Beiträge von Gymshark

    Interessant, dass die von dir angesprochenen Schüler den drohenden Verlust des Aufenthaltstitels nicht als warnenden Hinweis betrachten, sich zu benehmen und zusammenzureißen, sondern eher nach Lücken im Gesetz zu suchen und diese zu ihrem Vorteil zu nutzen, aber gut.

    Ich nehme an, dass du deine Schüler (m/w/d) selten einen ganzen Tag über betreust. Wenn du also die ersten 2 Stunden unterrichtest und Schüler X fehlt, kann es dir dann, pragmatisch gesprochen, egal sein, ob er dann eventuell in der achten Stunde noch auftaucht? Ihr könnt doch auch Fehltage vergeben und nicht nur -stunden, oder?

    Und auf Stundenebene: Da wäre es sicher von Vorteil, eine Regelung zu haben, ab wann ein Zuspätkommen zu einer Fehlstunde wird. Ich würde zumindest großzügig sagen, dass ein Fernbleiben während mehr als der Hälfte der Dauer einer Unterrichtsstunde mit einer Fehlstunde gleichgesetzt werden kann. Wer drei Minuten anwesend war, hat effektiv gefehlt und da kann ich mir nur schwer vorstellen, dass das Ausländeramt dies anders interpretiert. Die Mitarbeiter (m/w/d) warten ja auch nicht bei einem Termin eines Kunden (m/w/d) ab, ob nicht kurz vor knapp der Kunde noch kommt, sondern maximal 5-10 Minuten und, sollte der Kunde bis dahin nicht erscheinen, kündigen ansonsten eine Terminverschiebung oder, als Reaktion auf mehrere vorangegangene Versäumnisse, eine Sanktion an.

    Bei begründetem Verdacht könnt ihr doch eine Attestpflicht verhängen, nur eben nicht pauschal (macht auch im Fall von Schüler X, der vielleicht einmal im Jahr einen Schnupfen hat, keinen Sinn, da unverhältnismäßige Härte - du wirst ja nicht nur Dauerschwänzer (m/w/d) in deinen Klassen sitzen haben).

    Ich kenne die Regelung, dass bei absehbaren (also mindestens ein Tag vorher bekannt) Behinderungen des Straßenverkehrs ein Alternativweg eigenständig gewählt werden muss. Wenn die Behinderung des Straßenverkehrs noch am selben Tag auftritt, bestätigen die jeweiligen Personenbeförderungsunternehmen auf Anfrage schriftlich den Entfall, was mit einer entschuldigten Entschuldigung gleichgesetzt werden kann.

    Erfolgt der schriftliche Nachweis jedoch nicht, kann es wie ein unentschuldigtes Fehlen gewertet werden, z.B. in Kombination mit einer mündlichen Abfrage über die Inhalte der vorangegangenen Stunde.

    Maylin85 hat aber natürlich Recht, dass das nur ein geringer Trost ist, wenn die Fehlzeiten in Abschlusszeugnissen wiederum nicht ausgewiesen werden und somit Absolventen (m/w/d) beruflicher Schulen im Bewerbungsfall Unternehmen diesen Aspekt nicht mitteilen müssen.

    Wenn es ein Fach ist, das an deiner Schule ein Mangelfach darstellt (, die Schule also ein erhöhtes Eigeninteresse an deinem Vorhaben hat), kannst du der Schulleitung (an beruflichen Schulen kann das ggf. auch die Fachbereichsleitung sein) über dein Vorhaben informieren, sodass du nach Bestätigung für die Zeiten, in denen deine Unikurse stattfinden, ausgeplant werden kannst, sodass es zu keinen Überschneidungen im Stundenplan kommt

    Wenn es ein Fach ist, das an deiner Schule kein Mangelfach darstellt, kann es sein, dass ein Erweiterungsstudium bei der Stundenplanung Berücksichtigung findet, es kann aber auch ehrlicherweise sein, dass das Vorhaben als Privatvergnügen kategorisiert wird - in Kombination mit der Erwähnung, dass das Studium außerhalb der Lehrtätigkeit erbracht wird, was im Fall eines Präsenzstudiums nur in Verbindung mit einem übergangsweise stark reduzierten Deputat realistisch umsetzbar wäre.

    Es gibt aber durchaus auch Leute, die dann je nach Jahrgang einen Stapel kopierte Mandalas oder Stadt-Land-Fluss-Formulare bereitlegen.

    Ich fand die Idee, die jemand hier im Forum vor Kurzem schrieb, nämlich, dass in höheren Klassen für Vertetungsstunden eine Einführung zur Finanzbildung gemacht wird, ganz sympathisch, da das ein Thema ist, das tatsächlich oft zu kurz kommt und mit dem eine Vertretungsstunde mal sinnvoll genutzt werden kann.

    Insofern verliert man schon viel, wenn man das auslagern würde. Je nach Schulform und Klientel ist der Effekt sicher stärker oder schwächer.

    BK ist sicher auch nochmal eine andere Nummer.

    Ich würde nicht von "auslagern" sprechen, sondern eher von Bündelung von Fachkompetenz. Die liegt eben bei uns in der Gestaltung von Unterrichts- und Leistungsbeurteilungsprozessen. Das heißt nicht, dass wir Experte (m/w/d) sind für alles, was irgendwie mit Schule zu tun.

    Die Schulassistenz(en) und die pädagogischen Fachkräfte (die sich idR auch mehrere Jahre für diese Position qualifizierten - sei es über eine Erzieherausbildung (m/w/d) oder ein Studium der sozialen Arbeit) können durch ihr professionelles Wirken auch dazu beitragen, dass sich Lehrkräfe auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können, wovon am Ende auch die Kinder und Jugendlichen profitieren.

    Es ist z.B. auch fragwürdig, warum sich eine Lehrkraft um die Organisation des Vertretungsplans kümmern muss. Das ist in erster Linie eine Verwaltungsaufgabe, die eine Schulassistenz durchführen kann, ohne dass hierfür vertiefte Didaktik- und Pädagogikenntnisse benötigt werden.

    Aufsichten, Mittagsbetreuung o.ä. können von pädagogischen Fachkräften durchgeführt werden. Und klar, wenn Lehrkräfte von außerunterrichtlichen Aufgaben entlastet werden, wäre es wohl wahrscheinlich, dass im Gegenzug das Deputat um 1-2 Stunden nach oben hin angepasst wird.

    Ich fände es tatsächlich anstrengend, für solche Hilfskräfte für Vertretungsstunden "idiotensicheres" Material herauszusuchen. Genau die paar Aufgaben, die Schüler mal ohne große Einführung leise machen können, sind die, die mich an stressigen Tagen entlasten. Die sind dann schon verbraucht.

    Ist es bei euch eigentlich auch so, dass, wenn ihr Exkursionen habt, die Vertretungslehrer verlangen, dass ihr in den Fachklassen, in denen ihr an diesem Tag nicht seid, vorbereitetes Material hinlegen sollt? So finde ich Exkursionen aus oben genannten Gründen doppelt unattraktiv. Ich finde sie anstrengender als Unterricht wegen der Verantwortung und Unruhe und man verbraucht die angenehmeren Aufgaben für die Vertretungen.

    Vertretungsstunden vorzubereiten und zu geben sind ausnahmsweise Aufgaben, die ich tatsächlich in der Kernkompetenz von examinierten Lehrkräften sehe. Hier fände ich es in Bezug auf das übergeordnete Bildungsniveau eher problematisch, wenn eine maximal angelernte Aushilfe Unterrichtsprozesse gestalten soll. Eine Aushilfe sollte in Bildungsprozessen maximal unterstützen, aber nicht ersetzen. Und auch eine pädagogische Fachkraft hat andere Schwerpunkte als Unterricht.

    Ich würde eher vorschlagen, dass eine ausgefallene Mathematikstunde nicht unbedingt durch eine durch eine andere Lehrkraft vertretene Mathematikstunde werden muss. Es kann auch z.B. die Deutschlehrkraft einer Klasse sein, die dann entweder im Stoff ihres Faches weitermacht oder eine Auffrischungsstunde zu jahrgangsgemäßen Grundlagen macht. Ist eine längerfristige Vertretung absehbar, sollte aber auf jeden Fall das Ziel sein, den Unterricht auf Basis von (digitalem) Klassenbuch und Curriculum fortzusetzen.

    Ich stimme zwar dem aktuell durch die den Kanzler stellenden Regierungspartei geführten Diskurs hinsichtlich der Kritik an "Work-Life-Balance" und "Lifestyle-Teilzeit" (Zitat - nicht meine Meinung!) nicht zu, würde aber durchaus behaupten, dass Arbeitsbedingungen und Gehalt Faktoren sind, die junge Menschen bei ihrer Berufswahl miteinkalkulieren. Dass darüberhinaus noch andere Faktoren hier eine Rolle spielen, ist klar.

    Durch Besserstellung der Arbeitsbedingungen kann durchaus ein Mangel begrenzt werden. Nicht weil jemand mit Interesse an Deutsch/Englisch plötzlich auf Elektrotechnik/Mathe wechselt, sondern eher, weil es der ausschlaggebende Punkt sein könnte, warum jemand, der bereits mit Elektrotechnik/Mathe liebäugelt, aber noch unsicher ist, sich dann doch hierfür entscheidet. Und die Person mit Deutsch/Englisch kann dann entscheiden: Ist mein Interesse am Fachgegenstand wirklich so groß, dass ich bereit bin, alle Nachteile, die hiermit einhergehen, in Kauf zu nehmen, oder verschiebe ich mein Interesse an Sprachen in den privaten Bereich und wähle stattdessen einen Beruf mit großem Bedarf an Nachwuchskräften (z.B. Erzieher, Krankenpfleger o.ä. - jeweils (m/w/d))?


    Ich nehme wahr, dass bei euch derzeit ein Mangel an Lehrkräften mit Deutsch und Englisch besteht. Das wird sicher auch punktuell an anderen Schulen der Fall sein. Darüberhinaus gibt es aber auch Fächer und Bereiche, die großflächig und auch schon seit längerer Zeit einen Mangel haben.

    Das ist eine sehr schiefe Argumentation Gymshark . Richtig wäre: korrekte Arbeitszeiterfassung und diejenigen Fücher entlasten, bei denen es objektiv nötig ist. Da dürften Doppelsprachkombis ganz weit vorne liegen.

    Du argumentierst aus der Sicht der Lehrkräfte, die bereits im Job sind. Die Arbeitsbedingungen haben aber immer auch Strahlkraft auf zukünftige Nachwuchskräfte und da ist doch das Ziel, dass sich mehr junge Leute für Mangelfächer und -bereiche entscheiden, weswegen in diesen Bereichen mehr Anreize geschaffen werden müssen, oder?

    Plakativ formuliert: Es würden sich auch weiterhin genug junge Leute finden, die Englisch für Lehramt an Gymnasien studieren wollen, selbst wenn hierfür das Deputat um 2 Stunden erhöht wird. Dafür gibt es einfach genug junge Leute, die im Zweifelsfall schlechtere Arbeitsbedingungen dem Interesse am Fach unterordnen. Bei Fächern wie Musik oder Physik muss man jedoch um junge Leute, die sich für diese Fächer zumindest grundlegend interessieren, werben - und da reichen Jobgarantie und die Auseinandersetzung mit Fachgegenständen, die ihnen möglichst auch gefallen, nicht aus, es braucht noch weitere Anreize.

    Korrekturentlastung ist der einzige Hebel, um die sehr unterschiedliche Fachbelastung auszugleichen. Finde ich persönlich fast am wichtigsten für Entlastungsstunden.

    Die korrekturintensiven Fächer (vorneweg die Sprachfächer) sind aber auch gleichzeitig die Fächer mit moderatem bis geringem Bedarf - von kurzen Schwankungen bedingt durch Wechsel von G8 auf G9 mal abgesehen. Daher trägt der erhöhte Korrekturaufwand zumindest anteilig dazu bei, die Anmeldungszahlen für Lehramtsstudiengänge mit entsprechenden Fächern nicht komplett in die Höhe schießen zu lassen. Zumindest mit der Perspektive wäre weitere Korrekturentlastung (und sei sie auch für die einzelne betroffene Lehrkraft noch so nachvollziehbar) eher kontraproduktiv. Hier im Forum melden sich ja öfter angehende Lehrkräfte mit Sprachfachkombinationen und erklären, dass ihnen der erhöhte Korrekturaufwand bewusst sei und ihnen nichts ausmache. Dann muss man das auch als Teil des "Deals" akzeptieren.

    Eher sollten weitere Anreize geschaffen werden, um die traditionellen Mangelfächer (MINT-Fächer, künstlerische Fächer, technische Fachrichtungen an den beruflichen Schulen) leichter personell besetzen zu können - auch wenn das bedeuten könnte, dass Kollegen (m/w/d) mit von Natur aus korrekturarme Fächern zusätzlich auch noch weniger Deputatsstunden für eine Vollzeitstelle leisten müssen.

    Ich würde einen anderen Weg wählen. Statt zu überlegen, wie vorhandene Entlastungsstunden verteilt werden können, würde ich eher überlegen, welche hiermit verbundenen Aufgaben nicht gestrichen oder im Umfang reduziert werden können. Und vor allem: Für welche Aufgaben wird wirklich eine Lehrkraft mit zwei Staatsexamina benötigt und welche Aufgaben könnten nicht auch an die Schulassistenz oder die Fachkräfte im Rahmen der multiprofessionelle Kooperation übertragen werden?

    Gerade deswegen werde ich auch nicht müde, zu betonen, bei anstehenden Wahlen (und dieses Jahr finden mehrere statt) die Wahlprogramme auch mit Blick auf Kultusthemen genau (und auch kritisch) zu lesen. Wenn also eine Partei behauptet "Wir sind für A13 für alle!", lieber noch einmal nachfragen, was die Partei konkret darunter versteht, statt anzunehmen, dass hiermit ausschließlich finanzielle Besserstellung verbunden ist.

    Im Nachhinein war sicher die Forderung "A13 für alle" wenig überlegt, da vergessen wurde, welche Auswirkungen dies auf Arbeitsbelastung, Beförderungen etc. hat - und auch ausgeklammert wurde, wie die Politik diese Forderung (fehl-)interpretieren könnte.

    Ach ja, überhaupt sind solche Vorgaben des Dienstherrn immer ein guter Anlass, ganz grundsätzlic darüber nachzudenken, wo man auf Projekte, Engagement, Kooperationen etc. verzichten kann. Ja, der Laden muss laufen, aber vielleicht nicht unverändert so, wie er vorher gelaufen ist.

    Wie ich schon letztens schrieb: Es muss im öffentlichen Dienst ankommen, dass, sobald ein Projekt, ein Engagement oder eine Kooperation hinzukommen, im Gegenzug zwei wegfallen. Nur so findet Entbürokratisierung, die ja alle in der Theorie wollen, auch tatsächlich statt. Und ja, das wird erst einmal wehtun, weil grundsätzlich alle Projekte, Engagements und Kooperations mal eingeführt wurden, weil sie damals als sinnvoll empfunden wurden und es mutmaßlich immer noch Befürworter (m/w/d) hiervon gibt. Aber irgendwo muss angesetzt werden, um auch die Arbeitsbelastung schrittweise wieder auf ein normales Maß zu reduzieren.

    In einer Demokratie sind Meinungs- und Pressefreiheit wichtige Güter und das Spektrum des Sagbaren größer als in anderen politischen Systemen. Insbesondere deckt das auch die Kritik an staatliche Strukturen, wozu auch Schule und deren Vertreter (m/w/d) gehören, ab.

    Ich finde dennoch, das Ganze sollte Grenzen haben und die liegen, wie von @WillG angedeutet, vermutlich da, wo es beginnt, zivilrechtlich relevant zu werden. Ich möchte in einer Abizeitung weder eine Seite sehen, auf der ein einzelner Schüler (m/w/d) herausgepickt und mit Bildern und/oder Worten fertiggenacht wird, noch Sprüche in Richtung "Tod allen [Bevölkerungsgruppe nach Wahl]!".

    Ich bin beeindruckt von Lehrkräften wie dir, Wolfgang, die im Zweifelsfall sogar noch Hausbesuche machen und sich nicht von dem ersten Widerstand direkt abschrecken lassen - insbesondere wenn es über die rein formale Zuständigkeitsgrenzen hinausgeht. Ich hatte bereits beim Lesen an der Stelle als du im Wohnzimmer warst ein beklemmendes Gefühl und mag daher nur vermuten, wie es sich anfühlt, konkret in dieser Situation sich befunden zu haben. Es ist auch schade, dass man sich als (engagierte) Lehrkraft wie du, Wolfgang, teilweise in solch eine Gefahr begeben muss, weil diejenigen, die eigentlich hierfür zuständig wären (vor allem Jugendamt, teilweise auch die Polizei), sich raushalten und damit letztendlich auch die Kinder und Jugendliche alleine in Elternhäusern, die mit dieser Aufgabe eindeutig überfordert sind, zurücklassen.

    Ich würde mal behaupten, dass das reine Abschließenwollen nicht ausreicht, wenn es am Ende am Können scheitert, sprich wenn die gezeigte Leistung zu gering ist, um nachweisen zu können, dass die angestrebten Lernziele erreicht wurden.

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