Ja, jetzt ... Genau so hab ich mir das vorgestellt. So einen richtig sinnbefreiten Thread, in dem man sich aus Prinzip über irgendwas vollkommen Belangloses beschwert, das einem selber aber total wichtig erscheint.(...)
War mir klar, als ich deinen Beitrag gelesen habe, deshalb habe ich mich auch offenbart. (So ein Thread darf schließlich nicht beitragslos versanden.)
Der Anteil der Kinder aus Familien, die Gelder nach dem SGB2 beziehen, beträgt in NRW 18%. Je nach Schultyp und Lage sind es schonmal 50 bis 75 Prozent einer Klasse, die vom Amt leben. Mit allen dazu gehörenden Folgeproblemen.
Zu meiner, zugegeben behüteten und priviligierten, Schulzeit waren das dystopische Horrorszenarien.
Zahlen zur diesbzgl. Entwicklung in den letzten 30 Jahren kann ich nicht finden. Nach meinem Empfinden sind sie explodiert. Aber exponentielles Wachstum wird bei uns ja nur in einem bestimmten Kontext zum Aufreger. Da gibt es dann auch täglich neue Zahlen.
Früher (= während meiner Grundschulzeit) gab es zumindest in meiner Grundschulklasse nicht weniger Armut als ich das heute in manchen meiner Schulklassen mitbekomme. OK: Ich hatte keine Mitschüler:innen, die zwischenzeitlich einige Monate auf dem Campingplatz leben mussten, dafür aber sehr viele Mitschüler:innen, für die schon die 3 Tage Schullandheim kaum oder gar nicht finanzierbar waren. Anders als heutzutage gab es aber noch keinen Förderverein, an den man sich wenden hätte können zur Finanzierungshilfe und "Bedarfe für Bildung und Teilhabe" waren für Kinder von Transferleistungsempfängern noch Zukunftsmusik. Also gab es ein rundes Viertel meiner Grundschulklasse, welches nicht mit übernachten konnte (spart Geld) und zu den gemeinsamen Mahlzeiten die Vesperbox ausgepackt hat (spart noch mehr Geld), so konnten sie lediglich für die Kosten des Bustickets (hat der Rektor der Grundschule kurzerhand privat bezahlt, damit die nicht zuhause bleiben mussten) mitkommen. Ich habe während meiner Grundschulzeit in einer Hochhaussiedlung gelebt. Wir wohnten in den quasi "schicken" Blöcken, wo vor allem Berufstätige zu finden waren (kaum Akademiker, meist Facharbeiter mit ihren Familien etc., also deutlich mehr "real live", als später am Musikgymnasium, auch wenn ich auch da einige Freunde hatte mit nicht-akademischem Elternhaus, die entsprechend zu kämpfen hatten für Dinge, die anderen qua Elternhaus selbstverständlich waren). Neben diesen "schicken" Blöcken gab es ein paar uralte Bauten aus den 50ern und 60ern- zugig, miefig, dunkel, mit hohem Sanierungsbedarf. Dort wurden die ganzen Aussiedlerfamilien einquartiert. Die restlichen Wohnungen wurden von anderen Familien mit extrem engem Budget oder aber Problemen bessere (anständige) Wohnungen vermietet zu bekommen gemietet (betraf vor allem arabisch- und türkischstämmige Familien, die von vielen Vorurteilen betroffen waren, denn das war früher auch schon nicht besser). Nein, der Teil war weiß Gott nicht besser früher, es wurde aber auch da schon im Zweifelsfall geflissentlich darüber hinweggesehen, wie menschenverachtend an vielen Stellen mit Menschen anderer Nationalitäten, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder auch Behinderung umgegangen wird. Offenbar war deine Schulzeit wie von dir geschrieben wirklich SEHR behütet und SEHR privilegiert, wenn du davon so gar nichts mitbekommen hast elCaputo. Ich wusste schon als Grundschülerin, dass es Familien gibt, bei denen es ab Mitte des Monats weniger Geld auf dem Konto gibt als der Monat noch Tage hat, dass für manche ein richtig neuer Pullover etwas Unglaubliches war, weil normalerweise alles aus dem Second Hand oder Spenden kommen musste (ich habe zwar auch vieles aufgetragen von meiner älteren Schwester, habe aber auch regelmäßig wunderschöne Sachen von meiner Mutter selbst genäht bekommen- Stoff, Schnittmuster, Knöpfe, alles nach Wunsch, da war es ein Glück, dass meine Mutter oft Stoffbahnen von ihrer Mutter geschenkt bekommen hat und sie so gut nähen konnte). Bei uns war es auch lange finanziell sehr knapp, denn als mein Vater fertig war mit der Promotion hatte er bereits zwei Kinder und kam in einen Einstellungsstopp des Landes für Gymnasiallehrkräfte. Also hat die bald 5-köpfige Familie gelebt vom Stipendium meiner Mutter, dem Geld, das mein Vater als Nachhilfelehrer verdient hat und ansonsten dem, was an Obst/Gemüse in den Gärten der Großeltern wuchs und bei Besuchen in unser Auto geladen wurde, damit meine Mutter das zuhause direkt zu Marmelade verkochen, entsaften oder einwecken konnte für die gesunde Ernährung der Familie bis mein Vater endlich zumindest mit einer halben Stelle (war damals eine Landesvorgabe, durfte für einen festen Zeitraum auch nicht aufgestockt werden) eingestellt wurde. Leichter wurde es erst, als mein Vater endlich eine volle Stelle hatte.
Was aber ganz eindeutig früher besser war: Es wurde gerade im Bereich technischer Geräte viel mehr repariert und langlebiger produziert, so dass es sich auch gelohnt hat die Sachen reparieren zu lassen. Nachdem "die" Politik zum Glück nicht denjenigen zugehört hat, die auch weiterhin meinten, der Markt würde das schon richten (was uns nur weiterhin Elektroprodukte gebracht hätte, die direkt nach dem Ende der gesetzlichen Garantiezeit den Geist aufgeben und so hergestellt wurden, dass man sie selbst bei entsprechendem Willen nicht einfach reparieren könnte ohne einen Totalschaden zu riskieren) besteht die Hoffnung, dass sich das wieder verbessern wird. So führt ganz nebenbei bemerkt das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und den Klimawandel dazu, dass wir Verbraucher auch wieder langlebigere Elektrogeräte bekommen, was Geldbeutel (man denke an die ausgefallene Waschmaschine bei drei kleinen Kindern- meine Mutter hat mal 3 Monate lang für die gesamte Familie die Wäsche von Hand in einer Kurbelmaschine gewaschen... ) und Nerven schont (man denke an die ausgefallene Waschmaschine bei drei kleinen Kindern- meine Mutter hat mal 3 Monate lang für die gesamte Familie die Wäsche von Hand in einer Kurbelmaschine gewaschen... ).