut machen. Wenn ihr täglich mit Bauchschmerzen in die Schule geht, Gedanken nur darum kreisen und ihr euch nach Besserung sehnt, dann erwägt diesen Schritt. Auch wenn der Wechsel selbst dann natürlich wieder heftig war, so bringt mir der Job nun wieder wirklich Spaß, nachdem ich ihn vorher fast geschmissen hätte. Sich zu quälen ist nie eine Option, das wäre zumindest mein Fazit.

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