Ich bin in NRW am Berufskolleg und absolut glücklich. Durch die Vielzahl der Bildungsgänge hast du am Berufskolleg immer eine bunte Schülermischung. Das Berufskolleg ist halt nicht eine Schule sondern eher viele Schulen unter einem Dach. Wir haben bei uns über 30 verschiedene Bildungsgänge. Und jeder Bildungsgang hat eigene Abschlüsse; Hauptschulabschluss, Fachoberschulreife, Fachhochschulreife, Abitur und dann noch die unterschiedlichen Berufsausbildungen in drei Abteilungen. Drei Abteilungen sind kaufmännisch (z.B. Industriekaufleute), technisch (z.B. Schreiner) und allgemeingewerblich (z.B. Frisöre oder Hauswirtschaftler). Die meisten Schüler haben die mittlere Reife oder sind zumindest 16 Jahre alt. Also weniger Pubertiere als in der Sek 1. Häufig hast du es auch mit Erwachsenen zu tun die eine Ausbildung machen oder die Fachschule besuchen. Außerdem ändern sich alle paar Jahre die Inhalte bzw. kommen neue Inhalte hinzu. Es wird also nie langweilig. Dann hast du auch immer wieder mit Ausbildern aus den Betrieben zu tun. Je nach Schule hast du vielleicht noch die Technikerschule. Das sind "Schüler", die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben und dann 4 Jahre lang an zwei Abenden die Woche und auch Samstags zur Schule kommen um sich weiterzubilden. Mein ältester "Schüler" war 10 Jahre älter ich. Es sind auch immer Schüler dabei die wirklich lernen wollen und das auch einfordern. Man wird also fachlich auch immer wieder gefordert.
Insgesamt merkt man am Berufskolleg, dass Schule zwar wichtig ist, aber dass es noch etwas wichtigeres als Schule gibt. Bei unserem Beruf stirbt niemand, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft. Fast alle Gym-Lehrer, die ich kenne, halten sich selbst und Schule für den Nabel der Welt. Diese Einstellung gibt es am Berufskolleg überhaupt nicht.