Beiträge von Kris24

    Weiß ich auch. Du glaubst gar nicht wie für "meine" Baptistenmädchen gekämpft habe, damit sie auf Klassenfahrt dürfen. Die haben mir eine Seite mit Bibelsitaten geschickt, die ich dann Satz für Satz auseinander genommen habe.

    Das hat dann zumindest zu dem Kompromiss geführt, dass die Mädchen mitfahren durften, aber jeden Abend von den Eltern abgeholt wurden und dann morgens wieder gebracht wurden. Sie durften dann eben nur nicht bei der Klassenfahrt übernachten, aben sie aber ansonsten komplett mitgemacht.

    Diese Diskussion hatte ich auch einmal an meiner ersten Schule. Ein Russlanddeutscher Baptist stand beim Elternabend zu diesem Thema auf und las aus dem alten Testament vor, dass die Kinder abends zu Hause sein sollen. Es war also kein Kompromiss, die baltischten Eltern haben sich durchgesetzt.

    Als ich 1999 angefangen habe zu studieren, gab es an der Uni sehr wohl noch ein paar widerliche, sexistische und vor allem rassistische alte Säcke in der Chemie. Aber auch meine Erfahrung ist immer schon, dass die, die es wirklich drauf haben, völlig frei von solchem Gehabe sind und die Männer die widerlichen Säcke genauso wenig leiden konnten, wie wir Frauen. Das hatte man als Frau relativ schnell raus und navigierte dann um die Blödmänner eben drum rum. Wirklich ein Problem mit Sexismus hatte ich daher nie.

    Ich hatte 1988 noch massiv "Blödmänner" im Chemiestudium erlebt. Wir waren 3 Frauen und 147 Männer im Erstsemester. Ich als Lehramtler wurde noch akzeptiert (und genau wie die männlichen Lehramtler nie ganz ernst genommen), meine beiden Kommilitoninnen mussten sich dagegen selbst in mündlichen Prüfungen Sprüche anhören wie, sie wollten sich nur eine gute Partie angeln. Dabei waren wir alle 3 deutlich besser als der Durchschnitt.

    Übrigens kamen beide von Mädchengymnasien. Auch in Mathe (Verhältnis 1 zu 4) stammte die Hälfte von Mädchengymnasien (und die waren auch damals schon selten. An gemischten Gymnasien wurden Frauen also "gehindert").

    Dazu: mein Physiklehrer hat mit einem blöden Spruch dafür gesorgt, dass mein Lieblingsfach von Physik auf Chemie wechselte. Bei einer Rückgabe einer Klassenarbeit sagte er zu mir kein Wort, sondern zu einigen Jungen, "ihr lasst euch von einem Mädchens schlagen? " (ich hatte die beste Arbeit geschrieben).

    Ich kenne ich nicht mehr den genauen Auslöser, aber ich habe mal in der Klasse mal behauptet, dass unsere Baptistenmädchen gezwungen werden ein Kleid zu tragen und die Jungen gezwungen werden Hose zu tragen (Weil ich nie einen Jungen mit Kleid gesehen habe und nie ein Mädchen mit Hose). Die Baptisten hatten auf die Bibel verwiesen: Männer und Frauen müssten sich unterschiedlich kleiden. Draufhin habe ich auf die Bergpredigt verwiesen. Dort trägt Jesus ein weißes Kleid. (Den Hosen waren zu der Zeit in der Gegend überhaput nicht üblich). Meiner Meinung müssten die baptistischen Jungen weiße Kleider tragen und die Mächen eine andere Farbe nehmen.

    Russische Baptisten ja. Andere nicht. (Meine 1. Schule besuchten viele Russlanddeutsche.) Argumentiert wird mit dem Alten Testament (Männerkleidung gegen Frauenkleidung, und das wurde von Russlanddeutschen Baptisten in den 90er als Hose und Rock gedeutet, von den deutschen und amerikanischen nicht.

    Und trotzdem haben 70% der Deutschen keinen Bock auf Gendern, alle Umfragen führen immer wieder zu diesem gleichen Ergebnis. Die einzige Personengruppe, die Gendern mehrheitlich gut findet, sind Anhänger der Grünen. Was ein Zufall, dass Lehrkräfte es also gut finden. Keine Korrelation erkennbar.

    Die Mehrheit hatte noch nie Bock auf irgendeine Änderung, wir säßen noch immer in Höhlen...

    (Mir fallen gerade die Anfänge von Eisenbahn und Auto ein, erinnere mich an Gespräche der Erwachsenen (ich war noch Kind) über Computer und später über Internet und das Handy (alles sehr ablehnend von der (lauten) Mehrheit). Ich habe mal gelesen, dass gerade nicht so intelligente Mitmenschen sich von Neuerungen überfordert fühlen und deshalb alles ablehnen. Lehrer u.a. haben studiert und sind vermutlich im Durchschnitt intelligenter als der Durchschnittsdeutsche, vielleicht liegt es daran. Grüne wollen die Zukunft gestalten, konservative Parteien dagegen alles bewahren. Jede Veränderung ist pfui.)

    Wie geschrieben, in der Chemie steht noch in jedem Raum ein OHP, es gibt Versuche im Bildungsplan, die ohne ihn nicht funktionieren.

    Versicherungstechnisch mag es ein Problem sein (Schulträger ist selten der Dienstherr), aber für mich ist meine Gesundheit noch entscheidender. Daher habe ich mich bewusst gegen Tragen über die Treppe entschieden, Kollegen haben es in der Vergangenheit übernommen (ich bin privat einmal mit einer Sprudelkiste herunter gefallen, zum Glück nichts passiert), ich trage aber leichte Gegenstände von einem Raum in den anderen, wir haben jetzt die Chemiesammlung in Nebenräume geräumt. Es gibt bei uns vom Schulträger halt einen fixen Betrag pro Jahr und wenn ich jemanden beauftrage, Bechergläser, Chemikalien, Bücher ein paar Meter zu tragen, dann bleibt kein Geld für Chemikalien und Bücher übrig. Die Gegenstände waren ja nicht schwer (keine Schränke), bei den Schülertischen halfen die Schüler. Die alte Tafel konnten wir mit Schraubenschlüssel in 4 Teile zerlegen, dann passte es in den Aufzug (Sperrmüll ist im Keller) und wog pro Teil unter 10 kg. Die OHP stehen auf fahrbaren Tischen, klar kann ich stolpern, das kann ich auch im normalen Schulunterricht. Auch da trage ich Chemikalien, Glasgeräte und Bücher, nur nicht so oft hintereinander.

    immer noch? 2023?

    Im Vergleich zum Tafelanschrieb ja. Ich war über die sehr positive Rückmeldungen meiner Schüler (alle Altersstufen) auch überrascht und da es mir meinen Schulstunden erleichtert...

    Ich schrieb nicht nur von ein paar Folien, sie enthalten bei mir sehr viele erklärende Bilder und Links zu Filmen und Apps (große Zeitersparnis im Vergleich zu früher, als ich alles einzeln eingeben musste und die Schüler Zeit für anderes ermöglichte).

    Das, oder die Idee ist so genial und hat Wiederholungswert, dass ich noch in 2 Min. Ein paar Zeilen in meinem Reihenworddokument ergänze.

    Imho ist das eine wesentliche Folge der Digitalisierung. Wir haben im letzten Schuljahr vollelektronische Tafeln bekommen, auf denen das manuelle Schreiben derartig unspontan und unbequem ist, dass immer mehr Kolleginnen faktisch zu ner PPT übergegangen sind, die sie dann von vorne mehr oder weniger frontal durchjagen.

    Verstehe ich nicht.

    Manuelles Schreiben auf unseren digitalen Tafeln geht mit Whiteboardmarkern noch leichter als mit Kreide. In Mathe ist es aktuell noch meine Wahl.

    In Chemie bereite ich auch PPP vor inkl. Links zu digitalen Lernapps, Filmen oder Fotos. Ich verwende dazu das digitale Lehrermaterial der Verlage, aber auch Internet allgemein. Ja, beim 1. Mal benötigt es mehr Zeit als nur diktieren aus meinen alten Unterrichtsunterlagen. Aber in der Schulstunde habe ich mehr Zeit für mich, aber auch Vorbereitung von Versuchen usw., dadurch weniger Leerlauf und meine Schüler lieben die Abwechslung, es ist insgesamt eine Riesenerleichterung. Und beim nächsten Durchgang kann ich sicher einzelne Folien wieder verwenden.

    Ich hatte auch Sorge, dass die Schüler das Gefühl haben, durchgejagt zu werden und sie daher am Ende des Schuljahres direkt gefragt. Sie haben deutlich widersprochen. PPP bedeutet für sie mehr Abwechslung und ich verschwende keine Zeit mehr, indem ich mit Rücken zur Klasse an die Tafel schreibe.

    Und solange das jemand macht, wird sich ewig nichts ändern.

    Bei uns würde täglich der Hörer in die Hand genommen und der Schulträger informiert. Da die unsere Penetranz kennen, geht das mittlerweile erstaunlich schnell.

    Aktuell haben Umzugsunternehmen 2 Räume freigezogen. Da hat keiner der KuK einen Stuhl bewegt geschweige denn Lasten, die man nur mit Maschinen bewegen sollte!

    Und die Rechnung wird dann von unserem (knappen) Etat bezahlt. Dann haben wir ein Umzugsunternehmen, aber es reicht nicht für neue Möbel. Dem Schulträger ist völlig egal, was er bezahlt. Er zahlt nichts extra. Das war damals an meiner Gesamtschule in NRW anders. Da musste alles beantragt werden, hier nicht, wir können selbst entscheiden, wofür wir unser Geld ausgeben. (In Deutschland handelt jede Gemeinde anders.)

    Zu schwere Dinge tragen wir auch nicht, die Tafel haben wir daher in 4 Teile zerlegt.

    Susannea, ich habe zusammen mit Kollegen und Schülern auch schon Möbel bewegt. Ich persönlich schleppe sie nicht mehr über Treppen, das übernehmen dann andere. Jeder tut, was er kann.

    Warum tun wir das? Entweder wartet man ewig (eine Tafel stand jetzt über 10 Jahre bei uns in der Sammlung im Weg, bevor 2 Kollegen und ich sie auseinander nahmen und in den Keller trugen oder wir beauftragen jemanden und müssen ihn bezahlen (der Schulträger stellt uns ein Gesamtetat, dass dann prozentual an die Abteilungen verteilt wird, zu Verfügung). Auch unsere Hausmeister packen zu (und trugen den 40 kg schweren Röhrenferseher aus der Chemie in den Keller, der seit 20 Jahren nicht mehr verwendet wurde). Sperrmüll wird dann regelmäßig aus dem Keller abgeholt.

    zu Fachräumen

    Da nur NaWi-Kollegen in die entsprechenden Fachräume dürfen, unterrichten wir oft (aus Platzgründen) auch unser 2. Fach im Chemie- oder Physikraum. Ich unterrichte also oft Mathe im Chemieraum, der Chemiekollege Englisch. (Wir haben Raummangel und so bleibt das Klassenzimmer für andere frei.)

    Ja ... Aber Chemie und Physik sind auch in Deutschland nicht immer Prüfungsfächer, dann kann ich wieder erzählen, was ich will :P Wenn diese Fächer bei uns in den genannten Ausbildungsgängen unterrichtet werden, hat man automatisch mindestens eine mündliche Abschlussprüfung. Berufsmaturität ist eidgenössisch organisiert, Fachmaturität eben nur kantonal.

    Das weiß ich aber bei einem Basiskurs (Grundkurs) in Baden-Württemberg erst 4 Monate vor Ende und im Leistungskurs müssen sowieso alle zentrales schriftliches Abitur schreiben. Schüler wählen erst zu Beginn des letzten Halbjahres ihr mündliches Prüfungsfach (Basiskurs). Klar kann man vorher fragen (und dann doch überrascht werden). Und da bei uns der Prüfungsvorsitzende ein Kollege eines anderen Gymnasiums ist, müssen alle Themen ausführlich unterrichtet werden.

    Ich liebe die Vielfalt an Schülern. Nur Oberstufe würde mich langweilen (ich hatte Jahre, in denen ich nur 9. Klasse und älter unterrichtet habe. Ich benötige das Leben (den Schwung) der Kleinen, hält mich wach und jung. Aber nur Unterstufe? Ich hatte Schultage, in denen ich nur Unterstufe unterrichtet habe. Dann sehne ich mich nach Ruhe. Die Mischung, Abwechslung ist für mich wichtig.


    Ich habe nur im Gegensatz zu Kollegen Schwierigkeiten mit Schülern, die nicht wollen. In beiden sehr verschiedenen Gymnasien, in denen ich Lehrer war, kommt dies selbst in Klasse 8 oder 9 in weniger als 10 % der Schüler vor. Selbst am Nachmittag sind die allermeisten motiviert und reißen sich zusammen, wenn sie wie ich müde sind. Deshalb möchte ich nicht dauerhaft an einem anderen Schultyp unterrichten. Meine Erfahrungen an einer Gesamtschule möchte ich nicht wiederholen, habe ich danach nie mehr erlebt.

    Aber state_of_Trance ist doch prima, dass jeder von uns am richtigen Schultyp für ihn unterrichtet. Wir sind verschieden. Ich bin übrigens 55, unterrichte seit fast 30 Jahren, stelle fest, die Kids halten mich in Schwung. Ich wünsche mir also die Hälfte meiner Stunden bei den Kleinen (und ein junger Kollege, der vor einem Jahr ähnlich wie du dachte, bestätigte mir vor den Sommerferien, dass die 5. Klasse mich liebt (mich hat es nicht überrascht, ist immer so und aufgrund dieses guten Verhältnisses kommen wir auch gut durch die Mittelstufe (mein Geheimnis)).

    In Baden-Württemberg wurde vor ca. 20 Jahren ("vorher erhöhte Deputatsstunden" wurden nicht mehr gesenkt), tatsächlich in der kompletten Sek. I (zumindest am Gymnasium) die Pflichtanzahl an Klassenarbeiten von 6 auf 4 in allen Hauptfächern "als Ausgleich" gesenkt (und drei zusätzliche bewegliche Ferientage). Zu Beginn schrieben noch ein paar Kollegen mehr, inzwischen kenne ich niemanden mehr (es geht also hervorragend). Ich lasse bei einer fehlenden Klassenarbeit selten nachschreiben (darf hier jeder Lehrer selbst entscheiden), erst wenn jemand das 2. Mal fehlt.

    In Nebenfächern dürfen hier höchstens 4 Arbeiten geschrieben werden. Die meisten mir bekannten Kollegen schreiben 3.

    Wir "veschbern" auch ... auch wenn es niemand so nennen würde,

    aber es ist schon merkwürdig, wenn 50 Jahre lang der Schulanfang auf Donnerstag liegt und dann 2mal in 10 Jahren auf Montag.

    Und mit dem Wissen, dass es vor ca. 10 Jahren wirklich viel Verwirrung gab, hätte man darauf bei der neuen Ferienregelung auch verzichten können.

    Aber vielleicht mussten die Ferien so früh für das erste BL beginnen, damit der Korridor breit genug ist.

    Wir beginnen immer am Montag (nur einmal in ca. 30 Jahren am Donnerstag), meine Schwester (nicht im Schuldienst, aber 2 Kinder) ist immer noch sauer, weil dadurch ihr Urlaub um 3 Tage verkürzt wurde). ^^

    tja, die Gewohnheit

    Wir vespern nicht, grillen aber hinterher.

    Danke Quittengelee für das verlinken. Das Bild zeigt eine solche Langeweile, wer sich hier trotzdem bewirbt, will unbedingt Lehrer werden. Alleine das grün, grausig. Erinnert an irgendeinen Wartesaal, irgendetwas, wo ich ganz sicher nicht hin will.

    (Das ist dann das andere Extrem.)

    Zu Baden-Württembergs Kampagne, angeblich haben sich jetzt bereits dreimal so viele auf eine Vertretungsstelle beworben als vor einem Jahr, mal schauen wie viele in einem halben Jahr noch dabei sind?

    Warum ist das eigentlich so, dass es gerade in NRW, wo Fasnet ("Karneval") so eine große Nummer ist, keine entsprechenden Ferien gibt? Ebenso wundert mich immer, dass gerade in NRW, wo die Gebeine der Heiligen Drei Könige liegen, Epiphanias kein Feiertag ist.

    In Baden-Württemberg gibt es auch keine Fastnachtsferien, es werden nur in vielen Regionen bewegliche Ferientage eingesetzt.

    Warum hat Baden-Württemberg relativ viele bewegliche Ferientage? Ein Teil kam als "Wiedergutmachung" für eine Erhöhung der Deputatsstunden zustande. Ich würde gerne auf diesen Teil verzichten und hätte jede Woche weniger Unterricht.

    An alle, erhöht doch eure Deputatsstunden, dann bekommt ihr vielleicht auch ein paar Tage dazwischen frei. Euer Arbeitgeber ist sicher einverstanden.

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