Beiträge von NRW-Lehrerin1976

    Sorry, aber dass 2/3 deiner Klasse Scheinadressen, bewusst falsche Telefonnummern etc. angeben halte ich für sehr herbeikonstruiert.

    Die 2/3 beziehen sich auf den Anteil der erfolglosen Elternanrufe bei problematischen Schülern, falsche Telefonnummern sind ein häufiger Grund dafür, nicht rangehen, wegdrücken andere. Scheinadressen kommen auch vor, seltener, aber von Einzelfällen zu reden wäre untertrieben. Ich glaube die soziale Spaltung in Deutschland ist mittlerweils so weit fortgeschritten, dass sich viele Kollegen aus Gegenden "wo die Welt noch in Ordnung ist" gar nicht vorstellen können was in Brennpunkten für Verhältnisse herrschen. Ein System, welches unter den Teppich kehren systematisch belohnt, tut da sicher das übrige.

    Und das Jugendamt hat in solchen Fällen keine Handhabe?

    Doch, theoretisch schon. Aber wenn das Kind nicht unmittelbar in Gefahr zu sein scheint physisch Schaden zu nehmen, tun die nichts, denn die haben genug Fälle, wo das der Fall ist. Damit sich das Jugendamt kümmert, muss es halb tot auf der Straße gefunden werden oder jemand anderen ernsthaft physisch verletzt haben. Da reicht es nicht, wenn es in der Schule (auch wiederholt) auffällig wird, oder auch gewalttätig unter der Grenze, wo man es noch irgendwie mit viel gutem Willen bagatellisieren kann. Es ist eine Ressourcenfrage. Die Probleme der Kinder werden von allen Seiten so lange ignoriert, bis es zu spät ist.

    Briefe dauern max 2 Tage bis sie in der Post sind. Ich kann bei vielen Dingen aber auch die Eltern direkt über unseren Messenger anschreiben, dann ist die Nachricht direkt da.

    Zusätzlich kann ich über das elektronische Klassenbuch den Eltern ein Kommentar zur Stunde hinterlegen (macht gut mit, macht nicht mit, hat keine Hausaufgaben....).

    Und das Lesen bei uns viele der Eltern und gleichzeitig ist es eine Art der Dokumentation.

    Problematische Schüler haben fast immer problematische Eltern. Wenn ich versuche Eltern aus meiner Klasse telefonisch zu erreichen, gehen sie in 2/3 der Fälle nicht ans Telefon bzw. geben schon im Vorfeld ganz bewusst falsche Nummern an, eben damit sie für die Lehrer nicht erreichbar sind. Ein Workaround ist häufig das Kind zu bitten die Eltern mit ihrem Handy anzurufen. Die dummen Kinder machen das und dann bekommt man die Eltern an die Strippe. Häufig kann man dann aber auch nur mit dem Onkel/Tante/ältere Schwester, usw. reden, weil die Eltern kein Deutsch verstehen (wollen). Mit denen darf man aber eigentlich nichts besprechen. Dann muss für ein Elterngespräch erst ein Übersetzer vom Schulträger gestellt werden, der spezifische kurdische Dialekt ist dann aber nicht kurzfristig verfügbar, bzw. es stellt sich im Termin heraus, dass man sich doch nicht versteht.

    Einige Kinder haben für den Fall, dass man die Eltern über sie erreichen möchte auch dieselbe falsche Nummer eingespeichert, die die Eltern uns gegeben haben, und tun dann ganz überrascht, dass sie ihre Eltern leider nicht erreichen können. Briefe kommen übrigens auch häufig zurück, weil Scheinadressen bei der Anmeldung angegeben wurden.

    Also unterm Strich: Wenn die Eltern konstruktiv mitarbeiten, bekommt man jedes problematische Kind auf die rechte Bahn. Wenn nicht, ist Hopfen und Malz verloren und man kann sich die Arbeit sparen und direkt aufgeben. Das Kind wird dann später in die Sozialhilfe oder Kriminalität entlassen, entweder zum Schulabschluss oder irgendwann in der 7./8 Klasse, wenn es einfach nicht mehr in der Schule auftaucht und nur noch auf dem Papier Schüler der Schule ist. Ist schlimm, ist aber leider so.

    Natürlich nicht. Aber denkst du, dass dies das erste abweichende Verhalten des Sechstklässlers wäre und er zuvor vollkommen unauffällig war? Meine Erfahrung ist eher, dass sich in solchen Fällen das abweichende Verhalten früh in der Bildungskarriere zeigt und sich im Ausmaß kontinuierlich steigert.

    Meine Erfahrung ist, dass die Akten in den Grundschulen diesbezüglich weitgehend leer sind, man aber auf Nachfrage inoffiziell Auskünfte bekommt, die darauf hindeuten, dass da sehr wohl etwas war, und das nicht zu knapp. Die Grundschulen in unserer Gegend sind überfordert und ja auch zu bequem ihre Arbeit an der Stelle zu machen. Ein Ende der Verantwortung in der 4. Klasse ist schließlich absehbar, wieso sich also den Stress antun.

    Das Problem ist, dass wir bei unserer Klientel als Lehrer ausgelacht werden, wenn wir erzieherische Maßnahmen ergreifen. Die Schüler sagen dann ganz offen: "Sie können mich mal, ich flieg sowieso nicht von der Schule!" Und da sie damit recht haben, ist die Wirkung von erzieherischen Maßnahmen gleich null. Einige Schüler sind nicht zu kontrollieren, wenn harte Maßnahmen von Anfang an nicht in Frage kommen. Im Chemieunterricht gab es vor ein paar Monaten eine Schlägerei unter Sechstklässlern. Ein Kollege ist dazwischen gegangen, hat sich dabei aber nur eine blutige Nase geholt. Reaktion der Schulleitung: "Was gehen sie auch dazwischen, halten sie sich besser raus, dann werden Sie auch nicht verletzt." Ihm wurde geraten ein Elterngespräch zu führen, bei dem die Eltern den Standpunkt vertreten haben, dass sie das Verhalten ihres Kindes völlig nachvollziehen können, man muss sich schließlich wehren, wenn man angegriffen ist. Mehr ist nicht passiert.

    Das Problem ist, wenn allgemein unter den Schülern bekannt ist, das Fehlverhalten toleriert wird, werden auch erzieherische Maßnahmen nicht mehr ernst genommen und die Kollegen machen sich dann auch nicht mehr die Arbeit, weil es ja eh nichts bringt.

    Das wird bei uns regelmäßig von der Schulleitung blockiert mit dem Argument, dass das nur Arbeit machen würde und schlecht für das Image der Schule sei. Die Schüler wissen mittlerweile ganz genau, dass es keine Konsequenzen geben wird.

    Also ich könnte in meiner Schule mehrere Vorschläge machen, die den Lehrkörper sofort substanziell entlasten würden ohne irgendetwas zu kosten oder den Schülern überhaupt aufzufallen, geschweige denn Qualitätsverluste in der Ausbildung bedeuten würden. Diese haben alle mit unnötigen Konferenzen, fehlender Digitalisierung in allen Bereichen und mangelnder Konsequenz im pädagogischen Handeln zu tun. Nun fragt man sich, wieso davon nichts umgesetzt wird oder überhaupt nur darüber nachgedacht wird. Meine Erklärung ist, Bequemlichkeit und mangelnder Innovationswille im gesamten Apparat auf allen Ebenen, von den Lehrern angefangen bis hinein ins Ministerium und auch fehlende Schmerzen. Wenn eine Behörde nicht dazu gezwungen wird etwas zu ändern, passiert das auch nicht, denn im bestehenden System haben sich zu viele Leute hübsch eingerichtet und verteidigen es mit Zähnen und Klauen. Die Arbeitszeiterfassung mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, könnte vielleicht ein Hebel dafür sein das System zu Veränderungen zu zwingen.

    Diese Kinder sind in unserem Schulsystem leider verloren. Wir haben nicht die richtigen Instrumente, um ihnen nachhaltig zu helfen. Es tut weh das so laut auszusprechen, es ist aber meine Lehre aus jahrzehntelangem vergeblichen Engagement in ähnlichen Fällen.

    Wenn das Elternhaus keine Bereitschaft zeigt irgendwie konstruktiv mitzuarbeiten kannst du diagnostizieren und feststellen, was du willst, das Kind wird vom System her nicht so unterstützt werden, dass es aus der Situation alleine herausfinden wird. Wie du handelst ist für die Entwicklung des Kindes wahrscheinlich ziemlich egal. Ich würde mich weigern so eine Diagnose auf Aktenlage zu stellen.

    Es geht um eine Ganztagsschule. Die AG soll im Nachmittagsbereich angeboten werden. Eine Finanzierung duch unseren Förderverein ist wohl nicht üblich, ich werde da aber nochmal anklopfen. Wenn das anderswo so gehandhabt wird, wäre das vielleicht auch eine Innovation für meine Schule.

    Hallo,

    ich habe mal ne Frage: Wie werden bei euch üblicherweise AG Angebote finanziert, die nicht von Lehrern angeboten werden. Wir haben das Angebot eines Schachlehrers, der gerne eine AG anbieten möchte. Ich halte das für eine total sinnvolle Sache, aber sein (kleines) Honorar muss irgendwie finanziert werden und irgendwie scheint bei uns keiner eine Idee zu haben, wo das Geld dafür herkommen könnte. Wie läuft so etwas typischerweise bei euch an der Schule?

    Danke!

    Also meiner Erfahrung nach bleiben Lügen bei Entschuldigungen immer konsequenzlos in unserem Schulsystem, weil niemand Lust hat sich mit Konsequenzen rumzuärgern. Mein Rat daher: Nicht ärgern und gute Miene zum bösen Spiel machen.Am Ende steht man nur alleine auf weiter Flur und kriegt noch hintenrum eine reingewürgt.

    Der Sinn überhaupt zwischen entschuldigten und unentschuldigten Fehlzeiten zu unterscheiden ist doch, den Eltern die Information zukommen zu lassen, dass ihr Kind geschwänzt hat, sie aber nicht davon wussten. Wenn die Schule mit den Eltern direkt kommuniziert hat (wie auch immer: Telefonisch, schriftlich, über ein Onlinetool, Rauchzeichen,...), sollte das aus meiner Sicht einfach entschuldigte Stunden sein. Sie sind dann ja im Bilde, der Rest ist Eltern Verantwortung. Dass man dann bei hohen Fehlzeiten, ob entschuldigt oder nicht, das Gespräch suchen sollte, ist davon komplett unabhängig zu bewerten ob Stunden entschuldigt sind oder nicht.

    Das ist alles nicht so einfach.

    Je nach Schulgröße haben die Sekretärinnen dann aber keine Zeit mehr für wichtigere Aufgaben, so dass die SL einspringen müsste. An Grundschulen sind Sekretärinnen außerdem nicht jeden Tag da, weil sie an mehreren Schulen eingesetzt werden.

    Also ich hätte da eine Lösung: Man stellt angemessen qualifizierte Leute in ausreichender Zahl ein, die man für die Erledigung der anfallenden Aufgaben eben braucht. Revolutionärer Gedanke, ich weiß.

    Ich habe nie verstanden, warum um diese schriftliche Entschuldigung so ein Aufhebens gemacht wird. Das zu erfassen und zu verarbeiten sollte keine Lehreraufgabe sein, sondern über das Sekretariat laufen. Dort sollten alle Krankmeldungen eingehen, erfasst werden, regelmäßig an die Klassenlehrer berichtet werden, Fertig. Dann reicht auch einmal anrufen oder Mail schreiben oder welcher Kommunikationskanal auch immer.

    Das ist halt der Nachteil am Beamtenwesen, man ist komplett fremdbestimmt. Wenn man Glück hat, wird auf die eigenen Bedürfnisse Rücksicht genommen, wenn man Pech hat eben nicht. Damit muss man sich abfinden, bevor man sich auf das System einlässt. Mündliche Absprachen sind leider völlig irrelevant. Solange nichts schriftlich schwarz auf weiß zugesagt wurde, kann man nicht davon ausgehen, dass irgendetwas klappt. Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen, mir ging es einmal ähnlich.

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