Beiträge von elCaputo

    Wenn ich das so aus der Schweiz lese, dann dürften dort demnach ja die besten Bedingungen für die Freigeldbewegung herrschen. Der Erwerb bzw. Besitz von Grund und Boden ist der Mehrheit der Bevölkerung bereits jetzt unmöglich.


    Es gab meines Wissens dort auch mal ein entsprechendes Experiment.


    Übrigens alles ganz nah am Thema, wenn es um alternative Lösungen für das existierende unersättliche Wirtschaftssystem geht.

    Zurück zum Thema. Laut Spiegel soll Putin bewusst die Hausse am Gas-Markt befördern, um die Umstellung auf alternative Energieformen hierzulande zu verzögern.


    Und ich war der Meinung, Russland wolle nur kurzfristig Druck auf die noch in Bildung begriffene Bundesregierung ausüben, Merkels Kurs bzgl. Nordstream2 fortzusetzen. Nach dem Motto: "Seht Ihr? Ein Ausbau der Gas-Infrastruktur ist dringend notwendig."


    Sollte die Interpretation des Spiegel zutreffen, wäre das Wasser auf die Mühlen der Amerikaner, die Nordstream2 seit langem ablehnen unter Hinweis auf die damit wachsende Abhängigkeit Europas von Russlands Gas und damit Wohlwollen.


    Ich persönlich hätte das diplomatische Geschick Putins diesbezüglich als größer eingeschätzt. Gut, man erfüllt wohl offiziell alle Lieferverträge, aber eben auch nicht mehr.

    Ja, die Preise sind explodiert, aber doch nicht erst jetzt. Das zieht sich doch schon seit Jahren hin und hat nicht nur mit der Corona-Pandemie zu tun.

    Ich glaube wir sind uns einig, dass Corona hier keine größere Rolle spielt. Selbst bei den Lieferproblemen und Preissteigerungen in den anderen Bereichen dürfte Corona nur die Rolle des Brandbeschleunigers, manchmal auch nur der faulen Ausrede, zukommen.

    Dem möchte ich mal direkt widersprechen. Wir leben wirklich nicht im Speckgürtel und für unser Haus bekämen wir jetzt das Doppelte.

    Sehe ich auch so.

    Radius um Köln/Düsseldorf, in dem ein Einfamilienhaus 500.000,- + kostet, ca. 80 bis 100 km. Da muss man schon weit ins Sauerland oder in Richtung Münsterland, dass man da was "locker" kaufen könnte. Die NRW Nordeifel ist wegen der Nähe Köln/Bonn/Aachen da auch raus. Da muss man schon wirklich in die Vulkaneifel.

    Was kaufst Du denn, was so rar ist?

    Mein letzter Besuch im Baumarkt (Thema selber machen):

    - Ameisengift (aus)

    - Spielsand (aus)

    - Chlorgranulat (aus)

    - L-Steine, Rasenkantensteine (aus)


    Das war recht frustrierend. Nicht falsch verstehen, nichts davon war lebensnotwendig oder hätte mich in den Selbstmord getrieben. Aber die Vielzahl gänzlich unterschiedlicher Produkte, die nicht verfügbar war, war zumindest ungewohnt. Ein wenig DDR 2.0

    Nun, im Kollegium höre ich es fast täglich. Das Stöhnen und Ächzen der jungen Kollegen, die eine Familie gründen und ein Eigenheim erstehen wollen. Die Summen sind aberwitzig. Das Angebot bescheiden.

    Manche teure Hütte schlicht eine Unverschämtheit.


    Wer bereits baut, der sieht sich in der Regel Kosten jenseits der halben Million Euro gegenüber - Tendenz steigend, weil die Handwerkerleistungen mittlerweile mit Stundensätzen abgerechnet werden, da erblassen die Anwälte. Von den Materialien will ich nicht anfangen.


    Wer sich so verschuldet, der muss selbst als Lehrer knapp kalkulieren. Die auf uns zukommenden Preissteigerungen sind da oft nicht eingepreist. Mich wundert, dass diesbzgl. hier niemand Befürchtungen äußert.


    Hat in den letzten Monaten keiner von Euch eine Dienstleistung gebraucht und nur zuckende Schultern oder Termine im nächsten Jahrzehnt bekommen?


    Ist keiner von Euch - wie es mir ergangen ist - zuletzt mit einer Einkaufsliste gänzlich unterschiedlicher Produkte losgezogen und nur mit einem Bruchteil davon nach Hause gekommen? Nicht verfügbar, Lieferschwierigkeiten, vielleicht nach Ostern...


    Hier wird vom Fahrradfahren schwadroniert. Wusstet Ihr, dass es momentan oft mit Fahrrädern Essig ist?

    Die Verengung auf den Aspekt Verkehr hier im Thread interpretiere ich jetzt mal als eine Absage an darüber hinaus gehende Probleme, Befürchtungen oder Erfahrungen der Teilnehmer mit anderweitigen Versorgungsengpässen, Preissteigerungen oder Konsumeinschränkungen.


    Mich wundert das zwar, aber vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass Lehrer doch noch priviligiert sind und die deutlichen Teuerungen besser verknuspern können.


    Meine Gedanken zu der Frage, warum unsere Zunft offensichtlich dazu neigt, die o.g. gesamtgesellschaftlichen Probleme zu einer "Fahr halt Fahrrad und flieg nur einmal im Jahr in den Urlaub-Debatte" verkürzt, behalte ich mal lieber für mich.

    Ich habe mir mal die Mühe gemacht und bin mal durchgegangen, in welchen Bereichen in Deutschland Mangel herrscht. Dass es in den genannten Bereichen Mängel gibt, ist teilweise Allgemeingut und in den allermeisten Fällen breiter Konsens. Da ist einiges zusammengekommen. Und wieder, die Referenz ist da Skandinavien, die Niederlande, Kanada, Japan etc. , bevor mir wieder jemand mit Burundi kommt.


    Ölversorgung: (gewollt) mangelhaft

    Gasversorgung: (gewollt) mangelhaft

    Stromversorgung: (gewollt) mangelhaft

    Glasfaser-Internet: mangelhaft

    Mobilfunkabdeckung: mangelhaft

    Bundeswehrausrüstung: ungenügend

    Zustand Straßen-, Autobahnen: mangelhaft

    Zustand Brücken: mangelhaft

    Ausbau Stromtrassen: mangelhaft

    Strom-Ladestationen: mangelhaft

    Hochgeschwindigkeitstrassen: mangelhaft

    Bildungssektor: mangelhaft

    Kita-Versorgung: mangelhaft

    Ganztagesbetreuung: mangelhaft

    Güterverkehr-Bahn: mangelhaft

    Katastrophenschutz: mangelhaft

    Digitalisierung Verwaltung: mangelhaft

    Strafverfolgung/Justiz: mangelhaft

    Ausstattung Polizei: mangelhaft

    ÖPNV: (regional) mangelhaft

    Steuergesetzgebung: mangelhaft

    ärztliche Versorgung: (regional) mangelhaft


    Lange hat uns sicherlich das umfassende und allzeit verfügbare Konsum-Angebot darüber hinweg getröstet, dass doch einiges im Argen liegt. Jetzt erfahren wir auch hier Mangel und beim genaueren Nachdenken fällt einem auf, dass wir schon geraume Zeit in einem Land der Mangelverwaltung und Prokrastination leben. Aber wem sag ich das in einem Forum für Lehrer...

    Der Effekt des Nachholens der Preisentwicklung nach Corona ist aber durchaus vorhanden. Als wir 2013 eingezogen sind und nach kurzer Zeit Heizöl kaufen mussten, waren wir bei knapp 85 € für 100 Liter, der Nachbar hat letzte Woche für 72 getankt. Auch der Dieselpreis war hier schon mal bei knapp 1,60.

    Die jährlichen Inflationsraten seit 2013 zeigen, dass dies eine subjektive Wahrnehmung ist bzw. durch die Fokussierung auf fossile Brennstoffe verzerrt ist. Frau Müllers Warenkorb umfasst mehr, ihr Budget wird ja nicht nur durch die Brennstoffe geschmälert, sondern durch nahezu alle Produkte des täglichen Lebens. Die Preisentwicklung bei den fossilen Brennstoffen und Strom kommen jetzt on top.


    Darüber hinaus sind auch die niedrigen Energiepreise bereits in der Inflation der zurückliegenden Jahre eingepreist.


    Inflation in Prozent:

    2013: 1,4

    2014: 1,0

    2015: 0,5

    2016: 0,5

    2017: 1,5

    2018: 1,8

    2019: 1,4

    2020: 0,5

    2021: 4,4


    Im von Dir genannten Zeitraum kam es beim bloßen Aufaddieren (mathematisch nicht sauber, ich weiß) bereits zu einer Inflation von 8,6%, ohne die Teuerungen des letzten Jahres.

    Die eingangs geschilderten Mängel, die im übrigen bei genauerem Überlegen nur einen kleinen Ausschnitt darstellen, sind deutlich essenzieller und dramatischer, als dass man ihnen mit einem Urlaubsverzicht oder einer selbst gezogenen Gurke aus dem Garten beikäme.


    Wir reden hier von existenzbedrohenden Preisentwicklungen bei fossilen Brennstoffen und Strom, auf die nicht mal eben - insbesondere über die Wintermonate - verzichtet werden kann. Den Verweis darauf, dass man ja immer noch rund ums Jahr Physalis bekommt, halte ich für zynisch, mindestens aber für akademisch (im Wortsinne).


    Aber ähnlich reagieren ja viele Spitzenpolitiker. Entweder gibt es schlicht kein Problem oder es wird plump auf die CO2 Einsparung verwiesen, wenn Frau Müller nicht mehr heizen kann. Wieder andere zeigen auf, dass Frau Müller nur ihre Fenster hätte austauschen lassen müssen, um jetzt nicht mit so hohen Ausgaben für Brennstoffe konfrontiert zu sein.


    Ich versuche übrigens seit geraumer Zeit einen Fensterbauer zu bekommen. Keine Chance. Mal abgesehen vom Material.

    @ Fallen Angel: "Die Maßstäbe haben sich da (meiner Meinung nach) verschoben und immer mehr Luxus wird als normal angesehen. Auf vieles kann man dann doch verzichten, auch wenn es erstmal eine Umstellung bedeutet."


    Interessant, denn bei genau diesem Gedanken ertappe ich mich auch immer wieder. Gar nicht unbedingt im Zusammenhang mit der aktuellen Versorgungs- und Energiekrise. Nur komme ich zu einem anderen Schluss, als dass wir grundsätzlich eine Generation der Verzichtenden sein müssten. Was nicht heißt, dass es nicht Korrekturen bedarf.


    Wenn ich unsere Altvorderen betrachte, dann stelle ich fest, dass wir, gemessen an denen, den Verzicht bereits üben. Was war in den 80er und 90er Jahren der Lebensstandard, den sich ein Gymnasiallehrer ohne weiteres leisten konnte und leistete? Nicht wenige meiner Lehrer waren Alleinverdiener im klassischen Modell mit Hausfrau und allem Pipapo. Eigenheim, zwei Autos und zwei drei Kinder, Ski-Urlaub und im Sommer in den Süden. Das war doch normal und nicht etwa Ausnahme.


    Wer dieses Niveau heute halten will, der muss zwingend auf das Doppelverdiener-Modell umstellen. Natürlich hat der Vergleich Tücken. Aber der Hinweis auf den Lebensstandard in Zaire mag globaler, aktueller und bescheidener sein, allein das kann nicht unsere Referenz sein. Nicht bzgl. Lebensstandard, Menschenrechten, Lebenserwartung, Krankenversorgung oder sonst wie.


    Aber grundsätzlich gebe ich Dir Recht. Die Debatte, was ist Luxus, was ist lebensnotwendig und unabdingbar, muss dringend geführt werden. Das beginnt bei der Festlegung von Standards am unteren Ende der Skala (Stichwort Grundversorgung/Hartz IV) aber auch bei der Lohngestaltung, Besteuerung, Förderung für den sog. Mittelstand oder für die Einführung einer Vermögenssteuer wäre das ein nützliches Instrument. Die Konzentration auf Einkommensreichtum ist ja geradezu obszön.

    Der Gaspreis hat sich seit Jahresanfang im Großhandel um 440 Prozent erhöht, der Preis von Benzin und Diesel ist im selben Zeitraum um ca. 60 Prozent gestiegen. Der Heizölpreis hat sich auf einem hohen Niveau stabilisiert. Man spricht vom Energie-Schock, denn auch hier eine Preiserhöhung an der Börse um 140 Prozent. Man erwägt mittlerweile das Unfassbare - staatliche Intervention. Das alles hören wir mittlerweile jeden Tag in den Nachrichten. Einzelne Gasversorger vergeben keine Neuverträge mehr, es soll schon Gasversorger geben, die auch Bestandskunden kündigen.


    Ebenfalls in den Nachrichten konnte man Infos zum Halbleitermangel finden. Auch die Lieferverzögerungen, die sich aus der Havarie der Ever Given im Suez-Kanal ergeben, sind allgemein bekannt. Die Corona-Krise warf kurz ein Schlaglicht auf die mangelnde Versorgung mit medizinischen Gütern und Medikamenten. Weniger bekannt dürften die länger bestehenden Probleme bei der Versorgung mit bestimmten Medikamenten sein. Ganz konkret konfrontiert mit dem Mangel (und den damit verbundenen Preisaufschlägen) ist man, wenn man gerade baut oder renoviert. Die zugrundeliegenden Probleme beim Kauf oder der Miete erschwinglichen Wohnraums sei nur der Vollständigkeit halber genannt.


    Neben der absurden Preisentwicklung am Immobilienmarkt belasten kräftig gestiegene Handwerkerleistungen und Baustoffpreise das Budget. Mal abgesehen davon, dass man kaum einen findet, der noch einen kleineren Auftrag übernimmt. Die Auftragsbücher sind voll mit großen Baustellen. Das Kleinvieh ist da egal.


    Doch auch im Alltag schlägt das Phänomen zu. Gut, betrachten wir die Engpässe bei Toilettenpapier, Hefe etc. mal als Episode. Aber wer aktuell Winterreifen oder gar ein ganzes Auto kaufen will, der wird schnell frustriert. Nahezu täglich erfahre ich inzwischen, dass bestimmte Produkte oder Dienstleistungen derzeit nicht verfügbar sind. Lange Wartelisten, leere Regale, ratlose Verkäufer allenthalben.

    Langsam tritt bei mir neben der Frustration ein weiterer Gedanke hinzu. Was, wenn das so bleibt oder schlimmer wird? Was, wenn die Selbstregulation der Märkte dauerhaft versagt, ebenso wie die staatlichen Instrumente?


    Geht es nur mir so? Habt Ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht?


    Und wie schätzt Ihr die Situation ein? Ein vorübergehender Schluckauf des Welthandels oder eine sich anbahnende Weltkrise? Befindlichkeiten einer Konsumgesellschaft im Überfluss oder ernsthafte Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft? Globalisierung oder gar der Kapitalismus am Ende? Oder nur der berühmte Sturm im Wasserglas?

    Und die "klassische Gewerkschaft" ist deiner Meinung nach eine Vereinigung von Bergleuten oder Stahlarbeitern, die Streikbrecher attackieren, oder gibt es noch eine offizielle Definition?

    Ja, genau! Schließlich ist das genau das, was die Arbeitskämpfe in Deutschland in den letzten Jahrzehnten prägt.


    Streikbrecher, brennende Öltonnen am Fabrikeingang, Fäkalien an der Droschke des Generaldirektors, Knüppel, Holzlatten und Schiebermützen.


    Klassische Gewerkschaften handeln die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder mit den Arbeitgebern aus. Ergebnis ist zumeist ein Tarifvertrag. Den Gewerkschaften stehen dafür bestimmte Instrumente des Arbeitskampfes zur Verfügung. Keiner der genannten Begriffe oder auch nur die Verhandlung selbst lassen sich mit dem Beamtentum in Einklang bringen.

    Das ist ja alles richtig. Mein Punkt ist, dass das Beamtentum in seiner Grundanlage die elementaren Mitspracherechte von klassischen Gewerkschaften bzgl. des Arbeits- bzw. hier des Dienstverhältnisses bewusst nicht vorsieht.


    Dass sich die Gewerkschaft der Polizei z.B. trotzdem Gewerkschaft nennt, wiewohl ihre Mitglieder zwingend Beamte sein müssen, ändert an diesem Umstand nichts. Die Nomenklatur muss ja nicht zwingend passen. Oftmals steckt ein anderes Kalkül dahinter (hier die Daseinsberechtigung).

    Die DDR nannte sich demokratisch, die Nazis sozialistisch und ein Joe Biden will als Liberaler gelten.


    Ein Weselski jedenfalls würde Amok laufen, wenn er den Restriktionen einer "Beamten-Gewerkschaft" unterworfen wäre. Er würde im Übrigen auch nichts erreichen. Er wäre seiner basalsten Instrumente beraubt. Und nein, nach Feierabend vorm Rathaus ne Demo machen, zählt nicht dazu.

Werbung