Hallo,
gegen diese Referate in letzter Sekunde sprechen für mich ganz gravierende Fakten:
1. Wenn ich einem Schüler ermögliche, seine fehlenden Leistungen im Schuljahr, die er selbst zu verantworten hatte, durch ein solches Referat zu kompensieren, muss ich diese Möglichkeit allen eröffnen, da sonst Ungleichbehandlung vorliegt. Andere Schüler reagieren auf diese Notrettungsreferate meiner Erfahrung nach auch sehr allergisch, da sie sie zu Recht als unfair ansehen.
2. Referate bergen immer die Gefahr, dass der Schüler sie eben nicht selbst verfasst hat. D.h. es entsteht leicht der Eindruck "Ich muss ja das Schuljahr über nichts tun, am Schluss lasse ich mir noch schnell mal ein Referat geben, bastele das mit Hilfe der Eltern oder anderer Personen peppig zusammen und habe so ein bequemes Jahr gehabt."
3. Die Frage ist auch, wann diese Referate denn gehalten werden sollen - auf jeden Fall geht dafür Unterichtszeit drauf und hängen bleibt von den leider oft doch recht dünnen Vorträgen bei den anderen in der Regel kaum etwas.
Etwas ganz Anderes ist es, wenn ein Schüler lange gefehlt hat, ich weiß, dass er massive Probleme hatte, die er selbst nicht zu verantworten hat etc. Einen generellen Notanker am Schuljahresende halte ich aber für klar verfehlt und sage das auch zu Beginn immer mehr als deutlich. Wenn ein Schüler zwischen zwei Noten steht oder eine knappe Notenentscheidung Grund für eine Nichtversetzung / ein Durchfallen sein könnte, sehe ich zu, dass meine Entscheidung immer möglichst wasserfest begründbar ist und mache mir besonders intensive Gedanken dazu. Allerdings muss man auch einmal sagen, dass die Kandidaten, die am Ende mit der Aussage kommen "Wenn Sie mir den Punkt nicht geben,falle ich durch!" ja nicht nur wegen dieses einen Punktes in Schwierigkeiten stecken, sondern rundum Probleme haben, die letztlich ebenfalls absehbar waren! Man fällt in der Regel nicht Knall auf Fall und total unerwartet durch!
Eugenia