Die Arbeitszeiterfassung wird zu keiner Verbesserung führen. Überstunden müssen in den Ferien abgebaut werden (so wie bisher auch). Wer über längere Zeiträume extreme Arbeitszeiten erfasst (mehr als 48 Stunden pro Woche), wird die Ausnahme sein und gegebenenfalls an einer Fortbildung zum Zeitmanagement teilnehmen müssen. Die Aufgaben werden nicht weniger, die Deputate bleiben gleich. Außerdem werden wir anfangen müssen, unsere Urlaubstage zu beantragen, was faktisch dazu führen wird, dass die meisten von uns weniger freie Tage haben werden – wenn man ehrlich sein will und das System nicht betrügen möchte. Sehr effiziente Kolleginnen und Kollegen haben dann einen schlechteren Stundenlohn. Ich hoffe, dass ich mich irre. Ich glaube es jedoch nicht.
Wir wissen einfach nicht, was passieren wird. Ich denke jeder kennt Kollegen, die im aktuellen System sehr gut fahren und für die sich die Situation dann eher negativ entwickeln wird. Aber jeder kennt auch die Kollegen, die mit riesigen Korrekturstapeln ins Wochenende oder in die Ferien gehen. Das hat sicher nicht nur Ursachen im Zeitmanagement, sondern in solchen Faktoren wie Klassengröße, Fächer, Jahrgangsstufe, Vertrautheit mit dem Curriculum, etc.
Was aber in meinen Augen nicht zieht, ist immer diesen Exzeptionalismus des Lehrerberufs zu bemühen. Ja, wir haben einen Job mit gewissen Freiheiten und gewissen Einschränkungen. Aber die gibt es doch in so vielen anderen Bereichen auch und da kriegt man es auch hin Arbeitszeiten ordentlich zu erfassen. Klar, irgendwer wird immer das System bescheißen. Aber ich habe lieber ein System, in dem ich meine Überlastungen erfassen kann als eines, wo es heißt Pech gehabt.