Ich schrieb von Grundschulen. Von der Grundschule wechseln nur absolute Härtefälle mit einsichtigen Eltern weiter an eine Förderschule. Der Schultyp wurde wegen der toll funktionierenden Inklusion jahrelang abgewickelt, und an den Grundschulen läuft das ja auch so super, einfach in derselben Klasse zieldifferent beschulen. Die Kolleginnen schaffen das schon. Mittlerweile sind allerdings wieder neue Förderschulen in Planung.
Die wenigen Kinder, die an der Grundschule wiederholen bzw. die Schuleingangsphase verlängern, werden sowieso nicht am Gymnasium angemeldet. Das versuchen nur die allerdümmsten Eltern. Aber auch die gibt es. Die zu guten Grundschulnoten schaden vor allem den mittelmäßigen Schülern, die eigentlich gute Realschüler wären. Wenn sich einer in Klasse 3 und 4 mit einer 3 in Deutsch und Mathe durchknapst, reicht das ja vielleicht fürs Gymmi? Und in Englisch hatte der sogar eine 2! Tja.
Am Gymnasium in NRW schulen wir nach der sechsten Klasse ab und in den höheren Klassenstufen fallen Wiederholer kaum ins Gewicht. Die gehen in der 7 und 8 nach einer Klassenwiederholung und weiterhin ausbleibendem Erfolg an die nächste Schulform. Also, wenn die überhaupt Plätze hat, die staatliche Realschule eröffnet hier nämlich nicht einfach so neue Klassen, nur weil Kinder wechseln möchten. Letzter Ausweg wäre die private Realschule (wenn die noch Plätze hat), aber in der Regel müssen die Kinder dann an die Gesamtschule.
Da sich ein jeder am Gymnasium anmelden kann (OT: "Noten sagen ja nicht so viel aus"), sind die Klassen 5 und 6 gespickt mit Kindern, die dort ihre Zeit vergeuden. Die Ursache sind idiotische Eltern, aber auch das Blendwerk der Grundschulen in Form zu guter Zeugnisse.
Den Grundschullehrern wird ganz sicher nicht in die Noten reingeredet. Ein gewisser Mitforist würde das glaube ich ein Strohmannargument nennen, vielleicht gibt es auch einen lateinischen Begriff.
Eben.
Nur dass bei uns nicht nur nicht genügend Platz an der Realschule für die Vielzahl (die Mehrheit) an Schülern ist, die eigtl. passende Realschüler wären (die Realschiule betreibt hier entsprechend notenbasiertes cherry piicking, wen der abzuschulenden Schüler sie nimmt), sondern dass unsere Gesamtschule infolge einer 'geschlossenen' Konzeption gar keine Schüler (spätestens nach der 6ten) aufnimmt und nur noch die Hauptschule bliebe.
Ein polit. Struktur- und auch trägerverortetes Problem, das bedingt, das regelmäßig nicht abgeschult, sondern (ggf. wiederholt und dann) versetzt wird, aus mangehaften Noten (man hörte schon von der Schulleitung, und Kollegen, dass ungenügende ja im Grunde gar bicht vergeben werden dürften, außer bei aktiver Totalverweigerung - ist oft was Wahres dran) plötzlich ausreichende werden.
Hinzu kommt die chronische Überlastung mit zu großen und zu vielen Lerngruppen pro Kollege, zu viel Dokumentation, Bürokratie und außerunterrichtlichen, i.d.R. redundanten oder sonstwie unnötigen Dienstpflichten (Präsenzkonferenzen etc.) und unzähligen Faktoren, die einfach enorme Mengen an Energie kosten. Eine z.T. uneinsichtige, stretbare Elternschaft, keinerlei Erforderlichkeit eines gewissen Begründungs- oder gar Belegniveaus bei Widersprüchen (und der Ausstrahlungswirkung von bereits diesbzgl. Einzelfällen auf das gesamte Kollegium), gleichzeitg im Ernstfall vollkommen fehlende Rückendeckung der schulübergeordneten Dienstherren tun ihr Übriges, ebenso der Mehraufwand Förderpläne zu schreiben u./o. in den dringend benötigten Sommerferien evtl. eine Nachprüfung zu konzipieren und direkt mit entsprechender Prüfarbeit das neue Schiuljahr zu beginnen, während die Kollegen noch frei haben. Von evtl. Druckversuchen der Schulleitung ('die Zahlen müssen stimmen, wir können nicht jeden x-ten abschulen'; 'dann liegt es wohl am Unterricht, dass so viele vermeintl. nichtmsmak die Mindeststandards erreichen' etc.) ganz zu schweigen.
Und ich habe deswegen Verständnis für die Kollegen.
Auch das führt alled durch Strukturen, die derartiges logisch bedingen (sollen), zum systematischen Beschreiten von Wegen geringsten Widerstands, zur Noteninflation.
Der Druck ist umso höher, je mehr Schüler bei uns landen, die eigtl. für das Gymnasium ungeeignet sind. Und seitdem Eltern über die weiterführende Schule entscheiden (was eine durch und durch dümmliche, jede Leistungsgerechtigkeit konterkarierende Idee ist), landet die Mehrheit aller Schüler überhaupt am Gymnasium und damit (normalverteilungsbedingt, unter Voraussetzung der eigtl. gymnasialen Anforderungen) ist folglich eine Mehrheit der Gymnasiasten für diese Schulform ungeeignet.
Das führt mithin auch durch die neuen 'Normzustände' i.V.m. entsprechenden Vorgaben aus den BezR und dem Ministerium zu einer zusätzlich allg. Niveauanpassung der Schulform an sich nach unten hin (mit entsprechender Ausstrahlungswirkung auf die anderen Schulformen), eine Kapitulation vor einer 'veränderten' Kindheit und Jugend (und damit eine Konterkarierung der eigtl. Funktion von Schule).
Das ist nicht NRW-, gymnasium- oder standortbedingt, sondetn ein recht ubiquitäres Phänomen und sollte jedem im Beruf bekannt sein, der nicht erst seit Gestern dabei ist (insb. wenn man bspw. noch die Zustände vor und um die Jahrtausenwende kennt und nicht selbst Schüler der aktuelleren, dysfunktionalen Schulsysteme war).