Beiträge von Gymshark

    Das hast du natürlich bewusst provokativ geschrieben, aber natürlich hat die Politik die Möglichkeit, Anreize zum Kinderkriegen setzen, indem Arbeitnehmer (analog Beamte) mit Kindern bestimmte Privilegien bei der personellen Einteilung genießen. Aber klar, du hast irgendwie auch Recht, dass die Bevorzugung einer Bevölkerungsgruppe immer auch schnell als Benachteilung der Anderen gedeutet werden kann.

    Da können die Musikkollegen sicher eine bessere Antwort geben. Ich kann nur allgemein den Vorteil der Ziffernbenotung sagen und der ist, dass die Vorstellung einer Zifferbenotung eindeutiger ist als bei verbalen Beurteilungen, Vergleiche leichter machbar sind und Verbesserungen leichter feststellbar sind. Ein gewisser Grad Subjektivität bleibt immer, aber den hast du bei allen Bewertungs- und Beurteilungsformen.

    Ich sehe da bei Musik keinen Unterschied zu Gesellschaftswissenschaften, Sprachen oder Naturwissenschaften. Fachmethodik und -inhalte werden im Unterricht vermittelt und am Ende der Unterrichtseinheit werden die Kenntnisse hierüber bzw. Kompetenzen hierin überprüft. Wenn jemand alles kann, gibt es die 1 bzw. 15 Punkte. Klar hast du Schüler, die musikalisch vorgegebildet sind, du hast aber gleichermaßen auch Muttersprachler oder Kinder von Chemieprofessoren im Unterricht sitzen. 100% gleiche Bedingungen kannst und musst du nicht schaffen.

    Mit dem "sich wenigstens Mühe geben, die Zielsprache zu sprechen" muss ich Recht geben. Ich merke bei Touristen aus dem englischsprachigen Raum ganz oft, dass einfach direkt drauf los in Englisch gesprochen wird, ohne wenigstens zu versuchen, die 3-4 klassischen Floskeln auf Deutsch, und sei es mit Akzent oder leichten grammatischen Abweichungen, zu sagen.

    Das häufige Argument der hohen Alltagsrelevanz bei Spanisch hat sich mir auch nie erschlossen. Habt ihr im Alltag viele Berührungspunkte mit spanischer Sprache oder Kultur? Es gibt den obligatorischen spanischsprachigen Sommerhit einmal pro Jahr und Mallorcaurlaub ist bei Deutschen weiterhin sehr beliebt, aber darüberhinausgehend wird es doch schnell eher dünn...

    Ich habe mal aus Neugier in den Lehrplan für Englisch für kaufmännische Berufe in Bayern geschaut. Da sind durchaus einige anspruchvollere fachsprachliche Themen dabei. Vielleicht nicht gerade mit Analyse von Shakespearedramen vergleichbar, aber durchaus ein höheres Niveau als Sechstklass-at-the-airport-Dialoge. Es hängt aber natürlich davon ab, was die Lehrkraft daraus macht - Papier ist schließlich geduldig.

    Eigentlich hast du schon Recht mit dem Einwand, ISD. Ärmeren Ländern die Fachkräfte abzuwerben, wenn das oft die Leute sind, die noch am ehesten etwas an den gesellschaftlichen Missständen ändern könnten, ist gelinde sagt eine Frechheit.

    Nicht jeder sieht die persönliche Befriedigung darin, regelmäßig auf möglichst hohem intellektuellen Niveau zu arbeiten. Manch einer wird auch einfach Bäcker oder Konditor, weil er eine Leidenschaft für's Backen hat - auch wenn es vielleicht für eine kognitiv anspruchsvollere Tätigkeit gereicht hätte. Manch einer ist auch ganz pragmatisch und denkt sich "Für's Geldverdienen reicht's. Meinen Interessen gehe ich in meiner Freizeit nach." bei der Berufswahl.

    Erst gestern habe ich auf YouTube eine Reportage über einen jungen Mann gefunden, der ein 1,0er-Abi hatte, wegen seinen Eltern Zahnmedizin zu studieren begann, damit jedoch sehr unglücklich war, sein Studium abbrach und entschied, Förster werden zu wollen. Er ist jetzt mit seinem dualen Studium der Forstwirtschaft fertig und weiterhin sehr glücklich mit seiner Entscheidung. Sein Vater inzwischen auch.

    Politik definiert den Rahmen, in dem wir uns privat wie beruflich bewegen - und das vom Moment der Geburt an. Von daher lässt sich hier eine Politisierung nicht gänzlich vermeiden. Das Ausgangsthema ist einerseits ein pädagogisches, aber die (Bildungs-)politik spielt hier auf jeden Fall auch mit rein.

    Ob es die deutsche Kultur gibt, das müsste man an anderer Stelle diskutieren. Verbringt man mal eine Zeit in einem anderen Land, stellt man einige Unterschiede fest im Bezug auf das gesellschaftliche Miteinander, Werte und Moralvorstellung, Freizeit und Berufsvorstellung, Kunst, Musik und Schauspiel, Essen, Umgang mit Mensch, Tier und Pflanze. All das lässt sich mit Kultur zusammenfassen. Die Unterschiede zwischen Deutschland und Japan sind jetzt größer als zwischen Deutschland und Österreich, weswegen man vielleicht eher von mitteleuropäischer Kultur sprechen könnte, die auf nationaler Ebene (aber natürlich noch einmal auf regionaler Ebene, z.B. Stadt vs. Land, Brennpunkt vs. Einfamilienhaussiedlung, Berlin vs. München) noch einmal hier und da eigene Akzente setzt.

    ISD: Die deutschen Communitys kenne ich natürlich und sehe ich durchaus auch kritisch. Momentan ist die Schweiz wieder als Auswandererland beliebt, während Corona waren es vor allem die Arabischen Emirate. Die Beweggründe sind da teilweise sehr unterschiedlich. Ich habe für mich die eigene Latte zum Migrieren sehr weit hoch gesetzt, weil ich für mich selbst dann auch die Assimilation, auch sprachlich, als Ziel hätte. Generell haben wir als Gesellschaft noch nicht abschließend geklärt, was wir genau im Kontext der Migration wollen, Assimilation, Integration oder Segregation? Momentan ist es eine bunte Mischung aus allem. Hinzu kommen dann noch Asyl, reguläre sowie illegale Migration, die jeweils eigene Rechtslagen haben, aber auch oft nicht sauber getrennt werden.

    Man kann allgemein sagen: Man erreicht das höchste Bildungsniveau, wenn man beim Individuum das Meiste aus dem vorhandenen Potential herausholt. Das heißt aber im Gegenzug nicht, dass das Bildungsniveau höher wäre als jetzt, wenn jeder Abitur machen würde. Im Gegenteil! Ist man konstant überfordert, schaltet man irgendwann auf Standby und dann kommt gar nix mehr an.

    Die Herausforderung ist, beim individuellen Schüler herauszufinden, wo das Maximalpotential liegt und die Anforderungen an den Schüler so hoch anzusetzen, dass man möglichst nah an dieses Potential kommt.

    Ich bedanke mich für Dienstleistungen oder wenn jemand mir einen Gefallen tut. Für das reine Dasein bekommt jemand von mir relativ selten ein "Danke". Ich grüße jedoch relativ großzügig, würde ich sagen. Es gibt sehr wenige Fälle, in denen ich überhaupt nichts sage. Das Mindeste ist ein höfliches Nicken oder ein kurzes Guten Tag/Auf Wiedersehen. Je nachdem, um welche Person es geht, fällt das dann auch etwas Großzügiger aus, z.B. "Ich wünsche dir/Ihnen einen guten Start in die Woche." oder auch ein "Freut mich, dich/Sie wieder zu sehen!". Manche Leute sind es leider gar nicht gewohnt, dass man sie überhaupt wahrnimmt und wenn da ein Gruß ausdrückt "Du bist hier nicht auf dich alleine gestellt. Es gibt Leute, denen du etwas bedeutest und die ein Interesse haben, dass du dich hier gut fühlst.", ist das doch eine tolle Sache.

    Bei aller berechtiger Kritik: Aktuell geht es etwas in Richtung "Alle hauen auf Haubsi1975 drauf.". Ich war schon einmal in einer solchen Situation, manch Anderer vielleicht auch, und es ist echt nicht schön, von allen Seiten zu hören, was man doch alles falsch mache.

    Haubsi, atme mal ganz tief ein, mache dir einen schönen Restabend mit deinem Kind und versuche mal etwas zur Ruhe zu kommen! Morgen ist ein neuer Tag und der bietet viele neue Möhlichkeiten. Haken dran machen und nach vorne schauen :) !

    Haubsi1975 : Bei konkretem (!) Wissen um Schwierigkeiten bei einzelnen Bahnstrecken stimme ich dir zu, dass man dann eher die Zugverbindung eins früher nimmt. Kommt auch diese deutlich zu spät, fällt das für mich unter höhere Gewalt - Ausnahme: Die konkrete voraussichtliche Verspätung war ausreichend bekannt. Solche "Was wäre wenn..."-Überlegungen sind aber immer schwerer zu beweisen und dann im Zweifelsfall zugunsten des Schülers/Arbeitbehmers auszulegen.

    In der Berufswelt hat ein Arbeitnehmer sicher zu gehen, dass er pünktlich zur Arbeit erscheinen kann. Weiß er im Vorfeld (!), dass er voraussichtlich zu spät kommen wird, muss er einen Alternativweg wählen, der ihn voraussichtlich (!) pünktlich zum Ziel bringt. Höhere Gewalt ist da bewusst außen vor gelassen. Wenn draußen ein Tornado weht oder man Zeuge einer Straftat wird, Erstehilfe leisten muss, o.ä., wird nicht erwartet, dass man pünktlich kommt. Man muss lediglich sicher stellen, dass dieser Umstand zeitnah dem Arbeitgeber mitgeteilt wird.

    Auch muss man nicht für alle Eventualitäten den Zug 2 Stunden früher nehmen, weil "könnte ja sein"... Ausnahme: Es wurde schon einen Tag vorher angekündigt, dass diese eine Zuglinie eine Verspätung von 3 Stunden haben wird. In dem Fall nimmt man natürlich den früheren Zug.

    Ich halte Individualisierung für etwas Gutes. Jeder hat gerne eine Wahl. Und was soll es schon bringen, alle dasselbe zu lehren, nur damit sie danach ganz verschiedene Dinge tun.

    Hintergrund ist die Schaffung einer gemeinsamen Grundlage auf der aufbauend in einem nächsten Schritt die Individualisierung erfolgt. Es gibt bestimmte fachliche Inhalte, die jeder Jugendliche beherrschen sollte, unabhängig ob er später Bäcker, Banker oder Chemiker wird, quasi als Allgemeinwissen.

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