Vorweg (wie gerade schon geschrieben): ich liebe meinen Beruf und würde um nichts in der Welt etwas anderes machen wollen.
Aber in Bezug auf deine Befürchtungen, will ich ehrlich sein:
- die wachsende Heterogenität und damit verbunden die zunehmende Differenzierungsarbeit
Ja, keine Frage. Die ist da. Die war in der Grundschule schon immer da, die Schere ist aber inzwischen auch breiter geworden.
Auf der "Haben"-Seite: das hat die Politik auch erkannt. Daher gibt es inzwischen Alltagshelfer, Sozialpädagogoiche Fachkräfte (in der Schuleingangsphase), (zu wenig) I-Helfer, manchmal auch die "I-Helfer-Pools" an den Schulen. Die Multi-Professionellen-Teams sind da eine gute Hilfe .... falls das Personal nicht nur auf dem Papier existiert.
Zitat- die Ungewissheit, wo man später eine Stelle bekommt bzw. dass man später z.B. evtl. an eine Brennpunktschule kommt
Grundsätzlich würde ich sagen "In der Grundschule kann man sich die Stellen aussuchen". Aber in NRW (ich weiß nicht, wo du bist) ist es schon so, dass der östliche Teil des Bundeslandes derzeit weniger Stellen ausschreiben darf als der Rest des Landes.
Es kann also gut sein, dass du nur die Wahl hast zwischen Vertretungsverträgen (bei denen Vollerfüller immer bevorzugt werden müssen) oder einer Planstelle an einer nicht bevorzugten Gegend. Die Befürchtung kann ich dir nicht nehmen.
Zitat- das Referendariat, wovon man immer hört, dass es sehr hart und anstrengend sein soll
Ja, ist es sicherlich. Hängt aber auch ein wenig von der Schule, den Kollegen, dem Seminar und dem Referendaren ab.
Zitat- dass man womöglich nie abschalten kann, da man keine festen Arbeitszeiten hat und theoretisch immer noch mehr für die Schule machen könnte
Ja. Kann passieren. Das hängt IMHO auch von der Person ab. Wobei: es hängt auch von der eigenen Person ab, ob man die nicht festen Arbeitszeiten als Belastung empfindet und wie gut man Abschalten kann. Ich bin im Kopf viel in der Schule (okay, liegt auch daran, dass ich Schulleiter bin), aber mache mich dabei nicht nervös und bin nicht gestresst, wenn ich beim Radfahren im Kopf den nächsten Elternbrief oder ein Elterngespräch formuliere.
Also: generell kann ich dir die Befürchtungen nicht nehmen. Sie sind alle realistisch, keine Frage. Aber sie müssen nicht eintreffen und sie müssen einen auch nicht über Gebühr belasten.
Trotzdem, auf deine Frage:
ZitatIch würde mich freuen, wenn einige mal von Ihren Erfahrungen berichten könnten und vielleicht auch sagen könnten, ob sie sich heute immer noch für den Beruf entscheiden würden oder eher nicht.
Ja, ein ganz klares ja. Immer wieder.
Mir gefällt ...
... die relative Freiheit,
... die Arbeit mit den Menschen: Eltern, Kindern, Kollegen,
... das Gefühl, eine wichtige Aufgabe zu haben und nicht irgendwelchen Computer-Code zusammen zu stellen, oder das twitter-Logo in ein X umzuwandeln, weil mein neuer Chef das von mir will
... das Wieder-Zusammentreffen mit den Kindern, nachdem sie die Schule verlassen haben,
... das Formen, Entwickeln in der Schule.
Das wiegt den Stress, der manchmal entsteht auf.
(Aber ich muss dazu sagen: ich arbeite auch im Paradies und nicht im Brennpunkt. Ob ich es dort anders sehen würde? Ich weiß es nicht.)
Ich wünsche dir einen kühlen Kopf und eine gute Entscheidung.
Aber wie auch immer du dich entscheidest: es ist die richtige Entscheidung.