Du betonst, dass das Referendariat praktisch sei und alle Quereinsteiger es absolviert haben. Das mag stimmen, aber das heißt nicht automatisch, dass es perfekt ist oder dass es die einzigen Wege gibt, kompetent zu unterrichten. Die Aussage, dass „zufriedene Lehrkräfte schweigen“, greift zu kurz. Schweigen kann auch Frustration, Überlastung oder Resignation bedeuten, nicht automatisch Zufriedenheit.
Nur um das klarzustellen: ‚keine Chance‘ klingt so, als dürften nur Referendare unterrichten. Quer- und Seiteneinsteiger zeigen aber, dass es auch ohne Referendariat möglich ist, erfolgreich zu unterrichten.
Ca. 10 % der angehenden Lehrer benötigen tatsächlich kein Referendariat, sie sind Naturtalente. Ca. 10 % können es trotz Referendariat nicht und schimpfen meistens über dieses. 80 % können es lernen und das Referendariat ist genau dafür da.
Ich vermute sehr, dass es hier nicht um die ersten 10 % geht, sonst würde die SL unbefristet wollen. SL wissen sehr gut über die Fähigkeiten ihrer Lehrkräfte Bescheid. Befristet bedeutet, man darfst solange unterrichten, bis sie etwas besseres gefunden haben.
Ich schrieb bei uns keine Chance, weil es bei uns tatsächlich nur Quereinsteiger mit gut bestandenen Referendariat gibt. Wo der Mangel so groß ist, weil niemand dort hin will, ist es anders. Und weil sie keinen Ärger wollen, verschenken sie oft gute Noten und Außenstehende meinen, sie würden erfolgreich unterrichten.
Referendariat ist die praktische Ausbildung zum Lehrer. Ich möchte nicht von einem Chirurgen operiert werden, der es nur aus Büchern gelernt hat und sein praktisches Können am Patienten lernt und meint das reicht. Mag sein, dass er ein Naturtalent ist, aber er soll es inkl. Prüfung bewiesen haben, bevor er mich operiert. Im absoluten Notfall mag man vielleicht Abstriche machen, aber nicht, wenn man die Wahl hat.
Irgendwie fällt mir hier der Dunning-Kruger-Effekt ein, deshalb meine Antwort wissend, dass du es nicht verstehst.