Beiträge von Gymshark

    Nebenbei: Ein Problem ist auch, dass eher bildungsferne Familien viele Kinder bekommen und andere weniger. Dadurch steigt auch der Anteil der Kinder mit Defiziten.

    Das stimmt und lässt sich statistisch belegen (Quelle). Gesamtgesellschaftlich ist dieser Umstand natürlich ernüchternd und sollte Anlass sein, zu überlegen, wie Bildung so gestaltet werden kann, dass das demographisch-ökonomische Paradoxon überwunden werden kann und die investierten Ressourcen nicht mehr in einzelnen Sackgassen endet, sondern zu nachhaltigem Nutzen auf Makroebene führt und bestehende systemische Schwächen endgültig überwunden werden können, statt dass diese sich in Dauerschleife wiederholen oder, wie von dir angedeutet, ausweiten.

    Kinderzuschläge ja aber begrenzen. Vielleicht 100-200 € pro Kind. Und wenn ich 7 Kinder haben möchte, muss ich mir überlegen, ob ich das finanzieren kann.

    Falscher Ansatz - die Entwicklung der Geburtenrate ist eindeutig negativ (Quelle). Das Argument sollte nicht "Kinder bekommen, wenn ich es finanzieren kann" sein, sondern "Kinder bekommen und der Staat muss die Grundlagen schaffen, dass ich es finanzieren kann". Der Staat ist in der Bringschuld, weil der langfristige Erhalt der öffentlichen Infrastruktur und Leistungen unmittelbar hieran geknüpft ist.

    Glaube ich persönlich nicht. In den aktuellen Zeiten, so zumindest meine Vermutung, nehmen die Leute sogar eher Gehaltseinbußen hin, wenn im Gegenzug der Arbeitsplatz wenigstens einigermaßen sicher ist. Die aktuelle junge Generation ist weniger risikoaffin als früher und daher gewinnt auch der öffentliche Dienst als Arbeitgeber unter jungen Leuten an Beliebtheit.

    Wie soll dieser Beruf eigentlich attraktiv bleiben, wenn sogar Lehrer am eigenen Ast sägen?

    Es hilft eine ehrliche Analyse, warum sich junge Leute gegen den Lehrkräfteberuf entscheiden. Wenn jemand sagt "Ich könnte das ja nicht." oder "Lehrkraft heutzutage? Bloß nicht!", dann macht es Sinn, nachzufragen, warum die Person zu dieser Position kommt. Denn dann kann im nächsten Schritt überlegt werden, ob die Rahmenbedingungen des Berufes angepasst werden sollten.

    Ich wage zu behaupten: Wenn sich junge Leute gegen diesen Beruf entscheiden, liegt es in den allerallerwenigsten Gründen am Geld.

    Die Entscheidung der KMK gilt zwar bundesweit, die curriculare Umsetzung ist aber Landessache. Derzeit stellen fünf verschiedene Parteien die jeweiligen Kultusminister (m/w) der Länder. Bei dieser parteipolitischen Heterogenität kann ich mir vorstellen, dass sich Teile der Minister (m/w) vorbehalten, mit dieser Übertragung zu warten oder sie am Ende sogar komplett auszusitzen, um nach Niedersachsen ein weiteres negatives mediales Echo zu vermeiden.

    Zum anekdotischen Video mit den Kartoffeln: Ich denke, hier ist einfach bildungspolitisch unklar, was wir gesamtgesellschaftlich wollen. Themen streichen geht nicht - das hat man bei der schriftlichen Division in dem einen Bundesland (War es Niedersachsen?) gesehen und zeitgleich fand ja auch die Debatte um den Einsatz vereinfachter Lektüren an einzelnen Schulen in Berlin statt. Das kommt bei der Bevölkerung ganz schlecht an. Hinzu kommt, dass die deutsche Performance in Bildungsvergleichsstudien allerhöchstens mäßig war, wodurch sich die implizite Forderung ergibt, dass zukünftig das Niveau wieder hochgeschraubt werden muss.

    Gleichzeitig ist einfach die Realität so, dass in leistungsheterogenen Lerngruppen nicht einfach durch die Themen durchgehetzt werden kann, nur weil es das Curriculum gefordert - und die Welt sonst zusammenbricht, wenn man ein Thema weglässt. Dann wurden zwar die Themen offiziell behandelt, aber was, wenn davon schlichtweg bei zu wenig Schülern (m/w/d) etwas Substantielles hängen bleibt?

    Man will viel, mitunter auch, dass,Kinder Videos über Kartoffeln drehen können, aber was ist, wenn sich diese theoretischen Vorstellungen nicht widerspruchsfrei in die Unterrichtsrealität umsetzen lassen?

    Übergänge im Laufe der Bildungskarriere sind immer etwas Besonderes, sowohl für die betroffenen Schüler (m/w/d) als auch die jeweiligen Lehrkräfte. Es gilt, trotz heterogener Voraussetzungen (Das ist jedoch nichts Neues - auch in Klasse 1 hatten die Schüler (m/w/d) bereits unterschiedliche Voraussetzungen.) eine gemeinsame Basis zu schaffen, von der ausgehend ihr dann den anstehenden Stoff erarbeitet.

    Gerade in Mathematik ist das eigentlich ganz angenehm, weil zu Beginn der Klasse 5 noch einmal die zentralen Eigenschaften des natürlichen Zahlenraums sowie von Figuren und Körpern wiederholt und systematisiert werden. Für die Einen ist das eine Auffrischung, Andere erhalten noch einmal die Gelegenheit, ggf. vorhandene Lücken zu schließen.

    Die Schüler (m/w/d) müssen zwar erst noch im neuen System der weiterführenden Schule "ankommen", das ist aber bei den Meisten nach spätestens 4 Wochen der Fall. Da du den gymnasialen Bildungsgang besonders hervorhebst: Ich kenne es so, dass der Anspruch ganz am Anfang über alle Schulformen weitestgehend gleich ist, dieser aber nach kurzer Zeit im gymnasialen Bildungsgang anzieht, die Themen schneller bearbeitet und einen stärkeren Schwerpunkt auf Aufgaben im Anforderungsbereich III setzt. Schüler (m/w/d), die eine grundsätzliche gymnasiale Eignung haben, gewöhnen sich daran. Menschen sind in der Lage, an ihren Herausforderungen zu wachsen. Wenn Schüler (m/w/d) merken, dass das Niveau auf Dauer für sie zu hoch ist, ist das nicht schlimm. Aus meiner Erfahrung heraus wechseln nach Klasse 5 circa 10% der Schüler (m/w/d) die Schulform. Lieber so, als sich über die Sek-I hinweg zu quälen. Der Anteil an Schülern (m/w/d) im gymnasialen Bildungsgang ausgehend von der Gesamtjahrgangsstärke ist eh zu hoch.

    Seph: Klagen gegen Verwaltungsakte sind die letzten Jahre gestiegen - nicht nur im Bereich Schule, aber Klagen in diesem Bereich kommen natürlich zu der gerichtlichen Belastung hinzu. Die Bearbeitung von Klagen an Verwaltungsgerichten dauert derzeit gerne (deutlich) über ein Jahr - deutlich zu lang. Ein halbes Jahr sollte meiner Meinung nach das absolute Maximum sein - und da müssen wir hin. Aktuell, da hast du Recht, sind Kosten ein Hemmnis zur Einreichung einer Klage. Kann man durchaus kritisch sehen. Und ja, Widerspruchsverfahren sind ein erster Schritt zur Entlastung, aber aktuell bringen sie zur Reduktion der gerichtlichen Belastung noch deutlich zu wenig.

    Das wäre eine Möglichkeit. Bevor eine Klage zur gerichtlichen Bearbeitung zugelassen wird, sollte in einem vorgelagerten Schritt die grundsätzliche Aussicht auf Erfolg einer Klage geprüft werden (Entscheidung durch einen Sachbearbeiter (m/w/d) möglichst noch am selben Tag des Klageeingangs), sodass die Gerichte perspektivisch (deutlich) weniger Klagen bearbeiten müssen und dadurch agiler werden. So wie aktuell geht es auf jeden Fall nicht weiter.

    Wir haben mehrere denkbare ungünstige Konstellationen, die zum Widerspruch führen können.

    Was hier entscheidend ist, das ist zum einen die "Beschwerdefreudigkeit" der Eltern und zum anderen die Frage, ob es objektiv Mängel oder Fehler im Vorgehen der Lehrkraft gibt, die zu einer Notenänderung führen.

    Neben der überbordenden Bürokratie ist die nierigschwellige Möglichkeit zur Klage ein Aspekt, der uns gesamtgesellschaftlich immer mehr lähmt und politisch dringend angegangen werden sollte.

    Mir fällt außerschulische Jugendarbeit ein. Einige Stellen in dem Bereich suchen Sozialpädagogen (m/w/d) oder ähnliche Qualifikation; mit deinen zwei Abschlüssen und der Berufserfahrung könnte der hervorgehobene Teil zutreffen. Käme eine Tätigkeit in einer pädagogischen Einrichtung oder einer Wohngruppe infrage?

    Maylin, du bist ja im berufsbildenden Bereich unterwegs. Es gibt ja ein paar akademische Felder, in denen Assistenzen recht normal und etabliert sind, sei es in der Apotheke, in Kanzleien oder in Arztpraxen. Ich fände es spannend, zu erfahren, ob es diese Assistenzen schon "immer" gab oder ob diese irgendwann eingeführt wurden - und ob dieses Modell auch grundsätzlich auf Schulen übertragbar wäre. Vielleicht wissen da die Kollegen (m/w/d) aus der Wirtschafts- oder Medizinpädagogik mehr über die historischen Anfänge ihrer zugehörigen Ausbildungsberufe.

    Das ist klar. Wenn Lehrkräfte entlastet werden würden (sei es in Bezug auf Verwaltungs- oder pädagogische Tätigkeiten), würden sie im Gegenzug in ihren Kernaufgabenbereichen intensiver als zuvor eingesetzt werden. Aber wäre das denn wirklich schlimm?

    In (m)einer idealen Welt würde der primäre Einsatz von Lehrkräften im Unterrichtsbereich liegen, sprich Unterrichtsvor- und -nachbereitung, Unterricht halten, Leistungsbewertung. Dann kann im Gegenzug auch das Deputat hochgesetzt werden. Außerunterrichtliche pädagogische Arbeit (z.B. Betreuung oder Aufsichten) sollte durch sozialpädgogisches Fachpersonal erfolgen.

    Das würde die Arbeitsqualität erhöhen und personelle Ressourcen passgenauer eingesetzt werden. Wie schon geschrieben wurde: A13 (und höher)-Kräfte sind eigentlich zu teuer für reine Aufsichten. Das ist nur möglich, weil die (inoffizirlle) Argumentation lautet "Naja, wenn sie schon da sind und es keine Arbeitszeiterfassung gibt, können wir die Lehrkräfte auch im Rahmen solcher Aufgaben einsetzen, es kostet uns nichts Zusätzliches und wir müssen kein zusätzliches Personal einstellen.".

    Super, sollen wir jetzt noch die Akademikerberufe aufzählen, die auf Geschäftsreise im Hotel übernachten? Verkauft euch doch nicht so billig.

    Ich schließe mich zwar auch dahingehend an, dass für Lehrkräfte bei Dienstreisen (wozu Klassenfahrten und -ausflüge zählen) ein gewisser Mindeststandard zählen sollte. Gleichzeitig sollte bei Vergleichen mit Akademikerberufen nicht außer Acht gelassen werden, dass (verbeamtete) Lehrkräfte sich keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen müssen - im Gegensatz zu vielen Akademikern (m/w/d) in der Privatwirtschaft angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen. Wir sind dahingehend schon in einer privilegierten Lage, was sich vor allem in Krisen bemerkbar macht, selbst wenn es ausgehend von einer Idealvorstellung hier und da noch Luft nach oben gibt.

    Zu meiner Schulzeit waren wir froh, wenn Unterricht ausfiel und wir früher nach Hause konnten. Dann hatten wir mehr Freizeit und konnten uns früher mit Freunden (m/w/d) treffen. Aktuell (Bildungspolitik ist bekanntlich dynamisch.) geht der politische Trend eher Richtung Ausweitung des Ganztagsangebots, da nicht alle Kinder in Wohnortnähe Großeltern wohnhaft haben, die sie mittags betreuen könnten, und in vielen Familien beide Elternteile berufstätig sind.

    Auch aufgrund des gesunkenen Bildungsniveaus ist die gesamtgesellschaftliche Erwartung, dass in Vertretungssituationen nicht nur Zeit totgeschlagen, sondern Unterricht gemacht wird. Wenn Stunden nur zur Hälfte gezählt werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Vertretungsstunden nur halbherzig umgesetzt werden, ein Film gezeigt oder Freiarbeit gemacht wird.

    Ordentliche Vertretungsstunden sind auch voll anzurechnen. Ein gehaltvolles Konzept konnte in der Konferenz erarbeitet werden. Wenn in der nächsten Unterrichtsstunde eine Klassenarbeit geschrieben wird und die Vertretungslehrkraft fachfremd ist, kann man die Schüler (m/w/d) auch mal sich im Rahmen von Freiarbeit für die Klassenarbeit vorbereiten lassen. Ansonsten sollte für isolierte Vertretungsstunden "sinnvoller" Unterricht gemacht werden und für längerfristige Vertretungssituationen sollte eh Unterricht entsprechend der curricularen Vorgaben stattfinden. In isolierten Stunden kann eine Lehrkraft, die die Klasse sonst in einem anderen Fach unterrichtet, hier thematisch fortfahren, bei anderen Konstellationen bietet sich eine allgemeine fachbezogene Wiederholung/Auffrischung (siehe die zuvor genannten Beispiele zu Bruchrechnen oder Lesetechniken) oder Themen, die pädagogisch wichtig sind, aber sonst im Schulalltag zu kurz kommen (Finanzbildung, Medienbildung, Berufsinformation).

    Es gibt viele Möglichkeiten, aber dazu muss die Schulleitung bereit sein, ein etwaiges Konzept mitzutragen.

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