Würde man denn (fachlich) im Gegenzug einem Förderschullehrer, der an der Schule Geistige Entwicklung arbeitet, zutrauen, an einem (W)BK unterrichten zu können oder ist das hier gerade wieder eine einseitige Geschichte?
Beiträge von Gymshark
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Bis auf Fremdsprachen lassen sich vermutlich für alle Fächer der Sek II Gegenstücke innerhalb der Förderschule Geistige Entwicklung finden, wenngleich sicherlich mit anderem Anforderungsniveau und anderen didaktischen Zugängen.
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Die großen Konflikte bleiben also aus? Es ist sehr interessant, dass es hier klappt, aber zuhause vermeintlich Erzfeinde gegenüber stehen. Im Idealfall wäre ein potentieller Putin-Nachfolger jemand, der es schafft, über den vorhandenen tiefen Gräben vereinende Brücken zu bauen. Die Hoffnung stirbt zuletzt...
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Ich verstehe, worauf state_of_Trance hinaus möchte. Aus den Gegenreaktionen auf seine Aussagen lese ich heraus, dass bei manchen Usern die Entscheidung für Lehramt sehr an die gewählten Fächer und Schulformen gebunden ist, während andere es viel offener betrachten, nämlich die Möglichkeit oder gar die Pflicht, auch in andere Schulformen und anderen Fächern eingesetzt zu werden. Bis auf wenige Ausnahmen im berufsbildenden Bereich (und sicherlich auch Weiterbildungskolleg) reden wir ja größtenteils über die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
An der Stelle mal eine theoretische Überlegung: Nehmen wir an, im Sinne des lebenslangen Lernens würde die Landesregierung beschließen, dass es eine Art Schule für Senioren gäbe - ob freiwillig oder Pflicht lassen wir mal außen vor! Wäre es legitim, die Arbeit mit Senioren ähnlich wie manche hier vielleicht nicht mit kleinen Kindern oder Behinderten arbeiten möchten, abzulehnen? Oder bedeutet der Job des Lehrers wirklich, dass man in der Lage sein muss, alle möglichen Inhalte an alle möglichen Altersstufen mit allen möglichen kognitiven und körperlichen Voraussetzungen zu unterrichten?
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Ich meine mich zu erinnern, dass Sachsen und Bayern in der Regel die besten Länder bei den Schulleistungsstudien sind und womöglich spielt die personelle Aussattung gar nicht so eine große Rolle wie andere Faktoren. Beide Länder setzten ja zum Beispiel stärker auf Selektion und dort gelten inhaltsorientierte Lehrpläne statt kompetenzorientierte Bildungsstandards. Unter Umständen gibt es darüber hinaus noch weitere Faktoren, die Sachsen von anderen Bundesländern, die klassisch schlecht in diesen Studien ausfallen, unterscheidet.
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Du sprichst von "den Syrern, Afghanen" und forderst Konsequenzen, aber dass "die Männer" weitaus häufiger Gewaltaten begehen, lässt dich nicht zum Schluss kommen, dass "die Männer" Konsequenzen bräuchten. Alle.
Vielleicht gibt es ja innerhalb dieser doch sehr großen Gruppe noch einmal unterschiedlich starke Ausprägungen. Ohne eine Statistik parat zu haben, würde ich mal aus dem Bauch heraus sagen, dass 20-jährige Männer durchschnittlich häufiger Gewaltverbrechen verüben als 80-jährige Männer. Neben der Kategorie "Alter" könnte man natürlich noch andere Kategorien finden, um die Gruppe "Männer" differenzierter zu betrachten hinsichtlich der Neigung zu Gewalttaten.
Ich bin aber ehrlich, dass ich gerade nicht so den Zusammenhang zum Thema "Lernmethoden und Entwicklung des Bildungsniveaus an deutschen Schulen" erkennen kann.
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Ich meinte eher Ausprägungen. "Zusammenhänge" war da denke ich der falsche Begriff.
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Ich schätze, dass es Beispiele sowie Gegenbeispiele für alle möglichen Ausprägungen hinsichtlich Bildungshintergrund, kultureller Hintergrund und Integrationsfähigkeit gibt. Sicher wurde das bereits genauer empirisch untersucht, hilft uns aber an der Stelle eher weniger weiter. Vielleicht könnte man an der Stelle eher überlegen, welche Lernmethoden, und darum geht es ja hier im Thread, greifen, wenn man Kinder von "schlecht ausgebildete[n] Menschen [...], die selbst bildungsfern sind" in der Klasse sitzen hat und möchte, dass deren Integration trotz schwieriger Ausgangslage dennoch gelingt.
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pepe : Ausgangslage war Zauberwald s Feststellung, dass viele ihrer Schüler nur mangelhafte Deutschkenntnisse aufweisen. Ich stellte daraufhin eine gewisse Schnittstellenproblematik zwischen einer liberale Haltungen zu Migration aus demographischen und Aufnahme von Flüchtlingen aus humanitären Gründen seitens der Politik und dem Wunsch trotz einer Zunahme an Kindern, die nicht über ausreichend bildungssprachliche Kompetenzen verfügen, das gesamtgesellschaftliche Bildungsniveau mindestens halten zu können. Daraufhin entstand eine Diskussion um den Einfluss von Migration auf das Bildungssystem. Die Ausgangsfrage war bewusst offen gehalten und damit nicht nur auf Migration beschränkt. Am Ende ist es ein Teilaspekt neben den Auswirkungen von Corona, veränderten Unterrichtsmethoden, veränderter Kooperation mit Eltern/Arbeitswelt und verstärkter Nutzung von digitalen Medien bereits in jungen Jahren, der sich auf unser Bildungssystem auswirkt.
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fehlende Deutschkenntnisse bei sehr vielen Schülern (in meiner letzten ersten Klasse hatte ich 11 Nationen bei 19 Kindern)
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie man dieses Problem lösen kann, denn die Forderung nach Zuwanderung ist ja gerade in Zeiten von Fachrkräftemangel laut. Hinzu kommen natürlich noch Flüchtlinge, denen Deutschland die Aufnahme ermöglicht. Beide Personengruppen haben eben oftmals Kinder, die häufig in Vierteln wohnen, in denen es bereits andere Kinder mit Migrationshintergrund gibt - vermutlich solche Viertel wie das in dem du unterrichtest. Zuwanderung und Aufnahme von Flüchtlingen sind ja durchaus politisch gewollt, aber wie gleichzeitig das Bildungsniveau erhöht werden kann, darauf finde ich von der Politik keine Antwort. Vielleicht ist da einfach auch die Annahme, dass der Umgang mit anderen Kindern in der (Grund-)Schule bereits ausreicht, dass migrantische Kinder die deutsche Sprache erlernen.
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Vielleicht hilft es für dich persönlich an der Stelle, zu wissen, dass die Abiturdurchschnitte in den letzten Jahren stetig besser wurden, ohne dass wirklich nachweisbar ist, dass die Absolventen deutlich kompetenter wurden. Du könntest mit realistischen Noten zumindest in ganz kleinem Rahmen helfen, die Notenvergabe wieder auf ein Niveau zu bringen, dass Leistung und Bewertung realistisch gegenüber stehen.
Auch in der Sek II kannst du ein Phänomen des Tages, sei es aus den Bereichen Rechtschreibung, Grammatik oder Semantik, das dir in Klausuren häufig begegnet, häufig begegnet, und dafür sorgen, dass es den Schülern so prägnant im Hinterkopf bleibt, dass sie es nicht mehr vergessen.
Deine Erwartungen sind realistisch und wenn die Schüler in diesen elementaren Bereichen Defizite haben, müssen sie spätestens jetzt daran arbeiten, da sie sonst nicht das Abitur schaffen und damit ggf. ihren Wunschberuf nicht durchführen können. Bei einer leistungswilligen Lerngruppe kann eine erste Klausur mit schlechtem Notendurchschnitt ein "Weckruf" sein. Sind Leistung schwach und Willigkeit nicht vorhanden, wird es eng; dann muss man tief in die pädagogische Trickkiste greifen, wobei man insbesondere in der Sek II fragen muss, ob da nicht die Schüler in der Bringschuld sind.
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Was hältst du von Simon vs. the Homo Sapiens Agenda? Passt vom Alter her zu den Schülern und es wurde vor wenigen Jahren relativ erfolgreich verfilmt.
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Nein, die wollen meist in die Industrie. Dahin wollen aber auch die SuS aus dem beruflichen Gymnasium und sind da meist erfolgreicher. Handwerk ist in jedem Fall verbunden mit viel körperlicher Arbeit - das wollen die nicht. Ich hatte einen Schüler in der Unterstufe, der hat geschmissen und eine Ausbildunng beim Discounter angefangen. Da hat er sich aber auch nicht lange gehalten wohl - er konnte sich nicht an regelmäßige Zeiten und eine gewisse Frustrationstoleranz da gewöhnen.
Puh, schwierig. Da müssen wir uns gesamtgesellschaftlich dringend etwas überlegen, denn ich gehe nicht davon aus, dass deine Schüler eine seltene Ausnahme in Deutschland sind. Da gibt es sicher viele Jugendliche in berufsbildenden Lehrgängen, egal ob schulisch oder dual, mit ähnlichen Situationen. Noch halten die vorhandenen Fachkräfte den Laden am Laufen, aber was ist, wenn die mal in Rente gehen? Bei unseren Schülern sind diese "Probleme" oft noch vermeintlich weit weg, aber eure Schüler stehen (je nach Bildungsgang mal mehr, mal weniger - das habe ich schon verstanden) mit einem Bein im Berufsleben, daher ja die Ausgangsfrage, ob sie sich bewusst sind, wie viel gesellschaftliche Hoffnung gerade auf ihren Schultern liegt.
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Haubsi1975 : Ich denke nicht, dass ich da etwas verwechselt habe, sondern eher die Azubis und deine HBF-Schüler in einen gemeinsamen Topf geworfen habe, nämlich verallgemeinert als dem Arbeitsmarkt möglichst bald zur Verfügung stehende Fachkräfte. Ob sie sich selbst als solche wahrnehmen, ob sie sich bewusst sind, dass gesellschaftliche Erwartungen auf ihnen liegen *, da bin ich mir jedoch nach deinen Beschreibungen unsicher.
* Ja, ich gebe zu, dass man da vielleicht zwischen einem angehenden kaufmännischen Assistenten und einem angehenden Handwerksgesellen differenzieren sollte.
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Wenn man nicht ständig von Medien und Politik vermittelt bekommen würde, dass der Fachkräftemangel so gravierend sei, wenn nicht immer mehr Geschäfte ihre Öffnungszeiten aus Personalmangel einschränken würden, wenn die Wartezeit auf einen Handwerker nicht immer länger werden würde, man könnte fast lachen. Haubsi1975 , da du direkt an der Quelle sitzt: Ist deinen Schülern bewusst, dass gerade ein ganzes Land seine volle Hoffnung in diese zukünftigen Fachkräfte setzt?
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Eigentlich müsste man Herrn Dusel mal fragen, wie er sich Schule vorstellt und weniger, wie er sich Schule nicht vorstellt. Ich habe den Eindruck, dass er möchte, dass alle Schüler, womöglich unterschiedlicher kognitiver und sprachlicher Niveaustufen, gemeinsam unterrichtet werden und der Lehrer bietet zu jedem Thema Lerngegenstände auf allen möglichen Niveaustufen an. Am Ende haben alle etwas im Rahmen eines gemeinsamen Oberthemas gemacht, jeder ist im Idealfall schlauer als vorher und bekommt womöglich eine individuelle Rückmeldung vom Lehrer. Klingt schön in der Theorie, hat aber sicher nicht viel mit unserem derzeitigen Bildungssystem zu tun, in dem die Selektion nach Leistung ein zentrales Merkmal darstellt.
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Fordert Herr Dusel so wie er es formuliert nicht sogar die Abschaffung des gegliederten Schulsystems? Denn wenn er sagt, dass alle Kinder in die gleiche Schule gehen sollen, bedeutet das, so wie ich ihn verstehe, dass ein Hochbegabter theoretisch neben einem Geistigbehinderten sitzen könnte. Dann bräuchte es keine Noten mehr und eine Versetzung wäre eh automatisch der Fall. Geistigbehinderte würden dann vermutlich auch keinen lebenspraktischen Unterricht mehr erhalten, sondern in Chemie und Latein dabei sitzen. Wäre das Inklusion gemäß den Vorstellungen von Herrn Dusel?
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