Beiträge von Gymshark

    Der AfD ist doch klar, dass niemand mit ihr eine Koalition bildet.

    Aktuell ja, Brandmauer und so. Die AfD hat aber auch ehrlicherweise einen Haltungswandel durchlaufen, den jede neue einigermaßen relevante Partei kennt: Zu Beginn ist da die Herausforderung, es überhaupt ins Parlament zu schaffen. Irgendwann war das überall erreicht und dann ging es darum, sich als Oppositionspartei zu etablieren. Das war ein paar Jahre lang Standard und ich erinnere mich noch an Aussagen vereinzelter AfD-Politiker, dass mehr auch gar nicht gewünscht war. Dass die AfD aber erstmals realistische Regierungsmöglichkeit sieht und das entsprechend kommuniziert, ist eine recht junge Entwicklung, die das erste Mal geäußert wurde als in den ersten ostdeutschen Umfragen die AfD auf der 1 stand - und dann dieses Jahr durch die gewonnen Bürgermeister- und Kreistagswahlen gestärkt wurde.

    Die AfD meldet soeben ihre Offenheit für Koalitionsgespräche in Hessen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die AfD sich nicht nur in der Opposition, sondern Regierungschancen sieht und die Bereitschaft hierzu nach außen kommuniziert. Gespräche alleine sagen nicht, dass es auch zu einer Koalition kommt, man denke an Bundes-Jamaika, aber ich denke, dass die Hessen-CDU dieses Jahr noch keine Koalitionsgespräche mit der AfD eingehen wird. Das werden wir aber meiner Einschätzung nach nächstes Jahr erstmals in manch einem ostdeutschen Bundesland sehen.

    Die AfD wird leider immer noch als deutsches Phänomen wahrgenommen. Bis auf Dänemark haben weite Teile Europas ähnliche Parteien mit ähnlichen Zustimmungswerten und die Ausnahme in Dänemark hat einfach damit zu tun, dass die sozialdemokratische Partei einen AfD-nahen Migrationskurs führt. Bleiben Nordamerika und Ozeanien, denn dass Asien oder Afrika eine linksgerichtete Politik führen, halte ich für eher unwahrscheinlich. In Südamerika fehlt mir der Überblick über deren derzeitiges politisches Klima; ich schätze es aber auch eher auf konservativ.

    Die Zustimmungswerte für die AfD sind in Bayern in der Tat überraschender als in Hessen. Wer konservative Werte vertritt, hat in Bayern diese Möglichkeit mit CSU und den freien Wählern. Was manche konservative Wähler vom Kreuzchen von der CSU abhielt, war womöglich die im Bundesvergleich vergleichsweise strenge Coronapolitik von Herrn Söder, die nicht jeder Bayer mit Enthusiasmus mittrug.

    In Hessen regiert die CDU mit den Grünen, was bedeutet, dass manch ein konservativer Wähler womöglich von einem Kreuzchen bei der CDU absah, um nicht indirekt die Grünen mitzuwählen.

    Aber natürlich spielt auch die Unzufriedenheit der Ampel (aktuell 79% Unzufriedenheit), obwohl dies eigentlich Bundespolitik ist, mit in die Landtagswahl hinein.

    Vielleicht sollten sich die Regierungsparteien mal Gedanken machen, was für ein Scheiß sie produzieren, dass eine normalerweise unwählbare Partei so abräumt.

    Ich denke nicht, dass entsprechende Wahlergebnisse zu einem Richtungswechsel führen werden, da das auch in letzten Jahren nicht der Fall war. Auch wenn die AfD nächstes Jahr in mehreren ostdeutschen Bundesländern die Wahl gewinnen wird, dürfte die Ampel ihren Stil fortsetzen.

    Sehr interessanter Fall, so kurz vor den Hessen- und Bayernwahlen! Sollte es tatsächlich ein politischer Angriff gewesen sein, könnte es der Partei ein paar Stimmen bringen wegen Empathie mit dem Opfer. Sollte es eine Inszenierung sein, könnte es der Partei hingegen einige Stimmen kosten aufgrund von fehlender Glaubwürdigkeit.

    Ich finde mich auch in Antimon s Ausführungen, nur für das Fach Mathematik, wieder. Sobald ich auf die Welt der Zahlen aufmerksam wurde, wollte ich rechnen. Eher fand ich es schade, wenn ich in meiner Neugier eingeschränkt wurde, weil der Lehrplan dieses Thema noch nicht vorsah oder ich nicht die Mitschüler "überholen" durfte.

    Intrinsische Motivation ist super und wenn ein Kind lernen möchte, sollte das gefördert und nicht gebremst werden. Im Falle von Lesen kann es dann natürlich sein, dass der Anfangsunterricht im Fach Deutsch etwas langweilig ist, aber es gibt ja noch andere Fächer, in denen es Neues zu entdecken gibt, und in freien Arbeitsphasen können sicher schon erste "richtige" Bücher gelesen werden.

    Bei solchen Artikeln lese ich mir gerne die Kommentare durch, um zu sehen, wie hier das Meinungsbild der Leser ist. Zu meiner Überraschung war dieses hier doch sehr einheitlich, innerhalb des Diskurses gab es, im Vergleich zum Diskurs hier, kaum eine abweichende Meinung, was mich wundern ließ, inwieweit die Leserschaft überhaupt repräsentativ für das Meinungsbild in Deutschland ist oder ob der Focus eher ein Medium ist, das bewusst eine bestimmte politisch orientierte Personengruppe anspricht (und dieser Faktor womöglich bereits in die Entscheidung für manche Themen bzw. den entsprechenden Schreibstil einfließt).

    Aus einer gefühlten Vernachlässigung heraus sollen die Menschen Populisten wählen, die - siehe Meloni - die Benachteiligten noch schlechter stellen werden, Ungerechtigkeiten schüren und alles darauf ansetzen, Unruhe zu verbreiten und die Gesellschaft zu verrohen?

    Auch wenn es wahrscheinlich schwer vorzustellen ist, aus Sicht der "Menschen[, die] Populisten wählen" ist das fett Hervorgehobene bereits der Fall, wird als Ergebnis der regierenden Parteien empfunden, und die Wahl der Populisten als eine Möglichkeit gesehen, diese vermeintlichen Missstände zu beheben.

    Genau, ich bezog mich primär auf § 2 AsylG. Bei den anderen zwei Paragraphen würde ich anknüpfend an die letzten Fragen aus dem von dir zitierten Teil verweisen, ob besagte Paragraphen bedeuten, dass jeder Erdbürger auf den diese Beschreibungen passen Anspruch auf Aufnahme in Deutschland hätte oder ob der deutsche Staat dies mit Verweis auf andere Staaten ablehnen könnte.

    Das wurde doch hier auch schon mehrfach geschrieben.

    Ich verstehe nicht, warum es für manche nur die beiden Optionen zu geben scheint "Deutschland kann nicht alle 100 Millionen Flüchtlinge aufnehmen" und "Deutschland muss deswegen alle Grenzen mit der Kalaschnikow bewachen." Also klar, wenn man auf dem Standpunkt steht, dass man sich nur um Geflüchtete aus den Nachbarstaaten kümmern muss, dann ist Deutschland natürlich fein raus. Mit Kollegin Chilipapaprika haben wir ja dann ausreichend vielen Menschen Asyl gewährt. Dass Italien und Griechenland dann die Länder sind, die die ganze Last tragen, finden offenbar manche voll okay.

    Hier müssen wir eindeutig Moral und Recht unterscheiden, denn rein rechtlich gibt es nur wenige Menschen, die nach einer strengen Auslegung der deutschen Asylgesetze Anspruch auf Asyl in Deutschland hätten. Grundsätzlich geht das in der Tat zulasten von Ländern wie Italien oder Griechenland.

    Es ist die Kernfrage: Wer hat Anspruch auf ein Leben in Deutschland? Und wem darf Deutschland einen Aufenthalt verweigern?

    Gerade wenn wir Richtung Klimawandeln etc. gucken wird der Druck zu flüchten wahrscheinlich eher größer werden.

    In dem Zusammenhang ist Flucht aus individueller Sicht zwar nachvollziehbar, wenngleich mit viel Schmerz verbunden, aber man muss realistischerweise sagen, dass dadurch das Ausgangsproblem nicht gelöst wird - und das muss endlich in den Vordergrund der Debtten geraten.

    Davon mal ab: Es wird zu oft in Diskussionen argumentiert, als ob es nur Deutschland und z.B. Eritrea gebe. Es sind zwei seeeehr unterschiedliche Länder, während es dazwischen noch viele andere Länder gibt, die z.B. kulturell, politisch, geographisch oder rechtlich deutlich näher an Eritrea sind und im Falle einer Migration gar nicht erst einen derartigen Aufwand wie soeben von dir beschrieben benötigen.

    Naja, es muss keine formale Absprache sein. Krieg, Klimawandel und Hungersnöte, ... vergrößern die Probleme in Afrika und immer mehr Leute machen sich auf den Weg nach Europa. Letztlich passiert das jetzt auch schon nur im kleineren Rahmen. Gleiches bei der Ukraine. Ich meine die Europäer haben sehr großzügig die Ukrainer aufgenommen. Aber hatten wir eine Wahl, wenn Millionen von Ukrainer gekommen wären? Was wäre ewenn Russland militärisch erfolgreicher gewesen wäre? Und dann von Gräueltaten gegen die ukrainische Bevölkerung berichtet worden wäre?

    Ersteres muss größere Bedeutung in der Außen- und Entwicklungspolitik einnehmen, um wiederum zu vermeiden, dass es zu zweiterem kommt. Dabei ist natürlich nicht der Hintergedanke "Wir wollen diese Menschen nicht hier haben.", denn diejenigen, die unfreiwillig (!) flüchten, wollen es ja selbst nicht, sondern machen es aus einer Notsituation heraus. Vielmehr sollen die Menschen gar nicht erst in die Not geraten müssen, ihre Liebsten und alles, was ihnen wichtig ist, in der Hoffnung auf ein vermeintlich besseres Leben zu verlassen.

    Die europäische Außenpolitik muss völlig neu gedacht werden. Aktuell gilt mehr oder weniger das Matra "Den Menschen in Afrika geht es schlecht, wenn sie zu uns kommen, geht es ihnen gut.", was einerseits Afrika abwertet und andererseits Europa zum selbstverliebten Gönner stilisiert. Europa muss nicht die Welt retten und es wäre verwegen, sich selbst mit dieser Aufgabe zu beauftragen. Europa hilft mehr, wenn es einerseits seine eigene Bedeutung in der Welt bescheidender einschätzt, und gleichzeitig Afrika nicht klein hält, sondern durch Hilfe zur Selbsthilfe zum gleichwertigen Partner erstarken lässt.

    In einer Unterhaltung ist es von großem Vorteil, gemeinsame Punkte aufzuzeigen und sich diese bewusst zu machen, so auch hier.

    Ich beziehe mich auf die Beispiele der vorangegangenen Schreiber und habe da zwar tatsächlich nie Ukrainer explizit an-, ihnen aber auch gleichzeitig nie eine Sonderrolle zugesprochen.

    Von deinen Ausführungen ist jedes einzelne Argument nachvollziehbar, ich bin da völlig bei dir, Quittengelee. Schaut man sich die afrikanische Landkarte an, sind ja durchaus einige Länder, die entweder an Eritrea grenzen oder zumindest in der Nähe liegen. Sicher haben diese Länder nicht das wirtschaftliche Niveau von Deutschland, aber wenn es einzig um Sicherheit geht, wüsste ich jetzt keinen Grund, z.B. Äthiopien oder Kenia aus Prinzip auszuschließen.

    Wir sind in der Diskussion immerhin schon an dem Punkt angekommen, an dem wir sagen können:

    1. Keiner will dem Syrer etwas Böses.

    2.Deutschland alleine kann die Fluchtprobleme der Welt nicht lösen.

    3. Es lässt sich aus allen Gesetzen kein Anspruch herauslesen, dass Deutschland geflohene Syrer aufnehmen MUSS. Freiwillige Aufnahmen sind bewusst ausgeklammert.

    Wichtig ist, da ja kein Anspruch auf Asyl für den Syrer in Deutschland besteht, dass nicht Deutschland schauen muss, wo der Syrer unterkommt, sondern der Syrer selbst.

    Tom123 : Du stellst die AfD als deutsches oder gar ostdeutsches Phänomen dar. Vielmehr ist es eher ein europaweites, bei dem Deutschland erst relativ spät nachgekommen ist. Daher wäre ich gespannt, welche Ausweichmöglichkeiten dem syrischen Zahnarzt vorschweben, sollte ihm Deutschland zu rechts sein. Vor allem, da Syrien im Gegenzug ja auch nicht gerade seinen Schwerpunkt im linken Teil des politischen Spektrums hat.

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