Muh okay, danke:) Mich hatte das mit der Uhr und den Schnürsenkeln nur sehr verwundert, weil ich vorher ein Praktikum in einer ersten Klasse gemacht hatte und die Uhr da recht gut thematisiert wurde und so kam es wohl dazu, dass ich mit falschen Erwartungen in das Praktikum reingegangen bin.
Kinder im Brennpunkt haben da die doppelte A-Karte gezogen:
1. Der Mathelehrplan ist richtig heftig voll. Wenn du die analoge Uhr sicher beibringen möchtest, musst du dich beim Rechnen sehr sputen, ggf. was weglassen. Das wirkt sich aber dann wieder auf alle anderen Klassenstufen aus. Also müssen gewisse Grundlagen im Rechnen/Aufbau des Zahlenraums sein. Gerade das fällt vielen Kindern im Brennpunkt aber schwer, denn sie haben schon bei Schuleintritt z.T. Entwicklungsverzögerungen und oft nicht genug Unterstützung aus dem Elternhaus. Ich habe im "mittelschweren Brennpunkt" früher in Klasse 1 Würfel sortieren lassen nach Augenzahlen, damit das simultane Mengenerfassen bis 6 automatisiert wird. Eigentlich sollten die Kinder das schon (nahezu) können. Danach haben wir simultanes Erfassen strukturierter Mengen bis 10 geübt und erst danach mit allem anderen angefangen. Wir sind nie mit dem "Rechnen und Operationen"-Teil fertig geworden und alles andere konnten wir nur anreißen, weil wir dann als Fachkonferenz beschlossen haben, die halbschriftlichen Rechenverfahren in 3/4 und die Division mit Rest in der 2. wegzulassen.
2. Klang eben schon an: Die Eltern kümmern sich weniger, können das z.T. auch nicht. In meiner jetzigen 3. ist die Uhr bisher auch zu kurz gekommen - und trotzdem können einige Kinder diese gut lesen, denn das haben die Eltern mit ihnen geübt. Kinder, die die analoge Uhr in der Schule erst kennenlernen und im sonstigen Alltag nie verwenden, haben da oft langjährig Schwierigkeiten mit.
Schnürsenkel, Namen schreiben, Adresse, Geburtsdatum... Können in meinem jetzigen Einzugsgebiet 95% der Drittklässler, weil es die Eltern mit ihnen üben. In meinem alten Einzugsgebiet habe ich im 4. Schulbesuchsjahr die Adresse und das Geburtsdatum mit den Kindern geübt, die Eltern haben das nicht gemacht. Dafür fielen dann aber andere Themen aus.
Was ich noch ergänzend sagen wollte: Das mit dem "Albtraum" meinte ich nicht metaphorisch. Hatte seitdem wirklich regelmäßig Flashbacks. Vor allem gestern hatte ich wieder mal geträumt, dass ich eine Auseinandersetzung mit einem Schüler hatte. So kam es auch dazu, dass ich mir hier das Forum rausgesucht hatte. Habt ihr auch manchmal Albträume von der Schule und was macht ihr dagegen?
ALbräume habe ich auch manchmal, meist von Situationen, in denen ich die Kontrolle verliere, Kinder hören nicht mehr auf ihren Namen, 2 Klassen in einem Raum, ich finde den Raum nicht, verlaufe mich. Versuche, die so schnell wie möglich zu vergessen und mich direkt an eine Situation zu erinnern, die gut lief.
Die meisten Klassen sind - wie andere hier schon schrieben - in dem Alter formbar und du kannst sie "kriegen", die Kinder lieben ihre Klassenlehrerin überwiegend noch. Manchmal ist es schwierig, langwierig, harte Arbeit.
Bisher habe ich einmal eine Klasse erlebt, in der das über ein Schuljahr hinweg kaum anschlug. Das war eine schlecht zusammengestellte Truppe (wusste die Kita, hat aber nichts verraten), an der sich ständig wechselnde Vertretungslehrerinnen abstrampelten und als in der 3. Klasse eine Lehrerin drin war, bei der es einigermaßen lief, diese nach einem Jahr wieder rausgenommen und durch eine schnell-und-vielsprechende Studienrätin ersetzt wurde. Die Kinder waren "durch" und haben kaum verstanden, was gesagt wurde.
Fachliche Probleme: Habe schon Studienräte mit 2 Sprachenfächern erlebt, die plötzlich in der 2. Klasse standen und Mathe unterrichteten, es aber trotz aller "Brücken" nicht geschafft haben, die Parallelkollegin anzusprechen und sich Tipps geben zu lassen oder gemeinsam etwas zu planen.