Das halte ich für eine gesunde Einstellung, Doppeldaumen hoch!
Ich bin inzwischen sehr vorsichtig bei Prognosen und Empfehlungen geworden, auch aus eigener Erfahrung. Als ich anfing zu studieren, bekam ich überall gesagt, ich könnte mir ja schon mal einen Taxischein besorgen, weil ich mit Geisteswissenschaften auf Lehramt ohnehin arbeitslos würde. Als ich mit dem Studium und Referendariat fertig war, rissen sich die Schulen plötzlich um meine Fächerkombi. Später machte Hessen massiv Werbung für Mangelfächer, auch Schüler von mir wählten danach ihre Fächer aus - und stehen jetzt auf der Straße, weil nicht eingestellt wird. Als ich Abitur machte, galten BWL und Jura als "sichere Bank", als meine Mitschüler dann fertig waren mit dem Studium dieser Fächer, sah das wieder ganz anderes aus. Ich rate jedem Schüler, sich über den Stand des Arbeitsmarktes zu informieren. Wer Geisteswissenschaften studiert, sollte sich bewusst sein, dass er es evtl. schwerer haben wird, sofort eine feste Anstellung zu finden. Aber ich habe auch ehemalige Schüler, die mit Einfallsreichtum, frühzeitiger Orientierung und Praktika im Studium und sehr guten Studienleistungen auch in den Geisteswissenschaften ihren Arbeitsplatz gefunden haben. Und zwar nicht als Möbelpacker oder -monteur. Ich finde auch die Stärkung der MINT-Fächer wichtig, aber im Moment sehe ich da wieder einmal die für unser Schulsystem so typische Einseitigkeit. Gefördert wird nur noch, was auf den ersten Blick "berufsrelevant" erscheint, die Geisteswissenschaften kämpfen zunehmend gegen eine Abwertung, wie ich sie leider auch hier im Forum lese. Damit wären wir dann wieder bei der guten alten Frage, was gymnasiale Bildung soll - meiner Meinung nach eben nicht nur "Skills" für die Wirtschaft liefern. Ich bin auch der Auffassung, dass leider einige, die in die Geisteswissenschaften gehen, das als "Notlösung" nehmen (nach dem Motto "ich kann Deutsch - studier ich doch mal Germanistik"). Das hängt aber nicht daran, dass dem in der Schule zu viel Bedeutung zugemessen wird.