Es geht hier nicht um Menschen mit Migrationshintergrund der 3. Generation, sondern um seit 2015 unter dem Deckmantel des Asyls einwandernde Menschen. Dass jemand mit russischem Migrationshintergrund in dritter Generation hier Arbeitet, perfekt Deutsch spricht und vollintegriert ist, schließt niemand aus.
Aber das ist auch nur wieder ein Strohmann, um vom eigentlichen Thema und meiner eigentlichen Kritik abzulenken. Durchschaubar.
Wie sieht das denn aus bei deiner Schülerschaft? Wie viele SuS ausländischer Herkunft unterrichtest du so im Schnitt pro Schuljahr? Wie viele davon mussten zu Beginn irgendeine Art von Sprachkurs/ Willkommmensklasse durchlaufen, weil sie frisch eingewandert waren? Wie viele verlassen deine Schule und starten direkt in eine Ausbildung? Wie viele verlassen gemäß eurer Abgangsstatistik eure Schule ohne irgendeine schulische/ berufliche Perspektive.
Weit über die Hälfte meiner Schülerschaft hat jedes Schuljahr einen Migrationshintergrund oder ist ausländischer Herkunft. In jedem Jahrgang haben wir dabei rund 30 SuS, die erst im Laufe ihres Schullebens nach Deutschland eingewandert sind und auch erst hier im Land Deutsch gelernt haben.
Etwas über die Hälfte unserer SuS besuchen im Anschluss noch eine weiterführende Schule. Der Rest macht bis auf wenige Ausnahmen, die zum Abschlusszeitpunkt noch nicht wissen, was sie machen werden, eine Ausbildung. Unter denjenigen, die zum Abschlusszeitpunkt noch nich wissen, was sie machen werden sind dabei im Schnitt immer etwa ebenso viele SuS mit, wie ohne Migrationshintergrund oder ausländischer Herkunft.
Viele unserer ehemaligen SuS halten weiterhin Kontakt zu unserer Schule oder wohnen weiterhin im Stadtteilund schicken später ihre eigenen Kinder an unsere Schule, so dass wir von vielen SuS mitbekommen, ob sie es danach im Berufsleben packen. Wir haben inzwischen bereits zwei Ehemalige im Kollegium sitzen. Auch sonst gelingt es unseren SuS mehrheitlich erfolgreich im Berufsleben Fuß zu fassen und zwar ganz ungeachtet ihrer Nationalität.
Was schließlich das „perfekte Deutsch“ anbelangt: Das sprechen de facto auch die wenigsten Deutschen biodeutscher Abstammung. Umgekehrt erlebe ich es aber jedes Schuljahr aufs Neue, dass SuS, die neu einwandern und bei uns im VKL landen oder die erst am Ende ihrer Grundschulzeit eingewandert sind innerhalb kürzester Zeit nicht einfach nur fließend Deutsch schreiben und sprechen, sondern genau wie in ihrer Herkunftssprache dabei vielfältige Register erlernen und höchst erfolgreich einsetzen, so dass sie schnell zu den Klassenbesten gehören.
In ausnahmslos jeder meiner Klassen habe ich so in diesem Jahr einen oder auch mehrere SuS sitzen, die nach 2015 erst nach Deutschland eingewandert sind und die aufgrund ihres Fleißes im Erlernen der Sprache und im Erlangen von Bildung zu den Besten ihrer Klassen gehören- vereinzelt sogar mit deutlichem Abstand gegenüber jedwedem biodeutschen Kund in der Klasse.
Gerade unsere Beruf ist doch dafür prädestiniert einen Unterschied zu machen in der Integration von Menschen ausländischer Herkunft, so dass diese leichter ihren Weg auch in die Arbeitswelt finden können. Eine erfolgreiche Integration ist dabei aber niemals eine einseitige Angelegenheit, die lediglich den Zugewanderten einen Einsatz abverlangen würde, sondern erfordert IMMER auch ein Engagement derjenigen, die bereits in dem Land leben, inklusive der inneren Offenheit in der Begegnung mit den Menschen, die zu uns kommen, damit diese ihr Potential verwirklichen können. Das sollte dir als Lehrkraft aber eigentlich klar und bewusst sein.