Ich möchte Schüler nicht gegen ihren Willen unterrichten (das fand ich damals an der Gesamtschule schlimm), freue mich, wenn sie Freude an meinem Unterricht finden, wenn sie Leistung bringen (schwänzen (sogar nach dem schriftlichen Abitur) ist bei uns selten. Arroganz empfinde ich euch gegenüber nicht, manchmal wundere ich mich (bei Erzählungen), dass es euch anscheinend nichts ausmacht, aber Menschen sind verschieden und vermutlich sammeln sich am Gymnasium mehr Kollegen, für die Leistung wichtig ist. (Und dazu gehört für mich auch, schwache Schüler zu fördern, sodass sie bei uns bleiben können. Nur wollen müssen sie schon, dauerhaft gegen den Willen der Schüler zu unterrichten, fällt mir schwer.)
Ich habe mal die Dinge markiert, auf die ich mich vor allem beziehe.
Das "Wollen" ist bei uns sehr heterogen. Das Spektrum hat Sissymaus ja schon beschrieben: Wenn man in der Fachschule auf einem Niveau unterrichtet, das es notwendig macht, ein im Studium nur gestreiftes Thema intensiv im Vorfeld zu erarbeiten, dann ist das herausfordernd, aber auch äußerst spannend und befriedigend. Wenn dann in meiner Klasse Leute sitzen, die - weil ich das eng verzahnt zwischen Theorie und Praxis unterrichte - das mit Begeisterung aufnehmen, dann unterscheidet sich das für mich nicht von dem, was ein LK für die Lehrkraft ausmacht. Sowohl vom Niveau als auch vom Wollen her.
In unseren anderen Schulformen ist's eben genauso heterogen: In manchen Berufsschulklassen ist es motiviert, konzentriert etc. Da erkenne ich für mich auch am Gym (aus meiner eigenen Erfahrung heraus) keinen Unterschied im Wollen.
Jetzt zu dem, was du als "dass es euch anscheinend nichts ausmacht" beschreibst: Das ist die anderes Seite unseres Jobs.
1. Was natürlich da ist, ist die extreme Spreizung bis hin zu schulmüden SuS in besonderen Schulformen wie der Berufsvorbereitung. Hier schaffen es aber auch KuK (besonders in der Fachpraxis) viele mitzunehmen (ganz viel Respekt für diese tolle Arbeit!!!).
Da ich in solchen Schulformen aber nicht drin bin, möchte ich da nicht klugscheißen oder mir einen Schuh anziehen, der mir nicht passt.
2. Was auch normal ist, sind BS-Klassen, bei denen das Interesse an der Berufsschule nicht so ausgeprägt ist oder Schulformen, die zum Fachabi oder Abi führen, wo man bei manchen SuS das Wollen nicht so extrem ausgeprägt ist. Da hängt's von der Person ab. Ich bin gerne in solchen Klassen, muss da aber natürlich meine Erwartungen an das Können und Wollen auf Seiten der SuS runterschrauben. Also die Erwartung, dass ich hingehe und die sofort darauf anspringen wollen und können. Da bin ich aber eher Pädagoge als jetzt der Fachlehrer. Da ist es eine Mischung aus Förderung, realistischer Einschätzung der Lage und möglichst motivierendem Unterricht bei gleichzeitigem beiderseitigem respektvollem (aber nicht konfliktfreiem) Umgang miteinander. Da ist es wirklich möglich, auch schulisches Scheitern zu begleiten und andere Perspektiven zu eröffnen. Das hält aber dennoch auch sehr frustrierende Erfahrungen bereit. Wobei: Wenn ich höre, wie manche KuK über Klassen sprechen, dann unterscheidet sich das nicht davon, wie meine LuL über uns in der 8. und 9. an einem ziemlich braven Gym gesprochen haben. Meine Klasse war da echt ein Sauhaufen.
Und jetzt komme ich zu meinem dritten Punkt, bei dem ich einer deiner Aussagen vehement widerspreche:
3. Der Aussage "dass es euch anscheinend nichts ausmacht" widerspreche ich vehement! Es macht "uns" was aus! Deine Wahrnehmung kommt vielleicht daher, dass LuL an BBSen häufig recht direkt ihre Realitäten beschreiben. Wie gehen wir mit diesen Realitäten um? Wenn ich (und jetzt rede ich ganz explizit von dem ICH) mit SuS, die nicht wollen und nicht können, umgehe und diese erst mal so nehme, wie sie sind, dann bedeutet es nicht, dass es mir nichts ausmacht. Dann bedeutet es, dass ich anstelle des andauernden Aufregens über etwas, was ich nicht ändern kann (die SuS mit ihrem Rucksack des Lebens) und einer egal-Haltung (nichts ausmachen) einen Weg finde, sie zu begleiten, zu fördern, sie zu motivieren, ihnen klare Rückmeldungen zu geben, ihnen Alternativen aufzuzeigen etc. Aus dem "so isses halt" folgt eben nicht das Aufgeben sondern die Mischung aus der Wahrnehmung der Realität und dem bestmöglichen Umgang damit.
"nichts ausmachen" wäre ja, dass uns das kalt lässt und schei*egal ist. Wahrnehmen und Beschreiben der Realität bedeutet ja nicht, dass es uns nichts ausmacht.
Und: Ich will, muss und brauche dich nicht davon zu überzeugen, BBS gut zu finden. Es ist eben eine andere Schulform und jede(r) hat da seine Vorlieben (ich als bildungsbürgerlich geprägter Typ, der selbst an einem als bisschen elitär geltenden Gymnasium war, würde wie gesagt nicht freiwillig an ein Gym gehen). Aber: Aus deinem Beitrag schimmern an ein paar Stellen doch ein paar gymnasiale Vorurteile durch. Achtung: Es schimmert nur an ein paar Stellen durch, als Grundhaltung lese ich das bei dir nicht heraus.