Beiträge von Gymshark

    Was ist mit der Hotelkette, der Yacht, den Wohnungen in New York und Miami und dem Gestüt?

    Wenn die Familie außer der Wohnung in New York sonst nix hätte... Es kommt immer auf die Verhältnismäßigkeit an. Im Prinzip geht es um den Prototypfall "Großeltern haben 40 Jahre lang gearbeitet, Kinder erzogen, sind jetzt in Rente - wie kann ermöglicht werden, dass der hart erarbeitete Familienbesitz in der Familie bleibt, ohne dass die Kinder oder Enkel aus Angst vor dem finanziellen Ruin alles verkaufen müssen?". In den seltensten Fällen geht es ja um Hotelketten und Yachten, sondern ein ganz normales Einfamilienhaus irgendwo in der Kleinstadt.

    Ich würde es anders formulieren: Jede Person sollte bis zu 2 Häuser steuerfrei erben dürfen - das kann durchaus das Elternhaus und der Familienbetrieb, die beide hohen emotionalen Wert haben, sein. Darüber hinaus könnte man zusätzlich über einen Geldbetrag X sprechen, aber ich würde die Immobilienvererbung erst einmal unabhängig von einem Geldwert, der ja auch sehr von der jeweiligen Konjunktur abhängt, handhaben. Es kann sich bei diesen 2 Immobilien um eine 2-Zimmer-Eigentumswohnung oder auch die Villa am Tegernsee handeln - den Kontrast sollte unsere Gesellschaft ohne Neidgedanken verkraften können. Bei allem, was darüber mengentechnisch hinausgeht, können wir über eine Erbsteuer sprechen.

    Zitat von Maylin85

    als gut ausgebildeter, gut verdienender Mensch ohne Familie und Kinder

    Das betrifft relativ wenige Menschen in Deutschland. Junge Menschen vor der Familiengründung verdienen als Berufseinsteiger oft noch nicht so viel und sobald sie Berufserfahrung erlangt haben oder in eine Position mit höheren Verdienstmöglichkeiten wechseln, sind sie bereits in einem Alter, in dem zumindest für viele Familie und Kinder ein konkretes Thema sind.

    Ich sehe ein, dass es ein schwieriges Unterfangen ist, grundlegende Teilhabe für alle zu ermöglichen, ohne dass dies in Steuerhöhungen oder dem Gefühl des Einzelnen, in seiner Entscheidungsgewalt eingeschränkt zu werden, endet.

    Und inwiefern ist der Geldanreiz in bar jeden Monat besser/sinnvoller/effizienter als ein kostenloser Kindergarten, kostenlose Vereinsangebote, Lernmittelfreiheit, kostenfreie Bereitstellung von ALLEN Lernmaterialien und Infrastruktur, mehr pädagogische Angebote, usw..?

    Ich sehe hier zwei Probleme: Einerseits, dass der Gewöhnungseffekt schnell eintritt, sprich dass all die genannten Aspekte nicht als "besonders", sondern als "normal" angenommen werden, andererseits, dass der Einzelne dann weniger Entscheidungsgewalt über die Nutzung von Mitteln hätte, da es eine weitere Aufgabe in den Händen des Staates wäre. Davon mal abgesehen: Was wäre mit den Individualausgaben für Kinder, z.B. Kleidung, Nahrungsmittel, Spielzeug, den Differenzbetrag für die größere Wohnung/das größere Haus, etc.? Dies würde durch deine genannten Aspekte nicht berücksichtigt werden.

    Und auch hier könnte man wieder die Theorie aufstellen, dass mehr Geld dazu führt, dass sich weniger Paare aus finanziellen Gründen gegen ein (weiteres) Kind entscheiden. Klar gibt es auch noch weitere Gründe, warum man sich gegen ein Kind entscheidet, aber so würde zumindest dieser eine Teilaspekt entfallen. Ich denke aber mal, dass das Thema bereits mehrfach in der Vergangenheit aufkam und die Position hierzu inzwischen klar sein dürften.

    Auch wo man sich Schülerfeedback einholt würde ich mir gut überlegen. Buch zu schwer und Tafelanschrieb zu lang? Hahahaha.

    Bei jungen Erwachsenen hört man immer öfter "Das kann ich nicht.", "Das ist mir zu anstrengend." oder ähnliche Ausreden, um unliebsame Aufgaben zu umgehen.

    Man muss sich das Leben nicht unnötig schwer machen, manchmal kann man bestimmte Dinge sinnvoll optimieren. Dennoch finde ich es durchaus wichtig, dass Jugendliche lernen, dass man im Leben auch mal unliebsame Aufgaben erledigen und im Zweifelsfall einfach mal die Zähne zusammenbeißen muss. Der Umgang mit dem "schweren" Buch ist gewissermaßen eine Vorbereitung für den Umgang mit zukünftigen "schweren Büchern" - auch weit nach Ende der Schulzeit.

    Also wählt bei euch fast jeder die Fremdsprache ab? Die NaWi-Kollegen wird's freuen. Bei uns belegen circa 40% der Schüler in der Qualifikationsphase eine 2. Fremdsprache, wozu natürlich auch Schüler mit neu einsetzender 2. Fremdsprache dazu gehören. Im letzten Schuljahr wählen noch einmal ein paar Schüler die 2. Fremdsprache ab (Ist aber auch bei den Naturwissenschaften so), so dass wir vielleicht bei einer Quote von 25-30% sind, die die 2. Fremdsprache bis zum bitteren Ende belegen.

    Effektiv tut sich mit einer Sprache mehr nicht sehr viel, wenn man ohnehin Englisch gut kann.

    Ich habe mal das magische Wort hervorgehoben. Es gibt viele Deutsche mit ausbaufähigen Englischkenntnissen. Treffen sie dann auf Menschen aus anderen Ländern, deren Englischkenntnisse auch eher begrenzt sind, gestaltet sich die Kommunikation schwierig. Es sei denn natürlich, man muss jeden 2. Satz mit dem Übersetzungsprogramm deiner Wahl übersetzen, was den Kommunikationsfluss eher bremst als fördert.

    Wenn es danach geht, könnte man vermutlich für alle Fächer außer Deutsch und Mathematik ausreichend Gründe gegen den Status als Pflichtfach finden. Es ist einfach schön, wenn man in einer 2. Fremdsprache Inhalte aufnehmen und selbst erzeugen kann, aber ich nehme an, dass dich das Argument wenig überzeugen wird, da man dies auch im Rahmen von Wahlpflichtunterricht erzielen könnte.

    Nö. Jedenfalls nicht so, wie du denkst. In verschiedenen Schuljahren heißen die Mathethemen unterschiedlich, das ist auch bei uns der Fall.

    Bei uns steht aber nicht Geometry oder Pre-Calculus oder so im Zeugnis, sondern nur Mathematik - da hat Antimon schon Recht.

    -----------

    Es ist immer schwierig, zu rechtfertigen, warum etwas im Schulkontext so beibehalten werden soll wie es ist, weil vieles eben aus der Schulhistorie heraus entstanden ist und wir daraus irgendwie die Berechtigung ziehen, warum wir es immer noch so handhaben. Alleine aus dem Grund ist es so, dass immer mehr Punkte dafür sprechen, den Status Quo beizubehalten, als Punkte, die für eine Abkehr hiervon sprechen. Hätte es nie Fremdsprachenunterricht in Deutschland gegeben, weiß ich nicht, ob ich im Jahr 2023 dafür plädieren würde, ihn einzuführen. Dasselbe würde aber auch für einige andere Fächer gelten.

    Du hast ja schon mehrfach geschrieben, dass eure Schüler nach vielen Jahren Französischunterricht immer noch sehr geringe Kompetenz in dieser Sprache aufweisen. Ich bin nicht mit euren Curricula bewandert, aber vielleicht müsste da etwas optimiert werden, dass vom Unterricht mehr hängen bleibt, denn ich muss dir zumindest da durchaus Recht geben, dass, wenn nach vielen Jahren immer noch nix hängen geblieben ist, es verschwendete Unterrichtszeit ist. Dabei stelle ich aber nicht das Unterrichtsfach selbst infrage, sondern eher die verwendete Didaktik.

    Interessanter Vergleich mit Mathematik. In den USA wird die Aufsplittung in mathematische Teilbereiche weiterhin praktiziert.

    Fremdsprachenkenntnisse werden ja aktuell nicht in der Schule vermittelt, um die Jugendlichen zu Übersetzern auszubilden, sondern ganz pragmatisch, dass sie in der Lage sind, zu verstehen, worum es in einem Rapsong geht, Freundschaften mit Leuten aus anderen Ländern zu knüpfen oder auch einen Jugendroman in der Originalausgabe zu lesen. Die Kompetenzen betonen ja extra den transkulturellen und den kommunikativen Aspekt, weswegen es um mehr als nur die Übersetzung zum Mittel der reinen Informationsgewinnung geht.

    Ich würde gerne an der Stelle dir, Zauberwald, für deine sehr angenehme Art und deine interessanten Beiträge der letzten Monate danken. Es ist nicht immer einfach, seinen Platz in einem Forum mit den ganzen Dynamiken zu finden, die es irgendwie immer zu geben scheint, sobald mehr als eine Handvoll Leute aufeinandertrifft, aber du bereicherst meiner Einschätzung nach unser Forum sehr.

Werbung