Beiträge von fossi74

    Wenn du anhand der Atteste weißt, wo sie in Behandlung ist, könntest du auch die Therapeutin informieren. Damit bist du aus dem Dilemma raus. Die Therapeutin sollte wissen, wie sie mit der Information umgehen muss. Ich würde gleich dazu schreiben, woher die Info (bezüglich Selbstverletzung und bezüglich Therapie) kommt.

    Die Information der Eltern mag rechtlich korrekt sein, wird vermutlich aber nicht dazu beitragen, dass die Schülerin dir weiterhin vertraut. Zumal die Eltern mit großer Wahrscheinlichkeit Teil des Problems sind.

    Was der SL mit den Klassenarbeiten veranstaltet, ist bekanntlich in Bayern völlig normal und nennt sich "Respizienz", ist aber natürlich auch per Verordnung geregelt. In NRW dürfte das anders sein, so dass mir zumindest dieses Ansinnen der SL auf wackligen Füßen zu stehen scheint.

    Der Rest: Ja, Kontrollwahn mit einem Schuss Unfähigkeit und einer Prise "neue Besen kehren gut". Es hilft wohl nur eines: Überlastungsanzeigen schreiben. Ständig und immer wieder.

    • im Beruf erworbene professionelle Admin-Kenntnisse
    • Erfahrung im Rotstiftmilieu (sorry, der ist nur geklaut aus dem Berufsbezeichnungsthread)
    • jederzeit schickes Auftreten
    • meeting-erprobt
    • führungserfahren mit heterogenen Teams
    • abgehärtet gegenüber jeglichen Kaffee-Küchen-Keimen
    • klagloses Erdulden und hochengagiertes Umsetzen jeglicher Neuerungen (grmpfhihihi)
    • professionelles Handling von Abkürzungen

    You've got a point there. Der Punkt "jederzeit schickes Auftreten" ist sicher diskutabel (ich sag nur "nackte Füße in Trekkingsandalen"...), aber die Hornhaut im Magen entwickelt wahrscheinlich jede Lehrkraft irgendwann. Wobei es ja jetzt oft schon Vollautomaten in den Lehrerzimmern gibt, das relativiert die Sache wieder.

    Bolzbold

    Naja realistischerweise ja nicht. Bereits nach ein paar Jahren im Schuldienst ist man doch fachlich dermaßen verkümmert und hat keinerlei "echte" Arbeitserfahrung, dass man es in der Industrie auch zu nichts mehr bringt.

    Die fachliche Verkümmerung macht doch nichts, das geht einem AN in der Industrie genauso. Du verkennst aber die Qualitäten, die viele Lehrer mitbringen und die für jeden AG hochinteressant sein müssten:

    • hohe Bereitschaft zu Arbeitszeiten außerhalb der Norm (abends, am Wochenende), die außerdem jedes Jahr neu festgelegt werden können
    • Akzeptanz niedriger Gehälter, weil "andere haben ja noch weniger"
    • kaum Interesse an gewerkschaftlicher Organisation oder auch nur an gemeinsamem Auftreten als Team
    • das Bewusstsein, weisungsbefugten Instanzen bedingungslos untergeordnet zu sein und "eh nichts machen zu können"
    • der freiwillige Verzicht auf einem zustehende Rechte, weil "die Arbeit muss ja getan werden"
    • ...

    Man sollte das auf jeden Fall aber sehr gut begründen können als bislang 'normale' Gymnasiallehrerin.

    Eine Schule für Kranke z.B. im Rahmen der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist schon sehr speziell - ich kann mir nicht vorstellen, dass es da Usus ist, einen 'normalen' Gymnasiallehrer einzustellen.

    Eigentlich ist ja alles gesagt, aber jetzt muss der Klinikschulfuzzifossi sich doch mal zu Wort melden: Du irrst. Weder muss eine Bewerbung an der Klinikschule irgendwie begründet werden, noch ist es Usus, keine 'normalen' Gymnasial- oder Realschullehrer einzustellen.

    Wir (KJP-Bereich) haben keinen einzigen Sonderpädagogen - welcher Förderschwerpunkt dürfte es denn auch sein? "Pädagogik bei Krankheit" ist immer mal wieder als neue sonderpädagogische Fachrichtung im Gespräch, ich hoffe auch sehr, dass sie demnächst tatsächlich mal etabliert wird. Vorläufig ist mir mit Lehrkräften anderer Schularten mehr gedient.

    Grundsätzlich ist aber noch eines zu beachten: Der Bereich der Klinikschulen (die offiziell gern anders heißen, hier in BW nennen wir uns kurz und knapp "Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt Schüler in längerer Krankenhausbehandlung") besteht nur zu einem kleineren Teil aus staatlichen Schulen. Dort fest beschäftigt zu werden, ist schwierig. Meist läuft die Tätigkeit an einer staatlichen Klinikschule über Teil- oder Vollabordnungen. Bewerben muss man sich direkt bei den Schulen, die sich ihre Leute gern selbst aussuchen - wegen der speziellen Anforderungen, die eine Kliniklehrkraft bewältigen muss und die sich weder in Examensnoten noch in Beurteilungen ausreichend ablesen lassen.

    Etwas anders läuft es bei den vielen privaten Klinikschulen. Auch dort muss man sich logischerweise direkt bewerben, wird dann aber natürlich auch fest angestellt bzw. als beurlaubter Beamter beschäftigt. (Auch hier kann ich nur für BW sprechen, aber die Möglichkeit der "Beurlaubung in den Privatschuldienst" sollte es auch in anderen Ländern geben. Wie natürlich die Erfolgsaussichten eines solchen Antrags momentan aussehen...?)

    Wer sich das vorstellen kann, dem kann ich aber nur zuraten. Der Dienst an der Klinikschule bringt eine solche Verminderung der administrativen Aufgaben mit sich, dass die fehlenden Ferien praktisch keine Rolle mehr spielen - man braucht sie schlicht nicht mehr, auch wenn der Verzicht darauf zunächst oft unvorstellbar erscheint.

    Ich habe kürzlich mal einem Gaswasserscheixe-Meister erläutert, was bei der Aufstellung von Wärmepumpen oft falsch gemacht wird und wie man diese verbessern könnte. Auf seine irritierte Reaktion hin habe ich ihm dann vorgeschlagen, ihm nicht weiter seinen Beruf zu erklären, wenn er umgekehrt das Gleiche tue. Fand er einleuchtend. Again what learned!

    Ich denke, der Unterschied ist einfach der zwischen berufsbezogenen und eher allgemeinbildenden Studiengängen. "Ich bin Jurist und arbeite als Anwalt" ist einfach gängiger als "Ich arbeite als Lehrer", was - ich wiederhole mich - nach meinem Empfinden eine andere Ausbildung impliziert.

    Naja, man liest das gern mal in so Lifestyle-Magazinen, wenn irgendwelche hippen jungen Leute und ihre ungeradlinigen Lebensläufe vorgestellt werden. "Timothy-Pankratius war schon Bergarbeiter in Australien, Pfirsichstreichler in Italien und Kindergärtner auf Island. Momentan arbeitet er als Lehrer." - Subtext: Und weil er schon ganz viele tolle Sachen auf der ganzen Welt gemacht hat, kann er das natürlich viel besser als diese Cordsakkospießer, die ihr ganzes Leben lang einfach nur Lehrer sind.

    Und ja, genau:

    "Ich arbeite als Leherin" klingt in meinen Ohren nach völlig ungelernt.

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