Beiträge von Eugenia

    Das halte ich für eine gesunde Einstellung, Doppeldaumen hoch!

    Ich bin inzwischen sehr vorsichtig bei Prognosen und Empfehlungen geworden, auch aus eigener Erfahrung. Als ich anfing zu studieren, bekam ich überall gesagt, ich könnte mir ja schon mal einen Taxischein besorgen, weil ich mit Geisteswissenschaften auf Lehramt ohnehin arbeitslos würde. Als ich mit dem Studium und Referendariat fertig war, rissen sich die Schulen plötzlich um meine Fächerkombi. Später machte Hessen massiv Werbung für Mangelfächer, auch Schüler von mir wählten danach ihre Fächer aus - und stehen jetzt auf der Straße, weil nicht eingestellt wird. Als ich Abitur machte, galten BWL und Jura als "sichere Bank", als meine Mitschüler dann fertig waren mit dem Studium dieser Fächer, sah das wieder ganz anderes aus. Ich rate jedem Schüler, sich über den Stand des Arbeitsmarktes zu informieren. Wer Geisteswissenschaften studiert, sollte sich bewusst sein, dass er es evtl. schwerer haben wird, sofort eine feste Anstellung zu finden. Aber ich habe auch ehemalige Schüler, die mit Einfallsreichtum, frühzeitiger Orientierung und Praktika im Studium und sehr guten Studienleistungen auch in den Geisteswissenschaften ihren Arbeitsplatz gefunden haben. Und zwar nicht als Möbelpacker oder -monteur. Ich finde auch die Stärkung der MINT-Fächer wichtig, aber im Moment sehe ich da wieder einmal die für unser Schulsystem so typische Einseitigkeit. Gefördert wird nur noch, was auf den ersten Blick "berufsrelevant" erscheint, die Geisteswissenschaften kämpfen zunehmend gegen eine Abwertung, wie ich sie leider auch hier im Forum lese. Damit wären wir dann wieder bei der guten alten Frage, was gymnasiale Bildung soll - meiner Meinung nach eben nicht nur "Skills" für die Wirtschaft liefern. Ich bin auch der Auffassung, dass leider einige, die in die Geisteswissenschaften gehen, das als "Notlösung" nehmen (nach dem Motto "ich kann Deutsch - studier ich doch mal Germanistik"). Das hängt aber nicht daran, dass dem in der Schule zu viel Bedeutung zugemessen wird.

    Das Schlimme zu meiner Schulzeit war auch, dass die Lehrer da auch schlicht nicht erkannt haben, dass Schüler Informationen darüber brauchen, welche Fächer nur in der Schule wichtig sind, und welche Fächer auch gute Berufschancen ergeben und gefragte Qualifikationen darstellen. So wurde eine Schülerin bei uns, die ebenfalls ein 1er Abiturdurchschnitt hatte, von einer Deutschlehrkraft sogar noch ermutigt ihrem Impuls Theaterwissenschaft zu studieren zu folgen. Und das, obwohl sie auch in Naturwissenschaften sehr gute Noten und Interesse hatte. Noch heute ärgert sie sich, dass sie nicht Pharmazie studiert hat, wie sie auch erwägte.
    Ebenso ein Schüler mit Politikwissenschaft, der jetzt auch ziemlich in die Röhre guckt.
    Wir als Lehrer haben also auch eine große Verantwortung, als MINT-Lehrer die Schüler zur Orientierung in diesen Fächerbereich zu ermutigen, und als Geisteswissenschaftlicher Lehrer Schüler vor ihrem Fächerbereich zu warnen und Alternativen aufzuzeigen. Auch so etwas kann Einfluss auf die Bewerberzahlen der verschiedenen Fachbereiche haben.

    Also sollte ich als Geisteswissenschaftler frühzeitig damit anfangen, den Leuten klarzumachen: "Das ist ein Fach, das braucht ihr nie wieder - lernt lieber was anderes!"??? Ich warne doch keinen vor meinem Fachbereich, was nicht heißt, dass ich durchaus, wenn ich gefragt werde, die Problematik am Arbeitsmarkt darstelle. Oder sollte ich mir vll. auch klarmachen, dass man nur für den Beruf zur Schule geht und Bildung sich am Marktwert misst? Diesen Eindruck habe ich leider zunehmend und er wird in hohem Maße von MINT-Kollegen vermittelt. Ich kenne übrigens ehemalige Schüler, die sowohl Politik als auch Theaterwissenschaften studiert haben und jetzt erfolgreich im Job sind. Besser als dauerhaft frustrierte MINTler. Von daher finde ich Firelillys Forderung "Geisteswissenschaftler, warnt vor euren Fächern! Die braucht man später nie mehr!" ehrlich gesagt anmaßend und unreflektiert.

    Ausschluss von einer Fahrt kann dann erfolgen, wenn ein Kind sich und / oder andere durch sein Verhalten gefährdet bzw. wenn die Mitnahme des Kindes ein zu hohes Risiko darstellen würde. Das geht aber nicht prophylaktisch. Wenn du die Befürchtung hast, dass ein Ausschluss nötig sein könnte, würde ich alle Vorkommnisse, die dafür sprechen, genau dokumentieren, um im Notfall begründet handeln zu können. Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass ESE-Kinder auf Fahrten grundsätzlich pflegeleicht sind oder dass eine Klassenfahrt mit autistischen Kindern ganz problemlos ist. Das kann sein, es kann aber auch gewaltige Probleme geben, da eine solche Fahrt eine soziale Ausnahmesituation darstellt. Ich würde mir erst einmal ein Bild von den genauen Verhaltensauffälligkeiten machen (auch anhand der Akte, die ja irgendwann bei dir landen muss). Die Einschätzung der Eltern ist nach meinen Erfahrungen mit Vorsicht zu genießen. Vll. sehen sie die Problematik - vielleicht erklären sie aber auch, dass das schon gutgeht, weil sie möchten, dass ihr Kind eben auch Fahrten mitmacht. Das Risiko trägst letztlich du und du musst das auch entscheiden.

    Also ganz ehrlich, diese Diskussion nimmt hier für mich schon etwas seltsame Züge an.

    1. Natürlich haben auch Lehrer, wie alle anderen Arbeitnehmer, pünktlich zum Dienst zu erscheinen. Andernfalls gibt es die Möglichkeit zu Sanktionen von Seiten des Dienstherrn, allerdings kenne ich persönlich keinen Schulleiter, der bei einmaliger unverschuldeter Verspätung ein Fass aufmachen und mit der dienstrechtlichen Keule schwingen würde. Anders wenn es sich um einen notorischen Zuspätkommer handelt, aber das ist ja hier nicht der Fall. Dieses insistierende "ja, könnte aber" hat schon etwas "leicht" Pedantisches.
    2. Bei einer solchen Fernreise baue ich schon deshalb einen Puffer ein, weil ich nicht "vom Urlaub in die Schule fallen" möchte, sondern immer etwas brauche, um mich wieder zu Hause einzufinden. Ist aber individuell unterschiedlich, ob man das benötigt oder nicht. Wer Bedenken hat, soll eben einen Tag früher zurückkommen, aber auch da bestehen immer Unwägbarkeiten!
    3. Im Prinzip kann man doch sämtliche Eventualitäten nie einplanen. Der Flug kann gestrichen werden, das Hotel kann abbrennen, der Pass kann verloren gehen, es kann ein Unwetter hereinbrechen, das den Weg vom Flughafen nach Hause blockiert und... und... und. Das weiß auch jeder vernünftig denkende Mensch. Wer ganz sicher gehen will, bleibt eben daheim, wobei auch hier der Weg zur Arbeit nie zu 100% berechenbar ist. In diesem Sinne einen schönen Urlaub und eine gute Heimkehr!

    Männer sind "dringend erforderlich", man ist aber nicht gewollt dafür etwas zu tun, sondern die müssen halt zusehen wie sie in die besten 15% kommen.

    Also ganz unabhängig vom Geschlecht halte ich die berufliche Befähigung für ein sehr wichtiges Kriterium. Nach dem Motto vorzugehen "Der Bewerber hat zwar ein schlechteres Examen, aber er ist ein Mann und wird deshalb bevorzugt eingestellt", wäre für mich fragwürdig. Bei allen Quotenregelungen müsste zumindest gleiche Qualifikation der Bewerber vorliegen, bevor über eine Quoteneinstellung nachgedacht würde. Ja - auch Männer müssen zusehen, dass sie unter die besten 15% kommen. Genau wie Frauen in allen anderen Bereichen, in denen sich unterrepräsentiert sind. Dass Frauen oder Männer nur deshalb eingestellt würden, weil sie eben Frauen oder Männer sind, ohne Rücksicht auf die Vorleistung, wäre für mich fragwürdig. Nebenbei hat meiner Meinung nach Trantor recht: Männer sind nicht deshalb so wenig in Grundschulkollegien vertreten, weil sie nicht bevorzugt eingestellt werden, sondern weil sie prozentual deutlich weniger Interesse an diesem Bereich des Bildungswesens haben - wenig Prestige, weniger Gehalt spielen hier sicher eine Rolle, neben anderen Faktoren.

    Das dürfte nicht "vor allem" gelten, sondern bestenfalls "auch". Und dann bleibt noch die Frage, wofür das ein Argument sein soll. Objektiv erbringen Eltern eine (bestimmte!) Leistung von höchster gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Objektiv tun Menschen ohne Kinder dies nicht.
    Es ist vielleicht hart, das zu akzeptieren, und daraus ergibt sich natürlich keine automatische Lösung für Regelungen am Arbeitsplatz. Aber es ist doch fraglich, ob Intentionen hier entscheidend sind.

    Das soll gar kein Argument für etwas sein, aber ich kenne mehrere KollegInnen, denen es inzwischen massiv ans Eingemachte geht, wenn sie bei Vertretungen / Stundenplänen / Klassenfahrtsbegleitungen etc. permanent aufs Brot geschmiert bekommen, sie könnten das ja problemloser machen, weil sie keine Kinder / keinen Partner haben. Das sind nämlich auch Fragen, die das engste Privatleben betreffen und daher machmal - auch in diesem Thread - schon mit etwas mehr Sensibilität behandelt werden können. Was diese Kollegen vll. sonst von gesamtgesellschaftlicher Relevanz leisten (Pflege von Angehörigen, Ehrenamt, weiteres privates Engagement...), fragt und weiß meist keiner. Ach doch - sie bemühen sich auch redlich, die Kinder zu verantwortungsvollen Mitmenschen und Bürgern zu erziehen, um die sich einige der gesamtgesellschaftlichen Höchstleister, die uns ihre Sprösslinge anvertrauen, nicht immer unbedingt in wünschenswertem Maße bemühen. Und damit meine ich ausdrücklich nicht die frühe Entscheidung für eine Kinderbetreuung, die hier für mich teilweise erschreckend abgewertet wird, sondern den zunehmenden Mangel an Erziehung, mit dem Kinder zu uns an die Schule kommen. Von daher wäre mein Anliegen: Kinder sind wichtig für unsere Gesellschaft und Eltern sollen wo es geht unterstützt werden - aber eine permanente Moralkeule oder Benachteiligung und Abwertung Kinderloser löst das Problem nicht, sondern tut nur unnötig Gräben auf.

    Es ist für mich ein Unterschied, ob in sensibler Weise nach Lösungen gesucht wird, die Eltern mit Kindern das Leben etwas erleichtern, oder ob mit dem Holzhammer vorgegangen wird, wie hier im Eingangspost beschrieben. Zu alias möchte ich Folgendes sagen:

    1. Nicht alle kinderlosen Kolleginnen und Kollegen sind Doppelverdiener, die das Geld mit vollen Händen für Luxus zum Fenster hinauswerfen. Solche Aussagen sind ebenso unverschämt wie Gezetere gegen Eltern mit Kind. Ich habe z.B. eine ganze Reihe Kollegen, deren Ehegatten zur Zeit arbeitslos sind oder die Angehörige pflegen und dafür aufkommen müssen oder die selbst durch Gesundheitsprobleme erhebliche Kosten haben. Man kann jetzt natürlich immer sagen, dass das mit Kind noch belastender ist, aber dieses dauernde Aufrechnen halte ich für wenig sinnvoll.
    2. Das "seid doch froh, dass meine Kinder eure Rente zahlen" ist für mich auch eine Floskel, die ich nicht mehr hören kann. Natürlich funktioniert unser Rentensystem nach dem Generationenvertrag, man sollte aber auch daran denken, dass gerade Single oder Ehepaare ohne Kind, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, im Alter noch viel mehr auf ihr vorher selbst erarbeitetes Einkommen angewiesen sind als Menschen mit zahlreichen Angehörigen, die - so hart es ist - im Notfall vom Staat zur Kasse gebeten werden. Natürlich brauchen wir Kinder für die Zukunft unseres Staates, aber man kann auch nicht dauernd pauschal auf Kinderlose eindreschen, weil diese unsolidarisch keinen Beitrag zum Rentensystem leisten würden. Diese zahlen nämlich auch - und zwar nicht zu knapp.
    3. Kinderlosigkeit ist nicht unbedingt zwingend freiwillig-egoistische Entscheidung, auch daran sollte man einmal denken. Für mich klingen einige der Posts hier aber arg danach.
    4. Solidarität mit und Rücksichtnahme auf Eltern mit Kinder sind für mich unabdingbar, gerade auch im Beruflichen. Leider vermisse ich aber oft im Alltag und insbesondere in solchen Diskussionen hier die Sensibilität dafür, dass auch kinderlose Kollegen teilweise erhebliche Probleme und Lasten anderer Art im Privaten schultern müssen, die man oft gar nicht kennt.

    Grüße Eugenia

    Kenne solche Fälle auch und kann nur Friesin zustimmen: du bist nur zu einem Teil für die Zukunft eines Schülers verantwortlich.

    "Eltern können offenbar machen, was sie wollen...". Ja, zu einem gewissen Grad können sie das. Es ist ihr Kind und wenn sie nicht gegen Gesetze verstoßen oder das Kind misshandeln, haben wir da keinen Einfluss. Das ist so. Im Grunde kannst du nur die Fehlzeiten dokumentieren, der Schulleitung das Problem vorstellen, den Schulpsychologen hast du ja schon involviert. Wenn die Schulleitung den Amtsarzt nicht einbezieht, kannst du eig. nur abwarten.

    "Ich möchte handeln, ich möchte das was passiert, ich möchte Verbesserung, ich möchte aufdecken, was bei vielen zu Hause schief läuft...." Kannst du ebenfalls nur bedingt. Und das ist auch nur sehr bedingt deine Aufgabe. Du bist kein Sozialarbeiter!

    Natürlich arbeite ich mit einem Schulbuch. Begründung:

    1. Kopien kosten Geld und es ist wenig sinnvoll, die Schüler permanent mit Zetteln zu überschütten, die dann meist ohnehin irgendwo verschlampt werden.
    2. Ich arbeite Vollzeit. Für jede Stunde ohne Bücher das Rad neu zu erfinden, ist völlig unökonomisch und zeitlich nicht leistbar.
    3. Wenn ich einmal krank bin, kann ich problemlos der Vertretungskraft Seiten im Buch übermitteln, mit denen sie weitermachen kann. Auch kranke Schüler brauchen nicht mühsam Material zu organisieren, sondern haben ein Buch, auf das sie zurückgreifen können.
    4. Werden Sprachenklasse neu zusammengemixt, ist es verheerend, wenn Kollegen das Buch links liegen gelassen haben und nur ihr eigenes Süppchen gekocht haben. Gerade in Sprachen ist es in der Mittelstufe unerlässlich, auf eine gemeinsame Basis zurückzugreifen. Sei es wegen der Grammatiksukzession, sei es wegen des Vokabulars, das beherrscht werden soll.

    Ich hatte Gott sei dank auch vernünftige Ausbilder, die der Auffassung waren, dass ein Schulbuch eine gesunde Basis des Unterrichts bildet, auf die man bitte auch zurückgreifen sollte. Dass das immer durch weiteres Material ergänzt wird, ist klar. Ich erlebe es oft, dass in der LMF von Schulen endlose Massen an Büchern versauern, die teuer gekauft und dann nicht verwendet wurden, weil Kollegen das Buch nicht ideal fanden. Da hilft nicht grundsätzlich Verzicht auf Bücher, sondern Augen auf bei der Lehrwerksauswahl. Es gibt nicht das ideale Buch. Es gibt aber auch nicht das ideale selbst erstellte Material.

    Allerdings ist es schon erschreckend, wie massiv in den letzten 10 Jahren die Rechtschreibfähigkeit der Schüler nachgelassen hat. Inzwischen ist es fast die Regel, dass in der Eingangsklasse der Oberstufe bis zu 50% der Schüler Punkteabzug wegen sprachlicher Mängel bekommen. Und die Zahl der Förderkursschüler im Lese- und Schreibbereich steigt auch stetig an. Woran liegt das?

    @ Plattenspieler: das ist alles richtig, aber ich kenne selbst aus meinem Studium und auch danach mehrere Fachdidaktiker, die zwar das Referendariat gemacht haben, aber nach diesen 2 Jahren kaum noch selbst praktischen Bezug zur Schule hatten. Das ist für mich zu wenig! Die Begleitung von Praktika durch die Hochschule ist ein spezielles Thema, bei dem nach meinen Erfahrungen leider oft viel im Argen liegt.

    Ich finde die Forderung gar nicht so populistisch. Außerdem bestehen durchaus Unterschiede zu Lehrern in einer Altenpflegeschule. Der Unterricht in Berufsfachschulen ist meiner Erfahrung nach stark praxisorientiert und ergänzt die praktischen Ausbildungsabschnitte. Lehrer, die an Berufsschulen berufliche Fächer unterrichten, haben selbst einen engen Bezug zum Fach. Hochschullehrer in [lexicon='Pädagogik',''][/lexicon] haben aber z.T. noch nie selbst vor einer Klasse gestanden und oft schon jahrelang keine Schule mehr von innen gesehen, erstellen Konzepte aufgrund von Theorien und verlieren leider auch manchmal den Bezug zum schulisch wirklich Machbaren. Die Erfahrung mit Praktikanten habe ich auch schon mehrfach gemacht - v.a. schicken uns die Unis immer häufiger Studierende ins Praktikum, die gerade mal ein Semester hinter sich haben und selbst vor Mittelstufenklassen fachlich versagen! Die sind dann extrem erstaunt und manchmal regelrecht beleidigt, wenn man sie darauf hinweist, dass es nicht geht, wenn sie 5x in einer Stunde fachliche Fehler vor der Klasse machen, die dann auch wieder ausgebügelt werden müssen.

    @ chemie77: Nein, wir bekommen für die Mehrarbeit am Wochenende während Klassenarbeiten keinen Ausgleich. Auch sonst nicht bei Zusatzveranstaltungen außerhalb der regulären Dienstzeit. Eine absolute Minderheit von Kollegen, darunter auch mehrfach ich selbst, sprechen das immer wieder an, allerdings wird man von der Fraktion, die Mikael sehr treffend schildert und zu der bei uns auch der Personalrat gehört, überrollt. Die Schulleitung vertritt ebenfalls diese Linie. Die hohe Tendenz zur Selbstausbeutung mag bei uns auch mit dem recht jungen Kollegium zusammenhängen, die noch nicht voll verbeamteten Kollegen beschweren sich zwar hinter vorgehaltener Hand auch, v.a. wenn sie kleine Kinder haben. Aber offen traut sich kaum einer den Mund aufzumachen, weil sie, wie man dann als Antwort bekommt, Konsequenzen für ihre Lebenszeitverbeamtung oder für künftige Beförderungen fürchten. Außerdem ist bei uns der Anteil der Teilzeitlehrer extrem hoch und ich habe den Eindruck, dass diese z.T. eine Sondermaßnahme nach der anderen vorschlagen nach dem Motto "das schafft man doch locker noch nebenher. Das wäre doch auch schön und wichtig für die Schüler." Mit Vollzeit sieht das schon anders aus. Hinzu kommen viele Zusatzprojekte, um befördert zu werden, die dann auch Kollegen involvieren. Ich finde diese Lage auch nicht gut, aber die Einzelkämpferposition kostet enorm Kraft und Nerven und macht bei uns ganz schnell zum Außenseiter.

    Bei uns stehen solche Fahrten übers Wochenende sogar im offiziellen Fahrtenprogramm der Schule, beschlossen von der Gesamtkonferenz, Fahrt geht 7 Tage, muss also zwangsläufig auch das Wochenende beinhalten. Ich sehe das im Prinzip genauso wie Mikael, aber das Kollegium in der Mehrheit begreift diese Fahrten als unantastbar, da kann man kaum etwas dagegen ausrichten.

    1. Nein, das ist keine Dienstaufsichtsbeschwerde wert und rechtfertigt sie auch nicht.
    2. Die Klausurtermine für das nächste Halbjahr, das nächste Woche beginnt, haben wir auch noch nicht und das ist normal bei uns. Da gerät keiner in Panik oder droht mit der Keule. Zum Schuljahresbeginn hatten wir die Klausurtermine auch erst nach ca. 2,5 Wochen und es brach deshalb nichts zusammen.
    3. Klausurenpläne sind ein undankbares Geschäft, es kommen immer mal Fehler vor und irgendwer beschwert sich jedes Mal. Dann wird geändert, z.T. ist das manchmal sogar recht kurzfristig im Halbjahr nötig, wenn z.B. Kollegen ausfallen oder Sondertermine unvorhergesehen dazukommen. Trotzdem klappt es immer, dass die Klausuren auch geschrieben werden, nach dem Grundsatz Nr. 1 im Lehrerberuf: Flexibilität.

    Deshalb ein Rat: du scheinst relativ neu an der Schule zu sein. Du verlangst perfekte Klausurplanerstellung, die es dort wohl nicht gibt. Die anderen Kollegen sind offenbar weit davon entfernt, wegen der Probleme, die du siehst, ein Fass aufzumachen. Und da erwägst du allen Ernstes eine Dienstaufsichtsbeschwerde?! Ich würde mal tief durchatmen und die Erkenntnis beherzigen, dass im Schulbetrieb eben manches nicht so läuft, wie man sich das perfekt vorstellt. Ist schade, aber wahr. Ein Anrecht auf perfekte Klausurenpläne hat man nun mal nicht. Man kann dieses Problem höchstens in einer Fachkonferenz Biologie ansprechen, aber sonst würde ich da nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.

    :D Immer diese Mystifizierung des Lehrerberufes! Ich sehe mich keineswegs als "berufen", Lehrer zu sein, aber glaube, den Beruf eigentlich ganz gut zu machen, obwohl es nicht mein ursprünglicherTraumberuf war, und in der Regel bin ich mit meiner Wahl auch nicht unzufrieden. Die Formulierung "Berufung" gehört für mich in den religiösen Bereich. Lehrer ist ein Beruf. Warum fragt man das eigentlich nie Bankangestellte oder Landwirte, ob sie sich denn auch genug berufen zu ihrer Tätigkeit gefühlt haben?

    Ich persönlich habe auch noch niemanden kennengelernt, der tatsächlich am Lehrerberuf als solchem "zerbrochen" ist, vll. sollten auch derartige Formulierungen mal kritisch hinterfragt werden. Manche Leute sind sicher den Anforderungen nicht gewachsen, fühlen sich überfordert oder werden deshalb sogar krank und scheiden deshalb aus dem Dienst aus. Mit mangelnder Berufung hat das aber in der Regel nichts zu tun.

    Wenn dich der Beruf interessiert: mach ein Praktikum, wie hier schon empfohlen, überprüfe, wie du dich vor einer Klasse fühlst, sprich mit erfahrenen Kollegen, die dir ungeschönt Pro und Contra dieser Tätigkeit schildern können. Viel Erfolg!

    Ich glaube durchaus, dass da etwas dran ist: Eltern, die fast täglich oder mehrmals wöchentlich in der Schule sind und dort ehrenamtlich mitarbeiten, könnten dadurch bestärkt werden, sich auch intensiver in andere Belange einzumischen. Allerdings hängt es meiner Meinung auch davon ab, wie der Einzelne "gestrickt" ist. Meine Mutter arbeitet z.B. als Grüne Dame ehrenamtlich sehr intensiv in einem Krankenhaus bei der Patientenbetreuung mit. Es käme ihr aber nie in den Sinn, deshalb den Arzt oder den Schwestern in ihre Arbeit hineinzureden oder sich aufzuführen, als gehöre ihr das Krankenhaus! Und im schulischen Bereich hatten wir schon viele sehr aktive Eltern, die aber sehr wohl wussten, dass die Schule nicht ihnen "gehört" und nicht permanent für sie verfügbar sein muss.

    Was diese Diskussion auch zeigt: Schule funktioniert mit der genannten Masse an Zusatzangeboten und Events nur mit erheblicher Selbstausbeutung von Eltern und Lehrern. Und der Schulträger baut z.T. auch darauf, dass Lehrer eben die Räume streichen. Was wenn nicht? Bleibt der Raum eben ungestrichen und die Eltern würden vll. irgendwann den für mich einzig richtigen Schritt unternehmen: Ihre Forderungen der Politik gegenüber stellen!

Werbung