...dass ich relativ grundsätzlich gegen diese Art von Digitalisierung bin.
Ich nicht. Was immer gerne vergessen wird, sind die Vorteile un die Erleichterungen auf Lehrerseite.
Ich behaupte, für einen Schüler bzw. dessen Lernprozess ist es ziemlich egal, ob er einen Text auf einem Blatt Papier, in einem Buch oder auf einem Bildschirm liest (vorrausgesetzt, die Bildqualität stimmt, aber das ist ja heute gegeben), beim Schreiben ab einer bestimmten Entwicklungsstufe (wenn für den kognitiven Lernprozess die Motorik nicht mehr gebraucht wird) auch. Wenn es dann noch Möglichkeiten gibt, die den Lernprozess unterstützen und so verbessern, gegenüber Nicht-Digitalisierung, dann soll mir das doch sehr recht sein.
Aber für mich als Lehrer ist es eine erhebliche Erleichterung, wenn ich nicht mehr fragen muss: "Wie kriege ich 20kg Papier vom Auto in den Klassenraum?" sondern wenn ich fragen kann: "Wie kriege ich meine Informationen überall verfügbar?". Bei der ersten Frage ist die Auswahl der richtigen Schultsche die Antwort. Am Anfang geht noch die Schultertasche, ewnn es dann schwerer wird kommt der Lehrerrucksack und wenn es anfängt im Kreuz zu zwicken der Lehrertrolley. Bei der zweiten Frage lande ich schnell bei einer IT-Ausstattung und z.B. einem E-Learning-System.
Außerdem, das ist eine sehr subjektive Geschichte, geben mir digitale Medien für die Unterrichtsvorbereitung mehr Struktur, ich verliere mich nicht mehr in haufenweise Zettelkram.
Die Frage, wie sich das Medium auf die Lerneffizienz auswirkt und ob das den (finanziellen) Aufwand rechtfertigt, fänd' ich mal zu untersuchen interessant. Und? Gibt's das was? 'Ne seriöse Untersuchung? Bitte verlinken.
"Lernen 4.0" von Klaus Zierer, Schneider Verlag Hohengehren GmbH, 2. erweiterte Auflage,S.47:
FaktorEffektstärke
Digitalisierung im Primarbereich 0,44
Digitalisierung im Sekundarbereich 0,30
Digitalisierung im Tertiärbereich 0,42
Er zitiert aus einer neueren Hattie-Studie. Man sollte auch wissen, dass bei 0,4 der Bereich beginnt, in dem eine Verbesserung des Lernens einsetzt.
Die Technik muss einfach funktionieren,...
Ja, das ist unbedingte Vorraussetzung! Man muss sich im Klaren darüber sein, so wie ich bei Nicht-Digitalisierung von nicht-digitalen Medien abhängig bin, so bin ich bei Digitalisierung von digitalen Medien und dem ganzen anderen "IT-Kram" abhängig.
Und das betrifft sowohl das funktionieren der Medien/Technik, als auch das Vorhandensein. Klassische Schulbücher wurden gekauft, die Inhalte waren entsprechend aufbereitet. Digitale Inhalte gibt es z.B. in meinem Bereich nahezu nicht, d.h. bei Digitalisierung schreibe ich quasi mein eigenes "Lehrbuch".
Es muss also sowohl auf technischer, als auch auf organisatorischer sowie inhaltliher Seite noch einiges passieren.
Ich könnte mir vorstellen, dass Schüler statt Lehrbüchern E-Books und einen entsprechenden E-Book-Reader bekommen. Der sollte dann aber auch eine Volltextsuche über alle gespeicherten E-Books ermöglichen, mit einer automatischen Bibliographie-Erstellung, falls eigene Texte verfasst werden sollen, und leichtem Transfer dieser Bibliographie in ein Textverabeitungsprogramm etc.. Gibt es m.W..n. bisher nicht.
Oder wo ist der Service, bei dem ich meine Papierbücher auf den Tisch legen kann (als Beweis für mein Eigentum) und für einen kleinen Obolus diese in ein E-Book umwandlen lassen kann mit buchübergreifender Volltextsuche, Schlagwortsuche (ja, in älteren Büchern gab es noch Stichwortregister), evtl. Bildersuche. Das wäre ein Nutzen für mich und ich würde eine Reihe von Büchern entweder abschaffen oder auf'm Dachboden verstauen. Gibt es aber m.W.n. auch nicht.