Echt? Kannst Du das sagen ohne den Grund für den Studienabbruch zu kennen?
Es gibt natürlich noch andere Gründe, warum ein Studium abgebrochen wird (Studium ist zu unpraktisch, falsche Vorstellungen vom Studium, Finanzierung des Studiums, etc.). Es bleiben trotzdem 30-50 % übrig, die das Studium abbrechen, da die Anforderungen aus ihrer Perspektive zu hoch sind oder sie sich nicht mit dem Studienfach identifizieren können.
Ich denke auch nicht, dass die Schule hier das Hauptproblem ist. Schulen bereiten natürlich unterschiedlich auf das Studium vor. Bei der Bandbreite an Wünschen der verschiedenen Fakultäten, was Schülerinnen können müssen, ist es auch schwierig, alles abzudecken. Wenn man hier ansetzen würde, müsste man massiv in den Mathekursen differenzieren (mehr Stochastik/ Statistik für die eine Gruppe, mehr Analysis/ Differenzialgleichungen für die andere Gruppe, mehr Beweiswerkzeuge und grundsätzliche mathematische Gedankengebäude für die dritte Gruppe und so weiter).
Ich vermute auch stark, dass Abiturienten heutzutage nicht weniger wissen als frühere Generationen. Das Wissen an sich hat sich geändert. Abiturienten heute könnten bestimmt nicht die Abituraufgaben von vor 30 Jahren lösen, umgekehrt wird das auch so sein. Ob das Teil des Problems ist, weil sich die Unis nicht weiterbewegt haben oder Schulcurricula nicht angepasst wurden?
Meine Erfahrungen als ehemaliger Tutor und Dozent an der Uni sind, dass viele Studenten an den überfrachteten Erwartungen der Mathematikvorlesungen und Tutorien scheitern. Es gibt auch noch zu viele Professoren die knallhart aussieben, ohne Blick auf die Fähigkeiten der ankommenden Studentinnen. Wie du auch festgestellt hast, ist die Diskrepanz zwischen Mathematik in der Schule und der Uni immens groß. Ob es besser wäre auch schon mehr Abstraktheit und vertiefende Gedankengebäude in die Schule zu bringen? Ich bezweifele es.
Auch Vorkurse, die oft nur 4 Wochen dauern, können nicht alle gewünschten Defizite aufholen. Es wäre wünschenswert längere Eingewöhnungsphasen an der Uni einzubauen, in denen man die Kluft zwischen Schulmathematik und Unimathematik überbrücken könnte.