Beiträge von Bolzbold

    Solche KollegInnen fallen aber mitunter auch bereits negativ im Kollegium auf. Das sind dann nicht unbedingt die kollegialsten Personen und haben entsprechend auch nur begrenzte Sympathien.

    Mal aus Schulleitungssicht:

    Theoretisch könnte ich mich darin verbeißen, Kollegen, die zu spät kommen, zum Gespräch zu holen und sie anzuweisen, pünktlich zu sein und im Vorfeld das Zuspätkommen zu dokumentieren.
    Was ich damit erreichen werde, ist ggf. Zustimmung nach außen, aber in der Regel keine Verhaltensänderung. Es gibt KollegInnen, die das nicht hinbekommen, sei es, weil sie zu verpeilt sind, sei es, weil sie es nicht einsehen. Die wird man nicht ändern.
    Die tatsächlichen Folgen eines solchen Auftretens sind hinsichtlich der Stimmung im Kollegium gravierender als der scheinbare Gewinn durch ein Zurechtweisen des Kollegen oder der Kollegin.

    Ich habe das einmal ganz zu Anfang gemacht, weil eine Kollegin ihre Klausur am Klausurtag nicht vollständig dabei hatte, so dass die Klausur erst eine Stunde später beginnen konnte. Sie hatte den Ruf eines "Schlunz" (rheinisch für wenig organisiert oder verpeilt). Ich habe sie abgefangen und darauf angesprochen. Sie fühlte sich direkt auf den Schlips getreten, was mir sehr deutlich gemacht hat, dass das nicht die richtige Vorgehensweise war. (Da war ich noch nicht ganz in meiner neuen Rolle angekommen.)

    Hätte ich jetzt noch mit der Uhr im Eingangsbereich gestanden und protokolliert, dann hätte ich mir womöglich auch anhören müssen, wieso ich in Situation XYZ zu spät bin. Das kommt vor. Das kann ein Tür und Angel Gespräch gewesen sein, ein Telefonat, sonstige Probleme, die bei mir aufgelaufen sind, ein Toilettenbesuch, wo ich vom letzten Winkel des Gebäudes erst zu den Lehrertoiletten laufen muss, oder was auch immer. Das muss ich im Zweifelsfall auch den KollegInnen zugute halten. Ich kann von den KollegInnen nichts erwarten, was ich nicht auch selbst in demselben Maße hinbekomme.

    Darüber hinaus gibt es subtilere Möglichkeiten, den KollegInnen zu signalisieren, dass sie zu spät sind, ohne dass man sie zum Gespräch bittet.

    Meine Aufgabe als Schulleitung ist es sicherzustellen, dass der Laden läuft. Damit muss ich täglich abwägen, wo und wann ich eingreife und wo und wann ich das nicht mache. Ich beschränke das Eingreifen auf gravierenderes Fehlverhalten von KollegInnen als ein Zuspätkommen von drei Minuten, ich bin dabei stets freundlich, aber deutlich in der Sache.

    Als Schulleitung ist meine Aufgabe gegenüber dem Kollegium, dass man zeigt, dass man auf sein Kollegium achtet. Das bedeutet zum einen, dass man nicht alles durchgehen lässt, aber zum anderen - und das ist viel wichtiger - dass man seine KollegInnen einzeln wahrnimmt und ihnen das Gefühl gibt, dass sie gesehen werden - dienstlich wie menschlich.

    Naja, ohne das Geld zöge 'man' nicht dahin. Aber:

    Was wäre die Alternative?

    Ich meinte: die Leute haben nicht vor, dort zu bleiben um des Geldes Willen, sondern nehmen für die Ausbildung und ein, zwei Dienstjahre den Kaffstatus in Kauf, da scheint die Prämie für viele eine angemessene Entschädigung.

    Wenn es keine andere Alternative gäbe, wäre ich bei Dir. Ich bin davon ausgegangen, dass es Alternativen gibt, womit es für mich keinen Grund gäbe, diese Bedingungen hinzunehmen. Wenn es keine Alternativen gäbe, dann wäre es eine "friss oder stirb" Option, so dass sich dann die Notwendigkeit einer "Buschzulage" gar nicht ergäbe.

    Ich glaube, es geht hier nicht um Meinungen sondern um die Regeln, die hier gelten und angewendet bzw. nicht angewendet werden.

    Jede Unterrichtsstunde, die über das normale Deputat hinaus unterrichtet wird, ist eigentlich Mehrarbeit (- abzüglich der Stunden, die aus verschiedensten Gründen ggf. ausgefallen sind.)

    Dazu zählen dann auch zusätzliche KL-Stunden. Methodentage werden bei uns voll angerechnet (erneut abzüglich der ausgefallenen Stunden).

    Was ich hier für problematisch erachte, ist der Personaleinsatz im Allgemeinen. Es wird für die Nicht-KL-KollegInnen eine Anwesenheitspflicht ohne Unterrichtsverpflichtung angeordnet, wobei es augenscheinlich keine konkreten Tätigkeiten gibt, die in dieser zeit erledigt werden sollen.

    Die Anwesenheit kann durch die SL gemäß §13 Abs. 3 ADO angeordnet werden. Wenn keine Situation besteht, in der "bei Bedarf im Rahmen des Zumutbaren [die KollegInnen] mit anderen schulischen Aufgaben betraut werden [können]" (Zitat ADO), halte ich diese Vorgehensweise für nicht zulässig und darüber hinaus für strategisch und führungstechnisch mehr als ungünstig. Das kommt ein bisschen wie "Bossing" rüber und sollte meines Erachtens über den Lehrerrat einer Klärung unterzogen werden.

    Gleichwohl gilt immer: Jede Schulleitung geht so weit, wie das Kollegium sie lässt.

    Ich verstehe nicht, was daran problematisch ist. Wenn ich zusage, dass gegen eine Zulage ich bereit bin, im ländlichen Raum zu unterrichten, weil ich mir ausgerechnet habe, dass ich mir mir ser Zulage ein Auto leisten kann, dass ich dort dann vermutlich brauche, oder eine Zweitwohnung, weil ich dann eine Fernbeziehung führe, oder oder oder, dann kann ich daran nichts Problematisches sehen.

    Genau das, was Du schreibst, ist problematisch. Aber tatsächlich aus anderer Perspektive. Wer macht das denn bitteschön so wie von Dir beschrieben? Wenn es all diese Dinge braucht, um in der Pampa zu unterrichten, dann würde ich trotz des Geldes darauf verzichten. Ich verkaufe Lebenszeit und -qualität, die in keinem Verhältnis zu den paar Kröten steht, die ich dafür erhalte.

    Der Korrekturaufwand zwischen Sprache/Gesellschaftswissenschaften und Mathematik/Naturwissenschaften ist definitiv nicht vergleichbar. Die entsprechenden Arbeitszeitstudien (PhV, etc.) kommen da auch zu vergleichbaren Schlüssen. Ich habe mit Mathematik jedes Jahr ca. einen Korrekturaufwand von 160 Stunden (10' pro Klausur/Klassenarbeit gerechnet, 2' pro Test). Welcher Kollege mit Sprachen schafft denn diese Zeiten? Ich hab letztes Jahr die Mathe LK Klausuren im Abitur in derselben Zeit korrigiert, in der ich Geschichte EF (9 Schreiber) geschafft habe. :P

    Wenn Du das halbwegs (!) gewissenhaft machst, brauchst Du für eine durchschnittliche Klausur in der Q-Phase in Englisch um die 30 Minuten. Die 9er in Englisch schaffe ich mit freiem Schreibteil auch in unter 10 Minuten. Da stecken aber 21 Jahre Berufserfahrung hinter.

    Problematisch finde ich Aussagen wie "das Geld habe ich bereits eingeplant." Da frage ich mich, wie das die LehramtsanwärterInnen in den Jahrzehnten zuvor hinbekommen haben?

    Auf der anderen Seite: Kurzfristige oder als solche wahrgenommene Änderungen in den Bedingungen führen natürlich zu Frustration. Die mittelfristigen Reaktionen werden nicht auf sich warten lassen.

    Das Gesamtklima in den entsprechenden Regionen dürfte für nicht stramm rechtskonservative LehramtsanwärterInnen darüber hinaus wenig erfreulich sein, wenn das Diskussionsniveau über schulische Leistungen oder das Sozialverhalten ähnlich geartet ist wie man es über politische und soziale Themen über verschiedene mediale Kanäle mitbekommt.

    Die großen Fachschaften haben sich die Ermäßigungsstunden selbst zugeschustert. Kleine hatten, obwohl wir die SL überzeugt haben, keine Chance. Ich würde in NRW nie die Chemiesammlung freiwillig übernehmen, hier in Baden-Württemberg wird darauf geachtet, wie lange man für eine Extraarbeit benötigt.

    Die Sammlungsleitung wurde hier durchaus auch mit Entlastung versehen.
    Das Problem, das Du darüber hinaus ansprichst, ist eines, wo das Kollegium einen internen Kampf austrägt - dort würde ich nicht arbeiten wollen. Man hätte als Schulleitung das von Dir angeführte Votum auch beanstanden und eine andere Lösung anstreben können.

    Die Vorgaben für die Anrechnungsstunden sind meiner Wahrnehmung nach dazu gedacht, flexibel auf Belastungen und die Personen, die dies betrifft, zu reagieren. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass Schulleitung und Kollegium hier eine einvernehmliche und tragfähige Lösung finden (wollen) - somit also eigentlich ohne, dass es zu den von Dir genannten Entwicklungen kommt.

    Bei uns gibt es auch keine Korrekturentlastung, es gibt ja auch keine speziellen Korrekturfächer. Mündliches Abitur ist im Juli, unsere Schüler haben bis zu diesem Termin Unterricht, Ausfall ist also gering.

    Bei uns gibt es Entlastung für zeitlich definierte Zusatzarbeiten ,,für die Allgemeinheit". Mindestens 72 Zeitstunden pro Jahr für eine Deputatstunde meist deutlich mehr, weil die Stunden auch nicht ausreichen.

    Wenn alles für Korrekturen ausgegeben wird, wer führt dann die Chemiesammlung zuverlässig? Deutschkorrekturen kosten vermutlich nicht mehr Zeit als Chemiekorrekturen und (!) Spüldienst nach Schülerversuchen inkl. Vorbereitung und Aufräumen.

    Bei uns wird zum Glück auch nicht darüber abgestimmt, es wird nachgefragt, wie lange die Aufgabe dauert und dann verteilt.

    Vgl. hierzu für NRW die VO zu §93 Abs. 2 SchulG - hier §2 Abs. 5.

    Ich zitiere: aus den VV:
    Die Zuständigkeit für die Verteilung der Anrechnungsstunden im Einzelnen liegt bei der Schulleiterin oder dem Schulleiter. Über die Grundsätze, d.h. den allgemeinen Rahmen, für welche Aufgaben und nach welchen Kriterien die Anrechnungsstunden verteilt werden, entscheidet die Lehrerkonferenz auf Vorschlag der Schulleiterin oder des Schulleiters. Findet der Vorschlag der Schulleiterin oder des Schulleiters nicht die Zustimmung der Lehrerkonferenz, so unterbreitet sie oder er der Konferenz mit dem Ziel der Einigung einen neuen Vorschlag.

    Das Verfahren bei der Verteilung der Anrechnungsstunden sichert die Beteiligung der Lehrerkonferenz in grundsätzlichen Fragen und trägt gleichzeitig der besonderen Verantwortung der Schulleitung für die Bildungs- und Erziehungsarbeit in der Schule Rechnung. Wegen der gemeinsamen Verantwortung von Schulleitung und Kollegium für die Schule ist es auf eine Konsensbildung hin angelegt. Dementsprechend soll die Schulleiterin oder der Schulleiter bei ihrem oder seinem Vorschlag Anregungen der Lehrerkonferenz für die Grundsätze berücksichtigen.

    Die Lehrerkonferenz und die Schulleiterin oder der Schulleiter haben bei ihren Entscheidungen im Rahmen ihres pflichtgemäßen Ermessens die Belastung durch besondere schulische Aufgaben und besondere unterrichtliche Belastungen zu berücksichtigen.
    (Quelle: BASS 2025/2026 - 11-11 Nr. 1 Verordnung zur Ausführung des § 93 Abs. 2 Schulgesetz (VO zu § 93 Abs. 2 SchulG))

    Das Problem ist ja diese "der Laden muss laufen"-Einstellung. Aus Schulleitungssicht ist das nachvollziehbar, es ist ihr Job, den Laden am Laufen zu halten. Aus Sicht der Beschäftigten ist das eine Bankrotterklärung, wenn der "Laden" nur durch massive Mehrbelastung der Kollegen am Laufen gehalten werden kann.

    Eine gute Schulleitung wird hier mit Augenmaß agieren trotz der äußeren Vorgaben. Wenn die Aufgaben bisher allesamt verteilt waren und jetzt "nur" die zusätzliche Bezahlung bei den Beförderungsstellen wegfällt, ist zumindest in diesem Fall keine (zeitliche oder energetische) Mehrbelastung vorhanden.

    Der Laden kann nur dann gut laufen, wenn es dem Kollegium halbwegs gut geht. Insofern ist jede Schulleitung gut beraten, dies als eine der zentralen Aufgaben (und Herausforderungen) zu begreifen.

    Inzwischen kommuniziere ich meinem Schulleiter so etwas sehr deutlich. Er ist Pragmatiker und sieht natürlich, dass es gar nicht anders sein kann. Ich würde mir nur wünschen, dass 1. viel mehr Kollegen das machen würden und 2. dies weiter nach oben (oder außen) kommuniziert würde und so 3. eine kritische Masse an Rückmeldungen über den sehr konkret benannten Qualitätsverfall und seine Gründe bei den Dienstherrn und der Öffentlichkeit ankommt. Reines Wunschdenken natürlich.

    Der Qualitätsverfall ist doch jetzt schon sichtbar, nur speist er sich - noch - aus anderen Quellen und Ursachen. Gleichwohl wird der Qualitätsverfall zu einem heftigen Bumerang, weil dieser früher oder später auch von Eltern und SchülerInnen wahrgenommen wird. Das wird in kleinen Systemen dann schnell zur Existenzfrage. Eine kleine Schule muss ohnehin schon immer mehr strampeln als eine große.

    Ich bin davon überzeugt, dass in der Behörde durchaus das Wissen und das Bewusstsein der Beförderungs- bzw. Besoldungsproblematik vorhanden ist. Dass man ungeachtet dessen aber keine Lösung präsentieren kann oder will, wirkt dadurch umso schlimmer.

    Die Frage ist halt: Verlieren viele Kollegen jeweils ein wenig oder verlieren wenige Kollegen alles? Das ist eigentlich nur die Entscheidung zwischen "schlimm" und "noch schlimmer". ich wäre eher dafür, dass viele Kollegen ein wenig verlieren, also das sie weniger Entlastungsstunden bekommen, um den Kollegen im 1. Beförderungsamt, die durch die A13-Bezahlung als Grundgehalt praktisch alles verlieren, zumindest in Form von Entlastungsstunden ein wenig entgegenkommen zu können.

    Das kannst Du nur mit dem aber nicht über das Kollegium entscheiden und eine solche Entscheidung dürfte eine Menge sozialen Sprengstoff enthalten. Als Schulleitung wäre ich froh, wenn ich ein Kollegium hätte, das so solidarisch ist.

    Und ja, bei uns werden sogar 0,5 Entlastungsstunden verteilt, also 1 Stunde in einem der beiden Halbjahre des Schuljahres. Noch kleiner wird es allerdings nicht zersplittert.

    Wenn man nicht gerade großzügig mit Personal ausgestattet ist, werden die KollegInnen ihre jeweiligen Stundendeputate voll unterrichten. Die Entlastungsstunde wird dann auf das Saldo angerechnet, ob sie dann aber im zweiten Halbjahr in einer Stunde weniger Unterricht mündet, ist nicht garantiert. Bei KollegInnen mit Hauptfächern ist das fast ausgeschlossen. Das Ganze kann dann nur mit einer Entlastung im anschließenden Schuljahr laufen, was je nach UV und Personalsituation auch nicht garantiert ist.

    Die eine Stunde Entlastung macht de facto den Kohl auch nicht fett. Es ist, wenn es schlecht läuft, eine zusätzliche Springstunde im Plan, die Dich nicht sonderlich entlastet und ggf. mit einer Vertretungsbereitschaft gefüllt wird. Es ist somit eine Marginalie.

    Hast du dir meinen Vorschlag bzgl. der Ermäßigungsstunden schon einmal angesehen? Also alle Stunden einkassieren und komplett neu verteilen.

    Habe ich. Aber dadurch verlieren letztlich viele KollegInnen, weil weniger Entlastung auf alle KollegInnen verteilt wird. Wir reden hier selten von drei oder mehr Stunden. In der Regel sind es eine bis zwei. An vielen Schulen geht diese Entlastung fast komplett in die Korrekturentlastung.

    Im Nachhinein war sicher die Forderung "A13 für alle" wenig überlegt, da vergessen wurde, welche Auswirkungen dies auf Arbeitsbelastung, Beförderungen etc. hat - und auch ausgeklammert wurde, wie die Politik diese Forderung (fehl-)interpretieren könnte.

    Das kann man in den beiden anderen Threads dazu diskutieren - sonst wird es wirklich unübersichtlich.

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