"Die Studierenden erwarten, dass jemand anderes für sie alles Wichtige erledigt. Termine etwa werden nicht ernst genommen, weil sie nur einmal zu Beginn des Semesters publiziert wurden, nicht aber verbal, ausdrücklich und kurzfristig darauf hingewiesen worden ist."
"Auffällig ist eine deutliche Zunahme an Anträgen zur Einsicht in Prüfungsunterlagen: Korrektururteile wie "falsch" oder "unvollständig" werden als Zumutung empfunden – wie überhaupt eine geringe Frustrationstoleranz zu beobachten ist: Kritik ja, aber behutsam und mit positiven Signalen. Zum ersten Mal in meiner 30jährigen Lehrerfahrung an der Universität wird von Studierenden berichtet, die nach einer (sachlichen) Kritik von einigen Inhalten eines (Gruppen-)Referates in Tränen ausbrachen."
Genau das kann ich von meinen Erfahrungen von der Oberstufe auch bestätigen. Es fängt damit an, dass ich ein Handout austeile, wie das zu haltende Referat gestaltet werden soll (zeitlicher Rahmen, was inhaltlich erwartet wird, wie bewertet wird, Handout, Organisatorisches). Dann tragen sich die SuS zwar für Referate ein, aber fragen mich dann kurz vorher, wie lang es denn sein soll, wo sie den Artikel herbekommen usw.. Ich frage mich jedes Mal, warum? Wenn ich sie an das Handout erinnere, kommt entweder: Ach, es gab ein Handout dazu? Oder: Ach ja stimmt, aber das finde ich jetzt so schnell nicht. Oder Ähnliches. (Das wäre mir damals peinlich gewesen vor der Lehrkraft, da hätte ich eher eine Mitschülerin gefragt).
Ich unterrichte jetzt schon viele Jahre hintereinanderweg in der Oberstufe und das, was im zweiten Zitat (s.o.) gesagt wird, wird nach meiner Erfahrung immer schlimmer. Eins meiner ersten Themen hier im Forum hatte auch teilweise damit zu tun und hat mich sozusagen hierher "getrieben". Ich habe immer mehr den Eindruck, es geht nur noch darum, ein notentechnisch möglichst gutes Abitur zu machen (am besten alle eine 1 vor dem Komma), aber nicht darum, sich selbständig Kenntnisse zu erarbeiten, die Kritik/Kommentare der Lehrer anzunehmen und an sich zu arbeiten (stattdessen aber zu schmollen, weil man von dem bösen, strengen Lehrer ja keine 1 bekommen hat oder, noch besser: die Eltern vorzuschicken), selbst daran mitzuwirken, dass man studienfähig wird. Es wird schon gemosert, wenn sie bei Vorträgen, Filmen, Referaten etc. selbst die wichtigsten Punkte mitnotieren sollen ("Können Sie uns die Präsentation bitte auch ausdrucken?" - "Darf ich mir das Tafelbild / Beamerbild abfotografieren?" - sogar die Hausaufgaben fotografieren manche ab...). Das ist schon zu viel verlangt.
Woran liegt das alles?