Beiträge von Susannea

    Susannea, wir tun einfach mal jetzt so als dürftest du den Studiengang "Lehramt Primarstufe" in deinem Bundesland von Grund auf neu konzipieren. Wie würde dieser inhaltlich aussehen?

    Meiner würde vermutlich genau so aussehen, wie er es damals getan hat.
    Erziehungslwissenschaften, Fachwissenschaften, Didaktik, "Nebenfächer" direkt in der Grundschulpädagogik usw. Wir hatten nämlich auch genügend Praxis, nur die Jahrgänge danach nicht mehr ;)
    Einzig bei der Aufteilung sollte man dann evtl. darauf achten, dass es eben nicht funktioniert, dass Biologie Diplom und Lehramt das alles genau gleich machen, weil eben Lehramt noch ein weiteres Fach (Grundschulpädagogik mit den entsprechenden Teilbereichen, bei mir waren es damals dann noch fünf, drei Fächer, allgemeine Grundschulpädagogik und Anfangsunterricht) und Erziehungswissenschaften hat.

    Das hat damals einfach nicht funktioniert und die Leute waren ganz erstaunt, immerhin klappte der Stundenplanbau bei den Diplombiologen doch so reibungslos :autsch:

    Um das bisschen Hochsprung/Gedichtinterpretation/Englischübersetzung/Kunststoffeigenschaften zu vermitteln, muss man doch kein Staatsexamen machen. Das könnten genausogut ein Physiotherapeut, eine Leseratte, ein Engländer und ein Chemielaborant erklären.

    Genau, das könnte doch eigentlich jedes Elternteil.
    Ach, da haben ja viele im Lockdown gemerkt, dass es so einfach dann doch nicht ist. :pfeifen:

    Ich musste übrigens gerade an unsere einzige gescheiterte Quereinsteigerin denken.

    Die ist an der p,q-Formel gescheitert. Und ja, bei Grundschulmathematik (nicht im Hauptfach), denn auch dort geht man davon aus (so wie ich auch), dass man Kindern nicht erklären kann, wie sie Formeln umstellen können/müssen und Werte ablesen bzw. für Variablen einsetzen, wenn sie dazu selber nicht mal in der Lage sind.

    Und gerade weil der Unterricht inklusiv ist, gehört ein großer Anteil des Sonderpädagogik-Studiums mit ins reguläre Lehramt.

    Genau, war bei uns auch so, wir hatten 30 SWS (damals gabs noch keine Credits, sprich 45 Zeitstunden je Woche ein Semester lang), Sozialwissenschaften, Psychologie und Pädagogik inklusive Sonderpädagogik.

    Allerdings sind wir uns hoffentlich alle darüber einig, dass Grundschullehrkräfte (auch ohne höhere Mathematik) ihren Schüler*innen mehr als 2 Seiten im Buch voraus sind.

    Nein, darüber sind wir uns leider nicht einig, denn die Erfahrung zeigt eben, dass das bei einigen nicht der Fall ist. In diverse Fächern.

    Dieser Kompetenzerwerb gehört aber imho viel mehr ins Studium von Grundschullehrkräften als höhere Mathematik, weil die o.g. Kompetenzen die Grundlage der Arbeit sind.

    Dieser Kompetenzerwerb gehört genauso ins Studium, wie höhere Mathematik

    Analysis I Goethe Uni SoSe23 Blatt 5

    Warum genau sollen Grundschullehrer das können?

    Weil sie nicht nur bis Klasse 4, sondern 10 unterrichten dürfen und weil man auch diese Grundlagen braucht um die Notwendigkeiten diverser Dinge in den ersten vier Schuljahren zu erklären.

    Aber wenn man sich einmal überlegt, was unser Dienstherr eigentlich von uns erwartet und fordert, ist das gar nicht mit 43 h die Woche zu schaffen.

    Danke, sehe ich genauso!

    Aber es müssen im Prioritäten gesetzt werden, weil man gar nicht alles schafft. Wenn man aber zu Hause nichts tut, weil man nur Grundschullehrkraft ist, dann hat man einmal das System und die Wichtigkeit der ersten Schuljahre nicht verstanden und auch kein A13 verdient.

    Genau das!

    Es redet doch keiner davon, unstudierte ohne Referendariat als vollwertige Grundschullehrkräfte einzusetzen. Warum muss man in solchen Extremen denken?

    Davon redet niemand außer dir gerade. Aber Grundschullehrkräfte müssen eben in der Regel alle Mathe unterrichten können und da reicht der Oberstufenstoff eben oft als Hintergrundwissen nicht aus.
    Und das sieht man eben in der Praxis.
    Interessant finde ich, dass du über die Praxis redest, die du ja scheinbar gar nicht erleben kannst, weil falsche Schulstufe (achso, jeder von den Grundschullehrkräften darf bis Klasse 10, auch an Gymnasien unterrichten).

    Dass Menschen, die an Grundschulen unterrichten wollen, Analysis I für Mathematiker nicht brauchen und damit überfordert wären, ist weder beleidigend noch ein Wunder.

    Nein, aber Analysis I brauchen sie nunmal und wie gesagt, da sitzen eben auch die Realschullehrer mit drin, was ich erlebt habe, wenn Mathematik das Hauptfach ist (die drei anderen Fächer studiert man in der Grundschulpädagogik und da sind viel mehr Leute dran gescheitert, weil der Schulstoff eben nicht reicht als im Hauptfach) ;)

    Dass Grundschulehrer keine höhere Mathematik können müssen, diese nicht brauchen und ihre Arbeit durch entsprechende Kenntnisse nicht besser wird siehst du doch sicher auch in deiner täglichen Arbeit.

    Hm, also ich behaupte schon, dass die Arbeit besser wird, wenn man die Hintergründe versteht und das man das auch in der täglichen Arbeit sieht, dass die Lehrer die nicht viel mehr als ihre Schüler können und auch nur ein- zwei Seiten im Buch voraus sind schlechteren Unterricht machen und das oft schwieriger zu verstehen ist, als andere, die die Hintergründe verstehen und damit auch anders erklären oder motivieren können.

    Ihr seid etwas abseits deren Einsatz-Gebietes, aber schaut mal nach Circus Phantasia. Der ist hier in OWL quasi der "Platzhirsch". Nachteil: auf Jahre ausgebucht. ;)

    Meine Kinder haben ja alle 4 Jahre auch einen tollen Zirkus mit "Andre Sperlich", aber da machen eben die Artisten das Programm und die Trainer usw.

    Bei uns waren drei Leute vom Zirkus da, die mal geholfen haben, aber wir waren die Artisten bei der Einführungsshow als Kollegium, wir waren 5 Tage lang die Trainer, wir waren die Betreuer, wir waren die Kräfte die den Zirkus (bei uns in der Halle, daher sehr eingeschränktes Angebot) aufgebaut haben, die die heute alles wieder abgebaut haben, aufgeräumt, geputzt usw.

    Wir waren eben einfach die Deppen vom Dienst und jeder Tag eigentlich mit 8-14 Uhr und Samstag 8.30-19 Uhr ist einfach viel viel zu viel, erst recht, wenn man so wie ich 12 Unterrichtsstunden eigentlich hat. Bin zwar erst um 10 Uhr (dafür aber auch nie vor 15 Uhr wieder weg) jeden Tag gekommen, aber trotzdem habe ich damit dann heute schon die 40-Stunden-Woche problemlos voll und Unterricht für nächste Woche ist nicht vorbereitet. Und abrechenbar ist das alles nach Aussage der Schulleitung (im Gegensatz zur Meinung der GEW) alles eben auch nicht.


    Deshalb freue ich mich, dass es endlich vorbei ist.

Werbung