Beiträge von Zauberwald

    Früher (als ich Kind war), hat man im Lesen einen einzigen Text pro Woche geübt und null Fragen zum Leseverständnis musste man beantworten. Man hat jede Woche 8 Sätzchen geübt, die ganze Woche lang. Diese wurden diktiert und man hatte eine 1, weil alle alles auswendig konnten. Im Aufsatzunterricht haben wir nur Vorgangsbeschreibungen gemacht. Sonst nichts. In Grammatik kamen Satzgliederbestimmungen dran, so wie heute in der Grundschule auch und wie es anscheinend auch in weiterführenden Schulen (siehe Beitrag von Millie irgendwas).

    Im Vergleich dazu wie es bei mir früher war, sind die Grundschullehrpläne bezüglich Deutsch proppenvoll: Buchvorstellungen, Textverständnis, verschiedene Aufsatzarten, viel Grammatik, viel Rechtschreiben, auch wenn es niemand glauben mag.

    Mir hier sagen zu lassen, ich soll mal bisschen Rechtschreiben üben macht mich richtig wütend.

    Wir hatten in der GS Aufsatzhefte, die fortlaufend geführt wurden. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass was vorgeschrieben wurde. Woran ich mich allerdings erinnern kann, sind wöchentliche Diktate und dick gefüllte Diktathefte. Und dass wir unsere Fehlerwörter in ein Extraheft schreiben mussten und uns daraus im Rahmen der Wochenplanarbeit gegenseitig in Parterarbeit diktieren mussten. Wir haben einfach superviel Rechtschreibung gemacht, glaube ich.

    Und wir nicht? Heute lernen die Kinder dazu noch eine Menge Rechtschreibstrategien, um sich selbst zu helfen.


    Zitat von Maylin85

    "Heute schreiben Schüler haarsträubend katastrophal und bekommen trotzdem ihre gewünschte Schulempfehlung. Und auf der weiterführenden Schule schreiben sie einfach so weiter, wie sie schon immer geschrieben haben, weil es es sich vermutlich 1) bereits gefestigt hat (ebenso, wie sich früher das korrekte Schreiben gefestigt hat), und 2) die Rechtschreibung in den Leistungsbewertungen so wenig Gewicht hat, dass sich für Kinder überhaupt nicht erschließt, warum es irgendwie wichtig sein sollte, daran zu arbeiten."


    Und wie geht ihr damit um? Werft ihr sie vom Gymnasium oder sind das dieselben Schüler, von denen man hier liest, dass sie als Abiturienten eine haarsträubende Rechtschreibung haben? Was bringt ihr denen denn in 8 oder 9 Jahren bei? Sind diese Analphabeten dieselben, die im Abischnitt eine 1 vor dem Komma haben? Wie passt das überhaupt alles zusammen? Wird heutzutage das Abi verschenkt? So viele Einserabiture gab es doch angeblich noch nie. Und das alles mit haarsträubenden Rechtschreibkenntnissen?

    Ich finde ja, dass allgemein viel zu wenig Zeit zum Üben bleibt. Was haben wir als Kinder die schriftliche Division geübt! An Geometrie in der Grundschule kann ich mich dafür kaum bis gar nicht als Schülerin erinnern. Ebenso kann ich mich nicht an Punkt vor Strich und Klammerregeln in der GS erinnern. In Mathe hetze ich gefühlt von Thema zu Thema, und das von Klasse 1- 4. Nie habe ich Zeit.... Unser Lehrwerk ist so umfangreich, dass wir jeden Tag 1 DIN A 4 Seite schaffen müssten. Dazu noch ein 80 seitiges Arbeitsheft. Da sind nicht mal Arbeitsblätter zur Differenzierung dabei. Beispiel (KL.4): S.10: Ungleichungen, S. 11 Rechnen mit Klammern, S. 12: Multiplizieren mit großen Zahlen....usw... Das Rechnen mit Klammern hat aber 80% noch nicht richtig verstanden. Eigentlich ist nicht mal Zeit, die ganze Seite zu üben und ich müsste eigentlich morgen weitermachen. Wir haben Anweisung, eventuell je nur die Aufgaben a - c zu rechnen.... Das kann es doch nicht sein. Ich bin auch für Entrümpelung.

    Ich versuche schon, Zeiten für Mathe abzuzwacken. Dafür entfällt der Montagskreis und oft der Klassenrat.

    Zumindestens in NRW ist die Schuleingangsuntersuchung nicht dafür da, noch nicht schulreife Kinder nicht einzuschulen. Das geht nur noch in absoluten Ausnahmefällen. Die Kinder kommen in die Schule, wenn sie das passende Alter haben, komplett unabhängig davon, was sie können oder nicht. Es besteht Schulpflicht.

    Bei uns gibt es zum Grund noch Grundschulförderklassen, in die in diesen Ausnahmefällen schulpflichtige Kinder zwischen Kindergarten und Grundschule aufgenommen werden. Ab nächstem Jahr müssen diese Klassen bis zu 18 oder 20 Kinder aufnehmen, bisher waren es ungefähr 12 und die Zahl dieser Klassen soll auch erhöht werden. Nicht jede Schule hat so eine Klasse und manche Kinder werden morgens mit dem Taxi eine Stunde durch den Landkreis gefahren. Das bedeutet, es gibt wohl immer mehr Kinder, die die Voraussetzungen für eine Einschulung in die Regelgrundschule nicht erfüllen.

    Es geht laut dieser Quelle hier nicht nur um körperliche Gesundheit, sondern auch um soziales Verhalten, sprachliche Entwicklung, Konzentrationsfähigkeit, etc. Womöglich können die Grundschulkollegen aber Genaueres dazu sagen ( Zauberwald ?) .

    Hier kann man nachlesen, was in BaWü vor der Einschulung läuft und wer für was zuständig ist:

    Einschulungsuntersuchung - KINDERGAERTEN-BW

    Ja, die verbindliche Übertrittsempfehlung wäre superwichtig.

    Mein Gedanke ging aber auch in die Richtung, ob man mit leistungshomogeneren Klassen nicht zumindest zuverlässig eine Teilgruppe auf höherem Niveau halten und "übergeben" könnte. Das wäre ja schonmal besser, als ein abgesenktes Niveau in voller Jahrgangsbreite, wie es hier in der Gegend definitiv der Fall ist.

    Gerade die Kleinen lernen so viel von - und miteinander. Ich fände es sehr schade, wenn es nur noch homogene Gruppen gäbe. Auch für das soziale Lernen ist Heterogenität nicht verkehrt. Meine Schüler sind nun Anfang Kl. 4 und Anfang Februar, also nach dreieinhalb Schuljahren gibt es schon die Grundschulempfehlungen und 4 Wochen später erfolgen die Schulanmeldungen. Ich finde es gut, so wie es in Berlin ist, wo die Grundschulzeit 6 Jahre dauert. Da hätte ich nichts dagegen. Vielleicht wählte man dann die nächste Schulform auch treffender aus.

    Meines Wissens nach wird in der 5. Klasse, auch im Gymnasium, vieles wiederholt und vertieft, was schon in Kl. 4 Unterrichtsstoff war. Habe hier den Lambacher/Schweitzer (Ma, Kl. 5, Gymnasium) liegen. Wenige Inhalte sind ganz neu (Habe den Lambacher mal wegen den Autisten angeschafft, denen schon in der GS langweilig war in Mathe - aber das funktioniert natürlich nur bei den Ausnahmen).

    Es wäre schön, wenn Grundschulen, die den Lehrplan nur so mehr oder weniger schaffen, diese Kinder dann halt auch auf konsequent auf Hauptschulen oder Realschulen oder meinetwegen Gesamtschulen schicken würden/dürften. Oder - besser noch - die Kinder so lange wiederholen lassen könnten, bis sie halt den angemessenen Leistungsstand haben. Hier unterscheiden sich die Sichtweisen vermutlich essentiell, aber ich meine schon, dass weiterführende Schulen sich auf einen Mindeststandard verlassen können sollten.

    Grundschule ist eine eigene Schulform, in der alle Kinder gemeinsam lernen. Dabei versuchen wir, jeden einzelnen zu fördern, die Schlechten und auch die Guten. Die Eltern werden ständig in Berichten, Zeugnissen und mindestens einem ausführlichen Gespräch im Schuljahr auf dem Laufenden gehalten. Wir beraten sie ausführlichst bezüglich der Wahl der weiterführenden Schule und Noten gibt es auch. Wenn dann nicht perfekte Schüler/innen im Gymnasium ankommen, sind wir nicht mehr verantwortlich.

    In Bayern müsste ja dann alles besser laufen, da gibt es ganz feste Notenschnitte, die man erreichen muss, um ins Gymmi zu wechseln (De, Ma, Su: 2,3). Vielleicht meldet sich mal ein Kollege aus BY, DeadPoet und erzählt uns, ob es da ohne Probleme läuft.

    BaWü hat ja nun die Hürden auch heraufgesetzt.

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