Also, liebe Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen, lasst euch nicht so "ärgern". Dass an den Grundschulen ebenso gearbeitet wird wie an den weiterführenden Schulen, sollte doch eigentlich klar sein. Allerdings gibt es im Laufe der Schulkarriere eines Schülers nie wieder so einen "Bruch" wie zwischen Primar- und Sekundarbereich. Und da kann natürlich (wodurch auch immer) an der aufnehmenden Schule dieser oder jener Eindruck entstehen.
Um die kritiserenden Kollegen der Sek I mal in Schutz zu nehmen:
Manchmal wundert man sich schon, warum sämtliche Schüler einer Klasse Zeugnisse mit dem Schnitt 1,0 haben.
Es prallen (gerade beim Übergang von Grundschule auf Gymnasium) zwei völlig unterschiedliche Systeme aufeinander (böse tituliert: Kuschelschule trifft auf Leistungsanspruch).
Viele von "uns" haben vielleicht erst in den letzten Jahren / gerade erst jetzt zum ersten Mal Unterricht in 5. Klassen. War man zuvor in 7. Klassen, ist man einfach schockiert über das, was man da sieht (und fragt sich, wie die jemals das Niveau der bisher bekannten 7. Klassen erreichen sollen).
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Aber realistisch betrachtet:
Gibt es auch an weiterführenden Schulen Kollegen, die strenger oder nicht so streng bewerten. Nur sind Grundschulen oft kleiner, so dass es sich schneller auf einem einzelnen Zeugnis bemerkbar macht, wenn Kollegen den Konflikt mit Eltern scheuen (und dann bekommen die Kinder und deren Eltern den Schock ihres Lebens, wenn in der 5. Klasse zumindest der Unterschied zwischen "Du" und "Sie" als bekannt vorausgesetzt wird).
Sollten wir an den weiterführenden Schulen eigentlich nur neidisch sein auf die Lern- und Arbeitsbedingungen an den Grundschulen (Klassenräume, die groß genug sind, um noch ein Regal hineinzustellen, z.B. für eine Klassenbücherei. Oder sogar eine Lese-Ecke - absolut undenkbar bei uns. Begeistert bin ich ja immer noch davon, dass Lehrkräfte an unseren "abgebenden" Grundschulen einen abschließbaren Medienschrank in jedem Klassenraum haben, um dort einen CD-Spieler unterzubringen (nie wieder "schleppenden" Unterricht! welch ein Traum...) ... (Ich könnte eigentlich noch eine ganze Weile weiterschwärmen ob der (räumlichen, materiellen, personellen) Ausstattung... nun ja. Vielleicht erklärt das auch ein wenig unterschiedliche "Vergleichs-Test-Ergebnisse".)
Sind Schüler, die gerade der Grundschule entsprungen sind, in einem völlig anderem "Entwicklungsstadium" als pubertierende 7.-Klässler. Egal, ob nun im Denkvermögen, in den Ausdrucks- oder Rechtschreibleistungen: Der "Umbau" im Gehirn (und restlichen Körper), der dafür sorgt, dass innerhalb kürzester Zeit aus netten kleinen Kindern Puber-Tiere werden, hat zu Beginn von Klasse 5 noch keine Auswirkungen gezeigt. Deshalb sind z.B. Rechtschreibleistungen insbesondere in den "Sachfächern" miserabel (wir Deutschlehrer werden darauf immer wieder schockiert von den Kollegen angesprochen: Kaum eine Regel wird - selbst beim einfachen Abschreiben von Texten - eingehalten - Rechtschreibleistungen "fangen" sich aber bei der Mehrheit der Schüler bis zur 7. Klasse.
(Interessant auch an der Stelle der Vorwurf an die weiterführenden Schulen seitens einiger Eltern: "Während der Grundschule hat mein Kind gern die Schule besucht und begeistert gelernt - das hat sich als Nachwirkung noch für eine kurze Zeit an der weiterführenden Schule gehalten, aber irgendwann (so ab der 7. Klasse) hat das absolut aufgehört. Was läuft alles falsch an der weiterführenden Schule?" - WIe wäre es mit: "Das ist die Pubertät, da zeigen Kinder auch innerhalb der Familie keinerlei Interesse an irgend etwas..." Aber ich schweife ab...)
Also: Das Letzte, was für uns als Kollegen (über die Schulformgrenzen hinweg) hilfreich wäre, ist ein "gegenseitiges Zerfleischen". Stattdessen ist es doch sinnvoller, allen Kollegen mal die Gelegenheit zu geben, im Unterricht der "Randklassen" (also 3&4 bzw. 5&6) zu hospitieren, um Anspruch im Unterricht, Arbeitsatmosphäre etc., aber auch Ausstattung (und Auswirkungen) mal beobachten zu können...