ich denke, jeder findet die aktuelle Zeit beschissen, aber was ist die Alternative?
Gar keine Maßnahmen oder andere (und wenn man nachfragt, habe ich noch nie sinnvolles gehört) wie gerade vorgeschlagen? Das kommt nur von Leuten, die sich nicht vorstellen können, dass auch unser Gesundheitssystem kurz vor dem überlaufen ist (übrigens jeder 3. bis 4. stirbt, wenn er wegen Covid-19 ins Krankenhaus muss, jüngere oft nach Monaten, bei älteren geht es schneller, aber bis dahin "blockieren" sie das Bett auch für das 20-jährige Unfallopfer oder den 50-jährigen Herzinfarkt). Und bei uns wird ausdrücklich nicht nach Alter oder Behinderung (viele Behinderte haben diese Sorge geäußert) entschieden, sondern nur wer die besten Chancen hat. Wenn jetzt das Virus noch ansteckender wird, werden wir uns noch mehr einschränken müssen (und wenn es nicht diese Mutation ist, dann vielleicht die nächste? Je mehr infiziert sind, umso mehr Möglichkeiten für Mutationen gibt es. Auch deshalb ist es wichtig, dass weltweit geimpft wird und nicht nur bei uns.)
Ich persönlich versuche (klappt auch nicht immer), Dinge, die ich nicht ändern kann, zu akzeptieren und das beste heraus zu holen. Ich persönlich habe im Frühjahr Ruhe gefunden. Vorher musste ich ständig unter Leute und fühlte mich gestresst.
Bescheiden ist die Zeit vor allem für Kinder und Jugendliche, die auch vorher kaum Chancen hatten, weil das Geld nicht reicht, weil sie Gewalt in ihrer Familie erleben müssen. Da sind wir gefragt (und wenn da wirklich alle handeln würden und nicht nur reden, dann ... Aber ich erlebe in meiner Umgebung momentan, dass genau die am meisten reden und schimpfen, die vorher nichts getan haben, jetzt nichts tun und nach Corona vermutlich auch nichts tun werden).
Ich bin schon etwas älter als ihr, sowohl meine Eltern als auch meine Großeltern hatten durch Kriege und Flucht keine schöne Kindheit und Jugend. Die Gewalt, aber auch Armut, die sie als Kinder erleben mussten, haben sie bis heute (bzw. zu ihrem Tod) geprägt. Sie sprachen selten und nur auf Nachfrage meinerseits (und ich habe oft gefragt, weil es mich bereits als Kind interessiert hat. Das meiste habe ich erst als Erwachsene erfahren, sie wollten uns schützen, selbst nicht daran denken. ) Da geht es uns gut, das mache ich mir klar, wenn ich über die aktuelle Lage schimpfe. Aber auch deshalb möchte ich nicht, dass unsere Alten für die Jugend geopfert wird (wie man in gewissen Kreisen hört). Ich gehöre zur ersten Generation, bei der es aufwärts ging (als ich geboren wurde, gab es noch Barackenunterkünfte von Flüchtlingen des 2. Weltkrieges). Wir (meine und die nachfolgende Generation) hatten bisher verdammt viel Glück und wie es für unsere Jugendliche in 30 oder 50 Jahren aussieht? Aber Millionen oder gar Milliarden Klimaflüchtlinge (Schätzungen für Ende dieses Jahrhunderts), wen interessiert es heute, wer ist bereit, heute darauf zu verzichten?