Es gibt eine App, die aktuelle Bahnhofstafeln anzeigt. Ich habe mal für meine Heimatstadt, Stuttgart, Berlin, Zürich, Basel SBB und Wien durchgespielt.
Aktuelles Ergebnis bei jeweils ca. 20 Zügen waren in Deutschland 1 - 3 Züge zu spät (5 bis 20 Minuten), in Basel einer, in Zürich ein Ausfall (Deutschland nicht beteiligt) und in Wien gab es 2 Ausfälle (österreichische Regionalbahn und ein internationaler Zug nach Tschechien). Dann doch lieber etwas warten. (Aber ich weiß, auch bei uns fallen immer wieder Züge aus, war jetzt Zufall, dass keiner dabei war.) Das Image der deutschen Bahn ist schlechter als die Realität.
Warum kommt es zu Verspätungen? Ich bin in den letzten Monaten extrem viel Zug gefahren (an manchen Tagen mit bis zu 6 Umstiegen, die fast immer geklappt haben), ich schildere mal kurz meine Gedanken.
Mir fällt die extreme Transparenz der deutschen Bahn auf, es wurde immer gesagt, ob und wieviel man zu spät (oder auch zu früh) war. Mancher Lokführer oder Zugbegleiter brachte den Zug mit seinem lockeren Spruch zum Lachen.
Gründe für Verspätung kamen oft durch andere verspätete Züge zustande. Extrembeispiel: Ich musste vor 2 Monaten dringend früh morgens nach Stuttgart. In Friedrichshafen blieb mein Zug stecken. Zum Glück war der Lokführer ein Quereinsteiger und konnte selbst reparieren, wir starteten mit 10 Minuten Verspätung. Leider war damit unser Slot weg, auf der teilweise einspurigen Strecke waren auf ca. 200 km Strecke insgesamt 6 langsamere Züge vor uns unterwegs, die im nächsten Bahnhof uns ausweichen mussten (und damit selbst Verspätung einheimsten). Einmal mussten wir einem ICE ausweichen und bekamen 5 Minuten Verspätung dazu). Bis dahin mussten die schnelleren Züge hinter den langsameren hinterher zotteln. Zweimal mussten wir zusätzlich auf den Gegenzug warten. Also (kleine) Verspätung eines Zuges, Slot weg, erzeugt größere Verspätung (aus 10 wurden 25 Minuten bei mir) bei mehreren Zügen. Die Strecken sind also überlastet.
2. Grund (im 1. erhalten), es fahren viel mehr Bahn, bis vor 10 Jahren wurde aber in Deutschland es nicht gesehen. Jetzt gibt es viel weniger Bahnbauer (einige europäische Firmen haben vor 20 und mehr Jahren aufgeben müssen), es kann also nicht schnell nachbestellt werden und es fahren teilweise uralte Züge herum (ich musste neulich erklären, wie der Griff nach unten gedrückt werden muss). Es gibt also keine Ersatzzüge, aber auch keine Ersatzmitarbeiter. Ein Zug fiel kurzfristig aus, weil der Lokführer erkrankt war. Es wird jetzt überall gleichzeitig gebaut, Bahnsteige sind also reduziert. Meine Heimatstadt ist über 3 Strecken mit Restdeutschland verbunden. Eine ist aktuell wegen Ausbau komplett gesperrt, eine weitere nachts wegen Reparaturen, die 3. muss also offen bleiben (dreimal musste ich warten wegen der Weiche in Laupheim). 30 Jahre sparen holt man nicht so schnell auf. (Mitarbeiterwerbung in Zügen findet übrigens durch Stimmimitatoren von Lauterbach oder B. Becker statt naja.)
Und vielleicht der wichtigste Grund für Probleme? In Deutschland sollte man möglichst schnell von A nach B kommen, die Umstiegszeiten waren daher sehr knapp. Eine kleine Verspätung hat aber so große Folgen. Das soll jetzt geändert werden. Ich hatte neulich auf einer Fernstrecke bereits das Vergnügen. An jeder Haltestelle wurde jetzt nach Fahrplan 5 Minuten gewartet, wir waren pünktlich, mich haben die extra 25 Minuten daher genervt. Klar, ich wollte nicht umsteigen, ich weiß daher nicht, ob ich die Veränderung insgesamt begrüße? (Andererseits ist so wirklich genug Zeit, die vielen Fahrräder zu sortieren, eine Reihe an Verspätungen kam dadurch zustande und dann gibt es noch Mitfahrer, die absichtlich die Tür blockieren (jetzt viermal in Karlsruhe erlebt, einmal dauerte es 10 Minuten bis die Schaffner gewaltsam den Störenfried entfernten).) Und kleine Verspätung, Slot weg, ...