Ich habe diesbezüglich auch ein anstrengendes Schuljahr und möglicherweise wird bei mir sogar zum ersten Mal eine sog. Nachkorrektur beantragt, weil die Eltern nicht mit meiner Bewertung der Klassenarbeit ihres Kindes zufrieden sind. Das Elterngespräch, die anschließenden Gespräche mit der Fachleitung und das Formulieren einer Antwort, in der ich auf die angeblich unklaren Punkte (die lt. Fachleitung völlig klar sind) eingehen soll, hat mich mal locker 3 Stunden extra gekostet. Ist bei mir allerdings das erste Mal, dass das in dem Ausmaß geschieht.
Ich habe nichts dagegen, meine Bewertung zu erläutern, aber was ich frech und übergriffig finde, ist, wenn Eltern einem mal eben die Bewertungskompetenz absprechen und einem ins Gesicht sagen, man würde das Kind falsch bewerten, selbst wenn ich auf die Bewertungskriterien verweise und erläutere, wie ich zu meiner Bewertung gekommen bin.
Was du ansprichst, mit dem Elternchat, wo sich gern alles hochschaukelt, kann ich mir gut vorstellen und auch, dass das zu dem Problem beiträgt. In meinem Fall wurden sogar Arbeiten und Punkte verglichen von den besagten Eltern und im Gespräch gesagt: Ja, natürlich habe ich andere Arbeiten gesehen. (Ist das so natürlich? Ich hab das bei meinen Kindern nie gemacht.).
Ich nehme mir mittlerweile raus, auch einfach nicht auf bestimmte Mails einzugehen, wenn die Angelegenheit eigentlich längst mit der Klasse besprochen wurde (z.B. Bepunktung einzelner Aufgaben) oder der Vorwurf dermaßen haltlos ist, dass ich es einfach nicht ernst nehmen kann (z.B. Zeitpunkt meines Vokabeltests). Das hätte ich früher nie gemacht, aber mittlerweile ist das für mich in machen Fällen auch ein Mittel, Grenzen zu setzen.
Auch habe ich mal eine Fortbildung (eine von wenigen, die ich richtig gut fand und wo nachhaltig etwas Brauchbares bei mir hängengeblieben ist) zum Thema Elterngespräche gemacht. Da wurde z.B. geraten, die Vorwürfe der Eltern einmal so zu formulieren, wie sie bei der Lehrkraft ankommen und z.B. zu sagen: "Verstehe ich Sie richtig, dass sie fürchten, ich würde ihr Kind absichtlich benachteiligen, indem ich ..." oder auch: "Was erwarten Sie jetzt von mir, dass ich alle in der Klasse so hinsetze, wie Ihr Kind es wünscht?" und dann rudern die meisten schon wieder zurück, weil ihnen erst bewusst wird, wie das rüberkommt.
Leider ist das ein Problem, das - so mein Eindruck - zunimmt, aber auch eines, in das man reinwachsen kann und sich Strategien aneignen kann, wie man damit umgeht oder wie man reagiert. Aber es kann einen wirklich demotivieren, da gebe ich dir Recht.