Beiträge von Spring

    Das hat nichts mit dem Bewertungsraster an sich zu tun (die wir in der Oberstufe benutzen sollen, in der Sek1 nicht unbedingt), sondern die festen Vorgaben, wie viel AFB1, 2 und3 anteilig gelten, usw.
    Und wenn ich mich nicht täusche, bemängeln ziemlich alle BL (inklusive deins) den Niveauverfall und die Noteninflaton, egal, ob sie Gutachten, freie Texte oder Raster haben.
    In NRW fällt es hier vielleicht am meisten auf, weil hier sehr viele NRWler*innen sind. Weil darunter auch viele aus diesen betroffenen Fächern. Und seien wir mal ehrlich: NRW war nie super gut. Also: der umgekehrte Fahrstuhleffekt kommt auch an Grenzen.
    Ich vermute, Berliner oder Bremer Sek2-Sprachkolleg*innen würden Ähnliches berichten, aber: haben wir überhaupt welche hier?

    Ich bin durch das Ref ins Bremer Schulwesen sozialisiert worden. Meine Erfahrung der letzten Jahre, gerade in der FOS: wir haben sehr viele Schülerinnen und Schüler, die die Prüfungen schlicht nicht schaffen und die wiederholen. Gerade in Deutsch. Schriftlich sind die Prüfungen ungenügend, da kann man gar nichts anderes geben.

    Was allerdings auch stimmt: die Erwartungshorizonte sind nun sehr offen gehalten und die prozentuale Verteilung tut ihr Übriges. Wenn in der Fachhochschulreifeprüfung Deutsch eine kleinteilige strukturierte Textwiedergabe geschafft ist, dann sind schon 40 Prozent des inhaltlichen Teils der Prüfung durch. Im zweiten Teil (Erörterung oder Sachtextanalyse oder Stellungnahme) muss dann echt was passieren, wenn das noch durchgefallen sein soll, da ja auch die sprachliche Darstellung Punkte gibt. Und zack, bestanden.

    Warum bestehen Schüler nicht? Weil sie nicht verstehen, dass es zwei Aufgaben gibt. Weil sie nur eine strukturierte Textwiedergabe schreiben und die Erörterung vergessen. Weil sie eine strukturierte Textwiedergabe mit der Erörterung verschmelzen. Weil sie in einer argumentativen Stellungnahme drei Sätze schreiben. Passiert alles. Da sind wir aber weit von inhaltlichen oder sprachlichen Kriterien entfernt, da geht es um Aufgabenformate, die nach zwei Jahren üben nicht verstanden werden.

    Pflichtlektüre war letztes Jahr z.B. "Das Parfum" von Süskind, von einer Klasse hatten es vier von 23 gelesen. Durch die Wahl des Prüfungsthemas (Sachtexte, juchhu!), wird dann kompensiert, dass man nichts für das Literaturthema gemacht hat. Dann kapieren sie nichts vom Sachtext, schreiben irgendetwas, fallen durch und dann retten sie sich in der mündlichen Prüfung (für die man ja noch ein paar Tutorials oder Zusammenfassungen über den Roman bei YouTube schauen kann).

    Selbst im schriftlichen Abitur in Deutsch hatten wir in den letzten Jahren mehrere ungenügende Leistungen, weil einfach komplett sinnfrei und unverständlich rumgelabert wurde und das seitenweise. Da vermute ich aber in allen Fällen, dass es wirklich mit Prüfungsangst und psychischer Belastung zusammenhing.

    In NRW gibt es am beruflichen Gymansium für die verschiedenen Schwerpunkte auch in den allgemeinbildenden Fächern eigene Lehrpläne. Am beruflichen Gymnasium für Technik behandelt man also andere Themen in Deutsch als am beruflichen Gymnasium für Gesundheit und Soziales. Und entsprechend auch andere Zentralabiturprüfungen (sehr zum Leidwesen der Kollegen, die da unterrichten, die öfter im Leben Prüfungsvorschläge erarbeiten müssen.

    Ui, das ist ja dann echt ein Brett jedes Jahr. Danke für die Erklärung, bundeslandspezifische Unterschiede sind immer wieder anders wild.

    Das berufliche Gymnasium ist eh ein schwieriges Feld, weil es einerseits allgemeinbildenden Anspruch hat, aber zugleich berufsbezogene Anwendungen einbinden möchte. Gleichzeitig wird es sicher Lektüren geben, die fiktiv sind und zugleich einen technischen, pädagogischen oder wirtschaftlichen Kontext aufzeigen, den man mit dem anvisierten Berufsbild in Verbindung bringen könnte.

    Erzähl nochmal, checke ich nicht und ist so auch falsch.

    Im Deutsch-LK machen wir genau die Themen des allgemeinbildenden Abiturs. Das Berufsbild ist vollkommen egal. Im Profilleistungskurs (Psychologie/Soziakpädagogik/Wirtschaft/Recht/ whatever, kommt auf die Ausrichtung der Schule an...) sind die Themen andere und im entsprechenden Bildungsplan hinterlegt.

    Mag bundeslandspezifisch sein, keine Ahnung.

    Ich denke an Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität, Migration, Postkolonialismus, Globalisierung, etc., die alle sicherlich ihre Berechtigung haben, aber schon sehr "raumfordernd" in den Curricula sind und auch starke normative Leitbilder setzen. Das bereits angesprochene Thema Gender & Identity ist ein schönes Beispiel - fachlich im Englischen absolut null und gar nicht notwendig und aus rein ideologischen Gründen im Oberstufenlehrplan gelandet. Kann ich mich nur sehr begrenzt für begeistern.

    Ich beziehe mich natürlich auf meine Schulwelt und nicht auf Schulformen, von denen ich keine Ahnung habe.

    Nachhaltigkeit, Diversität, Postkolonialismus und Globalisierung hatten wir schon im Englisch-LK 2007. Abgesehen von Diversität, wenn man sprachliche Veränderungen bespricht (Gendern und Gendersternchen, und zwar genau zwei Doppelstunden in der FOS), bespreche ich keine Regenbogenthemen in Deutsch.

    Den Vorwurf, dass Schulen steigende Zahlen an Schülern ohne ausreichende wesentliche Kompetenzen in die Welt entlassen, die aber - statt diese in immerhin 13 Jahren mal irgendwie zu erlernen - ihre Schulzeit damit verbracht haben, einen Haufen linker und grüner Lieblingsthemen durchzukauen, muss man sich schon irgendwie gefallen lassen.

    Den Vorwurf der Gehirnwäsche würde ich so auch nicht mitgehen, dass Schule häufig eine bestimmte Gesinnung zu vermitteln versucht, ist aber auch nicht von der Hand zu weisen. Mir wäre etwas weniger Regenbogen auch lieber. Nicht, weil ich die Thematik für unwichtig halte oder ablehne (absolut nicht!), sondern weil ich mich langsam davon belästigt fühle, mit welche Penetranz zur Thematisierung genötigt wird. Einen Kurswechsel in der Bildungspolitik, der zur Abwechselung mal wieder klar auf fachlich relevante Kompetenzen fokussiert, würde ich sehr begrüßen.

    Ich weiß, dass die AfD nochmal was anderes meint, als ich für mich rausziehe. Aber die Aussage ist meines Erachtens zumindest nicht grundverkehrt, sondern dockt an durchaus kritisierbare Aspekte an.

    Sag mir mal bitte, wo ich in der beruflichen Bildung oder an der GyO "Regenbogen" unterrichte. Mir fällt da in dieser Hinsicht wirklich NICHTS ein.

    Berufliche Bildung hier, nein. Ich habe viel zu viele SuS und diese maximal drei Jahre. Ich schenke da niemandem etwas zum Geburtstag. Vor den Abschlussprüfungen bekommen Klassen, die ich mag, einen kleinen Glücksbringer. Das ist schon genug Arbeit. ;)

    Vielen Dank für eure Beiträge! An der Stelle wäre es interessant zu hören, wie ihr den Berufsalltag im Vergleich zum Ref erlebt.

    Tausend Mal besser, trotz Vollzeitstelle am Anfang (vor dem Kind) und mit Deutsch als Korrekturfach. Es ist einfach kein Vergleich und das Ref mMn einfach nur eine Shitshow, die keiner braucht. Ich hatte ganz tolle Seminarleiter, btw. Aber was da zum Teil als Ausbildungsunterricht lief und wie mit mir umgegangen wurde, war menschlich unterirdisch.


    Das ist zum Glück vorbei und der Job toll!

    Im LK hatte ich diese Situation mit einer Pflichtlektüre. Es gibt einen klar beschriebenen sexuellen Übergriff im Roman. Er ist der Ausgangspunkt für den Ich-Erzähler sich von der Welt abzukapseln, das Oberthema ein ganz anderes (Digitalisierung und Games).

    Die Landesschüler*innenvertretung hat nach Auswahl der Lektüre eine ziemliche Welle gemacht. Das war aber für mich ein guter Anlass den Brief der LSV zu thematisieren, bevor wir in die Lektüre eingestiegen sind. Gerade wenn es sogar bekannt ist, dass es Schülerinnen und Schüler in den Kursen gibt, die sexualisierte Gewalt erfahren haben (Dunkelziffer kommt ja noch dazu), kann man mMn nicht einfach so diese Texte reinwerfen. Und es war hier der Fall, es gab mehrere betroffene Schüler.

    Es ist aber schwierig und immer ein Balanceakt. Und ja klar, ich kann nicht auf alles Rücksicht nehmen im Unterricht. Ich habe auch den Hungerkünstler von Kafka gelesen und ein Schüly mit einer Essstörung hat gestresst den Raum verlassen. Da wusste ich noch nichts von der Essstörung, das habe ich erst im Nachhinein erfahren.

    Es ist schwierig und ich versuche selbst da sensibel mit umzugehen und gleichzeitig ist es so wie jemand schrieb: wenn in einer Berufsfachschulklasse 70 Prozent therapieerfahren sind, da kann ich gar nicht alles aufgreifen, was individuell triggern könnte. Ich möchte aber einen Raum schaffen, in dem wir uns produktiv mit dem Text befassen können, ohne dass jemand still leidet. Ob es gelingt, bestimmt nicht immer. Und ja, da wäre eine andere Pflichtlektürenauswahl manchmal angenehmer.

    Natürlich ist das Deutschstudium für Primarstufe ein anderes als das für Sekundarstufe. Tatsächlich macht man in Klasse 1-4 andere Sachen als in Klasse 5-9.

    Je nachdem, wie das Studium aufgebaut ist, bringt dir ein Deutschstudium nichts für den Primarbereich.

    Edit: das ist wie bei Mathe. In den ersten Schuljahren, insbesondere an der Förderschule mit dem Schwerpunkt L, braucht man Didaktik für den grundlegenden Aufbau eines Zahl-, Mengen- und Operationsverständnisses. Mit einem Mathestudium bist du darauf nicht vorbereitet.

    Das Germanistikstudium ist im Bachelor doch sehr gleich aufgebaut, abgesehen von Vertiefungsmodulen, die man für den Primarbereich nicht braucht. Schau mal in eine aktuelle Studienordnung!

    Als ich studiert habe, also von 2008-2013, waren Grundlagen Neuere Literatuwissenschaft, Sprachwissenschaft, Mediavistik für alle Lehrämtler gleich! Egal, ob Primar- oder Gymnasialstufe. Es haben sich einige darüber aufgeregt, warum sie Kafka lesen müssen, weil sie doch grundschulspezifisches wollten. Nun ja, es ist halt immer noch Germanistik. #sorrynotsorry

    Bei einem Bekannten im Ref wurde gesagt, wörtlich:

    Wenn sich zwei prügeln und es besteht die absolute Gefahr, dass das eine Kind zu schwerem Schaden kommt, der Angreifer ist nicht ansprechbar, reagiert nicht, eskaliert komplett. Dann ist es legitim, dem angreifendem Kind zur Not ein Stuhl an den Kopf zu schmeißen, um das Kind, was verprügelt wird, zu schützen. Garantenstellung und so.

    Natürlich gibt es Eskalationsstufen, das war ein krasses Beispiel. Aber Lehrkräfte können nicht danebenstehen und nichts tun!

    Ich war zum Glück noch nie in so einer Situation.

    Meine persönliche Erfahrung: gerade diejenigen, die meinen, alles easy zu wuppen, weil sie schon X Jahre unterrichten, haben enorme Probleme im Ref. Das ist einfach eine Beobachtung, die ich gemacht habe.


    Warum nicht einfach den Fokus auf die Ausbildung legen? Ref ist eh schwer genug und belastend genug. Warum dann sogar noch Verkürzungen anstreben? Verstehe ich nicht. Aber ihr wisst ja, was ihr tut.

    Das Ref rennt dir nicht weg und so wie im Moment die Stellensituation ist, wird das in ein paar Jahren auch noch so sein. Ich hatte nach dem Studium wirklich keine Lust auf Schule und habe erst 5 Jahre später mein Ref gemacht und vorher mal "die echte Arbeitswelt" und so weiter kennengelernt. Ich fand das gut und es hat mir persönlich deutlich mehr gebracht, als direkt von der Uni in die Klasse zu stolpern. Wenn es gerade gut läuft, dann bleib doch dabei. Das Ref kannst du immer noch machen. Vielleicht bist du etwas älter als die anderen Mitreffis. Ja, und?

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