Nach unserem Kultusministerium nicht.
Unser Kultusminister Kretschmann sagte im Mai, als die Schule wieder geöffnet wurde, dass er es macht, weil der politische Druck zu groß wurde, nicht weil er überzeugt ist (ich war überrascht, wie offen und deutlich er das aussprach, Baden-Württemberg hat als letztes Bundesland geöffnet, das hat sicher auch meine Einstellung beeinflusst. Übrigens ist Kretschmann auch Naturwissenschaftler und nicht wie viele Politiker Jurist etc.). Es sind Politiker, die den gesamten Staat im Blick haben (müssen), nicht den einzelnen Menschen. Darin unterscheiden sie sich von Lehrern.
Wenn wir ein Kind infizieren, weil wir vorher von einem anderen Kind infiziert wurden, weil wir zweimal keinen Abstand gehalten haben und das 2. Kind selbst asymptomatisch seine Eltern, Großeltern ansteckt, die dann schwer erkranken (oder gar in Folge sterben), kommt man als Infektionsquelle nicht unbedingt auf Schule und auf Lehrer. D. h. aus politischer Sicht, die Schule bleibt "unschuldig" und bleibt offen. Für das betroffene Kind bricht aber die Welt zusammen und "Schuld" war ein Lehrer, der zweimal zum falschen Zeitpunkt keinen Abstand halten wollte/konnte.
(Die häufigste bekannte Infektionsquelle ist Familie und inzwischen nicht mehr große Feier, aber wie kommt es in die Familie? Vermutlich öfter durch die (symptomfreien) Kinder als die meisten denken. Und wenn jetzt wieder nur Risikogruppen und Menschen mit starken Symptomen wg. Testknappheit getestet werden, wird sich das nicht ändern. Die Schulen bleiben offen, die Zahlen hoch. Die ("befreienden" Studien an Schulen fanden zu Zeitpunkten statt, an denen es wenig Infektionen gab und wo keine Infektion ist, braucht man auch keinen Abstand. Andere Beobachtungen kommen zu anderen Ergebnissen und bezeichnen Schulen als Pandemietreiber. Irgendwo in Deutschland wurde vor kurzem gesagt, Schulen sind anfangs keine Pandemietreiber, aber wenn die Zahlen steigen, dann beschleunigen sie das Geschehen. Das klingt für mich nachvollziehbar.)
Genau dieser Spagat macht vielen von uns zu schaffen. Auch ich halte nicht immer Abstand. Wenn ein Kind weint, wenn es sich verletzt hat, gehe ich auch hin. Aber es ist ein Abwägen und ich versuche, die Anzahl der nahen Kontakte gering zu halten. Eben weil ich das Kind schützen möchte, ich bin in vielen Klassen, habe daher viele Kontakte (und ich habe selbst Familie für die verantwortlich bin).