Ich kenne Kolleg*innen, die überwiegend frontal und mit Stillarbeit arbeiten, weil sie es können und der Typ sind, der damit (gut?) klarkommt. Ich kann das nicht, und ich habe immer Phasen, wo ich mich rausziehen MUSS, weil ich nicht pausenlos im Fokus stehen möchte. Daher gebe ich mittlerweile so oft wie es geht Partner- und Gruppenaufgaben, manchmal nur 5 oder 10 Minuten. Die Schüler können dann ihr Bedürfnis nach Kommunikation untereinander stillen. Es ist dann eine konstruktive Lautstärke. Ich unterrichte auch hauptsächlich Musik. Bei der Arbeit mit Instrumenten verteile ich die Gruppen oder Partner in Nebenräume oder auf den Schulflur. Leider ist das nicht immer möglich, dann müssen sie sich mit den Instrumenten abwechseln, oder ich lasse es einfach, da geht meine Gesundheit vor. Seit kurzem schreibe ich kleinere Störungen mit Namen an die Tafel, dahinter 1, 2, 3 und bei 3 gibt es eine Konsequenz. Am Ende der Stunde wische ich die Namen wieder weg. Die schwierigen Schüler*innen haben das alle akzeptiert und sich teilweise sogar bedankt, dass ich ihnen die Ermahnungen visualisiere. Einmal habe ich es hinter die Tafel geschrieben, also „nur für mich“, aber dann kam einer von denen und sagte, er möchte es vorne überblicken. Unsere Schulleitung wünscht gar keine Beschämung vor der Klasse, aber ich habe mit den Klassen kurz darüber gesprochen, dass es mir darum geht, mich um alle zu kümmern und es mich sehr ermüdet, wenn ich mich andauernd wiederholen oder warten muss. Bisher hat sich noch keiner beschwert. Immerhin sind die meisten Kolleginnen auch meiner Ansicht und verpfeifen mich nicht. Ich habe mein Vorgehen nach den ersten erfolgreichen Versuchen sofort mit ihnen besprochen. In der letzten Konferenz haben wir alle gesagt, dass gar keine Visualisierung für uns nicht funktioniert, und immerhin hat die SL es zur Kenntnis genommen. Die unterrichten ja kaum. Sie verstehen es einfach nicht. Ich kann jetzt besser arbeiten als noch vor Wochen, wo die SuS und ich uns in häufigen Kämpfen überworfen haben, und trotzdem bekomme ich wahrscheinlich wieder Ärger. Weil ich versuche, meine Arbeit gut zu machen.
Wie bekloppt! Du hast etwas für dich gefunden, hinter dem du stehst und das offensichtlich gut funktioniert. Behalte das unbedingt bei!