Zum Thema Diagnostik:
Das ist ja eher ein "Spezialgebiet" für meine Profession.
Letztendlich kann ein durchschnittlicher GS- und Sekundarstufenlehrer überhaupt nicht detailliert solche Diagnostik betreiben. Da muss man wirklich auch mal eine Lanze für die Regelschulkollegen brechen.
Diagnostik ist ja nicht immer gleich.
Tatsächlich gehört zur Ausbildung wie auch zum Alltag, dass man durchaus Schülerleistungen nicht nur bewertet, sondern sie auch zur Diagnose nutzt. Das fängt für mich schon im Kleinen an ... und bei den sehr kleinen SchülerInnen oder vor der Einschulung.
Ich weiß nicht, wie Hessen aufgestellt ist, aber für NDS kann ich es sehr genau sagen:
Für Klasse 1-4 gibt es keine FöS Lernen mehr, auch Kinder mit anderen Förderbedarfen sind zunehmend mit in den Grundschulklassen.
Dabei ist die Versorgung mit Sonderpädagogen recht unterschiedlich, die 2 Std. pro Klasse (pauschal und komplett für L, Sprache, ESE) kommen in den Schulen nicht unbedingt an UND man ist als Grundschullehrkraft in jedem Fall zuständig, da man die Kinder beschult, die vor einem sitzen.
Bevor oder wenn es überhaupt zu einer Diagnostik mit standardisierten Testformaten durch eine Förderschullehrkraft kommt, hat in der Regel die Grundschullehrkraft schon sehr viel Diagnostik selbst betrieben, Förderung gewählt, Gespräche geführt etc.
Ein Verfahren für sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf kann man nur noch dann anstreben, wenn man zuvor alle der Regelschule möglichen Maßnahmen durchgeführt hat und dieses auch versichern kann - ohne Entwicklungsbericht und Förderpläne über ca. 1 Jahr wird man da nichts.
Mit 1-2 Std. pro Woche, die die Förderschullehrkraft vorbeikommt, und die sie auch für Absprachen udn Überprüfungen nutzen kann, kommt man leider nicht weit und tatsächlich kann ich mir nicht vorstellen, dass man die betroffenen Kinder in die Ecke setzt oder in den Flur stellt, weil sich niemand zuständig fühlen will.
Selbst wenn Regelschullehramtsstudenten noch zusätzliche Module im Studium für diesen Bereich belegen müssten, das kann keiner dauerhaft im Alltag bei der jetzt schon hohen "Arbeitsdichte" in Klassen zwischen 25-30 Schülern stemmen.
Ja, stimmt, da wäre es gut, wenn Inklusion nicht nur auf dem Papier steht und die Kinder in den Klassen ankommen, sondern wenn das Schulsystem genau dafür aus ausgestattet und ausgerichtet ist.
Nichtsdestotrotz ist es sinnvoll, wenn sich nicht allein FörderschulkollegInnen mit den vielen Schwierigkeiten und Spezialfällen auskennen, sondern wenn auch RegelschulkollegInnen eine Ahnung haben, worum es geht und wo sie Hilfe finden können.