Sondern?
Vermittlung von Kulturtechniken und Allgemeinbildung als Grundlage des lebenslangen Lernens
Sondern?
Vermittlung von Kulturtechniken und Allgemeinbildung als Grundlage des lebenslangen Lernens
Zudem ist es auch nicht die Kernaufgabe von Schule, Interessen zu bedienen und Talente zu fördern. Diese Aufgaben sind im Freizeitbereich verortet und insbesondere in Deutschland gibt es ein international überdurchschnittlich stark etabliertes Vereinsleben, zusätzlich gibt es noch Jugendorganisationen und Ehrenamtsarbeit.
Zauberwald : Das Beispiel kam von Maylin85, die das an ihrer ehemaligen Schule erlebte.
GE-Schüler im Gymnasium ist vergleichbar wie als ob ich einen Sprachanfänger in einen zielsprachlichen Literaturkreis oder jemanden, der gerade so Nudeln mit Tomatensauce zubereiten kann, in einen Kochkurs, in dem gezeigt wird wie Sushi perfekt gerollt oder Rinderfilet auf den Punkt medium gegart wird, stecke.
Es ist weder förderlich für den Teilnehmer mit geringen Vorkenntnissen/Kapazitäten noch für die anderen Teilnehmer (die nachvollziehbarerweise auch eine Anspruchshaltung haben) oder den Kursleiter.
a) genaue Details über die Sonderpädagogikkollegen. Meine Vermutung: Wer selbst auf dem grundlegenden Niveau Probleme hat, dem Unterricht unter gegebenen Rahmenbedingungen zu folgen, hat entweder Lernprobleme oder emotional-soziale Probleme, die das Kind oder den Jugendlichen daran hintern, die geforderten Leistungen erbringen zu können.
b) Vermutung durch Regelschullehrer und Diagnostik/Bestätigung durch Sonderpädagogikkollegen.
c) Bis zur Diagnostik und Bestätigung ist ein Förderschwerpunkt immer erst einmal "gefühlt". Es werden inzwischen schon mehr Förderschullehrkräfte ausgebildet - einige Universitäten und pädagogische Hochschulen haben den Studiengang Lehramt Profil sonderpädagogische Förderung neu ins Studiengangportfolio mit aufgenommen, darunter Görlitz/Zittau, Freiburg und Kassel. Durch Abzug aus der Inklusion stünden den sonderpädagogischen Förderzentren auch mehr Lehrkräfte zur Verfügung.
d) / e) Das Gießkannenprinzip erschwert großflächige Veränderungen in der Bildungslandschaft. Punktueller Einsatz hat eine größere Wahrscheinlichkeit auf nennenswerten Erfolg. Ansonsten haben die Bedingungen des Regelschulsystems ja auch irgendwo ihre Sinnhaftigkeit: Das Schulsystem muss von seinen Ausgaben her im Gesamthaushalt ökonomisch vertretbar sein und die Schüler (m/w/d) werden darauf vorbereitet, wie sie sich bei Erhalt (!) ihrer Individualität dennoch als Teil der Gesellschaft mit bestehenden Regeln und Grenzen einfügen können und müssen.
Das klingt als ob die Schüler am Vokabellernen im Klassensetting scheitern, aber dann ein paar Jahren locker Haushalt, Einkauf, Arbeit und die ganzen Herausforderungen des Erwachsenseins auf sich alleine gestellt wuppen könnten. Das halte ich auf Basis meiner Menschenkenntnis wiederum für eher unwahrscheinlich.
Maylin85 : Ich stimme dir in weiten Teilen zu, daher auch das Like, aber eine Frage hätte ich an dich: Wenn du der Meinung bist, dass viele deiner Schüler kleinere Klassen und mehr Betreuung benötigen, wie stellst su dir das für die Zeit "danach" vor? Bekommen die jungen Erwachsenen das dann mit Haushalt, Arbeit, Einkaufen, und co. hin, wenn sie gar keine äußere Orientierung haben und für alles mehr oder weniger selbstverantwortlich sind? Das ist das, was ich meine, wenn ich schreibe, dass die Regelschule im Vergleich zum "danach" immer noch sehr viel "safe space" bietet.
Im Leben danach kommen wieder alle Menschen gleichermaßen vor. Wieso zur Hölle soll man bestimmte Schüler separieren, anstatt dass Schüler auch in der Schule in einer heterogenen Gesellschaft bewegen?
Das finde ich eine gewagte These. Wir befinden uns in keiner heterogenen Gesellschaft und es kommen im Leben danach nicht alle Menschen gleichermaßen vor - dafür gibt es im Jahr 2025 zu viele Bubbles, sei es politisch/weltanschaulich, sozioökonomisch oder in Bezug auf Lebensstil/Lifestyle. Die reine Existenz von verschiedenen Bubbles macht unsere Gesellschaft nicht heterogen, wenn es Menschen gibt, die keinen einzigen Millionär in ihrem Bekanntenkreis haben, während andere keinen einzigen Obdachlosen näher kennen. Ich könnte das gleichermaßen weiterführen mit sämtlichen Identitätskategorien.
Was sind denn überhaupt Regelschulen von ihrer Grundidee her? Das sind Schulen, die die Inhalte und Kompetenzen und unter Rahmenbedingungen vermitteln sollen, die wir als absoluten Mindeststandard entsprechend unserer Normvorstellungen erachten.
Es gibt dann zwei Ansätze zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die diese Normvorgaben nicht erfüllen können oder wollen: Ich verändere das System, sodass diese Kinder und Jugendlichen entsprechend ihrer Voraussetzungen dort beschult werden können. Dein Vorschlag geht ein bisschen in die Richtung. Oder ich komme zu dem Fazit, dass diese Normvorgaben so wichtig sind, dass ich sie unbedingt erhalten möchte und auch von allen Beteiligten einfordere. Dann ist die Frage, wie ich mit Kindern und Jugendlichen umgehe, die selbst diese Mindestanforderung nicht erfüllen können. Es gibt die Schüler (m/w/d), die zumindest ein theoretisches Potential haben, mithilfe gezielter Vorbereitung in einem geschützten Rahmen (Vergleich Workshop) zu einem späteren Zeitpunkt in das Regelschulsystem zu wechseln. Und dann gibt es diejenigen, deren gesundheitliche Einschränkungen so groß sind, dass sie diese Normvorgaben auch theoretisch nicht erfüllen können. Um diese ging es mir in meinem Beitrag davor nicht, auch wenn sie natürlich ein Recht auf Bildung haben.
Zu deiner Frage: Wer Probleme hat, sich in unserem Regelschulsystem selbst auf der Grundstufenbasis (Haupt-/Mittel-/Oberschule) zu orientieren, sei es weil der Stoff zu anspruchsvoll ist oder weil die Rahmenvorgaben zu einengend/reizüberflutend sind, hat in meinen Augen einen sonderpädagogischen Förderbedarf - sei es in Richtung Förderbedarf Lernen oder Förderbedarf emotionale-soziale Entwicklung. Genaueres müssen an der Stelle natürlich die Sonderpädagogikkollegen (m/w/d) diagnostizieren, aber für mich ist klar, dass bei einem solchen Szenario etwas nicht stimmt und dem Kind/Jugendlichen dringend geholfen werden muss.
Ohne Abschluss ist es definitiv schwer, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, keine Frage. Daher bin ich im Kern auch dafür, dass der Anteil der Schüler (m/w/d), die den Schulbetrieb ohne Abschluss verlassen, möglichst gering ausfallen soll.
Die Konsequenz darf aber nicht sein, dass dann die Anforderungen gelockert werden, sondern vielmehr, dass erreicht wird, dass diese Schüler (m/w/d) zumindest die Basiskompetenzen erwerben. Sollten die Jugendlichen trotz großer Anstrengung dies nicht schaffen, ist darüber nachzudenken, ob wir vielleicht in der Bevölkerung einen höheren sonderpädagogischen Förderbedarf haben als bisher angenommen, und sollte das der Fall sein, wäre es umso wichtiger, Fakten als solche zu benennen und zur Erkenntnis zu gelangen, dass diese Jugendliche andere Bedürfnisse haben als bislang angenommen, nämlich überhaupt in unserer Gesellschaft zurecht zu kommen.
Palim : Es ist nicht die Lösung schlechthin, aber mein Vorschlag wäre, sonderpädagogische Förderzentren (wieder) auszuweiten und dort Kinder und Jugendliche zu beschulen, denen gefühlt alles egal zu sein scheint. Sie haben offensichtlich andere Bedürfnisse als das, was wir im Regelschulsystem bieten können und daher müssen hierfür qualifizierte Kollegen (m/w/d) die Kinder und Jugendlichen in Kleingruppen und ohne curricularen Druck wieder aufpäppeln und sie überhaupt erst wieder fit machen, um eine erfolgreiche Rückführung zum Regelschulsystem ermöglichen zu können. Was dabei nämlich nicht vergessen werden darf: Selbst das Regelschulsystem ist ein geschützter Raum für die Heranwachsenden im Vergleich zum Leben "danach". Wer nämlich schon in dieser Lebensphase an den Rahmenbedingungen scheitert, wird es danach richtig schwer haben.
Danke dir. Wie hoch ist denn aktuell die Durchfallquote beim HSA in NRW? Ich kenne ja eher die statistische Tendenz, dass die Abiturschnitte immer besser ausfallen, aber wie verhält sich die Notentendenz beim HSA? Meines Wissens ist NRW eines der Bundesländer, in denen die sonderpädagogischen Förderzentren durchaus ein gutes Standing haben. Ich habe erst letztens gelesen, dass wieder verstärkt sonderpädagogische Förderzentren in NRW eröffnet werden. Würdest du sagen, die schwachen Hauptschüler (oder wie der Begriff bei euch heißt) können bei euch weiterhin ausreichend gefördert oder sollte ein stärkerer Schulterschluss mit den sonderpädagogischen Förderzentren (Schwerpunkt Lernen?) gesucht werden?
CDL : Welchen Begriff hältst du für die beschriebenen Schulen passender?
Wie vermeidet man denn ein Label, das sich aus der Zusammensetzung der Bevölkerung des Stadtviertels, in dem eine Schule steht, ergibt?
Umzug ins Villenviertel?
Schule in einem Brennpunktviertel =/= Brennpunktschule.
Die Zusammensetzung der Bevölkerung eines Stadtviertels ist Aufgabe der Politik. Daran kann eine Schule natürlich wenig ändern. Was eine Schule jedoch beeinflussen kann, ist dass ein hohes Leistungsniveau seitens der Schüler auf Basis der curricularen Vorgaben eingefordert wird und Gewalt und Unterrichtsstörungen knallhart unterbunden bzw. geahndet werden. Hier im Forum wurde ja schon gesagt, dass die bestehenden Gesetze hier Möglichkeiten bieten, sie jedoch oft unzureichend ausgeschöpft werden, was oft auch am fehlenden Mut von Schulleitungen liegt. Ist dann zusätzlich noch die Zusammensetzung der Bevölkerung eines Stadtviertels sozioökonomisch unausgewogen, kommt es schnell zum Label "Brennpunktschule". Das ist kein Automatismus und ich hoffe, du siehst es auch so, dass Schulen unabhängig von ihrem Standort die Möglichkeit haben, gute Schulen sein zu können.
- Erasmus
- Schule ohne Rassismus
- Schulfeste
- ...
Das sind alles sicher schöne Themen, aber ich würde sagen, im Jahr 2025 ist die wichtigste Aufgabe einzelner Schulstandorte, alles dafür zu tun, um das Label "Brennpunktschule" zu vermeiden. Alles Andere ist zweifelsohne ein nettes Plus, aber sobald Eltern hören, dass eine Schule eine "Brennpunktschule" sei, ist das bereits für viele ein Ausschlusskriterium, selbst wenn 10 tolle Labels an der Eingangstür angebracht sind oder auf der Schulhomepage stehen.
Danke für deine Rückmeldung, plattyplus. Wir können keine wertschätzende Lernatmosphäre in den Klassen initiieren und gleichzeitig eine angsterfüllende Arbeitsatmosphäre innerhalb des Kollegiums dulden. SL müssen sich da auch an die eigene Nase fassen und nicht nur auf das untere Drittel schimpfen, sondern versuchen, ihre Bedenken zu verstehen und auch bei dieser Gruppe positive und wertschätzende Worte finden.
elCaputo : An sich ist es schon sinnvoll, wenn ein möglichst großer Teil der Schülerschaft einen Schulabschluss erwirbt. Das muss jedoch nicht zwangsläufig mit gesenkten Standards einhergehen, da es ja nicht den Schulabschluss gibt. Die Konsequenz muss eher sein, dass noch genauer geschaut wird, auf welchem Leistungsniveau ein Schüler oder eine Schülerin arbeitet, um die passende Schulform zu wählen, auf der dann der infrage kommende Abschluss erworben (=/= verschenkt) werden kann.
Ich denke "unteres Drittel" ist per se kein schlimmer Ausdruck, denn immer wenn Leistung gemessen werden kann, gibt es Personen, die mehr Leistung erbringen als andere - das ist so und muss man aushalten können. Wichtig ist nur, dass man allen Beteiligten unabhängig ihres Leistungsverhaltens gegenüber fair und respektvoll begegnet.
Was ich beim Umgang mit Mitgliedern des "unteren Drittels" wichtig finde, ist, sie nicht abzuschreiben, sondern ihre Position zu verstehen. Das sind oft Menschen, die mit den Arbeitsinhalten und/oder -bedingungen unzufrieden sind, ihre Kritik womöglich auch schon angesprochen haben, aber nicht "gehört" wurden und aus Selbstschutz mit der Zeit entschieden, in die innere Resignation zu gehen. Wenn du sie "zurückholen" möchtest, würde ich empfehlen, mit jedem Einzelnen das Gespräch zu suchen, einfach mal zuzuhören, was sie zu erzählen haben, und ihnen mitteilen, dass du ihre Kritik nicht verurteilst, sondern dafür dankbar bist und schaust, was hiervon verbessert werden kann und bei welchen Punkten aus systemischen/bildungspolitischen Gründen eine Verbesserung zwar nicht möglich ist, aber zumindest Kompromisse angeboten werden können.
Auch ein wichtiger Punkt: Feedback und Wertschätzung. Wann war das letzte Mal, dass du einen Kollegen (m/w/d) des unteren Drittels gelobt hast? Jeder freut sich über ein nettes Wort - vor allem dann, wenn es privat drunter und drüber geht und einem dann auch noch die 9b den letzten Nerv raubt.
state_of_Trance : Schon klar, dass das in der Realität nicht immer klappt. Ich formuliere den ersten Satz oben noch einmal um. Im Anfangsunterricht Fremdsprache sind bei begrenzten sprachlichen Mitteln natürlich auch nicht so viele Möglichkeiten, im AFB3 zu arbeiten, gegeben. Sagen wir mal so: Ich finde, man sollte als Lehrkraft zumindest den Anspruch haben, im Rahmen der curricularen Vorgaben von Schulform/Jahrgang und Unterrichtfach, insofern möglich, alle drei AFB im Unterricht abzudecken.
Im Unterricht sollten im Rahmen einer Unterrichtseinheit die AFB angemessen abgedeckt sein. Die Frage ist, ob jeder Mitschüler die Möglichkeit erhält, Leistung in allen AFB erbringen zu können, um im nächsten Schritt wiederum diese Leistung zu bewerten. Denn wenn ein Schüler gar nicht erst die Möglichkeit erhält, auf allen AFB Leistung zu erbringen, wird wiederum von vornherein bereits die Möglichkeit eingeschränkt, dass der Schüler die volle Punktzahl/Bestnote erreichen kann, oder sehe ich das gerade falsch?
Mal eine Frage aus Neugier an der Stelle: Hat der Schüler die hohen Fehlstunden nur in deinem Fach oder auch in anderen Fächern? Sollten mehrere Fächer betroffen sein, stelle ich mir das schwierig vor mit einer Feststellungsprüfung mit den zuvor dargestellten Kriterien.
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