Beiträge von Gymshark

    Zauberwald : "Angemessen" bedeutet innerhalb der Schranken zielgleichen Unterrichts. Da bin ich transparent, dass an anderen Schulformen mehr Differenzierung stattfindet. Fachunterrichtsprinzip mit wechselnden Lehrkräften nach 2 Schuljahren hat da einfach seine Grenzen. Bei der Berücksichtigung von Stärken und Schwächen würde ich z.B. anführen, dass es im Fach Französisch immer wieder Schüler (m/w/d) gibt, die Angst vor dem Sprechen einer Fremdsprache haben. Diese habe ich im Unterrichtsgespräch besonders im Blick und motiviere sie dazu, sich zu trauen, etwas zu sagen, und lobe sie für den Mut, selbst wenn der von ihnen gegebene Satz noch nicht zu 100% grammatikalisch korrekt war. Wir kommen da noch hin, aber zum aktuellen Zeitpunkt ist ein erster Schritt getan. Diejenigen, die wie ein Wasserfall sprechen können (Es sind nicht viele, aber es gibt sie.), können vor allem bei Diskussionen oder Vorstellung freier/kreativer Textproduktionen glänzen und da achte ich auf Feinheiten (z.B. abwechslungsreiche Satzanfänge, komplexeres Vokabular), um ihnen zu ermöglichen, dass aus einem guten Wortbeitrag ein potentiell sehr guter wird. Falls du noch weitere Beispiele möchtest, sage gerne Bescheid!

    Tukan: Ich formuliere es mal so: Ist bei den Kindern, die leistungstechnisch (stark) hinterherhinken, ein grundlegendes Bewusstsein vorhanden, dass sie hinterherhinken? Sind sie in der Lage, ihre eigenen Kompetenzen in Bezug zu den Kompetenzen anderer Kinder zu setzen und hierdurch Rückschluss auf sich selbst zu ziehen, oder kriegen sie im Zweifelsfall gar nicht mit, dass andere Kinder schon viel weiter sind (und sie eigentlich auch viel weiter sein sollten), weil sie noch kein Bewusstsein für gesellschaftliche Norm haben bzw. ihr Istzustand für sie die einzige "Norm" darstellt?

    Tom123 : Unser gesellschaftliches System macht auf Dauer nur Sinn, wenn die Probleme mit jeder folgenden Generation kleiner werden statt größer. Daher sind die Verhältnisse zwischen bildungsnaher und -ferner Familien, die du aufzeigst, für uns gesellschaftlich toxisch. Es fehlt bei bildungsfernen Familie die Erkenntnis, dass Bildung dazu beitragen kann, ihre Gesamtsituation zu verbessern. Diese Erkenntnis ist bei ressourcenschwachen Familien im ostasiatischen Raum stärker ausgeprägt (aber auch hier noch einmal: bisweilen so stark ausgeprägt, dass es schon fast moralisch fragwürdig erscheint). Wir brauchen insgesamt mehr Familien wie die in dem Beispiel mit der Elbphilharmonie. Wie schaffen wir es, dass sich bildungsferne Familien viel stärker hieran orientieren und zum Vorbild nehmen?

    Wie machst du es denn in deinen Klassen? Wie gehst du mit unterschiedlichen Leistungen in Mathe und Französisch um? Wie förderst du schwache Kinder?

    Ich klammere hier mal Französisch, 1. Lernjahr bei den Ausführungen aus und konzentriere mich nur auf Lerngruppen, in denen es zuvor im entsprechenden Unterrichtsfach Unterricht gab.

    Wenn ich eine Klasse in entweder Mathematik oder Französisch übernehme, ist mir bewusst, dass nicht jeder Schüler (m/w/d) auf genau dem selben Stand steht. Das liegt auch daran, dass Interessen und Begabungen unterschiedlich sind. In der ersten Unterrichtswoche wiederhole ich fachliche Grundlagen, um mir ein Bild davon zu machen, wo jede/r steht. Auf dieser Basis zielt der darauffolgende Unterricht dann darauf ab, bis Ende des Schuljahres die angestrebten Lernziele zu erreichen. Der Versuch ist also, dass trotz unterschiedlicher Voraussetzungen jede/r das Mindestniveau erreicht. Und wenn dies nicht gelingt, muss ich die Gesamtleistung mit "mangelhaft" oder "ungenügend" bewerten.

    Die letzte Frage lässt sich in der Kürze so nicht umfassend bearbeiten. Eine regelmäßige Leistungsrückmeldung, auch an schwache Lerner, ist vorgesehen. Stärken und Schwächen der Lerner werden angemessen im Rahmen des Unterrichts berücksichtigt. Bei andauernd besonders schwachen Leistungen (sowohl in der Sekundarstufe I als auch der Sekundarstufe II) wird das Gespräch mit Schülern (m/w/d) und Eltern gesucht, um mögliche Alternativen zum aktuellen Bildungsgang aufzuzeigen.

    Quittengelee : Wäre es möglich, diese provokante Grundhaltung in deinen Beiträgen etwas zu reduzieren? Es wurde bereits von mehreren Mitgliedern angesprochen und jetzt würde ich auch noch einmal auf dieses Anliegen hinweisen.

    Du hast viel Erfahrung im Bildungswesen, die ich als für den Austausch als potentiell sehr bereichernd fände, wenn es nicht gelegentlich bestimmte unterschwelligen Wertungen Richtung verschiedener Mitglieder des Forums gäbe, die dazu führen, dass das Gesamtbild getrübt wird. Das finde ich sehr schade.

    Schmidt : Was wäre deiner Meinung nach das ideale Einstiegsalter in Sachen Leistungsorientiertheit?

    Du hast Recht, dass Deutschland die drittgrößte Volkswirtschaft ist, aber das Wirtschaftswachstum stagniert seit einigen Jahren, während im ostasiatischen Raum viele Länder zuletzt ordentliche Wirtschaftswachstumsraten von teilweise +5% oder mehr verzeichneten. Ich hob auch den Bildungsaspekt hervor und da liegen Japan, Singapur, Südkorea und Taiwan weltweit sehr weit vorne.

    chilipaprika : "Verdeutlichung von Defiziten" klingt jetzt etwas negativ, aber grundsätzlich setzt Leistungsorientierung schon die Fähigkeit voraus, dass man sich einerseits über den Ist-Zustand bewusst ist und andererseits diesen mit dem Soll-Zustand abgleicht. Ich habe ja bereits vom ostasiatischen Schulsystem geschrieben. Derzeit schneiden einige ostasiatische Länder sowohl bildungsbezogen als auch wirtschaftlich sehr gut ab, was auch mit dem Leistungsgedanken der Bevölkerung zu tun hat. Mir ist bewusst, dass einige gesellschaftliche Normen aus europäischer Sicht als moralisch fragwürdig bewertet werden können, und mir geht es auch gar nicht darum, dass Kinder vor Versagensangst nicht mehr schlafen können und Schule zu einem einzigen Wettbewerb wird. Dennoch habe ich den Eindruck, dass wir gesellschaftlich etwas den Leistungsgedanken aus den Augen verloren haben und da wieder hinwollen, wenn wir international anschlussfähig bleiben wollen. Und ja, das setzt, ähnlich wie im Sport, Kerneigenschaften wie Ehrgeiz, Selbstreflexion, Ausdauer und Zielorientiertheit voraus. Wenn ich das Ziel gar nicht kenne, wie will ich es erreichen?

    Tukan: Da du näher an den "Kleinen" dran bist als ich: Würdest du sagen, dass diejenigen, die Rückstände in der ersten Klasse haben, sich dem Umstand bewusst sind, dass sie eigentlich hinterherhinken, und das Bedürfnis haben, sich den anderen Mitschülern (m/w/d) bzw. der Erwartungshaltung von dir bzw. den Lehkräften anzugleichen, oder ist dieses Gefühl (noch?) gar nicht vorhanden und du bzw. die Kollegen (m/w/d) müssen eher noch darauf achten, dass der Abstand zwischen Ist und Soll mit der Zeit nicht noch größer wird?

    Ich verstehe aber den Ansatz von Quittengelee. Wenn sich Eltern diesen Beitrag für Schulzwecke schon vom Mund absparen sollten (und vielleicht gehen wir zu oft bei der Diskussion davon aus, dass eine Familie nur ein Kind hat. Manche Familie hat sogar 2 oder 3 Kinder im schulpflichtigen Alter.), möchten sie, dass dieses Geld zumindest "sinnvoll" ausgegeben wird. Dieses "sinnvoll" ist natürlich höchstsubjektiv, aber vermutlich eher gegeben bei Dingen, die zum schulischen Kompetenzerwerb beitragen. Das ist beim Eisessen eher nicht gegeben, bzw. nur, wenn man den Begriff "Kompetenzerwerb" sehr großzügig auslegt.

    Ich habe zuvor geschrieben, dass ich keine Unterrichtszeit mit Eisdielenbesuchen fülle. Das ist in der heutigen Zeit auch gesellschaftlich nicht vermittelbar. Das Höchste der Gefühle wäre, eine Eisdiele unterwegs aufzusuchen, wenn wir eh schon auf einem Tagesausflug sind (und dann kann jede/r das Eis kaufen, für das er oder sie bereit ist zu zahlen), oder am allerletzten Tag vor den Sommerferien. Ich gehe davon aus, dass du an diesem Tag auch nicht mehr groß Unterricht machst, sondern allerhöchstens eine Einheit zum sozialen Lernen/Teambuilding/Persönlichkeitsentwicklung o.ä.

    Wenn es eine Klassenkasse gibt, dann sollte das Geld transparent und zielorientiert ausgegeben werden, da bin ich bei dir.

    Es ist eh immer die Frage, ob man von relativer oder absoluter Armut spricht. Letztere ist zwar in Deutschland zum Glück sehr selten, aber es gibt immer auch Menschen, die durch mehrere ungünstige Umstände durch alle sozialen Raster fallen.

    Ansonsten lässt sich vor allem bei jungen Menschen feststellen, dass die Schere in Sachen finanzieller Bildung zunehmend auseinandergeht. Ich bin erstaunt, wie viele Jugendliche sich teilweise schon mit verschiedenen Geldanlagemöglichkeiten auskennen - das war in dem Ausmaß in Vorgängergenerationen nicht der Fall. Gleichzeitig gibt es Studien, gemäß denen der Anteil an jungen Menschen mit Schulden zuletzt zunahm. Der leichte Zugang, sich mal eben einen Kredit zu beschaffen, und fehlender Weitblick hinsichtlich der Auswirkungen kaufmännischer Entscheidungen tun ihr Übriges.

    Es gibt zweifelsfrei Menschen, die auch mit Bürgergeld perfekt haushalten können. Dazu gab es in der Vergangenheit durchaus Fallstudien. Es ist nicht unbedingt einfach, aber möglich. Jetzt gibt es aber Menschen, die grundsätzlich Probleme im Umgang mit Geld haben. Es gibt Süchte und unbewälzigte Traumata. Das ist kein reines Problem von Menschen mit Bürgergeldbezug. Es gibt auch Gutverdiener (m/w/d), die über ihre Verhältnisse leben und am Ende sogar Privatinsolvenz anmelden müssen. Manchmal fehlt die nötige finanzielle Bildung. Manchmal werden von den zur Verfügung stehenden Mitteln noch andere Personen aus emotionaler Verbundenheit unterstützt.

    Also ja, theoretisch wären die 10€ zur Verfügung. Wenn sie praktisch nicht zur Verfügung stehen, hat dies in der Regel Gründe. Da kommt eine Lehrkraft jedoch irgendwann an ihre Kompetenzgrenzen. In so einem Fall (Den ich ehrlicherweise noch nicht hatte.) ist es wichtig, dass den jeweiligen Eltern Hilfsangebote an die Hand gegeben werden, mit denen sie es schaffen, wieder den Überblick über ihre Finanzen zu bekommen - auch im Sinne ihrer Kinder.

    Man kann das Ganze auch positiv interpretieren: Die Politik hat einen Versuch gestartet, um zu schauen, ob die schulischen Leistungen durch Schulformwahl anhand Entscheidung der Eltern langfristig besser ausfallen. Hätte auch der Fall sein können, aber die Praxis hat gezeigt, dass Eltern das schulische Leistungsverhalten ihrer Kinder nicht realistisch einschätzen können, emotional voreingenommen sind und eher nach Wunsch- statt nach Istzustand entscheiden. Die schulischen Leistungen sind auch tendenziell schlechter geworden, wenngleich es zu wenig Evidenz gibt, dies allein an der Schulformwahlstruktur festzumachen. Dennoch, es war ein Versuch, und jetzt ist es an der Zeit, dass die Politik das Projekt rückabwickelt wie es auch bei G8/G9 geschehen ist.

    Durch die regelmäßige Konfrontation mit Ergebnissen aus Vergleichsstudien (innerhalb Deutschlands wie international) merke ich einen Druck, dass von uns gesamtgesellschaftlich erwartet, dass wir (wieder?) mehr Leistung von den Schülern (m/w/d) einfordern. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn nicht bei allen Schülern (m/w/d) kann ich davon ausgehen, dass sie an den Anforderungen wachsen und somit bei höheren Erwartungen auch höheren Lernzuwachs aufweisen. Was ich persönlich hilfreich fände, wäre wenn ein größerer Anteil der Schüler (m/w/d) einen gewissen Wissensdurst verspüren würde. Die klischeebehafteten "glätzenden Kinderaugen" mal anders definiert, nämlich dass sie das aufweisen, sobald wir ihnen ein Lernangebot machen.

    Das ostasiatische Schulmodell ist mit Sicherheit nicht perfekt, auch weil die jungen Leute von klein auf mit Leistungsdruck seitens der Familie und seitens der Gesellschaft konfrontiert sind, aber vielleicht gibt es zumindest einzelne Elemente, die sich in unser Schulmodell übertragen lassen, sodass unsere Kinder und Jugendlichen wieder mit etwas mehr Ehrgeiz und Ernsthaftigkeit das Thema "Schule" angehen.

    1. So einfach ist es mit Konten wirklich nicht
    2. Sekretariatsmitarbeiter*innen haben ein Arbeitszeitskonto (und Stellenbeschreibungen)

    Sekretariatsfachkräfte haben eindeutig eine gute Lobby hier. Ich finde folgende Perspektive allgemein bei Überlegungen zur Verteilung von Aufgaben sinnvoll: "Angenommen, es würde sich um eine komplett neue Aufgabe handeln, die zuvor noch keiner ausgeführt hat. Wo wäre im Schulkosmos hierfür die meiste Kompetenz vorhanden und damit die Aufgabe am besten aufgehoben?"

    Würde diese Devise allgemein gelten, würde doch keiner darauf kommen, dass hier die fachliche Expertise bei Lehrkräften liegt. Würde man eine Stellenbeschreibung für Lehrkräfte schreiben, würde auch keiner auf die Idee kommen, die Verwaltung von Geldern zu listen. Oder war das bei dir damals Inhalt von Studium oder Vorbereitungsdienst?

    Du hast aber insofern Recht, dass die unterschiedliche Erfassung der Arbeitszeiten aller Schulbeschäftigten derzeit dazu führt, dass Aufgaben schneller bei denen landen, bei denen es über Vertrauensarbeitszeit läuft, selbst wenn die fachliche Eignung ganz woanders liegt.

    Unsere klassenkasse ist durch die Eltern eingerichtet und verwaltet. Die Eltern haben sich auf 2x25€ pro Schuljahr geeinigt. Find ich recht hoch aber die Eltern wollten das so und wir zehren jetzt davon natürlich 😅

    Um mal den Querverweis zu einem parallel geführten Thema herzustellen: Was natürlich auch eine Möglichkeit wäre, statt dass Eltern oder die Klassenleitung die Klassenkasse führen, wäre dass alle Klassenkassen über die Sekretariatsfachkraft bzw. Schulverwaltungsassistenz geführt werden. Hier liegt zumindest im Schulkosmos die fachlich größte Qualifikation in Sachen Verwaltung und Organisation von Geldern.

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