Beiträge von Gymshark

    Ich würde mal behaupten, dass das reine Abschließenwollen nicht ausreicht, wenn es am Ende am Können scheitert, sprich wenn die gezeigte Leistung zu gering ist, um nachweisen zu können, dass die angestrebten Lernziele erreicht wurden.

    Verbessert hat sich imo nichts, aber wir haben einen Haufen neuer Siegel und Zertifikate bekommen und alle möglichen überflüssigen Kooperationen und Projekte.

    Der Ansatz, der sich in (Schul-)Bürokratie und Verwaltung mal dringend durchsetzen sollte, wäre: Eine (ressourcenintensive) Sache kommt hinzu = zwei andere (ressourcenintensive) Sachen fallen weg.

    Ich denke, die Pädagogik als Verband der Praktiker (m/w/d) und Wissenschaftler (m/w/d) hat es seit der damaligen Zeit versäumt, gangbare Wege zu finden, sich nicht nur von damaligen Methoden (Unterrichten durch Gewalt und Angst) zu trennen, sondern menschenfreundlichere Methoden zu ermitteln, die dann trotzdem dafür sorgen, die guten Aspekte der damaligen Zeit (wie du selbst beschreibst Ruhe und Disziplin) zu bewahren. Man hat leider einen menschenfeindlichen Weg, gute Ziele zu erreichen, durch einen menschenfreundlichen Weg, besagte Ziele zu verfehlen, ersetzt.

    Sagen wir mal so, aus meiner Sicht aus dem (allgemeinbildenden) Sek I/II-Bereich heraus: Berufsorientierung kann auch sehr viel Fehlinformation bei den Schülern (m/w/d) geradebügeln. Zum Beispiel (was so ein bisschen von Kris24 angedeutet wurde), dass Schüler (m/w/d) nicht allein aus dem Grund in die Sek II wechseln, weil sie sonst nicht wissen, was sie machen sollen, und sich denken, dass sie, wenn sie weiter im Schulsystem bleiben, den Gedanken an die berufliche Zukunft noch ein paar Jahre aufschieben können.

    Oder der Klassiker: Abiturienten (m/w/d) denken, dass sie ihr Abitur vergeuden würden, wenn sie "nur" eine Ausbildung machen, obwohl es vielleicht einen Ausbildungsberuf gibt, der zu ihnen gut passen können und dessen Absolventen (m/w/d) auf dem Arbeitsmarkt gesucht sind.

    Mit der aktuellen Gesetzgebung macht es sicher Sinn, dass sich das Jugendamt dahingehend abgrenzt bzw. sich nur um Fälle kümmert, bei denen die Kinder, wie von dir beschrieben, bereits halb tot sind.

    Es bleibt aus meiner Sicht Kindeswohlgefährdung, bei der der Staat bewusst wegschaut. Da kann ich nicht einmal einer einzelnen Person die Schuld geben, du hast ja erklärt, wie lang die Schule oft noch dran bleibt, obwohl es praktisch aussichtslos ist - es ist am Ende wohl auch Systemversagen.

    Betriebe werden für das Durchspielen eines nicht benötigten Bewerbungsprozederes schlicht keine Zeit und Nerven haben. Nutzen haben sie von 1-Tages-Praktikanten sowieso kaum und man sollte sich lieber über jeden freuen, der sich überhaupt dazu bereit erklärt😊

    Der Aspekt wird auch stark unterschätzt. Es müssen im Rahmen der allgemeinbildenden Schule, aber auch schulischer Ausbildungen und Studiengänge jedes Jahr so viele Praktika absolviert werden, dass die Bewerber (m/w/d) sehr auf das Wohlwollen der Betriebe angewiesen sind, diese überhaupt aufzunehmen. Nicht jeder Betrieb nimmt Praktikanten (m/w/d), selbst wenn wir das gerne hätten, weil es für sie primär Mehrarbeit ist. Die Kollegen (m/w/d), die für die Praktikumsbetreuung/Berufsorientierung zuständig sind, sollten sich dessen auf jeden Fall bewusst sein und es nicht für selbstverständlich nehmen, dass jemand so leicht einen Praktikumsplatz findet - gerade in der momentanen Wirtschaftskrise.

    Aber dass dann etliche studierende Studienganghopping betreiben und mehrere Semster verlieren oder nach dem Abi Ausbildungen abgebrochen werden, ist dann nicht so schlimm?

    Es kommt darauf an, ob einer Bildungs- oder einer Wirtschaftlichkeitsperspektive heraus argumentiert wird. Aus einer Wirtschaftlichkeitsperspektive heraus argumentiert, wäre das o.g. Szenario natürlich fatal. Aus einer Bildungsperspektive heraus argumentiert, könnte man sagen: "Naja, solange man am Ende mehr weiß als vorher, war es den Umweg wert.".

    Wir haben uns in unserer Gesellschaft mehr oder weniger darauf geeinigt, einen Mittelweg zu gehen, weder rein auf Bildung noch rein auf Wirtschaftlichkeit zu setzen, sondern eher eine Mischform. Und im Rahmen dieser Mischform geht es bei allen Entscheidungen rund um Schulentwicklung und -politik um ein stetiges Aushandeln zwischen diesen beiden Extremen.

    Berufsorientierung macht definitiv auch am Gymnasium Sinn. Es gibt berufliche Bereiche, die völlig überbelegt sind, und solche, in denen großer Mangel herrscht. Viele Abiturienten (m/w/d) wissen hierüber vergleichsweise wenig und fangen dann z.B. mit einem Germanistikstudium an, weil sie in der Schule gerne gelesen haben und im Fach Deutsch gut waren, nur um dann festzustellen, dass es nur wenige Stellen gibt, auf die sich dann direkt 100 Leute bewerben.

    PaPo hat aber natürlich Recht, dass dadurch Unterrichtszeit wegfällt, die so bereits knapp ist. Und curriculare Inhalte streichen, geht eben auch nicht, wenn wir nicht wollen, dass das Lernniveau noch weiter sinkt.

    Natürlich nicht. Aber denkst du, dass dies das erste abweichende Verhalten des Sechstklässlers wäre und er zuvor vollkommen unauffällig war? Meine Erfahrung ist eher, dass sich in solchen Fällen das abweichende Verhalten früh in der Bildungskarriere zeigt und sich im Ausmaß kontinuierlich steigert.

    In der aktuellen Phase des Fachkräfteüberschusses, in der sich dutzende hochqualifizierte Absolventen (m/w/d) auf eine Stelle bewerben, ist es denkbar schwierig für einen Geschichtslehramtsabsolventen (m/w/d), "mal eben" eine Stelle im Museum zu bekommen, vor allem wenn absehbar ist, dass das "nur" eine Art Zwischenstation innerhalb seiner beruflichen Karriere darstellen wird.

    plattyplus : Um mal beim Beispiel der Sechstklässler zu bleiben: Der Katalog der Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen ist auch nicht dafür gedacht, dass alle Maßnahmen innerhalb eines Schuljahres abgehakt werden, sondern über mehrere Jahre. Auch weil die Hoffnung ist, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem eine Maßnahme in dem Ausmaß wirkt, dass der Schüler (m/w/d) sein abweichendes Verhalten endgültig einstellt.

    In der Regel fängt die Schulzeit mit 6 Jahren an und geht, mit Übergang in die Sek II bzw. den berufsbildenden Bereich, bis zum Beginn der Volljährigkeit. Davon mal abgesehen, dass Sechstklässler in der Regel nicht 5 Jahre lang absolut unauffällig sind und plötzlich in einem derartigen Maße durchdrehen, dass der volle Maßnahmenkatalog bis zur härtesten Masnahme durchgearbeitet werden müsste: Wie soll es mit der Bildungskarrirre weitergehen, wenn bereits zu einem frühen Zeitpunkt (Sagen wir mal zur Mitte der Grundschulzeit.) die letzte Stufe erreicht ist und noch sehr viel Zeit bis zum Ende der Schulpflicht fehlt? Was wäre hier dein Vorschlag?

    Und welche pädagogischen Zielen sollen mit einer derart kurzen Überweisung erreicht werden? Davon abgesehen, dass ich mich aus der Bildungsperspektive heraus frage, ob das sinnvoll ist, da Parallelklassen selten den Stoff im Gleichschritt lernen und so für diese 1-2 Wochen realistisch betrachtet kein Lernzuwachs erzielt werden kann.

    NRW-Lehrerin1976 : Es sind leider immer wieder die Schulleitungen, die ein härteres Eingreifen gegen abweichendes Schülerverhalten verhindern, weil sie sich dann im Nachhinein für ihre Entscheidungen rechtfertigen müssen (= zusätzliche Arbeit = unangenehm) - und weil sie Angst haben, dass konsequentes Einschreiten ihrer Schule ein schlechtes Image verpasst. Obwohl eher das Gegenteil der Fall ist. Die Schulleitung hat insofern Recht, dass man sich bei Gewaltübergriffen nicht selbst in Gefahr bringen sollte. In dem Fall war es "nur" eine Schlägerei, aber stell dir vor, es hätte jemand ein Messer gezückt! Da will keiner dazwischen geraten. Man soll nicht tatenlos zuschauen, aber Distanz halten, Unbeteiligte (hier: die anderen Schüler (m/w/d)), wenn möglich, in Sicherheit bringen, dann sich ein Bild der Lage machen: Kann ich die Situation alleine mit Worten entschärfen? Wenn nein, kann ich eine zweite Lehrkraft oder eine andere erwachsene Person als Unterstützung hinzuholen? Wenn nein, habe ich die Möglichkeit, die Polizei anzurufen?

    Ein Elterngespräch klingt als würde die Schlägerei als "dummer Jungenstreich" abgetan. "Haben wir ja alle mal gemacht, ist in dem Alter normal.". Als erzieherische Maßnahme macht ein Elterngespräch in manchen Kontexten sicher Sinn. Wenn es um Gewalt geht, verfehlt es seinen Zweck, weil die Eltern, wie du selbst berichtest, im Zweifelsfall ihr Kind noch eher für seinen Mut loben. Sicher, die Eltern müssen über Vorkommnisse informiert werden, aber es sollte nicht nur beim Gespräch bleiben "und dann haben sich alle wieder lieb", sondern die Beteiligten (m/w/d) sollten erfahren, dass ein solches Verhalten in unserer Gesellschaft keinen Platz hat - z.B. indem sie für 2 Wochen jeden Nachmittag verpflichtend an einem Anti-Gewalt-Workshop teilnehmen müssen. Dafür braucht es aber eine Schulleitung, die sich nicht davor duckt, auch mal unangenehme Entscheidungen treffen zu müssen.

    In meiner Welt ist Hausaufgaben = Schule und Hausarbeiten = Uni.

    Vielleicht werden die Begriffe auch regional unterschiedlich verwendet. Wie würdest du es nennen, wenn die Schüler (m/w/d) zum Thema X einen mehrseitigen Aufsatz schreiben sollen? Bei deinen Fächern kann das in der Sek II ja durchaus mal vorkommen.

    Das Problem, das ich wahrnehme, ist, dass Schüler aber mit der KI nicht umgehen können.

    Wenn ich eine seitenweise Abhandlung über Thema X mithilfe von KI verfasse, aber die Inhalte gar nicht kognitiv erfassen und auch zu Folgefragen, die sich auf den Inhalt beziehen, nicht ansatzweise korrekt antworten kann, ist es aus Bildungssicht nur ein schwacher Trost, dass ich auf einen Knopf drücken kann und die Abhandlung womöglich sogar ganz lesenswert wäre.

    Daher macht KI-Einsatz immer nur dann Sinn, wenn es zu (messbarem) Lernfortschritt führt - und damit meine ich nicht nur Methoden-, sondern auch inhaltliche Kompetenz.

    Alle sitzen bleiben lassen, wird das Problem auch nicht lösen.

    Es bleiben doch "alle" sitzen, weil sie in der Prüfungssituation nicht die Kompetenzen nachweisen können, die ihnen zuvor im Unterricht vermittelt wurden. Die entscheidende Frage ist dann: Warum können sie es nicht, obwohl die Inhalte und Methoden ihnen vorher vermittelt wurden? Die Gründe hierfür können sehr unterschiedlich sein, aber die Folgefrage (und darauf zielt ja auch Quittengelee immer wieder berechtigterweise ab) ist ja: Wie gehe ich als Lehrkraft damit um? Wenn ich dann eine Verlegenheits-Vier gebe, ist keinem geholfen - weder den Schülern (m/w/d) noch den Folgelehrkräften, die dann feststellen, dass die Schüler (m/w/d) gar nicht die fachlichen Voraussetzungen mitbringen, um den nächsten Stoff erarbeiten zu können. Mag sein, dass es aus welchen Gründen auch immer an irgendeiner Stelle innerhalb der Bildungskarriere diesen Stau-Moment gibt, und das ist ärgerlich für die jeweilige Lehrkraft, aber spätestens dann muss ein entscheidender Cut gemacht werden, sodass der Stau gelöst werden kann, statt dass im nächsten Schuljahr die nächste Lehrkraft vor demselben Problem steht, mit Ausnahme, dass der Stau noch größer geworden ist.

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