Beiträge von Gymshark

    Ich wage zu behaupten, für A15 würden auch nicht mehr Leute den Job machen. Gerade in der Mittelschule wäre wichtig, dass Lehrkräfte schnell und nachhaltig eingreifen können dürfen, wenn die Unterrichtssituation zu eskalieren droht. Da sind aktuell die bürokratischen Hürden viel zu hoch.

    Es gibt Statistiken, nach denen an 59% der Haupt-, Real- und Gesamtschulen Lehrkräfte beschimpft, beleidigt und bedroht werden. Verständlich, dass junge Leute keinen Bock haben, unter solchen Voraussetzungen zu arbeiten.

    Deswegen: Auch in der Mittelschule muss der Schwerpunkt wieder stärker zum Unterrichten zurück, was nur dadurch möglich ist, wenn Lehrkräfte schneller einen den Unterricht sabotierenden Schüler (m/w/d) aus der Unterrichtssituation herausnehmen dürfen. Ja, auch wenn dann am Ende der Stunde nur noch die Hälfte der Mannschaft im Raum sitzt. Ja, auch wenn die Polizei anrücken muss, und ja, auch wenn die Eltern das Ganze am Ende bezahlen dürfen.

    Also ich hätte mich definitiv dagegen entschieden, wenn die Rechnung nicht gepasst hätte. Da bin ich sicherlich auch nicht alleine. Die beruflichen Schulen wären ziemlich leer

    Ich habe nicht geschrieben, dass Lehrkräften ihre Besoldung egal ist, aber dass sie damit im Vergleich zu anderen Berufsgruppen schon sehr gut verdienen. Es gibt nur wenige Arbeitsbereiche, in denen man ohne Führungsposition oder Tätigkeit in der öffentlichkeitswirksamen Unterhaltung (Model/Musiker/Fußballer/Schauspieler o.ä.) auf Anhieb ähnlich gut verdient.

    Trotz aller Argumente wie "Mehrzeitaufwand in den Schulferien abbauen", die Arbeitszeit sollte in einer normalen Schulwoche alleine aus gesundheitlichen Gründen die 40 Stunden nicht deutlich überschreiten. Da ist die Frage "Kann eine durchschnittliche Lehrkraft mit den Fächern X und Y in der Schulform Z das schaffen?" durchaus berechtigt. Ich schätze hier einen vorgegebenen Rahmen als (grobe) Orientierung durchaus als sinnvoll ein.

    Das kann ja meinetwegen statt als zwingende Vorgabe als Empfehlung benannt werden:

    Sek I Deutsch Korrektur: X Minuten pro Klassenarbeit, Sek II Deutsch Korrektur: Y Minuten pro Klausur.

    Ich verstehe das Argument von u.a. State of Trance. Wer schneller im Korrigieren ist, sollte dafür nicht bestraft werden. Wer bei der Korrektur des Klassenarbeitsstapels Sek I Deutsch weniger als X Minuten pro Schüler braucht: sehr gut.

    Wer hingegen länger braucht, ist sich dem wenigstens überhaupt mal bewusst, weil es eine zeitliche Orientierung gibt. Derjenige kann dann selbst überlegen, wie er seine Korrekturen optimieren kann, um schneller durchzukommen, sich in der Fachschaft nach Ratschlägen erkundigen oder zu der Erkenntnis kommen "OK, dann brauche ich halt länger bei der Korrektur, das hole ich aber im Rahmen meiner anderen Aufgabenbereiche wieder rein.".


    Transparenz und dahingehend eine Überlegung, ob die aktuellen Deputsvorgaben im Rahmen einer Vollzeitbeschäftigung noch angemessen sind, sind aber sicherlich nicht verkehrt.

    Auch NRW hat vor knapp 30 Jahren für ein paar Jahre nicht verbeamtet und es wieder geändert. Ich denke, zukünftig werden sich die Bundesländer absprechen und es gleichzeitig umsetzen (aber da der Lehrerberuf aktuell nicht so überlaufen ist wie vor 30 Jahren, wird der Mangel noch größer außer es gibt deutlich mehr Geld).

    Keiner entscheidet sich aus Geldgründen gegen den Lehrberuf. Das mit Abstand häufigste Argument, das gegen den Lehrberuf genannt wird, ist eher "mit den Kindern heutzutage arbeiten? Lieber nicht!" - eine Mischung aus "zu wenig Handhabe gegenüber verhaltensauffälligen Kindern" und "zu wenig Handhabe gegenüber unverschämten oder uneinsichtigen Eltern".

    Wer den Lehrberuf attraktiv machen will, muss dafür sorgen, dass Lehrkräfte sich stärker auf das Unterrichten konzentrieren können und weniger Nebenschauplätze aufgemacht werden, um die sich Lehrkräfte (mal eben nebenbei) auch zu kümmern haben.

    Woher weißt du das?

    Definiere "wissen". Ich stehe nicht tagtäglich vor Grundschülern, habe aber natürlich Lehrkräfte unterschiedlicher Schulformen im Bekanntenkreis und auch wenn ich im Fach Mathematikunterricht eher in den höheren Klassen eingesetzt bin, spreche ich mit den Kollegen der Fachschaft über die Inhalte anderer Jahrgangsstufen (und ja, durchaus auch mal einfach aus Neugier mit den Fünftklasskollegen über den Übergang zwischen Primar- und Sek-I-Stufe).

    Ich wusste zwar, dass Kombinatorik bereits ein Thema in der Grundschule ist, war aber zunächst doch überrascht, dass eine vergleichsweise komplexe Aufgabe (vier Stufen, zusätzlich mit der Überlegung, ob eine ggf. optional ist) hier rechnerisch zu bearbeiten ist.

    Aber ja, gerade was Daten und Wahrscheinlichkeiten betrifft, da hast du Recht, Zauberwald, hat die Primarstufe in den letzten Jahren das Niveau schon ein gutes Stück erhöht.

    Schaut man sich die Superreichen an, ruhen sich davon die wenigsten auf ihrem Vermögen aus (obwohl sie es rein finanziell locker könnten) und arbeiten teilweise deutlich über das Rentenalter hinaus!

    Wir haben einen 69-jährigen Bundeskanzler, der nach Jahren in der Wirtschaft finanziell ausgesorgt hat, aber es trotzdem noch einmal beruflich wissen will - auch mit der entsprechenden Vergütung.

    Ich denke, je höher man in die Verdienstbereiche kommt, desto höher ist auch der Anteil an Menschen, die nicht nur arbeiten, weil sie müssen, sondern insbesondere auch, weil ihnen die Arbeit selbst Freude bereitet.

    Es ist nicht das erste Mal, dass hier im Forum geschrieben wird, dass Real- (und Haupt-)Schulen voll sind und Schüler trotz schwacher Leistungen nicht vom Gymnasium abgehen können. Irgendetwas stimmt da auf Systemebene nicht, wenn am Gymnasium (auch räumliche) Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden, die eigentlich an anderen Schulformen benötigt werden.

    Du musst ganz dringend Zeit für dich einsparen und da gibt es mehrere Möglichkeiten, an denen du ansetzen könntest. Da wären Kinder, Haushalt, Job, aber naheliegend wäre hier tatsächlich die Pflege der (Schwieger-)Eltern. Sind deine Eltern noch verheiratet? Wenn ja, könntest du dir vorstellen, sie gemeinsam in einer schönen Seniorenresidenz unterzubringen? Neben klassischen Pflegeheimen gibt es ja auch inzwischen Mischmodelle, bei denen die Bewohner innerhalb einer Anlage in einer eigenen Wohnung (statt nur einem Zimmer) wohnen und zusätzlich eben pflegerisch betreut werden. Das hängt aber natürlich davon ab, welchen Pflegegrad sie haben. Käme sowas infrage? Könntet ihr euch sowas leisten? Pflege ist teuer, aber als Einzelkind muss man sich ja bereits früh darauf einstellen, dass man irgendwann (auch finanziell) Verantwortung gegenüber den Eltern übernehmen muss.

    Wären die Eltern versorgt, müsstet ihr euch nur noch um die Schwiegermutter kümmern, was ja in der Summe auch bereits eine Entlastung wäre.

    Es gibt Studien, die einen Geschlechterunterschied hinsichtlich dem zeitlichen Umfang bei Care oder unbezahlter Arbeit aufzeigen, definitiv. Zum Gesamtbild gehört natürlich auch dazu, zu erwähnen, dass im Durchschnitt bereits Jahre vorher Frauen und Männer unterschiedliche Kriterien hinsichtlich der Partner-und Berufswahl ansetzen, vieles natürlich sozialisationsbedingt.

    Am Ende, trotz aller statistischen Häufungen, muss sich jede/r Einzelne überlegen, wie er sich sein Leben vorstellt und den Weg gehen, der ihm oder ihr, auf Basis von dem was vorhanden ist, am sinnigsten erscheint.

    Maylin85 : Die Externen muss es erst einmal auf dem Arbeitsmarkt geben. Und - man muss sie sich leisten können. In meiner Familie gibt es eine pflegebedürftige Person. Der Pflegeplatz geht extrem ins Geld und frisst nicht nur sämtliche Ersparnisse und Rente dieser Person auf, die Familie muss noch regelmäßig einen nicht gerade unerheblichen Betrag zuzahlen.

    Im Idealfall wird man einfach gar nicht erst pflegebedürftig. Die komplette Vermeidung ist nicht möglich, da es unvorhergesehene Faktoren wie Unfälle oder Krankheiten immer geben kann, aber ein gesunder Lebensstil über Jahrzehnte lässt das Risiko einer Pflegebedürftigkeit rapide sinken, Stichwort Longevity.

    Zauberwald : Ich denke, die private Konstellation von Quebec ist auch einfach besonders schwierig dadurch, dass wohl der Altersabstand zwischen den einzelnen Generationen recht groß ist, wodurch viel Arbeit an der mittleren Generation (hier Quebec) hängt. Zudem gibt es keine Geschwister, damit keine Möglichkeit, die Arbeit in der Familie aufzuteilen.

    Als Einzelkind mit mehreren Kindern hat man es schwer, dass man sich (auch finanziell) um so viele Personen alleine kümmern muss.

    Auch wenn es mit Blick auf die Rente schwierig ist, ich kann es verstehen, wenn man in so einer Situation (für ein paar Jahre) beruflich kürzer tritt.

    Chilipaprika hat schon Recht. Muttersprachler haben den Vorteil beim Wortschatzerwerb, dass sie vieles schon vom Hörensagen kennen. Fehlt noch das Schreiben und Lesen. Und Muttersprachlersein heißt nicht automatisch, dass man sich für Sprache begeistert. Es soll auch Muttersprachler geben, die in der Sprache so mittelprächtig sind, aber in Physik und Chemie voll aufgehen.

    Grammatikwissen ist wie bei deutschen Muttersprachlern oft intutiv vorhanden, aber soll natürlich im Unterricht explizit gemacht werden.

    Dann kommt noch Literatur und Landeskunde dazu. Bei letzterem haben Muttersprachler in der Regel schon Vorwissen, aber der Grad der Ausprägung hängt (ähnlich wie deutschsprachigen Muttersprachlern) vom Elternhaus ab. Ein Schüler, dessen Eltern aus Frankreich kommen, wird einen groben Überblick über die Eckdaten haben, aber es gibt natürlich noch weitere frankophone Regionen, die im Unterricht behandelt werden. Von komplexeren Themen wie dem Elyséevertrag mal abgesehen.

    Ich versuche nur zu verstehen, warum Französisch bei euch ein vergleichsweise schlechtes Standing hat. Also ja, verstehe, dass eure Schüler aus sozioökonomisch schwachen Verhältnissen kommen (wobei das ja nicht automatisch bedeutet, dass jemand sprachlich leistungsschwach ist), aber zeigen sie ähnliche Leistungen in Englisch oder in den Naturwissenschaften? Bei hohen Abwahlen im Fach Französisch wählen wiederum viele Schüler Naturwissenschaften weiter.

    chilipaprika : Ich erinnere mich an den Austausch dazu. Abwahlquote 90% ist natürlich heftig. Ich denke, ihr seid da ein Extremfall.

    Du schreibst aber auch bereits, dass nur eine kleine Minderheit bei euch überhaupt Note 2 oder besser hat. Stehen die Schüler bei mir in der 11 auf Note 4 oder schlechter, rate ich auch eher zu einer Abwahl von Französisch. Bei Note 3 kommt es auf das Gesamtnotenbild im Einzelfall an. In solchen Fällen sehen das aber auch die Schüler (m/w/d) von selbst ein.

    Was durchaus eher mal vorkommt, ist dass leistungsstarke Schüler unsicher sind, ob sie sprachlich fit genug für die Kursstufe sind. Die Zweifel kann ich ihnen aber fast immer nehmen :) .

    Was Unterstützung im Haushalt angeht: Es ist aktuell sehr schwierig, Personal in den Bereichen Reinigung/Haushalt und Kinderbetreuung zu finden. Das sind Tätigkeiten, deren zeitlicher Umfang eher nur stundenweise ist, was viele potentielle Interessenten eher abschreckt.

    Beim Thema Reinigung/Haushalt konkurrieren die Privathaushalte zusätzlich mit Gewerbebetrieben. Bei Privathaushalten wollen viele Interessenten nicht angemeldet werden, auch weil sie oft mehrere Putzstellen haben und sie sonst hohe Abzüge hätten.

    Bei der Kinderbetreuung kämen vermutlich Studenten infrage, aber diese haben derzeit auch sehr viele Möglichkeiten zum Nebenerwerb - sei es in klassischen Studijobs (Kellnern o.ä.), als Ergänzungskraft in Kitas oder als Vertretungslehrer/Schulbegleitung.

    Ich würde eher überlegen, ob mehr Aufgaben innerhalb der Familie übernommen werden können. Wenn du schon lange im Dienst bist und die Eltern pflegebedürftig, sind eure Kinder sicher auch schon älter, oder? Könnten diese eventuell mehr Tätgkeiten im Haushalt übrnehmen? Wie sieht es aus mit deinem Mann? Könntet ihr euch die Pflege der Eltern mit deinen Geschwistern, den Geschwistern deines Mannes teilen?

    chilipaprika : Meinst du mit "kein Oberstufenkurs" kein Leistungskurs oder nicht einmal ein Grundkurs? Wenn letzteres, wäre das extrem. Ich weiß nicht, wie groß die durchschnittliche Jahrgangsstufen bei euch sind, aber dass es nicht einmal 10 von sagen wir mal 100 Schülern (m/w/d) geben soll, die Französisch weiterbelegen, würde mich überraschen. Es gibt ja eigentlich immer sprachlich begabte oder interessierte Schüler und ehrlicherweise auch Schüler, die Französisch weiterbelegen, weil sie die Sprache als geringeres Übel gegenüber Physik oder Chemie sehen. Wenn ich einen Kurs in der Einführungsphase habe (Ich bin mit Französisch größtenteils in der Sek I eingesetzt.), machen eigentlich fast alle Schüler mit Note 1 oder 2 mit der Sprache weiter.

    Oder seid ihr eine Schule mit MINT-Profil, wo viele Schüler dann doch eher zur 2. Naturwissenschaft statt zur 2. Fremdsprache neigen?

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