Beiträge von chilipaprika

    Hast du es jemals durchgezogen? Ich glaube, ich kenne nur einen Fall.
    Abgesehen davon finde ich es produktiver, dem Schüler jeweils zu zeigen, wo es hapert ("Gib dir Mühe, Konjunktiv I zu benutzen", "Variiere deine Verben, nutze Bildungssprache"... ), aber ja, bei Einigen (Vielen) ist es eh vergebene Liebesmühe, weil sie sich die einzelnen Zeilen des EWH auch nicht anschauen.
    Mir geht es nicht grundsätzlich ums Bestrafen, sondern ums Fördern, aber solange es nicht weh tut, scheint es die zu Fördernde wenig zu interessieren :(

    Wer verfasst denn bei euch den Erwartungshorizont? Ich dachte immer, dass das originäre Aufgabe einer Lehrkraft ist. Zudem gibt es doch ein paar Kategorien der KMK, gegen die auch NRW nicht immun ist, AFB I-III etwa. Und so grundsätzlich, wenn Lesen, Verstehen und Einordnen des Textes für eine 5 reicht, sollte das doch auch okay sein. Irgendwo muss es auch eine spanne zwischen 3, 4 und 5 geben, oder?

    Die Erwartungshorizonte der Abschlussprüfungen werden vom Land vorgegeben.
    und danach sollen wir uns auch richten. Ich kann doch nicht sagen "Rechtschreibung und Sprache können eine komplette Notenabstufung bedeuten", wenn es im EWH nur ein paar Pünktchen sind. Ich kann nicht sagen "Textverständnis und Wiedergabe sind nur 10% der Inhaltspunkte" oder "Wer keine einzige Theorie richtig nennt, kriegt eine 6" (ist eh egal, in 90% der Fälle stehen eh die Theorien im EWH.)
    Ich würde behaupten, 90% meiner Klausuren sind schwieriger / strenger als die Abschluss-EWH. Aber nur zu einem bestimmten Grad. Es ist ja nicht zu rechtfertigen, dass jemand eine 5 bekommt, der beim Abi-EWH eine 3 hätte. Das ergibt sich einfach dadurch, dass ich auch dem Rechnung trage, dass die SuS nur 6-8 Wochen Stoff zu lernen haben, zu 100% das Aufgabenformat vorher wissen, usw... Da ist es wirklich fast sicher, was kommt.

    Ich habe aber auch die "falschen" Fächer, da glaubt eh jede*r, mitreden zu können (außer Französisch, da brüstet sich jede*r mit schlechten Leistungen und es gibt sie auch entsprechend). Und auch wenn es mir nicht gefällt, wenn die SuS nicht gerade erzählen, dass die Spinne sich in die Nachtigall verliebt hat (Weil im Gedicht eine Spinnerin beim Mondlicht den Nachtigallgesang lauscht), (bzw. SELBST DANN), dann gibt es immer genug Punkte, die "richtig" sind. Irgendeine Metapher erkannt, oh surprise, entdeckt, dass es ein Gedicht der Romantik ist (Reihe zur Romantik) und wie der Autor heißt (steht drunter). Oder vorschlagen, sich mit dem Kind zu beschäftigen und eine Aktivität zu machen (AFB III), ist ja in Päda bei einem Fallbeispiel nie ganz verkehrt .. usw..

    Ich habe schon Aufsicht in Mathe geführt (Abitur).
    Ich hatte Mathe nur bis zur 10. Klasse und es ist 30 Jahre her, ich kam (nur mit dem hilfsmittelfreien Teil) auf eine Punktzahl, die so nah an der 5minus war, dass ich auch kaum verstehen kann, wer eine 5 oder 5 minus schaffen kann (ich verstehe aus Gründen die Aufgaben nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass es nicht überall 1-2 Punkte gibt, die man bekommt, wenn man regelmäßig da war).

    Aber in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften glaubt jede*r, was sagen zu können und die EWH sind natürlich nicht so konzipiert, dass man die 4 erst bekommt, wenn man alles wissenschaftlich durchdrungen hat. Also reicht oft das Lesen des Textes für Pünktchen, usw..

    Mich wundert was anderes: warum ist es Kris24 möglich, 0 Punkte zu erteilen, Kolleg*innen aus anderen Bundesländern jedoch nicht?

    Wir drehen uns immer um den Punkt (also von dir als Kritik / Impuls / Hinweis, was auch immer), aber bitte hab Vertrauen, dass das, was KuK aus anderen BL sich aus gutem Grund nicht mit dem decken, was du in deinem BL / an der Schule deiner Kinder erlebst.
    Und guck mal auf die Rangliste bei PISA, IQB und co und ... tadaaa ... merkst du irgendwas?
    Es ist in den meisten Fächern NICHT möglich, mit den uns zur Verfügung stehenden Erwartungshorizonten, eine 6 zu vergeben. NICHT MÖGLICH bedeutet nicht, dass wir alle super lasch sind und am liebsten die 4 dafür vergeben, dass jemand angetreten ist.
    (und zusätzlich dazu: Es macht doch einen wesentlichen Unterschied, ob jemand Chemie / Mathe korrigiert oder Englisch / Geschichte. Nicht nur, weil die Erwartungshorizonte ganz anders sein können, aber auch weil ein Schüler, egal, wie schlecht er ist, in Englisch, Geschichte, Politik, ... niemals ein leeres Blatt abgeben würde. Ich kann mir aber vorstellen, dass es bei einzelnen Aufgaben in Chemie, Mathe oder Physik der Fall ist.

    Und manch einer wird vielleicht feststellen, dass die gefühlte Arbeitszeit nicht an die eigentlich zu leistende von 46 Wochenstunden (NRW, BK) heranreicht. Jede Woche 46 Stunden zu schlackern, ist ne Hausnummer. ICH schaffe das selbst als Mitglied der erweiterten SL nicht immer.

    Das glaube ich tatsächlich auch.

    Ich auch nicht, würde ich auch nie schaffen, auch nicht mit VZ-Kondition.
    und dafür arbeite ich aber auch in sehr vielen Ferien vor (und nach). Ich habe durchaus KuK, die im Sommer komplette 6 Wochen frei machen und in den kleinen Ferien (logischerweise) auch einen Gang runterfahren.
    ABER: Mich stört es nur, wenn einige (!), durchaus auch schulformfremde, oder nur ein Fach in zwei-drei Stufen unterrichtende Personen ohne Elternarbeit, vermutlich auch ohne Aufsichten und außerunterrichtliche Aktivitäten, sich über Grundschul- oder Sek1-Bildersucherei lustig machen und glauben, DA die Lösung des Problems gefunden haben.
    Dass Kollegien geschlossen gegen Aktionismus oder für effizientere pädagogische Arbeit eintreten sollten, tja, fände ich auch gut...

    Ja

    Zitat

    sollte man

    Aber wir müssen ehrlich sein und zugeben, dass das System (bisher) so aufgebaut wird, dass es so einfach nicht ist.
    Hier wird oft immer so getan, als sei die entstehende Mehrarbeit nur die eigene Schuld von Perfektionist*innen (in der Regel Frauen).
    Es gibt aber sehr viele Situationen, in denen die Arbeitszeit trotzdem einfach nicht wirklich reicht. Punkt.
    Eine (Co-)Klassenleitung (die die meisten haben), eine Zusatzaufgabe (die fast jede*r hat), Korrekturen und Abschlussprüfungen, eine Fahrt und Wandertage, eine konferenzfreudige Schule oder einfach nur das passende pädagogische Konzept, usw..
    Ja, ich kann an meiner Differenzierung und an meiner Unterrichtsplanung. Aber eigentlich gehören sie auch zu meinen Dienstpflichten. Das heißt, die Priorisieren sollte so gemacht werden, dass ich tatsächlich gegen meine Dienstpflichten / die pflichtbewusste Erfüllung der Dienstaufgaben verstoße. Damit meine ich NICHT die lächerlich gemachte Suche nach dem schönsten Bildchen. Sondern auch die Anpassung der Schriftgröße für das sehbeeinträchtigte Kind, die Wortschatzkästchen für die DaZ-Kinder, die Sprinter-Aufgaben für die besonders guten Kinder, die Wiederholungsaufgaben für diejenigen mit mehr Bedarf, das Elterngespräch zur Beratung, den Besuch des Theaterstücks meiner eigenen Klasse, usw..

    Die Erfassung kann manchen Menschen helfen, dass sie abschalten lernen und Privates und Beruf stärker trennen und sich aufs wesentliche zu konzentrieren und eben nicht mehrere Stunden nach dem perfekten Bild im Netz für das Arbeitsblatt zu suchen.

    Ich würde zwar nur den ersten Teil zitieren und liken wollen, aber das ist trotzdem der Punkt. (Ja, es gibt auch die Perfektionist*innen die zwei Stunden nach einem Bild suchen, aber die gäbe es auch vielleicht in einer Firma, die für eine Präsentation was suchen. Nur durch die Erfassung bzw. festgelegte Arbeitszeit merken sie: Moment, es geht nicht)
    Diese systemisch fehlende Trennung zwischen Privat und Beruf ist sicher eines der größten Probleme in unserem Job und die meisten von uns sind dafür anfällig, egal ob es daran liegt, dass wir nicht vorher 10 Jahre in einem anderen Kontext gearbeitet haben, von der Persönlichkeit her oder weil der Job sowieso kaum anders machbar wird und das "System" immer mehr Aufgaben verteilt, als ob es "normal" sei. Wasser in ein Glas einschenken, das nie überläuft. Magisch. BIS es dann total überläuft. und dann wundern sich Alle.

    Ich finde, es gibt Schlimmeres, als dass sich ein Kind in einem Fach eventuell etwas langweilen könnte. Jeder findet bestimmt ein Fach langweiliger und ein anderes interessanter. Langeweile auch mal zu ertragen und kein ständiges Entertainment zu erwarten, ist auch eine Kompetenz. Eine kleine Langeweile, weil man etwas kann, ist so ein angenehmes Privileg im Vergleich zu Schwierigkeiten und Frust beim Lernen. Da hält sich mein Mitleid für Gelangweilte in Grenzen. Starke Schüler können anderen helfen, Unterrichtsgespräche bereichern und sind oft stolz, etwas schon gut zu können. Die Fächer, die man gut kann, gehören auch ohne oder mit wenig Differenzierung sowieso eher zu den Lieblingsfächern, so meine langjährige Erfahrung; gerade bei Englisch.

    "mal" ist eine Sache.
    aber dauerhaft: eindeutig NEIN!

    Es geht nicht um "Entertainment", sondern um Unterricht und Forderung und das gehört auch zu unserem Auftrag. Da kann man nicht diejenigen Kinder mit Schwierigkeiten gegen diejenigen ausspielen, die es einfacher haben.
    Genau diese Haltung ist eine Katastrophe im deutschen Schulsystem.

    (es heißt NICHT, dass ich Langeweile nicht förderlich finde, oder dass ich der Meinung bin, dass jedes Kind ein eigenes Programm in jedem Fach haben müsste, aber pauschal zu sagen, dass man sich in einem Fach eben langweilt, in anderen nicht, das geht wirklich nicht).

    ich war nie DU. DAS wäre für mich der Super-GAU und es ist ein Großteil der Freude: Ich konnte die Voll-DU abwenden bzw. darlegen, dass ich das Minimum schaffe.
    Jetzt muss ich das "beweisen" (Außer dem Status ändert sich aber für mich nicht sooo viel, ich werde Aufsichten dazu bekommen und bin nicht mehr von Konferenzen befreit, zu denen ich eh schon gegangen bin.. Jetzt bin ich noch mehr an der Entwicklung des TZ-Konzepts interessiert)

    Ich kenne keine einzige Familie, die im Ausland mit ihren Kindern die Landessprache spricht. Die Kinder haben alle viel Kontakt mit Muttersprachlern, zum Beispiel über ihre Nanny und lernen die Sprache manchmal auf diesem Weg. Es geht hier ja nicht ums Auswandern, sondern um einen beruflichen Aufenthalt der Eltern, bei dem die Eltern häufig die Landessprache gar nicht beherrschen.

    woher willst du das wissen?
    Also: Viele, die glauben / behaupten, auszuwandern, kehren zurück. Viele, die sich gar keine Gedanken machen, bleiben länger.
    Gut, spätestens mit einer Eheschließung mit jemandem, der meine Muttersprache nicht spricht, kann man sagen, dass ich ausgewandert bin, aber REAL habe ich nie gesagt "ich bin ausgewandert". Es war halt so.
    Und in der "Auswanderercommunity" gab es ganz viele, denen es so erging, viele, die aber zurückkehrten, oder in ein anderes Land zogen.

    Und ich weiß nicht, wer deine SuS sind, aber ich habe ziemlich viele SuS (von 1. zur 3. Generation), die mit ihren Eltern Deutsch sprechen, OBWOHL die Eltern kein gescheites Deutsch sprechen. (Oft sprechen sie eben eine Mischung, wie man nach Gesprächen rausfindet, anfänglich behaupten sie, beide Sprachen zu sprechen / können).

    Soviel, worüber ich mich freuen kann, komisch, dass ich mich trotzdem überhaupt nicht danach fühle.
    Aber ich "freue" mich gerade, dass mir Post aus der BR gerade zugestellt wurde, mit der Ankündigung der Festsetzung der begrenzten Dienstfähigkeit.
    Ich hoffe, es hilft für eine Zeit.

    und für alle, die hier lesen und missverstehen (möchten?): nein, ich freue mich NICHT, dass ich begrenzt dienstfähig bin. Ich freue mich bzw. bin sehr erleichtert, dass die Einschränkung, die es halt gibt, als solche eingeschränkt wurde.
    Am liebsten hätte ich - lieber gestern als heute - die Einschränkung nicht und eine VZ-Beschäftigung.

    je nach Bildungshintergrund ja.
    Ich kenne mehrere, die das so gemacht haben, dass ein Elternteil die Landessprache gesprochen hat oder nach der Rückkehr weiter.
    Ob man es von den Spracherwerbsmodellen gut findet, mag eine andere Sache sein.
    Ich halte es für möglich, wir wissen auch nicht, wie lange die jeweiligen Eltern in Irland lebten (und ich würde ziemlich sicher Deutsch mit meinem Kind sprechen, auch nach einem Umzug nach Frankreich. Ja, traurig, ist aber so).

    Mein Impuls wäre auch eine Mischung der bisherigen Beiträge. Es hängt so stark vom Kind ab: Ist es ein Kind, das gerne liest? Dann vielleicht eine kleine Langzeitaufgabe mit Kinderbüchern? (Gibt es sowas für Englisch in Anton? Also Leseaufgaben?) Aber auch als teaching assistant (wenn es charakterlich passt), mit der Aufgabe, kein Deutsch zu sprechen, zum Beispiel ...
    Ich habe ein paar muttersprachliche Kinder im Umfeld (tatsächlich auch mit Englisch, bevor die Frage kommt), und es sind sehr unterschiedliche Sachen zustande gekommen. Die größeren Probleme kamen eher in der Sek1 vor, wenn es um die sehr langsame Grammatik ging. Die meisten Grundschulthemen lassen sich viel besser anpassen (Kinderlieder aus der Kitazeit in Irland mitbringen? Kinderbücher aus zuhause mitbringen lassen? Erlebte Tradition und Kultur einbinden lassen?)

    ich glaube, es ist in NRW "einfach so" ;)
    Ich wüsste nichts von einem Ausgleich.
    Da wir in NRW 25,5 Stunden für die 41 Stunden unterrichten und in BaWü wohl "nur" 25 Stunden für einen VZ-Deputat stehen, denke ich: Wir sind effizienter? 🤟

    PS: ja, ich weiß, es wurde eh alles gewürfelt und kein Mensch ist in der Lage zu erklären, warum Deputat oder gar Beamtenarbeitszeit diese Höhe haben.

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