Die Formulierung "Covid ist jetzt eine Krankheit wie jede andere auch" entbehrt für mich irgendwie der Logik. Was heißt denn "jede andere"? Von simpler Schnupfen über Windpocken und Meningitis bis Ebola wäre da alles dabei. Covid 19 ist eine Krankheit, die uns wohl nicht mehr verlassen wird. Aber wir wissen trotz über 1,5 Jahren mit Corona immer noch recht wenig, z.B. über Langzeitfolgen, Dauer der Immunität nach Impfung. Klar ist Null-Covid illusorisch, aber je höher die Infektionszahlen steigen, desto wahrscheinlicher sind auch weitere Mutationen des Virus, gegen die dann die Impfung vielleicht nicht mehr hilft. Und es gibt im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten, die uns seit Jahrzehnten begleiten, noch keine spezifisch wirksamen Medikamente. Dafür ist Covid 19 / Delta eine der am meisten infektiösen Viruserkrankungen, mit denen wir in Mitteleuropa derzeit konfrontiert sind. Ich finde auch die Parole "Wir müssen jetzt eben mit Covid 19 leben", mit der dann die Pandemie quasi für beendet erklärt und zur Normalität übergegangen wird, problematisch. Eher müssen wir immer noch lernen, wie man mit der neuen Krankheit so leben und umgehen kann, dass wir so weit wie möglich die Infektionen im Griff behalten. Und ich denke auch an die Menschen, die nicht so einfach "mit dem neuen Risiko leben" können, weil es "einfach nur eine Krankheit wie jede andere auch" ist, die nämlich durch Autoimmunerkrankungen keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen, nicht geimpft werden können oder aus anderen Gründen immer noch stärker gefährdet sind. Für die ist "ein weiteres Lebensrisiko" keine Sache, die man einfach schulterzuckend hinnehmen kann.