Ich auch nicht. Ich bin voll und ganz bei SwinginPhone In der Mathe geht's erst mal um Mathe und ich hätte als Naturwissenschaftlerin gerne, dass meine SuS einfach mal rechnen können. Natürlich geht's auch in Mathe um "sinnentnehmendes Lesen", man muss ja mit der Fachsprache umgehen können. Fachsprache, Mathe. Nicht Deutsch, Gedichtinterpretation. Leicht überspitzt ausgedrückt natürlich.
Im Gegensatz zu Deutschland *ist* die Schweiz eben ein international hoch angesehener Forschungsstandort. Die beiden Eidgenössisch Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne rangieren immer unter den Top 10 bzw. Top 20 im internationalen Uni-Vergleich*. Ja, tatsächlich ist das so, dass die viel zu hohe deutsche Abiquote uns hier ein Stück weit die Preise kaputt macht, wenn man das so ausdrücken will. Es hat in Zürich einfach wahnsinnig viele deutsche Doktoranden und es ist nun mal eine Tatsache, dass ein schweizer Maturand besser ausgebildet ist als ein deutscher Abiturient. Aber wie ich oben schon schrieb: Wenn ein Gruppenleiter an der Uni oder an der ETH Bewerbungen für offene Stellen anschaut, dann wird er in der Regel lieber den Deutschen als den Inder oder den Chinesen nehmen. Schweizer gibt's viel zu wenige, eigentlich würde er aber lieber einen solchen nehmen. Der Gruppenleiter weiss, dass der Deutsche wahrscheinlich etwas schlechter aufgestellt ist, der entscheidende Punkt ist aber, beim Deutschen kann man sich einigermassen drauf verlassen, was der mitbringt. Das ist unter anderem bei Indern und Chinesen eben ein riesen Problem, da gibt es ein paar wenige, die an irgendeiner Elite-Uni abgeschlossen haben und dann sicher super toll ausgebildet sind. Nr. 2, 3 und 4 auf der Bewerberliste sind aber irgendwie sowas wie Master of Agricultural Sciences (das ist kein Witz, den ich mir gerade ausdenke ...), den sie an einem Ort erworben haben, den man erst mal bei GoogleMaps suchen gehen muss und von dem nicht anzunehmen ist, dass dort eine besonders angesehene Uni ausbildet.
Ja, wir können gerne drüber diskutieren, dass das deutsche Abi-Niveau nicht gut ist, dem stimme ich sicherlich zu. Mit einem System, in dem man überhaupt nur auf eine adäquate Ausbildung hoffen darf, wenn die Eltern qua Geburt besser gestellt sind und es sich leisten können, sollten wir da aber jetzt echt nicht vergleichen. Wurde ja weiter oben auch schon mal geschrieben. Auch bezüglich der Chancengerechtigkeit ist in Deutschland sicherlich einiges zu verbessern, aber gerade das Beispiel Indien zeigt - es ginge auch noch erheblich schlechter. Und man muss soweit gar nicht in die Ferne schweifen um Systeme zu finden, die eindeutig schlechter ausbilden als das deutsche. In Europa haben wir traditionell ein ziemlich ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle, was das betrifft. Vor den Spaniern musste man sich an der Uni in der Chemie immer regelrecht fürchten und ich habe mir von einer jungen Kollegin an der Schule sagen lassen, dass sich daran nicht viel geändert hat.
*Edit: An dieser Stelle einfach mal der Hinweis darauf, dass dort JEDER studieren kann, der die allgemeine Hochschulreife erworben hat. Es gibt für Inländer absolut keine weiteren Auflagen, kein weiteres Bewerbungsverfahren, es reicht einfach die Matura mit einer 4.0 bestanden. Abschlüsse aus dem benachbarten Ausland werden problemlos anerkannt. DAS ist weltweit wirklich einzigartig, die ETH Zürich und die EPFL sind KEINE Elite-Einrichtungen!