(...)Bereitschaft für ein Fach, okay...für zwei Fächer...vielleicht, aber für vier? Das wirkt so random...
Fairerweise sollte man aber sagen, dass es durchaus Schulen gibt, die das erwarten. Ich hatte ja bereits an anderer Stelle geschrieben gehabt, dass eine der Schulen, bei denen ich mich 2020 beworben hatte eine Vielzahl an Fächern (fünf an der Zahl) zusätzlich zu meinen drei studierten Fächern gerne noch fachfremd unterrichtet wissen wollte, darunter einige, die wirklich SEHR weit weg waren von meinen studierten Fächern und auch weit weg von meinen persönlichen Talenten liegen. An anderer Stelle wurde mir schon im Ref- von einem Physiker- erklärt, ich könnte ganz problemlos auch Physik fachfremd unterrichten (auch GANZ WEIT WEG von meinen studierten Fächern), weil ich mich in die FD einarbeiten könnte und fachlich den SuS auch ohne Studium immer um Längen voraus wäre. Ich habe persönlich eine andere Haltung fachfremden Unterricht betreffend, denke aber, wenn dieser im Schulalltag zumindest hier in der Sek.I so schnell jedem der "Hier" ruft übergeben und zugetraut wird ist es kein Wunder, wenn selbst Anwärter, die nicht unbedingt durch Bestnoten glänzen meinen, sie könnten am Ende problemlos einen ganzen Strauß Fächer in erforderlicher Qualität unterrichten.
Kort1000 : Wenn du im Bewerbungsgespräch gefragt wirst, ob du bereit wärst Fach X oder Y fachfremd zu unterrichten, dann ist es natürlich ein Vorteil, wenn du diese Bereitschaft zeigst. Allerdings solltest du dabei zum einen im Blick haben, dass du als kompletter Berufsanfänger erst einmal auch ein volles Deputat mit vielen neuen Aufgaben stemmen wirst müssen und zum anderen immer (selbst-)kritisch prüfen, was du aufgrund deines Vorwissens in mindestens ausreichender Qualität leisten wirst können. Es ist unrealistisch sich gleich im ersten Jahr in mehrere Fächer fachfremd einarbeiten zu wollen, die womöglich weit weg liegen von den studierten Fächern, sowohl was Fachinhalte anbelangt als auch die Fachdidaktik. Das mögen manche Schulen anders sehen, den Preis zahlst aber nicht nur du, der sich in die Fächer vernünftig einarbeiten muss, sondern auch die SuS, die spürbar schlechteren Unterricht erhalten. Bloß weil man ein Ref geschafft hätte ist man schließlich nicht plötzlich ein Lehrgenie aller Fächer, sondern benötigt noch Jahre für die weitere Professionalisierung- auch ganz ohne fachfremden Unterricht. Ich unterrichte exakt ein Fach fachfremd aktuell (erstes Jahr nach dem Ref gerade abgeschlossen). Das habe ich inhaltlich weitestgehend im Studium mit abgedeckt gehabt und die Fachdidaktik kann ich aus einem meiner anderen Fächer übertragen weitestgehend. Trotzdem war das erste Halbjahr noch sehr durchwachsen, weil ich mich in Fach und Themen eben erst einarbeiten musste, weil ich keinerlei Vorerfahrungen aus dem Ref hatte und es eben auch abgrenzen musste an bestimmten Punkten z.B. zu Politik. Ich habe aber Studium und Ref mit exzellenten Noten abgeschlossen, habe ein Erststudium mit weiteren Fächern vorzuweisen, viele Jahre Berufserfahrung im außerschulischen Bildungsbereich und bin insgesamt fachlich, didaktisch und pädagogisch so weit aufgestellt damit (und auch so erfahren), dass ich äußerst guten Gewissens dieses eine Fach anbieten kann, weil ich weiß, dass ich das wirklich leisten kann. Du hast deiner eigenen Aussage nach weder im Studium, noch im Ref Bestnoten erzielt . Das ist nicht dramatisch (womöglich auch ungleich verteilt auf die beiden Fächer), bedeutet aber eben, dass du so ehrlich zu dir selbst sein solltest, dass du womöglich eben noch etwas mehr Zeit benötigen wirst, um dich in der erforderlichen Qualität in deine Fächer einzuarbeiten. Ehe du selbst nur befriedigenden, aber keinen guten Unterricht in deinen Fächern leisten kannst sollte fachfremder Unterricht idealiter keine Rolle spielen und wenn er sich gar nicht umgehen lassen würde, nicht mehr als ein neues Fach alle 2-3 Jahre bedeuten, damit du dich wirklich einarbeiten kannst in Fachinhalte und Fachdidaktik der verschiedenen Klassenstufen. Soviel Qualitätsanspruch sollten wir als Lehrkräfte haben- immerhin fordern wir auch unseren SuS entsprechende Leistungen in entsprechender Qualität ab. Also prüf ehrlich und selbstkritisch, was du anbieten kannst, wenn du nach fachfremdem Unterricht gefragt wirst. Sich selbst an so einer Stelle ehrlich zu reflektieren und Grenzen zu ziehen wo nötig, statt einfach alles zu machen, was ein SL grad brauchen könnte bringt dir bei den richtigen Leuten eher Extrapunkte, weil du signalisierst, dass du dich selbst ehrlich einschätzen kannst und einen bestimmten Selbstanspruch hast deine Arbeit betreffend. Meine aktuelle Schulleitung hätte auch sehr gerne noch ein weiteres Fach fachfremd von mir unterrichtet gewusst, kann aber auch weiterhin- ungeachtet des Mangels in diesem Fach- sehr gut damit leben, dass ich dieses Fach nicht anzubieten bereit bin, weil ich es fachlich nicht in einer Qualität leisten könnte (auch nicht im Schuljahresverlauf), um meinem persönlichen Qualitätsanspruch zu genügen (oder zumindest so ordentlich unterrichten zu können, um ein Ref zumindest mit "ausreichend" in dem Fach bestehen zu können rein hypothetisch). Auch die Schule mit dem ganz akuten Mangel, die damals fünf Fächer fachfremd wollte hat mir am Ende ein Stellenangebot gemacht gehabt, obwohl ich bei der Mehrheit der Fächer überdeutlich ausgedrückt habe diese niemals fachfremd zu unterrichten. Meine "Gegenkandidatin" bei der Schule (auch frisch aus dem Ref) hatte sich direkt bereit erklärt sämtliche geforderten Fächer sofort fachfremd zu leisten und trotzdem die Stelle erst angeboten bekommen, nachdem ich abgelehnt hatte und weil es keine anderen Bewerber gab. (Bevor jemand nachfragt: Ja, das weiß ich zufällig wirklich so genau mit allen einstellungsrelevanten Details. Die Schule hatte sich faktisch bei mir beworben, nicht ich bei ihr und hat ein paar Dinge ausgeplaudert, die sie nicht hätte ausplaudern sollen/dürfen.) Qualität schlägt eben immer noch Quantität, das solltest du bei der Frage nach fachfremdem Unterricht niemals vergessen.