Beiträge von Palim

    Ich tippe mal ins Blaue: gut betuchtes Einzugsgebiet mit komplett überbehüteten Kindern

    Das muss gar nicht so sein, auch bei anderer Elternschaft kann das schnell eskalieren, weil die Eltern sich gegenseitig mit Hilfe sozialer Medien aufschaukeln. Da braucht es keine derartigen Filme, es gibt auch ganz andere Anlässe, warum dies geschieht.

    Ebenso ist es möglich, dass die Eltern sich zu Recht beschweren, es mittels eines Elternabends geklärt wurde und die Welle nur medial erfolgt, wobei die Schule ohnehin mehr als genug zu regeln hat, das Geschehen nicht zurückdrehen kann, aber mit Kindern und Eltern die Folgen aufarbeiten muss.

    Ich schreib's auch nochmal: Die Schulpsychologen wurden eingeschalten, also hielt es die Schule wohl für notwendig.

    Und da NDS eines der Länder mit der schlechtesten Versorgung mit Schulpsycholog:innen ist, bekommt man nicht „mal eben“ Termine, da muss es schon brennen.

    Dass der Film gezeigt wurde, ist ja offenbar unstrittig, dass dies erheblichen Bedarf an Aufarbeitung benötigt, geht aus den Artikeln hervor.

    Pädagogische Mitarbeiter:innen (PM) sind seit 2000 Kräfte in Grundschulen, die mittags die Betreuung zur Verlässlichkeit übernehmen und Vertretung übernehmen, dabei handelt es sich offiziell um Betreuung, in der Realität ist es oft auch Unterricht oder zumindest Aufsicht über Aufgaben, die zuvor oder dafür von Lehrkräften gestellt werden. Ein Betreuungsangebot kann die PM stellen, Unterricht vorbereiten soll sie nicht.

    Eine Qualifikation muss nicht vorgewiesen sein, oft mache sie zuvor einen VHS-Kurs, die finanzielle Ausstattung der Schulen gibt es auch nicht her, Personen mit pädagogischer Ausbildung einzustellen (Erzieher:innen/ Sozialpädagog:innen), dafür reicht der Etat nicht und die SL muss bei solchen (alten) Verträgen den Umstand darlegen und den überzogenen Haushalt genehmigen lassen.

    Differenzieren sich die Kinder selber? Also nach Schnelligkeit oder nach Schwierigkeitsgrad?

    Ja, so in etwa. Die Kinder müssen Pflichtaufgaben erledigen, entweder gibt es weitere Aufgaben zur Auswahl oder die Kinder, die schneller sind, bearbeiten auch die schwierigen Aufgaben.

    Da ich nicht allein mit Plänen arbeite, kann ich auch unterschiedliche Schwierigkeiten in anderen Stunden einfordern.

    Müssen die Kinder die Pläne am WE beenden, wenn sie nicht fertig geworden sind?

    Nein. Das finde ich doof. Ich habe meist Arbeitspläne und eben die Differenzierung für die Starken, das gibt den anderen mehr Zeit für das Üben einfacher Aufgaben.

    Wenn ich den Eindruck bekomme, dass Kinder trödeln, finde ich Absprachen mit den Eltern und das Kind arbeitet nach - da finde ich Stunden oder sie machen etwas zu Hause - je nach Elternhaus und Erfolg, bei etlichen würde da nie etwas erledigt sein.

    Und gibt es Aufgaben im Plan, die erst nach einer Einführung im Plenum bearbeitet werden dürfen? Oder ist der Plan unabhängig von Schulstunden, in denen zum Beispiel neue Inhalte eingeführt werden?

    Ja, es gibt Pläne, da setze ich Stopp-Zeichen. Man darf dann nur bis zur nächsten Einführung arbeiten. Wer warten muss, bedient sich an einem anderen Aufgaben-Angebot (das Haltestelle heißt, weil man wartet).

    Und es gibt auch Pläne, die unabhängig von Schulstunden sind, weil es überwiegend Übungsaufgaben sind und nur solche, von denen ich sicher bin, dass es die Kinder selbst schaffen - unabhängig vom Unterricht. Außerdem kennen die Kinder ja das System mit dem Stopp, also kann ich, wenn ich durch unvorhergesehene Ausfälle nicht rechtzeitig die nächste Einführung nachschieben kann, einen Stopp für die ganz schnellen SuS setzen.

    Ja.

    Für Kinder mit sehr geringen Sprachkenntnissen haben wir ein klassenübergreifendes System, da kann sich jeder am Baukasten bedienen, sodass man es nicht zusätzlich planen muss und unabhängig von Klasse/ dem üblichen Lehrwerk ist. (also zieldifferent)

    Die Differenzierung, die die Arbeitshefte (Förderausgabe) mit einbezieht, nutzen wir in beiden Klassen. (also zieldifferent)

    In den Aufgabenplänen selbst ist zudem schon Differenzierung vorgesehen. Dann braucht man nur einen Plan für die Kinder, die die normalen AH nutzen. (also zielgleich, aber differenziert).

    Für bestimmte zieldifferent zu beschulende Kinder benötigt man individuelle Maßnahmen, da finde ich gemeinsame Pläne ungünstig, sondern passe die Inhalte ans jeweilige Kind an.

    Ganz parallel (z.B. zur selben Zeit exakt dieselben Hausaufgaben) kann es aber schon deswegen nicht laufen,

    Ich arbeite nach vielen Jahren zum ersten Mal so, weil es gerade mal passt im Team, es ist nahezu alles parallel, ist jemand krank, macht die andere Lerngruppe möglichst das gleiche im Unterricht, was oft passt. Oder es wird so getauscht, dass man in die Parallelklasse geht, um den Inhalt zu vermitteln, während die anderen etwas üben.

    Aber das ist freiwillig, wir finden es im Moment gut, es passt mit den Klassen weitestgehend und es ist entlastend zu wissen, dass jemand anderes gut Bescheid weiß und die Vertretung regelt, wenn man mal krank ist.

    Beim Durchgang davor passte es nicht und es gab dann andere Konstrukte, um den längeren Ausfall aufzufangen.

    Wäre es nicht freiwillig, würde es mich stören, ich würde mein eigenes Ding machen wollen und machen, wäre mir aber auch klar darüber, dass es Stress mit den Eltern geben könnte. Das würde ich auch heute noch tragen, vielleicht irgendwann nicht mehr.

    Was messen die Studien denn?

    Dass Kinder im ersten Jahr nach ihrer Flucht schlechte Leistungen zeigen? Kunststück!

    Wie viele "Ausnahmen" gibt es wohl?

    In dem Fall meines Elterngesprächs: Ich weiß nicht, ob ich es "sozialer Aufstieg" nennen würde. Der heutige Vater hat hier Möglichkeiten bekommen und genutzt, die er im Herkunftsland nicht gehabt hätte, stattdessen Verfolgung und Bedrohung.

    Mit diesem Blick sollte man alle betrachten, die in Deutschland leben, gleich welche Hürden sich in den Weg stellen. Es braucht Begleitung, Unterstützung und Hilfe, statt die Erwartungshaltung zu leben, dass nach der Grundschule ohnehin nichts mehr möglich sei. DAS ist nämlich Teil der Ungerechtigkeit.

    so zumindest meine Erfahrung

    Wie viel Erfahrung hast du denn in Migration in ein anderes Land nach dem Alter von 10 Jahren?

    Ich kenne ganz unterschiedliche Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind, etliche von ihnen sind in Kindheit oder Jugend nach Deutschland gekommen und man kann das überhaupt nicht merken, sie sind gut integriert. Bei einigen weiß ich es nur, weil ich den Vornamen kenne, nichts deutet darauf hin, dass sie eine andere Sprache sprechen. Andere haben einen Akzent - und? Ich bin mir ganz sicher, dass etliche hier im Forum einen Akzent haben.

    Erst letzte Woche hatte ich ein Elterngespräch, der Vater sagt, er sei als Analphabet gekommen, inzwischen ist er Ingenieur.

    So, wie du Gymshark es darstellst, hat man ab dem Alter von 11 Jahren leider gar keine Chance, wenn man umziehen oder fliehen muss, wenn man verletzt wird oder eine Krankheit bekommt, die einen über längere Zeit beeinträchtigt.

    Eigentlich kann diese nur überwunden werden, wenn

    … man dann Schulen dazu befähigt.

    Aber das ist nicht auf die Grundschule beschränkt.

    Wenn das Kind in Klasse 6 nach Deutschland kommt, wird es ja auch beschult und kann in Deutsch nicht die Leistungen bringen, in anderen Fächern auch erst wieder, wenn es die Sprache in ausreichendem Maß beherrscht.

    Und wenn das Kind eine andere Benachteiligung hat, muss das Kind lernen, diese zu kompensieren und benötigt dafür Unterstützung. Auch das ist nicht mit Klasse 4 beendet und auch das benötigt Zeit und Personal. Übrigens auch, wenn man im als erwachsene Person eine Beeinträchtigung erfährt, die man zuvor nicht hatte.

    Warum sollte es jemandem nur in der Grundschulzeit gelingen?
    Wenn du morgen in einem anderen Land wärest, könntest du dich auch eine andere Sprache lernen, ein anderes Schulsystem begreifen, eine andere Kultur erfahren und dich einbringen. Und wenn du morgen durch einen Unfall eine Benachteiligung erhältst, wirst du hoffentlich lernen können, damit umzugehen.

    Eine „gesellschaftliche Kapitulation“ wäre es, alles immer nur den Menschen selbst anzulasten und sie immer nur in die eigene Verantwortung zu stellen und die gesellschaftliche Unterstützung zu untersagen.

    Für Deutsch war es schon vor etwa 20 Jahren so, dass die Lehrkräfte der Hauptschule baten, dass wir die 4 Fälle weglassen sollen, damit die Schüler:innen nicht alles durcheinander bringen und die HS-Lehrkräfte es selbst vermitteln, während die Woche vorher die Gym-Lehrkräfte erwarteten, dass dies komplett vermittelt und begriffen ist.

    Gerade darum gibt es Lehrpläne und Bildungsstandards. Absprachen, die einen verbindlichen Rahmen geben, um das Wunschkonzert zu bedienen.

    Mich stört, dass die Veränderung NDS zugeschoben wird, aber in den Bildungsstandards, die bundesweit gelten, von 2022 stehen, also für alle Grundschulen bundesweit gelten.

    Schulen, die sich nicht an Absprachen halten, hat es schon immer gegeben, in beide Richtungen, Schulen mit ausgesuchter Schüler:innenschaft, die locker mehr anbieten, und andere, die das Nötigste kaum vermittelt bekommen … und Schulen, die sich für ihre Schüler:innen um den Spagat bemühen.

    Die Curricularen Vorgaben in NDS sind nicht immer gut, die Übergänge stimmen nicht, die Zeit fürs Vermitteln und Üben der vielfältigen Inhalte scheint gar nicht bedacht und mit Unterrichtsstunden/-wochen (mit normalem Ausfall durch Feiertage, Schulveranstaltungen) abgeglichen zu sein.

    Gerne hätte ich schon länger ein Fundamentum, das generell gilt und vor allem dann greift, wenn Lehrkräftemangel und anderes dazu führen, dass man den Unterricht nicht ständig effizient durchziehen kann. Auch wäre es notwendig, genau das als Richtlinie für die Schüler:innen zu haben, die Inhalte aufholen oder auslassen müssen, um Grundlegendes nach 4 Jahren zu beherrschen und ab de4 5. Klasse mit noch weniger Unterstützung zurecht kommen zu können.

    Aber so sind die Curricula nicht, sie werden voll und voller, vieles ist sinnvoll, aber nicht abgestimmt genug und zeitlich völlig unrealistisch, dazu in NDS sehr unkonkret, die CuVo beherzigen keine soziale Benachteiligung, keine Flucht, keine Krankheit, keine Zweitsprachen, keine Inklusion … außer im Vorwort der Lehrkraft die Verantwortung zu geben.

    Ich mühe mich, den einen überhaupt die Rechenverfahren zu vermitteln. Anderen, die genug Luft nach oben haben, kann man erheblich mehr zeigen und sie setzen es auch schnell umwunden können dann noch weiteres bearbeiten. Aber diese Schüler:innen sind an unserer Schule derzeit rar.

    und alle Kinder in allen Klassen bekommen den gleichen Wochenplan.

    Das ist für mich undenkbar, das ging schon vor 20 Jahren nicht, inzwischen sind wir davon weit entfernt.


    Eine Möglichkeit wäre, den Wochenplan zwar gleich zu gestalten, aber bestimmte Aufgaben zu markieren, als Pflicht, als Herausforderung, sodass alle alles sehen können, aber nur bestimmte Aufgaben zwingend erledigen müssen.

    Sich beim Lesen allein auf die Eltern zu verlassen, würde bei uns nach hinten losgehen. Und ich brauche auch Zeit im Unterricht für Erarbeitung, Sicherung, für das Einführen oder Vertiefen, für Inhalte, die ein Plenum benötigen. Auch bei mir sind im WoPla die Übungen, wobei ich eher themenbezogene Arbeitspläne einsetze, die nicht auf eine Woche bezogen sind.

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