bei bilingualen Kindern direkt das sogenannte "bildungsferne Milieu" zu erwähnen, das ist irgendwie keine wirklich neutrale Betrachtung des Sachbestandes.
Ich weiß nicht, was du hier unter neutral verstehst, aber es ist statistisch belegt, dass bestimmte Migrantengruppen und Kulturkreise in weiten Teilen eher dem bildungsfernen Milieu zuzuordnen sind. Ein stark hemmender Faktor für die Erlernung der Nationalsprache des Zuwanderungslandes ist dabei die Bildung von Subkulturen und damit verbundener Isolation. Es gibt Personen, die leben 30+ Jahre in einem Land und können die Nationalsprache kaum sprechen - weil für sie oft keine Notwendigkeit dazu besteht und sie kein Interesse daran haben, diese zu lernen. Im Kontrast dazu kenne ich z.B. eine Person, die keine zehn Jahre hier lebt und durch Offenheit und viele soziale Kontakte zu "Deutschen" seine deutschen Sprachkenntnisse auch mit weit über 20 sehr schnell auf ein gutes Niveau gebracht hat.
Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass es natürlich schwerer ist, eine Sprache zu erlernen, oder sich z.B. bei den Hausaufgaben von den Eltern Hilfe zu holen, wenn diese die Sprache nicht beherrschen. Migrantenkinder sind hier leider oft im Nachteil,.
Auch wandert das Gros von Personen eben nicht in ein anderes Land aus, weil es ihnen in ihrem Heimatland so gut geht. Auch das korreliert wieder mit dem Bildungshintergrund.
Und nicht alle bilingual türkisch/russisch-Stämmige sind "bildungsfern", was ohnehin ein sehr stigmatisiertes Label ist...
Ich habe keine Ahnung, wo du meinst, das gelesen zu haben. Ich habe mich auf türkisch- und russisch-stämmige Bekannte bezogen, die mir dies aus ihrer Sicht so geschildert haben. Damit haben sie sich gewiss nicht selbst gemeint. Besonders russisch- und asiatisch-stämmige Personen entstammen meist eher dem Gegenteil eines bildungsfernen Milieus.
Kommt man jedoch aus einem bildungsfernen Milieu, begünstigt dies aus meiner Sicht den Umstand, dass man weder die neue Sprache noch die Muttersprache auf einem guten Niveau sprechen kann. Genauso wie es in diesem Land etliche "Bio-Deutsche" gibt, die in meinen Augen ihre Muttersprache nur unzureichend beherrschen (und es werden eher mehr als weniger), und klar korreliert das mit dem Bildungshintergrund.
Um sich für Türkisch oder Russisch zu interessieren muss man selbst nicht unbedingt die Sprache als Mutterssprache haben. Es ist irgendwie verdammt schade, dass direkt davon ausgegangen wird, dass man so etwas ja eh nur studiert, weil man es selbst schon kann. Bei den "feinen" Sprachen, a la Englisch, Französisch und ja, auch meinem heißgeliebtem Spanisch, da steckt dann ja wirklich Wissbegierde dahinter, aber bei Russisch und Türkisch? Unmöglich!
Das kann man wohl nicht ganz vergleichen. In welcher Schule lernt man denn Türkisch von der 7 bis zur 13? In welcher NOCH Russisch?
Diese Grundlage würde man schließlich benötigen, um dann über das Studium ein ausreichendes Niveau zu erreichen, um dieses Fach an einer staatlichen Schule zu lehren.
In der DDR war das noch was anderes. Da haben viele Russisch in der Schule gelernt und entsprechend wird es auch viele deutschstämmige Russisch-Studierende gegeben haben.
Ich finde es jedoch spannend, wie viele Sprachen eine Lehramtsoption bieten.
Gilt für Chinesisch auch. Dafür gibt es dann 5-10 Schulen in Deutschland und das studieren bestimmt nur Nicht-Muttersprachler, die dann die Stellen kriegen...ganz bestimmt. Nur weil etwas eine Option bietet, heißt das nicht, dass es auch eine gute ist.
Kann man in Hessen Spanisch überhaupt für die RS/HS studieren?
Das würde ich nicht ausschließen. An meiner Uni in Hessen zwar nicht, dafür aber merkwürdigerweise Russisch.
Somit halte ich alles für möglich.
Was man studieren kann und was nachher Sinn macht, sind aber ohnehin zwei Paar Schuhe.