Beiträge von Quittengelee

    Natürlich sind "die Ausländer" nicht Schuld. Es geht hier aber IMHO auch nicht um die Schuldfrage, sondern um Lösungsoptionen. Darauf zu hoffen, dass Kinder mit bildungsnahen Hintergrund diejenigen mit bildungsfernen schon irgendwie mitziehen werden, ist praxisfern. Eher droht der gegenteilige Effekt.

    Und wie kommt's deiner Einschätzung nach dazu, dass bei jeder Studie festgestellt wird, dass Deutschland bildungstechnisch zu sehr sozial schwache Kinder benachteiligt? Das Problem haben andere Länder offenbar nicht in dem Maße. Und wenn ich mich so umsehe, dann hat gerade unsere Gesellschaft ein massives Problem mit Arbeitskräftemangel. Die Lösung, 50% aufs Gymnasium zu schicken und dann lauter Nichtstudierfähige ins Leben zu entlassen, die sich alle für zu gut für eine Ausbildung halten, kann irgendwie auch nicht die Lösung sein. Dann doch lieber Gemeinschaftsschulen bis Klasse 9 oder 10 und wer wirklich will und leistungsstark ist, macht die gymnasiale Oberstufe.

    Edit: genau das, je besser Schule in der Lage ist, Leistung von sozialer Herkunft zu trennen, desto weniger werden Eltern mit Gewalt versuchen, ihr Kind aufs Gymnasium zu bringen. Es geht doch nicht nur um Schulabschlüsse, sondern um die Sorge vor schwierigen Klassen. Und das m.E. zu Recht.

    Das hochgelobte finnische Gesamtschulsystem läuft offfenbar in dieselben Probleme wie das hiesige hinein, sobald es migrationsbedingt in nennenswertem Umfang Kinder aus bildungsfernen Haushalten integrieren muss.

    Ich weiß nicht, ob die Gesamtschule irgend ein Problem lösen würde. Die Schlussfolgerung, dass die Ausländer alle Schuld sind, ist halt auch keine Lösung.

    Mag sein, aber die sind Experten?

    Nee, natürlich nicht. Aber sie haben bestimmte Vorstellungen von Schule und ich vermute schon, dass das das Ansehen von Schule in der Gesellschaft eine Rolle spielt, wie viele Leute Lehrer werden wollen. Und dass eine Schule besser funktioniert, wenn die Kinder gerne hingehen und die Eltern zufrieden sind.

    Was soll sich genau und wodurch verbessern, wenn alle SuS in ein dysfunktionales System gesteckt werden, statt nur 2/3?

    In den "Problemvierteln" landen doch ohnehin schon fast alle Kinder im Gesamtschulsystem.

    Nein, Gesamtschulen sind nicht per se schlecht, sondern das Niveau und Sozialverhalten sinkt, weil jeder, der es irgendwie schaffen kann, aufs Gymnasium geschickt wird. Wenn es nur noch Gesamtschulen gäbe, würden gutsituierte Eltern schon dafür sorgen, dass die Gesamtschule, an der ihr Kind ist, läuft

    Das fängt schon beim Förderverein an, der jedes Jahr Tausende Euro verwaltet undhirt bei den Eltern nicht auf, die Lektüren, Museumsbesuche und Skifreizeiten bezahlen.

    Natürlich gibt es noch andere Effekte, sonst wäre R^2= 1 und nicht 0,54. Der Vergleich verschiedener Bundesländer ist vor allem wegen der sehr unterschiedlichen Schülerstruktur der Stadtstaaten problematisch, die liegen meist am Ende trotz relativ hoher Ausgaben.

    Naja, dann sag doch mal konkret, wofür du mehr Geld ausgeben würdest. Es fehlen einfach Lehrkräfte, es arbeiten so viele Quereinsteiger und fachfremd Unterrichtende, dazu unfassbar viel Unterrichtsausfall. Und was stattfindet an Unterricht ist soundsooft "macht mal zu Hause ne Powerpoint", die dann die Eltern erstellen, die Internet haben und Deutsch können.

    Im Forum sind natürlich nur spitzen Lehrkräfte, die alles richtig machen, aber der Zeit-Artikel weiter oben drückt es ganz gut aus, fürchte ich: die meisten Eltern halten nichts von den Schulen und vielen Lehrkräften ihrer Kinder. Das, was vermittelt werden soll, macht man soundsooft selbst zu Hause. Und gerade die Klagen hier, dass die Kinder nicht das 1x1 können und keine Bücher lesen zeigt es, deutsche Lehrkräfte erwarten, das zu Hause alles läuft. Solange Familien den Überblick haben, kommen die Kinder klar. Sobald das nicht der Fall ist, hebt die Schule die Hände.

    Das Ingwermädchen muss mal einen Tip geben, bitte:wink2:. Hat der Herrnhuter Stern was zu bedeuten? Die hingen m.E. schon vor Jahrzehnten in ganz Deutschland. Allerdings in Österreich oder der Schweiz vielleicht nicht?

    Wenn das, was nicht zu sehen ist, berühmt ist, sollte es wohl ein Altar sein, die Orgel sieht man ja. Allerdings kenne ich lediglich den Namen Riemenschneider und hab auch keine Ahnung, wo der überall seine Spuren hinterlassen hat...

    ...

    ich hätte allerdings auch bei "entweder oder" Vorbehalte und würde dann wohl eher irgendeine Privatschule wählen.

    Also zumindest hier in Sachsen arbeiten an Schulen in privater Trägerschaft Lehrkräfte, die nicht fertig ausgebildet sind oder darauf warten, beim Staat eine Stelle zu bekommen. Solange der Staat solche Gehälter anbietet, mutmaße ich, dass ein Privatschulsystem in Deutschland nie eine ernsthafte Rolle spielen wird.

    Zwischen den Bundesländern sieht es komischerweise anders aus. Bundesländer, die relativ viel pro Kind ausgeben, haben nicht die besten Ergebnisse in Schulleistungsstudien, im Gegenteil.

    ...

    Ich überlege jedoch auch noch etwas Erfahrung zu sammeln ...

    Mir kommen dabei viele Ideen in den Sinn wie reisen, ein FSJ machen oder wenn das möglich ist, im Ausland als Pädagoge/ Sonderpädagoge zu arbeiten und Kinder zu unterstützen...

    An welche Art Erfahrung hast du denn gedacht? Beim Reisen ist man ja ganz anders unterwegs als an einer Schule. Ich habe vor vielen Jahren ein paar Monate an einer Deutschen Schule gearbeitet, nicht uninteressant, allerdings ist es halt am Ende eine Schule und da wirst du ja noch viele Jahre verbringen. Ich würde darüber nachdenken, ob work und travel nicht die abwechslungsreichere Herausforderung ist. Wwoofen zum Beispiel würde mich heute ansprechen...

    Schon bei der 1. Pisa-Studie war eine zentrale aber kaum diskutierte Erkenntnis, dass die höchste Korrelation der Ergebnisse zum Faktor "pro Schüler in das Bildungssystem investiertes Geld" bestand.

    Oder auf Deutsch: mehr Unterricht in kleineren Lerngruppen führt zu besserem Erfolg.

    Wer hätte das ahnen können.

    Wo steht das? Bitte mal Beleg anfügen.

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